Balingen (schwäbisch Balenga) ist eine Stadt im Süden Baden-Württembergs, etwa 75 Kilometer südsüdwestlich von Stuttgart sowie 65 Kilometer nördlich des Bodensees. Sie ist die Kreisstadt und nach Albstadt hinsichtlich der Bevölkerungszahl die zweitgrößte Stadt des Zollernalbkreises. Balingen bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Die Große Kreisstadt (seit 1. Januar 1974) ist mit der Nachbarstadt Geislingen eine vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.
Geographie mini|hochkant|Das Wahrzeichen der Stadt: Wasserturm und Zollernschloss auf einem Gemälde von Friedrich Eckenfelder, entstanden vor 1895
Lage Balingen liegt am Rand der Schwäbischen Alb an der Eyach, einem Nebenfluss des Neckars. Naturräumlich gesehen liegt die Stadt im südwestlichen Albvorland. Südlich der Stadt befinden sich die so genannten Balinger Berge, eine markante Berggruppe des Großen Heubergs. Dazu gehören der Plettenberg, der Schafberg und die Lochen (mit Lochenstein und Lochenhörnle). Westlich der Stadt liegt die Liasebene des Kleinen Heubergs.
Zwei höher gelegene Teilorte, Streichen und Zillhausen, befinden sich auf der Schwäbischen Alb.
Nachbargemeinden Folgende Kommunen sind Anrainer (sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören alle zum Zollernalbkreis):
Grosselfingen, Bisingen, Albstadt, Meßstetten, Hausen am Tann, Dotternhausen, Dormettingen, Geislingen und Haigerloch.
Stadtgliederung mini Die Stadt besteht aus der Kernstadt und den Stadtteilen Dürrwangen, Endingen, Engstlatt, Erzingen, Frommern, Heselwangen, Ostdorf, Roßwangen, Stockenhausen, Streichen, Weilstetten und Zillhausen,Balingen mit Stadtteilen im Ortslexikon bei LEO-BW wobei die meisten dieser Stadtteile erst im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre nach Balingen eingegliedert wurden. Heselwangen war bereits 1934 nach Balingen und Dürrwangen 1937 nach Frommern eingemeindet worden. Weilstetten ist ein Zusammenschluss der beiden ehemaligen Gemeinden Weilheim und Waldstetten, der bereits zum 1. Oktober 1936 vollzogen wurde. 60px|Wappen Balingen Zur Kernstadt Balingen gehören die Stadt Balingen, die Höfe Hangenhof, Holderhof, Posthalterhof und Reichenbacher Hof, der Wohnplatz Stadtmühle sowie die abgegangene Ortschaft Stetten.90px|Balingen, Kernstadt (2015)60px|Wappen Duerrwangen Zum Stadtteil Dürrwangen gehören das Dorf Dürrwangen und die Wohnplätze Säge, Ziegelhütte und Zimmereckhof90px|Dürrwangen, Haus der Volkskunst (2020)60px|Wappen Endingen Zum Stadtteil Endingen gehören das Dorf Endingen, die aufgegangenen Orte Eckhaus und Galgenrain, das Haus Kutzmühle, die Höfe Berghof, Brücklehof und Schäferhof sowie die abgegangenen Ortschaften Kindlinstal und Leitstetten.90px|Endingen, altes Bauernhaus (2013)60px|Wappen Engstlatt Zum Stadtteil Engstlatt gehören das Dorf Engstlatt und das Gehöft Leimberghof.90px|Engstlatt, Pfarrhof (2013)60px|Wappen Erzingen Zum Stadtteil Erzingen gehören das Dorf Erzingen, die Staatsdomäne Bronnhaupten und der Wohnplatz Hungerberg sowie die abgegangene Ortschaft Böllingen.90px|Erzingen, Rathaus (2020)60px|Wappen Frommern Zum Stadtteil Frommern gehören das Dorf Frommern, die Wohnplätze Waldorfschule und Breitenhof sowie die abgegangenen Ortschaften Betzenhausen und Dietensteig.90px|Frommern, Bahnhofsgebäude (2013)60px|Wappen Heselwangen.png Zum Stadtteil Heselwangen gehören das Dorf Heselwangen und die Höfe Hirschberghof, Rosenhof und Stockackerhof.90px|Heselwangen, Schul- und Rathaus (2013)60px|Wappen Ostdorf Zum Stadtteil Ostdorf gehören das Dorf Ostdorf, die aufgegangenen Orte Gießmühle, Kaunter Gipsmühle und Obere Mühle, die Häuser Böllatmühle und Kühler Grund, das Gehöft Eutenberghof sowie die abgegangenen Orte Anhausen,Wüstung Anhausen aus Schwarzwälder Bote vom 4. Dezember 2013 Hammerstal und Schlechtenfurt.90px|Ostdorf, im Ort (2010)60px|Wappen Rosswangen Der Stadtteil Roßwangen hat neben dem Dorf Roßwangen keine weiteren Ortsteile.90px|Rosswangen, Pfarrhaus (2013)60px|Wappen Stockenhausen Der Stadtteil Stockenhausen hat neben dem Dorf Stockenhausen keine weiteren Ortsteile.90px|Stockenhausen, Schul- und Rathaus (2018)60px|Wappen Streichen Zum Stadtteil Streichen gehören das Dorf Streichen und die abgegangene Ortschaft Niederhofen.90px|Streichen, Kirchenstraße beim Rathaus (2010)60px|Wappen Weilstetten Zum Stadtteil Weilstetten gehört das 1936 aus den aufgegangenen Gemeinden Weilheim und Waldstetten entstandene Dorf Weilstetten, das Gehöft Harthof, der Ort Auf der Lochen (Hotel Lochen) und das Haus Maienwiesle sowie die abgegangene Ortschaft Hardt.90px|Weilstetten, „Bühlburg“ von 1590 (2010)60px|Wappen Zillhausen Zum Stadtteil Zillhausen gehören das Dorf Zillhausen und das Hofgut Wannental sowie die abgegangene Ortschaft Uhental.90px|Zillhausen, Hofgut Wannental (2020)
Für die Stadtteile wurden insgesamt neun Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung eingerichtet, das heißt, diese haben jeweils einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzendem. Die Zahl der Mitglieder im Ortschaftsrat richtet sich nach der Einwohnerzahl der Ortschaft und liegt zwischen 7 und 13. In jeder der Ortschaften gibt es eine Ortschaftsverwaltung, quasi ein „Rathaus vor Ort“, dessen Leiter der Ortsvorsteher ist. Die neun Ortschaften sind: Endingen, Engstlatt, Erzingen, Frommern (mit Dürrwangen und Stockenhausen), Heselwangen, Ostdorf, Streichen, Weilstetten (mit Roßwangen) und Zillhausen.
In einigen Stadtteilen gibt es neben den von Alters her bestehenden Wohnplätzen mit eigenem Namen, die jedoch meist nur wenige Einwohner haben, neu entstandene Wohn- und Gewerbegebiete mit eigenem Namen, deren Bezeichnungen sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen dann meist nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen sind zu nennen: in der Kernstadt: südliche und nördliche Vorstadt, Hinter dem Heuberg mit Mandschurei, Am Lindle, Sichel, Auf der Au, Burgenwand, Neige, Längenfeld, Spitalwiese, Heinzlesrain, Binsenbol, Am Stettberg, Schmiden, Heimlicher Wasen. in Endingen: Gehrn in Engstlatt: Lehenmorgen in Frommern: Wiesflecken in Weilstetten: Hesselberg und Ziegelwasen
Raumplanung Balingen bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Neckar-Alb, zu dessen Mittelbereich neben Balingen selbst die Städte und Gemeinden Dautmergen, Dormettingen, Dotternhausen, Geislingen, Hausen am Tann, Ratshausen, Rosenfeld, Schömberg, Weilen unter den Rinnen und Zimmern unter der Burg gehören.
Schutzgebiete
mini|Naturschutzgebiet Untereck Die Stadt Balingen hat Anteil an vier Naturschutzgebieten: Das Naturschutzgebiet Heuberg liegt westlich der Kernstadt, das Naturschutzgebiet Irrenberg-Hundsrücken reicht im Osten auf die Zillhausener und Streichener Gemarkung. Im Süden liegt das Naturschutzgebiet Untereck und ein kleiner Teil des Naturschutzgebiets Schafberg-Lochenstein.
Auf dem Stadtgebiet liegen zudem insgesamt fünf Landschaftsschutzgebiet, die drei größeren heißen Eyachtal beim Eckwäldchen, Hundsrücken und Landschaftsteile der Markung Roßwangen, die zwei kleineren Hecken unter Winkelshalde und Hecken am Gaisberg.
Drei FFH-Gebiete liegen im Stadtgebiet: der Kleine Heuberg und das Albvorland bei Balingen, der Östliche Große Heuberg und die Gebiete um Albstadt. Das Vogelschutzgebiet Wiesenlandschaft bei Balingen liegt zwischen Balingen und Geislingen, das Vogelschutzgebiet Südwestalb und Oberes Donautal hat einige Teilflächen im Osten und Süden des Stadtgebiets.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Mittelalterliche Stadtgründung rechts|450px|Matthäus Merian: Topographia Sueviae (1643) Balingen wurde im Jahr 863 als Balginga erstmals erwähnt und bedeutet ‚Siedlung der Sippe des Balgo‘. Im 12. Jahrhundert traten verschiedene Adlige als Ortsherren des kleinen Dorfes auf. Vermutlich gab es auch eine Burg. Balingen gehörte zur bis 1162 existierenden Herrschaft Haigerloch, dann fiel es den Grafen von Hohenberg zu. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte der Übergang an die Grafen von Zollern, diese machten den Ort zum Sitz der Herrschaft Schalksburg. 1255 wurde die Stadt Balingen gegründet, etwa 200 Meter flussaufwärts zur bisherigen Siedlung in einer Landzunge zwischen Eyach und Steinach. Letztere wurde erst später im Zuge der Stadtbefestigung umgeleitet. Der neue Hauptarm bildete den südlichen Wassergraben, der alte Lauf den westlichen. Mit dem Stadtrecht wuchs die Siedlung rasch an und erhielt eine Ummauerung.
Württembergische Amtsstadt 1403 gelangte Balingen durch Kauf an Württemberg (siehe Die Sage vom Hirschgulden); die Stadt wurde bald Sitz eines Amtes. Im 15. Jahrhundert war die Stadt mehrfach verpfändet, so unter anderem an Graf Hans von Werdenberg und an die Herren von Bubenhofen. Die für die Stadt zuständigen Vögte und Obervögte residierten im ehemaligen Zollernschloss.
Wie bereits um 1350 wurde Balingen in den Jahren 1463–1465 von der Pest heimgesucht. Nach deren Abklingen wurde zu Ehren des Pestheiligen Sebastian die sogenannte Sebastiansbruderschaft gegründet, deren Jahresrechnungen (1468–1528) sich im Stadtarchiv befinden. Im 16. Jahrhundert trat die Pest immer wieder auf. 1610/11 muss sie etwa 400 Einwohner dahingerafft haben. Verlässliche Zahlen liegen nicht vor. Der Dreißigjährige Krieg führte zur erneuten Verbreitung der Pest. 1635 muss die Zahl der Todesopfer noch größer gewesen sein. Die Erfahrungen mit den Schrecken des Krieges führte 1673 zur Gründung einer neuen Bruderschaft. In ihr schlossen sich Handwerker zusammen. Ihre Lade kann heute in der Zehntscheuer Balingen besichtigt werden.
Die Aufständischen vom armen Konrad übernahmen 1514 die Herrschaft über die Stadt.Lorenz Hertle: Der Kampf. In: Schwarzwälder Bote. Balingen, 22. November 2014.
Von 1598 bis 1600 war die Bürgermeisterswitwe Anna Murschel Opfer eines Hexenprozesses.
Nach Feuersbrünsten 1724 und 1809 wurde die Stadt mit regelmäßigem Grundriss neu erbaut.
Oberamtsstadt in der württembergischen Königszeit 1758 wurde Balingen Sitz eines Oberamtes, welches 1806 mit der Gründung des Königreichs Württemberg durch die Angliederung ehemals vorderösterreichischer sowie ritterschaftlicher Gebiete und der Stadt Ebingen erheblich vergrößert wurde. Beim Stadtbrand von 1809 wurde der Großteil der Stadt innerhalb der Stadtmauern zerstört. mini|hochkant|Hochwasserdenkmal (1897) an der Tübinger Straße Das Oberamt Balingen gehörte ab 1810 zur Landvogtei am oberen Neckar und ab 1818 zum Schwarzwaldkreis. Die Bewohner betrieben seit dem 19. Jahrhundert hauptsächlich Trikotwebereien und waren in der Handschuh- und Schuhfabrikation tätig, andere betrieben Viehhandel. Mit der Eröffnung des Bahnhofs Balingen an der Bahnstrecke Tübingen–Sigmaringen kam 1874 der Anschluss an das Streckennetz der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen.
Das Jahrhunderthochwasser der Eyach am 4. und 5. Juni 1895 kostete 41 Menschen – 5 in Margrethausen, 15 in Laufen, 10 in Frommern und 11 in Balingen – das Leben. Gewaltige Wassermassen eines Gewitters rissen Eisenbahngleise zwischen den Stationen Frommern und Laufen ein, bevor sie am 5. Juni gegen 23 Uhr in einer gewaltigen Flutwelle Balingen erreichten, Felder überschwemmten, Bäume entwurzelten, Brücken und Wehre, aber vor allem Mühlen in Mitleidenschaft zogen und ganze Häuser mitrissen.
Republik und Zeit des Nationalsozialismus Seit 1918/19 befand sich die Stadt im freien Volksstaat Württemberg. Bei den Verwaltungsreformen während der NS-Zeit in Württemberg wurde das Oberamt Balingen 1934 in Kreis Balingen umbenannt und 1938 in den Landkreis Balingen überführt.
Von 1944 bis 1945 wurden in den Ortsteilen Frommern, Engstlatt und Erzingen Werke und Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof (KZ Frommern und KZ Erzingen) betrieben, um im Rahmen des Unternehmens Wüste Treibstoff aus Ölschiefer zu gewinnen.