Der Mittelpunkt – auch HalbhochpunktDIN 5008:2020-03 (im Abschnitt „Multiplikationszeichen“). oder Hochpunkt,Mit „Hoch-“ beginnende Schriftzeichen-Bezeichnungen legen nahe, dass das Zeichen an die H-Linie (siehe Liniensystem (Typografie)) angrenzt, siehe z. B. Hochkomma. Dies ist der Fall für das Schriftzeichen U+02D9 ˙ (freistehender Überpunkt), oder für das griechische Satzzeichen Hochpunkt in speziellen Zusammenhängen. Die in der DIN 5008 gewählte Bezeichnung Halbhochpunkt weist hingegen auf die tatsächlich „halbhohe“ Höhenlage gegenüber anderen Schriftzeichen hin. von Schriftsetzern auch Mittepunkt oder Punkt auf Mitte genannt,Franz W. Kuck: Das Tüpfelchen auf dem i. Gebrauchsanweisung für Mikrotypografie. München 2013, ISBN 978-3-8307-1427-9, S. 33. speziell im Zusammenhang mit Leichter Sprache oder gendergerechter Schreibung auch Mediopunkt – ist ein Schriftzeichen, das in Gestalt und Größe dem als Satzzeichen verwendeten Punkt (Satzzeichen) gleicht, jedoch deutlich über der Grundlinie liegt. Im lateinschriftlichen Fließtext liegt er üblicherweise auf etwa halber Großbuchstabenhöhe (Versalhöhe) – also etwa in der Mitte der Schriftzeile (daher die Bezeichnung).
Das Zeichen wird als Rechenzeichen für die Grundrechenart Multiplikation (Malzeichen), außerdem zur Gliederung von Wortfolgen und in einigen Orthografien für spezielle Markierungen innerhalb von Wörtern verwendet; in einigen nichtlateinischen Schriftsystemen auch als Satzzeichen. In der Chemie wird es in speziellen Formeln verwendet. Häufig wird es zur Darstellung ähnlicher Zeichen verwendet, wenn diese (obwohl als eigenständige Schriftzeichen definiert) auf der verwendeten Tastatur oder in der gewählten Schriftart nicht zur Verfügung stehen.
Typografie und Aussehen mini|zentriert|hochkant=3.2|Mittelpunkte in unterschiedlichen Schriftarten, jeweils links davon der dedizierte Unicode-Malpunkt (sofern in Schriftart vorhanden), Punkt und I (zur Markierung der Großbuchstabenhöhe), rechts x (zur Markierung der Kleinbuchstabenhöhe) und der ähnliche, aber fettere Blickfangpunkt (sofern in Schriftart vorhanden).Obere Reihe: Arial, Times New Roman, Calibri, Cambria, Palatino Linotype, Minion Pro, Andron Mega Corpus.Untere Reihe: DejaVu Sans, DejaVu Serif, Linux Libertine, Symbola, Courier New, Consolas.
Der Mittelpunkt folgt in Gestalt und Größe in der Regel dem auf der Grundlinie liegenden Punkt-Satzzeichen. Ist dieses beispielsweise in einer Schriftart quadratisch (wie in der Arial), ist auch der Mittelpunkt quadratisch. In Lateinschrift und verwandten Schriftsystemen kann das Zeichen (bezogen auf das Zentrum der Glyphe) je nach Schriftart zwischen der halben Versalhöhe und der halben x-Höhe (Kleinbuchstabenhöhe) liegen. In Schriften ohne Kleinbuchstaben (beispielsweise Chinesisch, Japanisch oder Runen) steht der Mittelpunkt regelmäßig auf halber Buchstabenhöhe.
Verwendung mini|Römische Grabinschrift (San Silvestro in Capite, ca. 1. Jh. n. Chr.)Paolino Mingazzini: Iscrizioni di S. Silvestro in Capite. In: Bullettino della Commissione Archeologica Comunale di Roma. Band 51, 1923 S. 63–145, hier: S. 97 (Digitalisat)
Markierung von Wortgrenzen Latein In der lateinischen Schriftsprache, die anfangs nur mit Großbuchstaben und ohne Wortzwischenräume geschrieben wurde, diente der Mittelpunkt ursprünglich zur Markierung von Wortgrenzen. Später wurde er durch ein Leerzeichen ersetzt. Auch für andere Schriftsysteme, beispielsweise Runen, war ein Mittelpunkt als Worttrenner in Gebrauch.
Japanisch und Chinesisch Die japanische und chinesische Schriftsprache verwenden den Mittelpunkt, um Wörter, insbesondere fremdsprachige Namen, zu trennen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass in diesen Sprachen üblicherweise keine Trennungszeichen zwischen Wörtern verwendet werden. Beispiele: chinesisch (wēilián·shāshìbǐyà) für „William Shakespeare“ oder japanisch (Furankufuruto·amu·Main) für „Frankfurt am Main“.
Markierung von getrennt zu lesenden Buchstabenfolgen mini|Ladenschild in Barcelona mini|Ersatz durch einen normalen Punkt in einer katalanischen Lokalzeitung
In der Orthografie einiger Sprachen, in denen spezielle Buchstabenfolgen als Grapheme einen einzelnen Laut markieren (wie „sch“ für im Deutschen), wird der Mittelpunkt in solche Buchstabenfolgen eingefügt, wenn die einzelnen Teile getrennt zu lesen sind (analog würde man im Deutschen „Kreis·chen“ (= „kleiner Kreis“) im Unterschied zu „kreischen“ schreiben).
Katalanisch Im Katalanischen wird das Zeichen punt volat (wörtlich „geflogener Punkt“) oder punt alçat („erhöhter Punkt“) genannt. Es wird dort zwischen zwei l (l·l; katalanisch: ela geminada) gesetzt, wenn diese zu zwei verschiedenen Silben gehören, beispielsweise in col·lecció (Sammlung) oder paral·lel (Parallele, auch Name einer Hauptstraße im Zentrum Barcelonas). Dies dient in erster Linie als Hinweis auf die korrekte Aussprache , da „ll“ ansonsten ausgesprochen wird. Der punt volat wird manchmal behelfsmäßig durch einen gewöhnlichen Punkt ersetzt („l.l“).
Gaskognisch Ähnlich unterscheidet im Gaskognischen der Mittelpunkt (punt interior „innerer Punkt“, ponch naut „hoher/oberer Punkt“) die Grapheme s·h [s.h] von sh [ʃ] und n·h [n.h] von nh [ɲ]. Beispiele: castanha [kas'taɲɔ] / in·hèrn [in.'hɛɾ]. floreish [flu'ɾejʃ] / des·har [des.'ha].
Als diakritisches Zeichen (frankoprovenzalisch) Im Frankoprovenzalischen dient ein nachgestellter Mittelpunkt zur Unterscheidung folgender Grapheme: ch· , gegenüber ch j· , gegenüber j g· (vor e, i) , gegenüber g (vor e, i)
Textgliederung mini|Ladenschild in Granada
Der Mittelpunkt kann als typografisches Element zwischen gleichrangigen Wörtern verwendet werden, die ohne zusammenhängenden Satz aufscheinen. Beispielsweise können in einer Zeile dargestellte Adressangaben so gegliedert werden:Friedrich Forssman, Ralf de Jong: Detailtypografie. 2. Auflage, Hermann Schmidt, Mainz 2004, ISBN 3-87439-642-8, S. 186 Erika Mustermann · Mustergasse 67 · 12345 Musterstadt In Werbematerialien, Ladenschildern u. dgl. kann eine solche Zeile auch zusätzlich von Mittelpunkten eingerahmt werden. In solchen Zusammenhängen können auch der Blickfangpunkt oder geeignete Schmuckzeichen statt des Mittelpunktes eingesetzt werden.
mini|Nibelungenlied (3. Strophe) in einer 1994 gedruckten AusgabeAndreas Heusler (Hrsg.): Das Nibelungenlied – Urtext mit Übertragung. Darmstadt 1994, ISBN 3-89350-845-7, S. 6
Versgliederung Der Mittelpunkt kann zur Hervorhebung der Struktur in Versdichtungen eingesetzt werden, beispielsweise zur Trennung von Anvers und Abvers in Nibelungenstrophen.
Mediopunkt Mediopunkt in Leichter Sprache
Leichte Sprache ist eine im Interesse der sozialen Inklusion von Personen mit verminderter Sprachkompetenz und der Barrierefreiheit behördlich anwendbare Sprachvarietät des Deutschen. Die Regeln sehen vor, aus mehreren Wortbausteinen bestehende Wörter (Komposita) durch Bindestrich oder Mittelpunkt zu gliedern (Wortbestandteilgrenzen);Ursula Bredel, Christine Maaß: Ratgeber Leichte Sprache – Die wichtigsten Regeln und Empfehlungen für die Praxis. Dudenverlag Berlin 2016, ISBN 978-3-411-75618-6, S. 73 der Mittelpunkt wird in diesen Regelwerken als „Mediopunkt“ bezeichnet. Die Verwendung des Mittelpunktes sei vorzuziehen, wo die Bindestrichverwendung abweichend von der Standardorthographie ist (wie im Beispiel Rechts-Anwalt), da durch die unorthografische Bindestrichverwendung hier falsche Lernimpulse gesetzt werden. Der Mittelpunkt wird hingegen ohne folgende Großschreibung verwendet (Rechts·anwalt), um so überall dort Lexemgrenzen zu signalisieren, wo ein Bindestrich nicht der Standardorthografie entspricht. In einer Wortzusammensetzung können somit beide Zeichen vorkommen, Beispiel: Leichte-Sprache-Regel·werk.
Mediopunkt in geschlechtergerechter Sprache
Das Handbuch geschlechtergerechte Sprache aus dem Dudenverlag erwähnte im April 2020, dass der Mediopunkt (·) stellenweise als Mittel der gendergerechten Schreibung im Deutschen eingesetzt werde, um bei abkürzenden Beidnennungen neben der sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern auch nichtbinäre Personen einzubeziehen: Student·innen (vergleiche Divers, Soziale Inklusion). Ausgesprochen wird der Mittelpunkt an solchen Stellen als Gender-Pause (Glottisschlag), als ob dort ein Leerzeichen stände: Student innen. Hingewiesen wird darauf, dass die Verwendung des Mediopunkts im Wortinneren nicht Bestandteil der amtlichen Rechtschreibung ist.Gabriele Diewald, Anja Steinhauer: Duden Handbuch geschlechtergerechte Sprache: Wie Sie angemessen und verständlich gendern. Herausgegeben von der Duden-Redaktion. Dudenverlag, Berlin April 2020, ISBN 978-3-411-74517-3, S. 126–127: Unterstrich u. A.: „Schüler_innen, Schüler:innen“.
Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) lehnte im August 2020 in ihren Leitlinien der GfdS zu den Möglichkeiten des Genderings neben Gendersternchen, Unterstrich, Doppelpunkt und Binnen-I auch den Mediopunkt ab: (siehe auch GfdS-Kritik an Genderzeichen).Gesellschaft für deutsche Sprache: Leitlinien der GfdS zu den Möglichkeiten des Genderings. In: GfdS.de. August 2020, abgerufen am 28. August 2020 (erstveröffentlicht in: Der Sprachdienst. Nr. 1–2, 2020). Die Bayerische Staatsregierung nannte 2024 in einer Änderung der Allgemeinen Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaates Bayern (BayAGO) auch den Mediopunkt als nichtzulässiges Zeichen im Schriftverkehr.Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 19. März 2024, Az. B II 2 – G 25/10 - 4 veröffentlicht im GVBl. 2024, S. 56 am 28. März 2024
Mitte 2021 erließ die Schweizer Bundeskanzlei eine Weisung, in der sie auch den Mediopunkt als Genderzeichen für deutschsprachige Texte der Bundesverwaltung ablehnt (Details).
Im Französischen ist der Mediopunkt als Mittel der gendergerechten écriture inclusive („inklusive Schreibung“) seit 2017 offiziell in Ministerien verboten, ab Mai 2021 auch im gesamten Bildungsbereich Frankreichs.Meldung (AFP): Frankreich: Bildungsminister verbietet geschlechtergerechte Sprache an Schulen. In: Der Spiegel. 7. Mai 2021, abgerufen am 7. Mai 2021.
mini|hochkant=1.6|Dezimaltrennzeichen in einem britischen Druck von 1839
Als Dezimaltrennzeichen (britisches Englisch) In älteren britischen Drucken wird als Dezimaltrennzeichen regelmäßig der Mittelpunkt verwendet. In einigen Vorgaben für wissenschaftliche Veröffentlichungen ist dies auch heute gebräuchlich (Stand 2024).
Chemie In chemischen Formeln wird der Mittelpunkt als Trennzeichen zwischen Teilformeln für Einzelmoleküle verwendet, wenn solche Moleküle in festem Zahlenverhältnis eine Substanz (z. B. einen Kristall) bilden. So gibt es neben kristallwasserfreiem Natriumsulfat (Anhydrat) Na2SO4 das Decahydrat Glaubersalz mit 10 Wassermolekülen pro Formeleinheit: Na2SO4 · 10 H2O. Andere Schreibweisen verwenden hier statt des Mittelpunktes das Malkreuz × oder den Kleinbuchstaben „x“. Der Mittelpunkt repräsentiert hier keinen Malpunkt, auch wenn das Zeichen gelegentlich als „mal“ gelesen wird; diese Sprechweise ist in der Chemie nicht allgemein üblich.Siehe dazu die Diskussion zum Thema »Ist „Malpunkt“ eine korrekte Benennung für das Zeichen in Formeln wie „Na2SO4 · 10 H2O“?« in Wikipedia Redaktion Chemie, 13. April 2017, Diskussionsbeitrag „eine kleine Umfrage bei einem Meeting mit Vertretern der GDCh, GÖCh, IUPAC, Redaktion VCH/Wiley und Redaktion Römpp war sich auch völlig uneins, keiner kannte eine Quelle. Immerhin bestätigte mir der Römpp anschließend, dass auch dort der Mittelpunkt mittels Alt+0183 typographisch umgesetzt wird“.
In alten Lexika findet sich durch Mittelpunkte zwischen Teilformeln gegliederte zeilenorientierte Schreibweise insbesondere für organische Kettenmoleküle, etwa CH3·CO·CH3 für Aceton. Sie ist platzsparend und sagt nichts über vorhandene Mehrfachbindungen aus.
Arithmetik Siehe dazu ausführlich unter Malzeichen zu den im Zusammenhang mit Berechnungen üblichen Bezeichnungen.