Ein Teppich (über das Romanische wie volkslateinisch tapetum/tapeta und altgr. τάπης tápēs verwandt mit persisch täftan, ‚spinnen‘Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Aufl., hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 777.) ist ein textiles Flächengebilde von begrenzter Abmessung, das geknüpft, gewebt, gewirkt oder getuftet sein kann und meist gemustert ist. Während in Europa heute unter Teppichen fast ausschließlich textile Bodenbeläge verstanden werden, bezeichnet der Begriff im Nahen Osten (Orient) bis heute alle Arten von flachen Textilien, die zum Bedecken von Wänden (die späteren Tapeten), Tischen und Fußböden dienen. Aber auch in Teilen Baden-Württembergs und im Süden von Rheinland-Pfalz werden auch Decken, z. B. Woll- oder Bettdecken, als Teppich bezeichnet. Nach dem Format unterscheidet man Vorleger, Brücken und Läufer; als flächendeckende Varianten entstanden im 20. Jh. zusätzlich der Teppichboden (Auslegeware) und die Teppichfliese.

Die Kunst- und Kulturwissenschaften unterscheiden meistens Orientteppiche von Teppichen europäischer Produktion.

Orientalische Teppiche mini|Der Pasyryk-Teppich, Eremitage, St. Petersburg

Geschichte Die Herstellung von Flachgeweben, und damit auch Teppichen, ist in den Anfängen der menschlichen Kultur zu suchen. Geflochtene Gegenstände, meist aus Weiden, können bereits in der frühgeschichtlichen Zeit des Menschen nachgewiesen werden. Flechtvorgänge dienten zur Verbindung von beweglichem Material. Flechten wird demnach als Vorstufe des Webens angesehen und war immer Teil des nomadischen und bäuerlichen Alltags; die dabei produzierten Flachgewebe dienten ausschließlich dem Eigenbedarf. So war beispielsweise die ursprüngliche Verwendung eines Hatschlu die einer Eingangstüre zur Jurte. Auch geknüpfte Teppiche finden sich in nomadischer Kultur, beispielsweise die Meschgin.

Der älteste bekannte Nachweis eines geknüpften Teppichs ist der Pasyryk-Teppich aus einem im Permafrostboden konservierten Grab im Pasyryktal im Altai-Gebirge (Südsibirien), an der Grenze zur Äußeren Mongolei. Man geht davon aus, dass er um 500 v. Chr. wahrscheinlich in Westasien entstanden ist. An ihm erkennt man bereits alle Merkmale des Orientteppichs.

Um 330 v. Chr. brachte Alexander der Große erstmals Orientteppiche von seinen Asienfeldzügen mit ins Abendland. Da Teppiche aus vergänglichem Material gemacht sind, gibt es nicht viele historische Artefakte, an denen sich die Entwicklung der Muster rekonstruieren ließe.

Weil es nur wenige erhaltene Teppiche aus dem frühen 15. und 16. Jahrhundert gibt, ist man im Bereich der Teppichgeschichte stark von bildlichen Überlieferungen abhängig. Eine wichtige Informationsquelle dafür ist die Architektur. Die Architekten des Orients haben sich für die Mosaik­muster auf ihren Bauten von den Teppichen inspirieren lassen und die Muster so in einer viel dauerhafteren Form für die Nachwelt konserviert, beispielsweise in der Ornamentik von Fassadenmosaiken. Auch auf vielen Gemälden der damaligen Zeit lassen sich die Ursprünge und die Wandlungen der Knüpfkunst und des Zeitgeschmacks studieren. Durch eine große Liebe zum Detail beim Festhalten von Alltagsszenen oder bei der Auftragsmalerei bekannter Adelshöfe wurden so auch Teppiche mitgemalt. Daher ist es uns heute möglich, die Entwicklung der türkischen (osmanischen) Teppichknüpferei zu dokumentieren.

Hier sind vor allem die Maler Domenico Ghirlandaio, Hans Holbein und Lorenzo Lotto zu erwähnen. Ihnen verdanken wir die Überlieferungen der sogenannten „Ghirlandaio-Teppiche“, der „Holbein-Teppiche“ und der „Lotto-Teppiche“. Vor allem die Muster der „Holbein-Teppiche“ finden sich noch in den heutigen Knüpfungen der sogenannten Afghanen wieder.

Provenienzen mini|links|hochkant|Kelim mit modernen Motiven aus Afghanistan mini|Teppichknüpferinnen in China, Bezirk Hotan Im Teppichhandel hat sich der Begriff ‚Provenienz‘ für die Bezeichnung der Herkunft eines Teppichs durchgesetzt. Der Orts- oder Landschaftsname des Orientteppichs ist die Herkunftsbezeichnung bzw. Provenienz, die zugleich auch eine Qualitätsbezeichnung ist, da die einzelnen Orte und Gebiete ihre eigene Tradition in Bezug auf Gestaltung und Qualität haben. Orientalische Teppiche werden in Indien, im Iran oder der Türkei angefertigt. Sie kommen aber auch aus dem Kaukasus, aus Pakistan und Afghanistan. Des Weiteren kommen Teppiche heute aus China, Nepal und der Mongolei sowie aus Japan; ebenso sind die sogenannten Berberteppiche der Maghreb-Staaten zu erwähnen. Auch wurden in verschiedenen europäischen Ländern im 19. Jahrhundert Orientteppiche hergestellt, z. B. in Deventer/Holland; heute werden sie noch in Kroatien und Rumänien gefertigt.

Orientteppiche zeichnen sich durch ihre manuelle Herstellung und ihre Musterung aus, die auf dem Prinzip der Flächendekoration beruht. In der Darstellung unterscheidet man zwischen floralen, figuralen und geometrischen Mustern. Daneben gibt es die kleinen (ca. 50 × 80 cm), nahezu in allen Teilen der islamischen Welt hergestellten und immer gerichteten Gebetsteppiche.

Wirk- und Knüpfteppich Orientalische Teppiche werden entweder gewirkt oder geknüpft.

Wirktechnik Der orientalische Wirkteppich, genannt auch Bildteppich, ist geschichtlich und technisch der Vorläufer der europäischen Bildwirkerei. Seiner Bedeutung nach dient er als Wandverkleidung, und nur die gewöhnlicheren Arten dienen z. B. als Diwandecken, sogenannte Kelims. Gewirkte Teppiche werden häufig, da sie in einer der Bildwirkerei ähnlichen Technik gefertigt werden, irreführenderweise auch „gobelinartige Teppiche“ genannt. Ihre richtige Bezeichnung ist Wirkteppich. Sie bilden ein glattes Gewebe, dessen Kette aus Leinen- oder Baumwollgarn durch einen dicht angeschlagenen wollenen Schuss vollständig bedeckt wird, so dass ein ripsartiger Stoff entsteht. Der Schuss wird indes nicht über die gesamte Gewebebreite in die Kettfäden eingetragen, sondern nur bis an den Rand der danebenliegenden Farbfläche mit der Kette verbunden und dann zurückgeführt. Weil sie nur Kette und Schuss haben, liegen die Fäden flach und können keinen Flor bilden. Beispiele sind Kelims und Sumakteppiche.

Knüpftechnik mini|Animation des Knüpfens Die geknüpften, plüsch­artigen Teppiche werden auf einer Kette aus Baumwolle (Manufakturen), Leinen (sehr selten), Wolle (Anatolische Teppiche) oder Ziegen- und anderen Haaren (Nomadenteppiche) durch das Einknüpfen von Flormaschen hergestellt, die Knoten um Knoten über die ganze Breite des Teppichs eingeknüpft werden. Auf jede Knotenreihe folgen ein oder zwei Schussfäden. Die Knoten können symmetrisch (türkischer KnotenTürkischer-, symmetrischer Teppichknoten) oder asymmetrisch (Senneh- oder persischer KnotenSenneh-, asymmetrischer Teppichknoten) sein. Nach Vollendung des Teppichs wird sein Flor mit einfachen Handscheren egalisiert. Das Material des Flors ist Schafwolle, für feinere Teppiche Seide. Als schönste und feinste Orientteppiche gelten nach wie vor die, welche in Persien, z. B. Isfahan, Ghom oder Nain, geknüpft worden sind. Mit einer Knotenfeinheit von über 1.000.000 Knoten pro Quadratmeter, z. T. auf Seidenkette geknüpft, entsprechen sie dem europäischen und amerikanischen Geschmack. Auch der türkische Hereke, neuere Stücke der Firmen Ipek und Özipek, reinseidene Teppiche mit über 1.000.000 Knoten pro Quadratmeter, sind gefragte Liebhaberstücke. Die indischen Teppiche haben einen sichtbar höheren Flor und 300–350 Maschen auf einen Meter. Aus Indien und Pakistan stammen heute vielfach Kopien (Nachknüpfungen) hochwertiger, gesuchter Provenienzen. Ein Gabbeh, der in Indien gefertigt wird (Indogabbeh), ist dabei um mehr als 50 % günstiger als der originale Gabbeh aus dem Iran. Dies ist vor allem auf die sehr niedrigen Löhne der Knüpfer(innen) im Fernen Osten zurückzuführen. Insbesondere in Pakistan werden heute Teppiche nachgeknüpft, die als Originale nicht mehr hergestellt werden. Denn die Produktion kam in Teilen Südrusslands und in Kasachstan nach dem Fund von Erdöl (oder Erdgas) weitestgehend zum Erliegen, weil sich die Menschen dort weitaus bessere Einnahmequellen erschlossen hatten. So findet man den Kasak und Karachi-Teppiche heute meist nur als nachgearbeitete Teppiche aus Pakistan.

Die orientalischen Teppiche – namentlich die geknüpften Smyrnateppiche – wurden mit gutem Erfolg in Europa, speziell in Deutschland (Schmiedeberg seit 1856, Cottbus, Wurzen, Springe, Linden usw.) und in Wien, nachgeahmt, und zwar unter Anwendung der gleichen Methode. Man arbeitet aber mit Kette aus Leinen­garn und Grundschuss aus Jute, erreicht eine große technische Vollkommenheit und versteht auch die Muster und Farben so getreu nachzubilden, dass ein großer Unterschied zwischen echten und nachgeahmten Smyrnateppichen nicht mehr besteht.

Farbstoffe in Teppichen Die Wolle für den Flor wurde vor der Erfindung synthetischer Farbstoffe (nach 1850) ausschließlich mit pflanzlichen oder tierischen Farbstoffen gefärbt. Für Rot kamen Rotholz, Krapplack und Cochenille auf Alaun-gebeizter Wolle zur Anwendung. Für Gelbtöne gab es eine große Zahl von Färberpflanzen. Zur Blaufärbung (grün auf gelb gefärbter Wolle) stand seit dem Altertum Indigo zur Verfügung (heute synthetisches Indigo). Ende des 19. Jahrhunderts fanden synthetische Farbstoffe, erst äußerst sparsam, später als Ersatz für die traditionellen Farbstoffe, Verwendung. Ein Magenta-Rot, das kaum lichtecht war, ist Fuchsin. Auf der Florseite ausgeblichen, ist es auf der Rückseite noch rotviolett erkennbar. Es wurde vor 1900 eingesetzt. Ponceau 2R ersetzte teilweise Krapp, bevor synthetischer Krapp (Alizarin) verwendet wurde. Amaranth wurde als Ersatz von Cochenille eingesetzt.

Europäische Teppiche

Geschichte Wesentlichen Eingang in Europa fand der Orientteppich über Spanien, wo bereits 710 n. Chr. die aus Nordafrika kommenden Mauren eine Dynastie gründeten und dabei auch die Fertigkeit des Teppichknüpfens mitbrachten. Es entstand eine richtiggehende Teppichindustrie in der Stadt Córdoba. Die islamische Dynastie der Nasriden baute die Festung Alhambra oberhalb der Stadt Granada. Der Granatapfel wurde zum Stadtsymbol und später länderübergreifend als Ornament in der Textil- und Teppichmusterung verwendet. Im 5. Jahrhundert entstand im Pindosgebirge der Flokatiteppich und verbreitete sich später über ganz Griechenland.

Spätestens im 11. Jahrhundert entwickelte sich in Europa zudem die Technik der Bildwirkerei aus, die vornehmlich Wandbehänge, sogenannte Wandteppiche oder Tapisserien, mit bildlichen Motiven schuf. Erste Produktionszentren entstanden im 14. Jahrhundert zunächst in der Schweiz und Deutschland, kurz darauf in Flandern und den Niederlanden, gefolgt von England und schließlich Frankreich. In den Niederlanden wurden Bildwirkereien für Böden, Tische und Wände hergestellt, bei denen der Einfluss östlicher Motive bis ins 17. Jahrhundert sichtbar blieb. In England wurden Teppiche seit etwa 1570 gefertigt, die sich technisch und stilistisch an den Orientteppichen orientierten: zum einen an anatolischen Vorlagen mit bevorzugt geometrischen Mustern und zum anderen an persischen Vorlagen, deren Muster aus der persischen Miniaturmalerei stammten. Im 18. Jahrhundert waren vor allem die Orte Exeter, Moorfields und Axminster Zentren der Teppichproduktion. In Frankreich entstanden ab den 1660er Jahren in der Pariser Gobelin-Manufaktur, in Aubusson und in Beauvais großformatige gewirkte Wandteppiche. Im Gegensatz zu den Erzeugnissen der Savonnerie-Manufaktur, die nach dem Vorbild der Orientteppiche hochflorige, geknüpfte Textilien für Böden, Paravents und Möbel produzierte, wurden die französischen Tapisserien nie als Bodenbelag verwendet.

Die Herstellung von Teppichen fand auch in Europa immer wieder in Heimarbeit statt. Ein Beispiel sind die Pommerschen Fischerteppiche.

Web-, Tuft- und Plüschteppiche