Die Geschichte Norwegens vor Harald Hårfagre umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des Königreiches Norwegen von der Urgeschichte bis zur Krönung König Harald I. im 9. Jahrhundert.

Frühere Geschichte Die Besiedlung Norwegens begann nach der letzten Eiszeit etwa im 10. Jahrtausend v. Chr., als Jäger und Sammler dem nach Norden zurückweichenden Eis folgten. Die älteste bekannte feste Siedlung stammt aus dieser Zeit und ist bei Sinavik auf Ringvasøy nördlich der Lofoten entdeckt worden. Damals war das Eis von der Küste bereits zurückgewichen. Es wurden Mammutknochen in Gudbrandsdalen gefunden, die 30.000 bis 40.000 Jahre alt sind. Ob sich in den Interglazialen bereits Menschen dort aufgehalten haben, ist nicht mehr feststellbar; denn die Spuren konnten erst nach der letzten Eiszeit erhalten bleiben. Schon 10.000 Jahre v. Chr. war die äußerste SW-Küste nicht mehr vergletschert. Das endgültige Zurückweichen des Eispanzers von der norwegischen Küste (zirka 300 Meter pro Jahr) ist aber auf die Zeit um 8200 v. Chr. anzusetzen. Um diese Zeit lag der Meeresspiegel auf Grund der im Eis gebundenen Wassermassen etwa 100 Meter tiefer. Der mächtige Eispanzer drückte das Land Zentralskandinaviens nach unten, bis über 800 m an den Stellen der mächtigsten Eispanzer. An der Küste ist die Differenz zu heute geringer, sie reicht von 85 m (weiter innen) bis rund 20 m (weiter außen). Damit waren weite Teile heute besiedelten Landes unbewohnbar. In Südnorwegen war der Druck viel geringer als in Zentralskandinavien, so dass sich das Land dort hob. Mit dem Schwinden des Eises in Zentralskandinavien stieg die Landmasse langsam auf und tut dies bis heute. Die Küstenlinie von damals unterschied sich deutlich von der heutigen. Nördlich von Oslo liegt sie stellenweise 220 m über dem Meer. Anfangs hob sich das Land wohl um anderthalb Meter in 100 Jahren, heute hebt es sich um 25 bis 30 cm in dieser Zeitspanne.Bjerck S. 9

Die frühen Funde Auf Rennesøy im Boknfjord vor Stavanger wurden in einer Grusschicht Steinwerkzeuge (eine Axt und Pfeil-/Speerspitzen) gefunden, die auf ein Alter von 10.000 Jahren datiert werden. Die meisten Werkzeuge bestehen aus Flintstein. Der Platz wurde aber wegen erneut anrückenden Eises verlassen. Eine weitere Fundstätte ist Blomvåg in der Kommune Øygarden in Hordaland mit Artefakten, die auf 10500 v. Chr. datiert werden. Damit ist der Platz der älteste sicher bekannte menschliche Aufenthaltsort in Norwegen. Die technische Ausführung der Stein-Artefakte gleicht der von norddeutschen Funden. Allerdings ist diese Ähnlichkeit so weit verbreitet, dass man nicht ohne weiteres auf eine Verbindung zwischen den Rentier-Schlachtplätzen nordöstlich von Hamburg und den Funden in Südwestnorwegen schließen kann. Der älteste bekannte Wohnplatz in Südostnorwegen liegt bei Rakkestad östlich von Moss in Østfold (zwischen 7600 und 7000 v. Chr.) Damals lag ganz Østfold unter Wasser und nur die Fundstätte auf dem heutigen Berg Høgnipen ragte als Insel heraus. Aber die eigentliche Besiedlung begann 9500 v. Chr. und fand vorwiegend auf Inseln und Schären statt, auf jeden Fall in Wassernähe. Daher wird vermutet, dass das Meer die Nahrungsgrundlage war.Bjerck S. 10 Obgleich die Küste bereits 14000 v. Chr. eisfrei war, hat es doch bis 9500 v. Chr. gedauert, bis der Mensch – dann aber in wenigen Jahrhunderten – die Küste in Besitz nahm. Eine Erklärung dafür wird darin gesehen, dass die Menschen aus dem absinkenden kontinentalen Flachland (südliche Nordsee) einwanderten, wo auf Grund der ungünstigeren Küstenverhältnisse die Jagd mit seetüchtigen Booten später entwickelt wurde. Ohne diese Technik war an der norwegischen Küste aber ein dauerhaftes Überleben nicht möglich.Bjerck S. 13

Obgleich das Meer vor 7000 Jahren etwa 100 m tiefer gelegen hat als heute, war es unmöglich, trockenen Fußes von Dänemark nach Norwegen zu gelangen. Aber man hat Steinartefakte in der Nordsee und auf der Vikingbank gefunden. Sie müssen zur Zeit der Landbrücke zwischen Norwegen und England (Zeit der Weichselvereisung bis 10000 v. Chr.) dort hingelangt sein. Mit Abschmelzen des Eises stieg der Meeresspiegel und überflutete die früheren Siedlungsplätze (Flandrische Transgression 7000 bis 5000 v. Chr.).

Die Bewohner der damaligen Zeit waren offenbar nicht sesshaft, sondern wechselten je nach Saison ihre Wohnplätze.

In Finnland wurden 10.000 Jahre alte Schlittenkufen gefunden, die von der Mobilität der Menschen im Winter zeugen.Olsen S. 75

Die älteste Kultur Die älteste Kultur Südnorwegens, die Hensbakka, wird nach ihrem ersten Fundort auch als Fosna-Kultur oder Fosnakomplex bezeichnet und deren Beginn in das ausgehende 10. Jahrtausend v. Chr. datiert. Sie dauerte von etwa 9000 v. Chr. bis 4500 v. Chr. Der Ort Fosna liegt allerdings bei Kristiansund in Mittelnorwegen. Dort wurde diese Kultur erstmals archäologisch nachgewiesen. Die Funde in Südnorwegen sind späteren Datums. Der Ausdruck „Komplex“ soll andeuten, dass es sich um eine Vielzahl von Einzelkulturen handelt. Diese Kulturen sind an der norwegischen Küste bis Helgeland und an der Ostküste des Oslofjordes bis Bohuslän nachgewiesen. Schwerpunkt war Südwestnorwegen. Es handelte sich um Fischer und Jäger. Als hauptsächliches Wild wurde bislang das Rentier angesehen. Vorwiegendes Material der Artefakte ist Flint. Aber die relativ späte Besiedlung zunächst der an jagdbarem Wild relativ armen Westküste hat an dieser Theorie Zweifel aufkommen lassen. Es sieht so aus, als ob die Fosna-Kulturen an der Westküste überwiegend von der Jagd auf dem Wasser gelebt hätten. Diese Einwanderer folgten also nicht dem Rentier, sondern den Robben.Bjerck S. 13, 17 Feste Gebäude waren die Ausnahme. Ein Grubenhaus, also mit einem ½ m tief eingegrabenen Boden und Torfwänden, wurde bislang aus dieser Zeit entdeckt. Im Gegensatz zu früheren Auffassungen hat man sehr viele steinzeitliche Aufenthaltsorte mit Resten von Feuer und Mahlzeiten auch an Flussläufen und Seeufern gefunden. Im Inland bildete sich keine eigene Kultur aus, vielmehr ist eine starke Bindung an die Küstenregion zu beobachten. Denn im Hochland gibt es keinen Flint. Die Flint-Artefakte müssen also von der Küste stammen.

mini|Felsritzung in AltaDaran schließt sich räumlich im Norden bis zur Halbinsel Kola die Komsa-Kultur an. Sie setzte ebenfalls etwa 9000 v. Chr. ein, und ihre Vertreter werden als die Vorväter der Samen betrachtet. Ihr Name ist vom Komsafjell bei Alta abgeleitet. Es handelte sich ebenfalls um Jäger und Fischer. Hier beginnen auch die Felsritzungen.

Felsritzungen werden in zwei zeitlich getrennte Motivgruppen eingeteilt: Jagdszenen und die späteren Landwirtschaftsszenen.

Die Komsa-Kultur hinterließ bemerkenswerte Felsritzungen, die Jagd- und Tanzszenen oder Prozessionen oder Menschen im Boot wiedergeben. Deren ältester Wohnplatz wurde am Nordkap gefunden und anhand von Holzkohlestückchen mit der C-14-Methode auf 9300 v. Chr. datiert. Man fand Pfeilspitzen, Messer und Schaber zum Glätten von Tierhäuten. Vorwiegendes Material der Artefakte sind Quarz und Quarzit. Die etwas gröbere Ausführung ist nicht auf höheres Alter, sondern auf das Material zurückzuführen. Das Vorkommen von Flint nimmt nach Norden hin ab. Über den Charakter der abgebildeten Boote ist man sich nicht einig. Es können Einbäume oder auch Boote mit Lederbespannung ähnlich den Eskimo-Umiak sein. Allerdings wird gegen die Einbaumtheorie eingewandt, dass zum einen die Bäume in Norwegen im Gegensatz zu Dänemark, wo man einen Einbaum aus der Zeit um 8000 v. Chr. gefunden hat, nicht groß genug waren und dass zum anderen diese Einbäume für die Küstenfahrt ungeeignet gewesen seien.Christensen S. 119 Bislang wurden keine Überreste von Booten aus der Zeit der Felsritzungen in Norwegen gefunden. Man hat nur Bootsreste aus der älteren Eisenzeit gefunden, aber so bruchstückhaft, dass sie sich nicht einem der beiden Bootstypen zuordnen lassen.

Eine Variante der Kammkeramik mit spitzem Boden aus der Zeit um 5000 v. Chr. wurde am Varangerfjord gefunden. Solche Gefäße sind auch von der Halbinsel Kola, von großen Teilen des nordöstlichen Finnland und dem nördlichen Karelien bekannt. Kammkeramik war lange in Nordrussland bis ins Baltikum verbreitet. Das und die in Finnland gefundenen 10.000 Jahre alten Schlittenkufen deuten auf Kontakte zwischen der Bevölkerung in Lappland wahrscheinlich über Zwischenstationen bis in die Ostsee auf einer alternativen Route hin, die die Keramiktechnik nach Finnmark brachte, und nicht über die Route an der norwegischen Küste.

Die archäologischen Zusammenfassungen auf Grund der Artefakte lassen aber nicht den Schluss auf eine gemeinsame Volksgruppe mit gemeinsamer Sprache zu.

Vor 9000 Jahren nahm die Temperatur stark zu. Die Durchschnittstemperatur lag bei 17 bis 19 °C gegenüber heute 15 °C. Mit zunehmender Bewaldung wanderte das bevorzugte und wichtigste Jagdwild, das Rentier, hin zur Meeresküste und hinaus an die Tundra am zurückweichenden Eisrand. Ihm folgten die Jäger. An der Grenze zwischen Rogaland und Vest-Agder liegt weit im Landesinneren der See Store Myrvatn, wo man einen sehr fundreichen völlig intakten Wohnplatz mit Hausfundamenten aus der Zeit von 8800 bis 8600 v. Chr. entdeckt hat. Damals reichte der Gletscher 10 bis 20 km an den Wohnplatz heran.

Spät-Mesolithikum Um 7500 v. Chr., der Spät-Mittelsteinzeit, kamen Äxte aus Diabas auf, die hauptsächlich bei Egersund gefunden wurden.

Um 7000 v. Chr. setzte für 3000 Jahre eine Warmzeit ein. Die Temperatur war etwa 2 bis 3 °C wärmer als heute. Die Landbrücke zwischen England und Norwegen verschwand. Die Rentierjäger mussten den Rentieren ins Hochland nachwandern. Dort sind zirka 1000 Wohnplätze aus der Zeit vor 4000 v. Chr. bekannt. Die Menschen wurden sesshafter. Zwischen 4000 und 2500 v. Chr. war auch Schiefer ein häufig benutzter Werkstoff. In dieser Zeit wurden auch die Grubenhäuser häufiger. Es gibt aber Unterschiede zwischen den bewaldeten Inlandstälern und den Gebirgsgegenden. So wurden in den Inlandstälern Äxte (Nøstvet-Äxte) als normales Handwerkszeug gefunden. Sie fehlen im Gebirge vollständig.Indrelit S. 26. Der Philologe Andreas M. Hansen hat daraus 1904 einen ganzen mesolithischen Kulturkomplex in Südnorwegen herleiten wollen. Da die Kultur aus Schweden eingedrungen sein soll, liegt es nahe, dass ein Zusammenhang mit seiner Rassenideologie im Gefolge seines Vorbilds, des schwedischen Rassekundlers Anders Retzius aus den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts besteht. Denn die höherwertige Rasse sollte aus dem Osten nach Norwegen eingedrungen sein. Heute spricht man zwar noch von Nøstvet-Äxten nach ihrem ersten Fundort im Oslo-Gebiet, aber nicht mehr von einer ganzen Nøstvet-Kultur. Petrick, Norwegen S. 16 geht allerdings noch immer von einer ganzen Kultur aus.

Die Felsritzungen zeigen im Wesentlichen jagdbares Wild und umfassende Jagdszenen. Hauptjagdbeute war das Ren. Dies ergeben nicht nur die Ritzungen, sondern auch die Knochen an den Fundstellen.

In der Warmzeit war die Baumgrenze auch entsprechend höher, etwa bei 1200 m ü. M. Dann wurde es feuchter und in den hohen Lagen breiteten sich Sümpfe aus. Die Baumgrenze sank offenbar um ein paar hundert Meter. Erst um 4000 v. Chr. stieg die Temperatur wieder. Die Änderungen der Baumgrenze zogen Änderungen im Wanderverhalten des Rentiers nach sich und diese auch Änderungen der Jagdgebiete der Menschen. In der Zeit zwischen 5800 und 5000 v. Chr. nahm die Siedlungstätigkeit im südlichen Gebirgsmassiv aus bislang ungeklärter Ursache deutlich ab. Gleichzeitig nahm sie an der Küste deutlich zu.

Anders als die Jäger im Inland spricht alles dafür, dass die Küstenbewohner sesshaft waren. Die reichsten Siedlungsfunde wurden an Stellen mit starker Tideströmung gemacht.Bergsvik S. 30 Sie zeigen auch, dass immer die gleiche Stelle über einen sehr langen Zeitraum verwendet wurde.