mini|hochkant|Statue Franz Carl Guilleaumes am Kölner Rathausturm Felten & Guilleaume, allgemein abgekürzt als F&G bekannt, ist seit 2004 eine Marke der Velatia Anlagentechnik GmbH. Es war lange Zeit ein eigenständiges Unternehmen der Draht-, Drahtseil-, Kabelfertigung und Elektrotechnik mit Sitz in Köln.

Unternehmensgeschichte

Bis 1900 mini|Felten & Guilleaume, 1866 mini|Weltausstellung Paris 1900 mini|Gründeraktie der Felten & Guilleaume Carlswerk AG vom 15. Januar 1900

mini|Alte Wiener Kabeltrommel von F&G Der Ursprung von Felten & Guilleaume liegt im Handwerksbetrieb der Familie Felten: Im Mittelalter gehörte die Familie zur Zunft der Seilereimeister und genoss hohes Ansehen. Die Seile wurden in Schifffahrt und Bergbau eingesetzt. Die Seilerei war in Köln an der Ecke der Straßen In der Höhle und Große Sandkaule zu finden. Anfang des 19. Jahrhunderts heirateten die Felten-Tochter Christina (1788–1853) und Karl Guilleaume (1789–1837), Apotheker und Chemiker aus Denklingen, Sohn des Solinger Notars Christoph Guilleaume (1741–1804).Franz Brill: Guilleaume, Johann Theodor. In: Neue Deutsche Biographie. Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 299 (Digitalisat) Karl wurde bald im Geschäft seines Schwiegervaters Theodor Felten (1747–1827) tätig.

1823 erschien in einer Kölner Zeitung die erste Anzeige unter dem Namen Felten & Guilleaume. 1826 wurde die Seilerei Felten & Guilleaume am Karthäuserwall gegründet. Vier Jahre später wurde die erste Betriebskrankenkasse von Felten & Guilleaume eingetragen. 1838 nahm man die Fabrikation der von Bergrat Albert erfundenen Drahtseile auf und entwickelte sie erheblich weiter; sie wurden aus Kupfer-, Bronze-, Messing- und Aluminiumdrähten erzeugt. Theodor Guilleaume schlug 1850 vor, Telegrafenadern nicht mehr in Gelenkrohren, sondern als Teil von Drahtseilen zu fertigen. Bereits ein Jahr später wurde durch eine von F&G gefertigte Telegrafenader England mit dem Festland verbunden. 1874 eröffnete Franz Carl Guilleaume (1834–1887) unter dem Namen Carlswerk einen weiteren Fabrikationsstandort für die Drahtproduktion im damals noch selbständigen Mülheim. Fahrdrähte, Freileitungsseile aus Kupfer und Aluminium, Freileitungs-Hohlseile, Leitungsdrähte und Starkstromkabel gehörten in den folgenden Jahrzehnten zum Produktionsprogramm. 1876 errichtete F&G das von ihm vorgeschlagene erste unterirdische Telegrafennetz von Berlin nach Halle (Saale) und begann 1883 mit der Fertigung von imprägnierten, hanfisolierten Kupferstarkstromkabeln mit Bleimantel. Fünf Jahre später wurde die erste, 2 × 45 km lange, unterirdische Telefonkabelverbindung hergestellt. Ein Jahr später wurde ein 2-kV-Wechselspannungsnetz für Amsterdam produziert und ausgeliefert. Bis zur Jahrhundertwende wurde eine Reihe von Kabeln für die Stadtbeleuchtung in Dresden, Sankt Petersburg und München gefertigt, aber auch Seekabel für die Inseln Wangerooge und Sylt. In der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku wurden bereits 1900 51 km verseiltes Hochspannungskabel aus der Fertigung von F&G verlegt.

1892 wurde das Carlswerk ein eigenständiges Unternehmen, 1899 in eine Aktiengesellschaft unter dem Namen Felten & Guilleaume Carlswerk AG umgewandelt, die auch bald in Wien und Budapest über Tochtergesellschaften verfügte: die Felten & Guilleaume, Fabrik elektrischer Kabel, Stahl- und Kupferwerke AG, Wien. Im Jahre 1896 erwarb das Unternehmen eine Werftanlage in Mülheim und baute sie bis 1899 aus, um den Ladeverkehr auf dem Rhein in eigener Regie durchführen zu können.Günter Schulz: Die Arbeiter und Angestellten bei Felten & Guilleaume. 1979, S. 101. 1898 fusionierte F&G mit der Lahmeyerwerke AG (Frankfurt am Main) zur Felten & Guilleaume-Lahmeyerwerke AG. Bereits fünf Jahre später trennte sich F&G jedoch wieder von den Lahmeyerwerken und firmierte von da an unter dem Namen Felten & Guilleaume Carlswerk Actien-Gesellschaft. Durch sein Engagement zwischen 1912 und 1919 bei den Hochöfen der Usine Steinfort, die zeitweilig „S.A. des Hauts-Fourneaux et Aciéries de Steinfort“ hießen, kam es zum ersten Kontakt mit dem späteren Luxemburger Stahlkonzern Arbed, der lange Zeit größter Einzelaktionär war. Auf dem Werksgelände bestanden ein Kindergarten und eine Kapelle, über deren Aussehen und Ausstattung sehr wenig bekannt ist. Werke aus der ehemaligen Kapelle befinden sich heute u. a. in St. Johann Baptist in Köln-Höhenhaus.

1900 bis 1945 mini|Felten & Guilleaume Carlswerke A. G. (Logo, 1937) 1904 übernahm F&G das in Konkurs befindliche Unternehmen Heller in Nürnberg, mit der ein ganzes Sortiment an Telefonkabeln und -apparaten erworben wurde, das in den Folgejahren noch kontinuierlich erweitert wurde. Bereits sechs Jahre später wurde aus der Nürnberger Niederlassung das eigenständige Unternehmen Süddeutsche Telefon-, Apparate-, Kabel- und Drahtwerke A.G. das über die später weltweit bekannte Telegrammadresse TeKaDe verfügte. 1910 wurde der ehemalige Finanzminister in der Regierung des Großherzogtums Hessen, Feodor von Gnauth, Generaldirektor.Gnauth, Feodor von. In: LAGIS: Hessische Biografie; Stand: 15. April 2021. 1921 wurde mit dem Bau von Zwischenverstärkern begonnen, der später um praxistaugliche Verstärker für Tonfilmkinos erweitert wurde. 1934 begann TeKaDe mit der Produktion von Rundfunkgeräten und hatte 1936 bereits einen Fernseher mit Braunscher Röhre entwickelt. Der mit einer neuartigen Rechteck-Bildröhre von Telefunken bestückte „Volksfernseher“ (Einheits-Fernseh-Empfänger E 1) wurde gemeinsam mit anderen Unternehmen der Rundfunkindustrie entwickelt und im Sommer 1939 auf der 16. Großen Deutschen Funk- und Fernseh-Ausstellung in Berlin präsentiert. Er sollte zu Weihnachten des gleichen Jahres auf den Markt kommen, jedoch verhinderte der Beginn des Zweiten Weltkrieges die Serienproduktion. Für die Post wurden große Mengen Fernsprechkabel und Verstärker benötigt, die bei TeKaDe in Nürnberg hergestellt wurden.

F&G genoss auf dem Gebiet der – unter der Markenbezeichnung F&G Neptun vertriebenen – Seekabel schon früh einen hervorragenden Ruf. 1899 gründete F&G gemeinsam mit der Deutsch-Atlantischen Telegraphengesellschaft ein gemeinsames Unternehmen in Nordenham, die Norddeutschen Seekabelwerke (NSW), in denen 1904 das 7.993 km lange Guttapercha-isolierte Seekabel produziert wurde, das mit den Kabellegern „Podbielski“ und „Stephan“ von Greetsiel und Borkum über die Azoreninsel Faial nach New York verlegt wurde und damit den europäischen und den amerikanischen Kontinent mit dem ersten Telefonkabel verband. F&G stellte auch das erste unterseeische 25-kV-Hochspannungskabel von 5 km Länge für den Öresund her, das bereits 1914 verlegt wurde. Elf Jahre später wurde ein weiteres Seekabel durch den Öresund gezogen, das Höchstädterkabel, das bereits eine Spannung von 50 kV transportierte. Wegen des großen Know-hows bei der Seekabelfertigung beteiligte sich Siemens 1931 an den NSW. Zwischen 1932 und 1935 entwickelte NSW Kabelmäntel aus Polystyrol-Kunststofffolien, die in Extrusionstechnik appliziert wurden.

Darüber wurde die Drahtseilfertigung keineswegs vernachlässigt. Bereits 1903 lieferte F&G die Seile für die erste Drahtseilbahn der Schweiz, den Wetterhorn-Aufzug. In Mülheim entstand 1910 ein eigener Hochofen unmittelbar am Rhein, der von dort mit den notwendigen Rohstoffen versorgt werden konnte. 1929 produzierte F&G die Tragseile der Mülheimer Brücke, zwölf Jahre später auch für die Rodenkirchener Brücke. 1940 wurden Seile für die Materialseilbahn Boliden–Kristineberg, die längste Seilbahn der Welt mit 96 km Länge in Schweden hergestellt.

Die Weltwirtschaftskrise ging an F&G genauso wenig vorbei wie an der übrigen Industrie: Verfügte F&G 1929 noch über eine Belegschaft von 17.000 Beschäftigten, wurden 1931 nur noch 9.000 Beschäftigte gezählt.

1936 wurde Eugen Schürer (* 1876) Teil des Vorstandes. Er war seit 1901 Ingenieur bei F&G und hatte dort einen schnellen Aufstieg hingelegt. Er äußerte sich im Vorstand wiederholt kritisch gegenüber dem NS-Regime und dem Umgang mit der jüdischen Bevölkerung. Außerdem gab Schürer Informationen von ausländischen Radiosendern weiter. Dafür wurde er 1943 zu zwei Jahren Zuchthaus wegen "Abhören ausländischer Sender" und "Nachrichtenverbreitung" verurteilt. 1944 wurde er todkrank entlassen und starb wenige Wochen später mit 69 Jahren.

Im Rahmen seiner Diversifizierung in die Rohstoffe und Vorprodukte pachtete F&G 1936 die Bleierzgrube Wohlfahrt in Rescheid, ließ eine moderne Flotationsanlage einbauen und im östlichen Grubenfeld eine neue Sohle einrichten. In fünf Betriebsjahren konnten gerade einmal 1.000 Tonnen Blei erzeugt werden; die Grube wurde bereits 1941 trotz der Autarkieabsichten der Nationalsozialisten wieder stillgelegt. Unter dem Namen Land- und Seekabelwerke AG firmierte ein weiteres Werk in Köln-Nippes unmittelbar neben der Franz Clouth Rheinische Gummiwarenfabrik AG (den späteren Clouth Gummiwerken), die zusammen mit der Papierfabrik GmbH vorm. Brüder Kämmerer, Osnabrück, ebenfalls zum F&G-Konzern gehörten. Hier wurden wichtige Vorprodukte der eigenen Kabelfertigung erzeugt.

F&G gehörte bis in die 1970er Jahre neben Siemens & Halske und AEG zu den führenden Unternehmen der Telekommunikationsbranche. Am 7. April 1920 gründete Siemens & Halske zusammen mit AEG und F&G unter Beteiligung der Deutschen Reichspost ein Gemeinschaftsunternehmen zum Ausbau des Fernkabelnetzes, das den Namen Deutsche Fernkabel Gesellschaft (DFKG) erhielt. Schon 1942 isolierte F&G Fernsprechkabel mit Polyethylen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde 1944 ein Teil der Produktion in ein für die alliierten Bomber möglichst schwer erreichbares Gebiet in Österreich verlegt, beispielsweise wurde die Herstellung elektrischer Spulen nach Eugenia bei Schrems im niederösterreichischen Waldviertel verlagert. Die Produktion in Köln wurde am 6. März 1945 infolge der schweren Kriegsschäden und wegen des kriegsbedingten Mangels an Arbeitskräften eingestellt.

1945 bis 1968 Nach dem Krieg ging der Geschäftsbesitz im Ausland und in der sowjetischen Besatzungszone verloren. Doch da die Zerstörungen im Carlswerk in Köln-Mülheim vergleichsweise gering waren, begann der Wiederaufbau bereits ab Juni 1945 und so wurde 1946 ein 110-kV-Druckkabel für die Hamburger Elektrizitätsversorgung gefertigt. In Österreich zog das Tochterunternehmen 1948 nach Schrems-Eugenia um und nahm die Produktion von Pupinspulen für die Wiederherstellung des Telefonnetzes auf, die auch in Köln gefertigt wurden. Im selben Jahr konnten die Drahtseile für die Donauhängebrücke bei Passau geliefert werden. 1949 wurde hier die Fertigung von Schutzschaltern aufgenommen, die schnell wuchs. Im nächsten Jahr trat F&G mit dem ersten Hochfrequenz-Energiekabel an den Markt. Ein 63-kV-Kabel für Ägypten wurde 1952 produziert. Weitere Starkstromkabel für Casablanca und Belgisch-Kongo folgten im selben Jahr. Stahlseile für Brücken und Seilbahnen in Jamaika, Venezuela, den USA und Italien wurden hergestellt, aber auch die Kölner Seilbahn vom Kölner Zoo nach Köln-Deutz erhielt Stahlseile von F&G. Das ursprünglich auf dem Gebiet der Drahtseilbahnen tätige Kölner Unternehmen Pohlig-Heckel-Bleichert AG wurde in den Konzern integriert. 1966 wurden die Drahtseile der mit 4.566 m Länge längsten Seilschwebebahn der Welt für die Rittner Seilbahn in Bozen, Südtirol geliefert. Das Geschäft mit Eisen, Stahl, Draht und Seilen wurde 1968 an den Mehrheitseigentümer Arbed verpachtet.

1953 wurde ein vielbeachteter Messepavillon nach den Plänen von Oswald Haerdtl auf dem Messegelände in Wien errichtet.

1957 wurde ein eigenes Entwicklungszentrum für Niederspannungsschaltgeräte in Wien-Döbling gegründet. So wurde hier und in Schrems der heute noch verwendete Fehlerstromschutzschalter unter der Leitung des Physikers Gottfried Biegelmeier erfunden. Der Exportanteil wurde kontinuierlich gesteigert und erreichte bis 1998 einen Anteil von 67 %.