mini|Chanukkia mit acht Kerzen und einem Schamasch, einer weiteren Kerze in der Mitte, mit der die anderen Kerzen entzündet werden. Alle acht Kerzen brennen erst am achten Tag des Chanukkafestes mini|Chanukkia in Kazimierz, Krakau
Chanukka (, in umgangssprachlicher hebräischer Aussprache ['xannuka], in hebräischer Plene-Schreibung , ) oder in deutscher Bezeichnung Lichterfest ist ein acht Tage andauerndes, jährlich gefeiertes jüdisches Fest zum Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahre 164 v. Chr. beziehungsweise 3597 jüdischer Zeitrechnung. Es beginnt am 25. Tag des Monats Kislew (Dezember).
Geschichte Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr. (3597 in der rabbinischen Jahreszählung) nach dem erfolgreichen Makkabäeraufstand der Juden Judäas, unter ihrem Anführer Judas Makkabäus, gegen hellenisierte Juden und Seleukiden, wie er im 1. Buch der Makkabäer, bei Flavius Josephus und im Talmud überliefert ist. Die Makkabäer beendeten die Herrschaft des Seleukidenreiches über Judäa und führten den traditionellen jüdischen Tempeldienst wieder ein. Sie beseitigten den zuvor im jüdischen Tempel aufgestellten Zeus-Altar, den hellenisierte Juden, die JHWH mit Zeus gleichsetzten und auf griechische Art verehrten, errichtet hatten. Neben dem Kampf gegen die Seleukiden war es auch ein Bürgerkrieg zwischen den hellenisierten Juden und den Juden Judäas.
Im Talmud (Schabbat 23aSchabbat 23a, Safari (hebräisch/englisch). Abgerufen am 21. Dezember 2025) wird erklärt, dass auch Frauen zum Zünden der Chanukkalichter verpflichtet sind, „weil auch sie von diesem Wunder betroffen waren“, wie Raschi (1040–1105), ein maßgeblicher Kommentator des Tanach und Talmuds. erklärt: Zu den judenfeindlichen Dekreten der Griechen habe gehört, dass sie das Ius primae noctis verhängten: Jede jüdische Braut hätte in der Hochzeitsnacht zuerst mit dem Statthalter zu verkehren. Der Legende nach ging es um die Tochter von Mattatias, einer Schwester der fünf Makkabäerbrüder, die zur Heldin von Chanukka wurde. Sie rief ihre Brüder zum Widerstand auf. In jener Nacht schlichen diese statt ihrer zum Schlafzimmer des Statthalters, töteten ihn, womit der Aufstand gegen die Griechen begann, der letztlich siegreich war und zur Wiedereinweihung des Tempels führte.Wegen einer Frau geschah das Wunder, Jüdische Allgemeine, 18. Dezember 2025. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
Chanukka ist kein biblisches Fest und auch in den rabbinischen Schriften ist nur wenig zu finden. Das Judentum musste nun einen Weg finden, die religiöse Praxis zu „absorbieren“ und in Übereinstimmung mit dem Judentum zu bringen. Die (quasi-)historischen Texte des ersten und zweiten Makkabäerbuches wurden nur in den Apokryphen der Septuaginta erhalten.
Die Menora, der siebenarmige Leuchter im Tempel, sollte niemals erlöschen. Nach der späteren Überlieferung war aufgrund der Kämpfe mit den Seleukiden nur noch ein Krug geweihtes Öl vorzufinden. Dieses Öl reichte nur für einen Tag. Für die Herstellung neuen geweihten Öls wurden acht Tage benötigt. Durch ein Wunder habe das Licht jedoch acht Tage gebrannt, bis neues geweihtes Öl hergestellt worden war. Daran erinnern die acht Lichter des acht- bzw. neunarmigen Leuchters Chanukkia. Jeden Tag wird ein Licht mehr angezündet, bis am Ende alle acht brennen.
Der Leuchter hat oft neun Arme oder Lichterhalter, das neunte Licht ist der „Diener“ (). Nur mit diesem dürfen die anderen angezündet werden, nachdem die notwendigen Segen () gesprochen wurden. Als Lichter werden Kerzen oder Öllämpchen benutzt. Oft wird Olivenöl verwendet, wie bei der Menora im ehemaligen Tempel.
Nach der Entweihung des Zweiten Tempels durch den Zeuskult wurde das Chanukkawunder zur Erinnerung an die Wiedereinweihung gefeiert (; (Septuaginta)) (eine Zeitangabe im Neuen Testament datiert nach dem Fest der Tempelweihe), bis im Jahr 3830 jüdischer Zeitrechnung (70 n. Chr.) der Tempel durch die Römer endgültig zerstört wurde. Chanukka wird in Familien und Gemeinden gefeiert.
Im deutschen Bundestag gibt es 2025 erstmals eine Chanukka-Feier. „Nach der Schoa stehe das Anzünden der Chanukka-Lichter in Deutschland in besonderer Weise für die Wiederbelebung jüdischen Lebens und für ein sichtbares Bekenntnis zu Religionsfreiheit und Menschenwürde“, so Melanie Meyer, Vorsitzende des Bernhard-Kreises, der parlamentsinternen Interessengemeinschaft für jüdisches Leben.Erstmals Chanukka-Feier im Bundestag, Jüdische Allgemeine, 11. Dezember 2025. Abgerufen am 14. Dezember 2025. mini|Chanukkia-Graffiti nach dem Terroranschlag am Bondi Beach Chanukka ist immer wieder Anlass für antisemitische Vorfälle. In Mülheim an der Ruhr wurde 2017 das Chanukkafest auf dem Synagogenplatz wegen Sicherheitsbedenken abgesagt.Eine große Chance vertan, Domradio, 14. Dezember 2017. Abgerufen am 15. Dezember 2025. In Berlin wurden 2021 Chanukka-Leuchter in Mitte, Schöneberg, Lichtenberg und Treptow-Köpenick zerstört.Antisemitische Zerstörung des Chanukka-Leuchters auf der Marktplatz Adlershof, Pressemitteilung Bezirksamt Treptow-Köpenick, 10. Dezember 2021. Abgerufen am 15. Dezember 2025. In Berlin-Dahlem wurde am 27. Dezember 2024 ein dort aufgestellter Chanukka-Leuchter mit einem Hakenkreuz beschmiert.Chanukka-Leuchter mit Hakenkreuz beschmiert, FAZ, 27. Dezember 2024. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
In New York fand 2019 ein Messerangriff auf Teilnehmer einer Chanukkafeier statt. Der Täter wurde wegen fünffach versuchten Mordes angeklagt.Mutmaßlicher Chanukka-Attentäter wegen Hassverbrechen angeklagt, FAZ, 31. Dezember 2019. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
Grzegorz Braun, ein bekannter antisemitischer Politiker der polnischen rechtsextremen Partei Konfederacja Wolność i Niepodległość, benutzte während einer polnisch-jüdischen Zeremonie im polnischen Parlament 2023 einen Feuerlöscher, um die Chanukka-Kerzen zu löschen. Dabei rief er antisemitische Parolen. Er wurde daraufhin aus dem Parlament ausgeschlossen.Antisemitischer Skandal im polnischen Parlament, Polskie Radio, 13. Dezember 2023. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
Im Jahr 2025 wurde in Sydney zu Beginn des Chanukkafestes ein Terroranschlag am Bondi Beach mit 15 Todesopfern und Dutzenden Verletzten verübt.
Termine des Chanukkafestes mini|Chanukkia, 17. Jahrhundert
Der erste Tag ist immer der 25. Kislew, die Feier beginnt bereits mit dem Sonnenuntergang am Vorabend des gregorianischen Kalenders. Jeder Festtag beginnt am Vorabend, denn im jüdischen Kalender dauert der Tag vom Vorabend bis zum Abend des Tages – nicht von 0 bis 24 Uhr. Der abendliche Beginn wird mit dem Wort Erev (hebräisch ערב, „Abend“) bezeichnet. Das Ende variiert zwischen dem 2. und 3. Tevet, da der Kislew entweder 29 oder 30 Tage hat. Demfolgend variiert das Datum des Endes von ChanukkaDer einzige jüdische Schaltmonat ist Adar II. Das variierende Ende von Chanukka stammt daher, dass der Monat Kislew entweder 29 oder 30 Tage hat. nach dem gregorianischen Kalender, da der jüdische Kalender immer nach dem Mond neu berechnet wird.
Jüdisches DatumChanukah – Hanukkah, the Jewish festival of rededication, abgerufen am 11. Januar 2025. Von (Gregorianisches Datum) Bis (Gregorianisches Datum) 25. Kislev – 2. Tevet 5787 Sonnenuntergang am 4. Dezember 2026 Abenddämmerung am 12. Dezember 2026 25. Kislev – 2. Tevet 5788 Sonnenuntergang am 24. Dezember 2027 Abenddämmerung am 1. Januar 2028 25. Kislev – 2. Tevet 5789 Sonnenuntergang am 12. Dezember 2028 Abenddämmerung am 20. Dezember 2028 25. Kislev – 3. Tevet 5790 Sonnenuntergang am 1. Dezember 2029 Abenddämmerung am 9. Dezember 2029 25. Kislev – 2. Tevet 5791 Sonnenuntergang am 20. Dezember 2030 Abenddämmerung am 28. Dezember 2030 mini|Auf Initiative der Chabad-Bewegung werden zunehmend öffentliche Chanukka-Feiern durchgeführt, so 2016 in Karlsruhe
Etymologie Es gibt mehrere Interpretationen der Herkunft des Namens Channuka:A lichtigen Chanukka!, Jüdische Allgemeine, 22. Dezember 2022. Abgerufen am 29. Dezember 2025. Die häufigste Bedeutung lautet „Einweihung“. Die Hasmonäer bauten einen neuen Altar und weihten ihn ein. Der Name Chanukka bezieht sich auch auf die Einweihung des Zweiten Tempels. Die jüdischen Kämpfer ruhten – „chanu“ (die ersten drei Buchstaben des Wortes Chanukka) – von ihren Kämpfen gegen die syrisch-griechischen Besatzer am 25. Tag des jüdischen Monats Kislew. Die Zahl 25 wird auf Hebräisch mit den Buchstaben und geschrieben — was die letzten zwei der fünf Buchstaben des Wortes Chanukka sind. Das hebräische Wort , bzw. in der Verbform () (gnädig sein) (die ersten zwei Buchstaben des Wortes Chanukka) bedeuten „Gnade“, ergänzt um die Buchstaben כ Kaf und ה Hej. Somit könnte Chanukka auf die jüdischen Krieger anspielen, die die göttliche Gnade am 25. Kislew fanden. Im Wort Chanukka steckt auch der , die spirituelle Vorbereitung auf die für uns bestimmte Erlösung durch den Maschiach (Messias). Chinuch bezeichnet das grundlegende Prinzip der jüdischen Erziehung zur Thora und den 613 (Geboten), das sowohl eine Pflicht als auch eine Philosophie darstellt, die durch das berühmte Buch (Buch der Erziehung) zusammengefasst wird.
Toralesung Es gibt keine spezielle Toralesung, die sich auf dieses Fest bezieht (obwohl es den Brauch gibt, aus dem 4. Buch Mose das siebte Kapitel zu lesen, da dieses die Einweihung des Altars beschreibt); die meisten Bräuche sind für den häuslichen und nicht den synagogalen Bereich; einige Hinzufügungen zum regulären Synagogengottesdienst – wie das Lesen der Hallelpsalmen – wurden gemacht, aber einen Festgottesdienst im eigentlichen Sinn gibt es nicht. An jedem der acht Chanukka-Tage wird nach dem Amida-Gebet des Schacharit-Gebets ein vollständiges Hillel rezitiert, und vor und nach dem Hillel wird, wie bei den drei Insignien, ein Segen gesprochen. In normalen Wochen finden die Toralesungen am Schabbat, am Montag und am Donnerstag statt. Zu Chanukka wird jedoch an jedem Chanukka-Tag die Tora gelesen. Während an den Werktagen drei Personen zur Tora gerufen werden, sind es am Schabbat sieben. Fällt das Chanukkafest auf einen Schabbat, werden zwei Torarollen aus dem Toraschrank gehoben (und drei, wenn dieser Sabbat auf den Neumond des Monats Tewet fällt). Aus der ersten Rolle lesen sieben Aufgerufene den Wochenabschnitt und aus der zweiten den Maftir, den besonderen Abschnitt für das Chanukkafest. aus dem Buch Sacharja. Die Tora-Lesung berichtet von den Opfern der Anführer bei der Einweihung der Stiftshütte, die in der Parascha im Buch Numeri erwähnt werden. Die zwölf Stammesführer begannen mit dem Bau der Stiftshütte und den darin durchgeführten Opferarbeiten. An jedem der acht Festtage wird die Reihenfolge der freiwilligen Wahl eines der Anführer verlesen. Am achten Tag wird der Abschnitt „Am achten Tag“ (Numeri 7,54Das Buch Numeri, Kapitel 7, auf uibk.ac.at) bis zum Ende der gesamten Parascha gelesen, und in den meisten Gemeinden werden die ersten Verse der Parascha vom Opfer hinzugefügt, die vom Anzünden der Kerzen der Stiftshütten-Menora durch den Priester Aaron berichten. Einige Gemeinden beginnen die Lesung des ersten Tages üblicherweise mit einigen Versen von der Einweihung der Stiftshütte, um auch die Verse über den Segen der Priester zu lesen, da die Hasmonäer Priester waren. Auch für den zweiten Chanukkaschabbat gibt es eine besondere Haftara: Sie stammt aus dem 1. Buch der Könige und beschreibt die Errichtung des Tempels zur Zeit des Königs Salomo.
Im Talmud mini|Leuchter für die öffentliche Chanukka-Feier vor dem Schloss Karlsruhe mini|Chanukka-Leuchter am Eingang eines Mehrfamilienhauses, Jerusalem Chanukka wird im Babylonischen Talmud nur knapp behandelt. Die einschlägige Stelle ist Traktat Schabbat, 21b. Im thematischen Zusammenhang mit den Geboten, die die Kerzen am Schabbat betreffen, wird auch die Kerze von Chanukka angezündet und von daher wird der Ursprung des Fests diskutiert.