mini|200px|Büste des Elagabal, Kapitolinische Museen, Rom

Elagabal (* 204 wahrscheinlich in Rom oder Emesa, Syria als Varius Avitus Bassianus; † 11. März 222 in Rom) war vom 16. Mai 218 bis zu seiner Ermordung römischer Kaiser. Als solcher nannte er sich Marcus Aurel(l)ius Antoninus,Die Namensform Aurellius statt Aurelius ist in der späten Severerzeit teils belegt, siehe Werner Eck: Ein neues Militärdiplom für die misenische Flotte und Severus Alexanders Rechtsstellung im J. 221/222. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 108, 1995, S. 15–34, hier: S. 18 Anm. 7. um wie sein angeblicher Vater Caracalla an die Antonine anzuknüpfen. Der Name Elagabal, den der von ihm verehrte Gott trug, wurde dem Kaiser erst lange nach seinem Tod zugeschrieben.

Elagabal gelangte durch eine Militärrevolte gegen seinen Vorgänger Macrinus an die Macht, wobei er sich als unehelicher Sohn des im Jahr 217 ermordeten Kaisers Caracalla ausgab. Während seiner rund vierjährigen Herrschaft machte er sich in weiten Kreisen verhasst. Schließlich war er politisch isoliert und wurde von meuternden Soldaten ermordet. Er hatte keine Nachkommen.

Für die antike und die neuzeitliche Nachwelt wurde der Name Elagabal zum Symbol für Lasterhaftigkeit und Dekadenz der römischen Kaiserzeit sowie verhängnisvolle orientalische Kultureinflüsse. Ein schwerer Konflikt zwischen konservativem Römertum und der syrischen religiösen Tradition, die der jugendliche Kaiser in Rom einführen wollte, überschattete seine kurze Regierungszeit.

Leben Herkunft und Kindheit Elagabal wurde im Jahr 204 wahrscheinlich in Rom geboren. Klaus Altmayer nennt als Geburtsort Emesa in der römischen Provinz Syria. Wie sein Vater übte er von klein auf den Beruf des Hohepriesters aus.Klaus Altmayer: Elagabal. Roms Priesterkaiser und seine Zeit. Traugott Bautz, Nordhausen 2014. S. 10. Er war von mütterlicher wie von väterlicher Seite syrischer Herkunft. Sein Vater Sextus Varius Marcellus, ein aus Apameia in der Provinz Syria stammender römischer Ritter, hatte in Rom unter Kaiser Septimius Severus als Verwaltungsbeamter Karriere gemacht und wurde unter dessen Sohn und Nachfolger Caracalla in den Senat aufgenommen und mit hohen Ämtern betraut. Zuletzt war er Statthalter der Provinz Numidien in Nordafrika. In diesem Amt blieb er bis zu seinem Tod 217.Zur Laufbahn siehe Helmut Halfmann: Zwei syrische Verwandte des severischen Kaiserhauses. In: Chiron 12, 1982, S. 217–235, hier: 226–234. Zum Todesjahr siehe Elagabals Mutter war Julia Soaemias Bassiana, die ältere der beiden Töchter der Julia Maesa, der Schwester der Kaiserin Julia Domna. Julia Domna war die Frau des Septimius Severus und Mutter Caracallas. Somit war Elagabal als Großneffe der Kaiserin kein Nachkomme des Septimius Severus, sondern nur von dessen Schwägerin. Als die männliche Nachkommenschaft des Septimius Severus und der Julia Domna mit der Ermordung Caracallas 217 ausstarb, konnte die von Julia Domnas Schwester abstammende Seitenlinie zum Zug kommen, obwohl sie mit Septimius Severus nicht blutsverwandt, sondern nur verschwägert war.

Elagabals Urgroßvater, der Vater von Julia Domna und Julia Maesa, hieß Iulius Bassianus. Er hatte in Emesa (heute Homs in Syrien) das erbliche Amt eines Priesters des dort verehrten Gottes Elagabal inne. Von ihm stammt der Name Bassianus (wohl abgeleitet von dem orientalischen Priestertitel Basus), den nicht nur Kaiser Elagabal vor seiner Erhebung trug, sondern auch Caracalla und Elagabals Vetter und Nachfolger Severus Alexander.Anthony R. Birley: Septimius Severus. The African Emperor. London 1999, S. 72; Ray Thompson: Elagabalus: Priest-Emperor of Rome. Lawrence (Kansas) 1972, S. 65f.; Barbara Levick: Julia Domna, Syrian Empress. London 2007, S. 14–19. Die Familie des Iulius Bassianus genoss in Emesa höchstes Ansehen, da ihr der Kult der dortigen obersten Gottheit anvertraut war, und verfügte in der Region über erheblichen Einfluss.Martijn Icks: The crimes of Elagabalus. London 2011, S. 50, 54f.; Barbara Levick: Julia Domna, Syrian Empress. London 2007, S. 17f. Überregionale Bedeutung gewannen die Familie und der von ihr gepflegte Elagabal-Kult aber erst infolge der Heirat von Iulius Bassianus’ Tochter Julia Domna mit Septimius Severus, der damals (187) noch nicht Kaiser war.

Die Sippe des Bassianus war wohl arabischen Ursprungs. Anscheinend handelte es sich um Nachkommen der einstigen arabischen Fürsten von Emesa, die dort noch im 1. Jahrhundert n. Chr. als Vasallen des Römischen Reichs regiert hatten.Zu diesem Geschlecht und seinen Nachkommen siehe Richard D. Sullivan: The Dynasty of Emesa. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Band II 8. Berlin 1977, S. 198–219; Richard D. Sullivan: Priesthoods of the Eastern Dynastic Aristocracy. In: Sencer Şahin u. a. (Hrsg.): Studien zur Religion und Kultur Kleinasiens. Band 2. Leiden 1978, S. 914–939, hier: 928–930; Martijn Icks: Images of Elagabalus. Nijmegen 2008, S. 26–32.

Elagabal verbrachte seine Kindheit in Rom am Kaiserhof. Während der Statthalterschaft seines Vaters in Numidien wurde er von seiner Großmutter und seiner Mutter erzogen.Herodian 5,3,3. Seine Lebensverhältnisse änderten sich, nachdem der im Heer beliebte Kaiser Caracalla am 8. April 217 auf Veranlassung des Prätorianerpräfekten Macrinus ermordet worden war. Macrinus, der Caracallas Nachfolger wurde, verbannte Julia Maesa in ihre Heimatstadt Emesa. Zusammen mit ihr mussten auch ihre Tochter Julia Soaemias und ihr Enkel Elagabal den kaiserlichen Hof verlassen. So kam der dreizehnjährige Varius Avitus (Elagabal) nach Emesa. Dort übernahm er gemäß der Familientradition die Würde eines Elagabal-Priesters, die er bis zu seinem Tod beibehielt. Damals soll er durch außergewöhnliche körperliche Schönheit Eindruck gemacht haben. Den Namen „Elagabal“, der dem Gott vorbehalten war, hat er selbst nie getragen und auch von seinen Zeitgenossen nicht erhalten. Die aus falscher Etymologie entstandene Namensform „Heliogabalus“ ist für den Kaiser erst in Quellen des 4. Jahrhunderts bezeugt.Karl Gross: Elagabal. In: Reallexikon für Antike und Christentum. Bd. 4. Stuttgart 1959, Sp. 987–1000, hier: 987; Theo Optendrenk: Die Religionspolitik des Kaisers Elagabal im Spiegel der Historia Augusta. Bonn 1969, S. 5.

Erhebung und Bürgerkrieg Die Verbannung der Julia Maesa erwies sich bald als schwerer Fehler, denn in Emesa verfügte sie über Vermögen und Einfluss und hatte reichlich Gelegenheit zur Agitation gegen Macrinus, der bei den Soldaten wegen seiner Sparmaßnahmen unbeliebt war. Da das Heer Caracalla ergeben war, hatte Macrinus seine Beteiligung an dessen Ermordung verheimlichen müssen. Nun wurde Elagabal als unehelicher Sohn Caracallas ausgegeben. Damit und durch finanzielle Anreize ließ sich eine in der Nähe stationierte Legion, die Legio III Gallica, dazu bewegen, Elagabal am 16. Mai 218 zum Kaiser auszurufen, womit die Rebellion gegen Macrinus begann.Zur Vorbereitung und Durchführung des Aufstands siehe David S. Potter: The Roman Empire at Bay, AD 180–395. London 2004, S. 150f. Elagabal nahm, um seine dynastische Legitimation herauszustreichen, den offiziellen Kaisernamen Marcus Aurel(l)ius Antoninus an, den bereits Caracalla getragen hatte.

Gegen das Lager der Legio III, in dem sich Elagabal aufhielt, gingen Truppen des Macrinus unter dem Befehl des Prätorianerpräfekten Ulpius Julianus vor. Unter ihnen waren Mauren, die zu Macrinus hielten, da er aus ihrer Heimat stammte. Ein Sturmangriff der Mauren auf das Lager scheiterte. Darauf gelang es den belagerten Aufständischen, die Belagerungsstreitmacht zum Frontwechsel zu bewegen, indem sie auf die angebliche Abstammung Elagabals von Caracalla hinwiesen und Belohnungen in Aussicht stellten. Die Belagerer töteten ihre Offiziere und gingen zu Elagabal über, und die Rebellion weitete sich aus. Macrinus, der sich wegen des kürzlich beendeten Kriegs gegen die Parther noch in der Provinz Syria aufhielt, versuchte in Apameia vergeblich, die dort zeitweilig stationierte Legio II Parthica durch großzügige Geldgeschenke und Versprechungen an sich zu binden. Nachdem man ihm den abgeschlagenen Kopf des Ulpius Julianus überbracht hatte, zog er sich nach Antiocheia zurück, und die Legio II schloss sich der Revolte an. Als Truppen Elagabals in Richtung Antiocheia vordrangen, musste sich Macrinus zum Kampf stellen. Den Kern seiner Streitmacht bildete die Prätorianergarde.

Am 8. Juni 218 kam es in der Nähe von Antiocheia zur Entscheidungsschlacht, die Macrinus verlor. Er wurde auf der anschließenden Flucht gefangen genommen und getötet. Elagabals Großmutter und Mutter waren auf dem Schlachtfeld anwesend und trugen nach der Schilderung des Zeitgenossen Cassius Dio wesentlich zum Sieg bei, indem sie in einer kritischen Kampfphase die schon fliehenden Truppen zum Standhalten bewogen. Da es beiden Heeren an kompetenter Führung mangelte, verlief die Schlacht chaotisch.

Herrschaft Nach seinem Sieg machte sich Elagabal auf die Reise nach Rom. Unterwegs kam es zu einem Konflikt mit seinem Erzieher Gannys. Gannys, der zu Elagabals verwitweter Mutter in einem eheähnlichen Verhältnis stand, hatte bei der Organisation des Aufstands gegen Macrinus eine maßgebliche Rolle gespielt. Sein Versuch, auf den jungen Kaiser Einfluss zu nehmen, führte zu einem tödlichen Machtkampf; Elagabal soll Gannys eigenhändig getötet haben.

Erst im Sommer 219 traf Elagabal in Rom ein. In Anbetracht seines Alters übte seine Großmutter Julia Maesa faktisch die Regentschaft aus. Große Schwierigkeiten ergaben sich aber aus dem ausgeprägten Eigenwillen des jugendlichen Kaisers. Schon seine demonstrative Anknüpfung an seinen angeblichen Vater Caracalla brachte ihn in einen Gegensatz zur senatorischen Führungsschicht, die zu Caracalla in Opposition gestanden hatte. Der Senat hatte Caracallas Tod bejubelt und im Bürgerkrieg für Macrinus Partei ergriffen sowie Elagabal zum Staatsfeind erklärt. Manche Münzbildnisse Elagabals zeigen eine zweifellos beabsichtigte Ähnlichkeit mit denen Caracallas und offizielle Dokumente nehmen auf seine fiktive Abstammung Bezug.

Elagabal versuchte sich eine Machtbasis zu schaffen, indem er Männer niederer Herkunft aus seiner Umgebung in hohe Ämter beförderte, was ihm in konservativen aristokratischen Kreisen sehr verübelt wurde.Zur Personalpolitik siehe David S. Potter: The Roman Empire at Bay, AD 180–395. London 2004, S. 152f. Zu diesen führenden Persönlichkeiten seiner Herrschaftszeit gehörte Publius Valerius Comazon, der ursprünglich Tänzer und Schauspieler gewesen sein soll, dann eine militärische Karriere machte, beim Aufstand gegen Macrinus eine wichtige Rolle spielte und schließlich unter Elagabal Prätorianerpräfekt, zusammen mit dem Kaiser ordentlicher Konsul und dreimal Stadtpräfekt wurde.Zu Comazon siehe Martijn Icks: The crimes of Elagabalus. London 2011, S. 13, 15f., 20, 22f., 40, 95f.