mini|hochkant=2|Forchheim Luftaufnahme (2019)

Forchheim ist eine fränkische Große Kreisstadt im Süden des bayerischen Regierungsbezirks Oberfranken. Die Stadt ist Sitz des Landratsamts Forchheim und mit über 33.000 Einwohnern die mit Abstand einwohnerstärkste Kommune des Landkreises. In Forchheim begann im Jahre 911 die eigenständige deutsche Geschichte durch die Wahl von Konrad I. zum ersten ostfränkischen König nach der endgültigen Fränkischen Reichsteilung. Forchheim wird „Eingangstor zur Fränkischen Schweiz“ genannt. Die Stadt liegt an der Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg, am Main-Donau-Kanal und am Frankenschnellweg zwischen Bamberg (23 km nördlich) und Nürnberg (ca. 30 km südlich). Forchheim gehört seit April 2005 der Europäischen Metropolregion Nürnberg an.

In Forchheim befand sich ein fränkischer Königshof, der bis auf Karl Martell (ca. 690–741) zurückgehen soll. Die Stadt verfügt über einen gut erhaltenen historischen Kern, mit der „Kaiserpfalz“, dem Archäologiemuseum Oberfranken und dem Rathausplatz mit seinem Fachwerk-Ensemble.

Herkunft des Namens Forchheim Zu Beginn des 13. Jahrhunderts vermutete man, dass der Stadtname „Vorchheim“ sich von dem althochdeutschen Wort für Forelle ableitet. Dies führte zu dem sprechenden Wappen mit den beiden Forellen. Obwohl zur Zeit der Namensgebung der Forellenreichtum in den Flüssen um Forchheim sicherlich sehr groß war, gilt es inzwischen als sicher, dass sich der Stadtname vom althochdeutschen vorha (für Föhre) ableitet, also Föhrenheim bedeutet. Der Name dürfte in der Mitte des 7. Jahrhunderts entstanden sein. Damals gründeten die ersten fränkischen Zuwanderer in dieser Region zahlreiche Plansiedlungen mit dem Grundwort -heim, vor allem an Flussläufen.

Geographie Lage Forchheim liegt an der Regnitz, am Main-Donau-Kanal und an der Wiesent. Die Regnitz verlässt Forchheim in nordwestlicher Richtung und mündet bei Bischberg in den Main. Forchheim ist im Westen vom Steigerwald und im Osten von der Fränkischen Schweiz eingerahmt und liegt in einer Tallandschaft.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Forchheim hat 7 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Buckenhofen (Pfarrdorf) Burk (Pfarrdorf) Forchheim (Hauptort) Kersbach (Pfarrdorf) Reuth (Pfarrdorf) Serlbach (Dorf) Sigritzau (Weiler)

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Buckenhofen, Burk, Kersbach, Forchheim, Reuth und Untere Mark (Gemarkungsteil 0). Die Gemarkung Forchheim hat eine Fläche von 23,212 km² und ist in 9165 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Serlbach.

Nachbargemeinden Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Forchheim: Landkreis Forchheim: Markt Eggolsheim, Gemeinde Weilersbach, Gemeinde Kirchehrenbach, Gemeinde Wiesenthau, Gemeinde Pinzberg, Gemeinde Poxdorf, Gemeinde Hausen und Gemeinde Hallerndorf Landkreis Erlangen-Höchstadt: Stadt Baiersdorf

Klima

Geschichte Von der Vorgeschichte bis zum 19. Jahrhundert mini|hochkant=1.2|Alte Karte mit Bamberg und Forchaim (rechts) aus dem 16. Jahrhundert – nach Osten (oben) ist die Karte stark verzerrt

Die ältesten Spuren einer dauerhaften Besiedlung im Stadtgebiet Forchheims kamen 2013 bei einer Ausgrabung unter dem Klostergarten des Antonius-Klosters zutage. Neben Befunden jüngerer Zeitstellung wurden auch Scherben typischer Gefäße und Steinartefakte (Klingen, Bohrer, Mahl-, Schleif- und Klopfsteine) der Linearbandkeramischen Kultur aus der Zeit um 5000 v. Chr. gefunden. Von dieser ersten Siedlung sesshafter Bauern im Stadtgebiet führt aber keine Tradition zu den viel jüngeren frühmittelalterlichen Wurzeln Forchheims.

Im 8. und 9. Jahrhundert wurden in Forchheim ein fränkischer Königshof und eine Pfalz errichtet. Im Jahr 805 wurde die Stadt im Diedenhofener Kapitular von Karl dem Großen mit dem Namen „Foracheim“ erstmals urkundlich erwähnt. Damals war Forchheim Teil des ostfränkischen Netzes von Kontrollstationen für den Handel mit den Slawen.

Aus dieser Frühphase wurden in jüngster Zeit an zwei Stellen in der Stadt Baureste aufgefunden. Bei der Grabung im Klostergarten wurden unmittelbar östlich des heutigen Wilhelm-Kleemann-Weges Fundamente von hallenartigen hölzernen Gebäuden entdeckt, die, auf die Wiesent ausgerichtet, auf die Funktion Forchheims als Handelsplatz verweisen. Ausweislich der zahlreichen Keramikfunde war dieses karolingische Bauensemble bereits im 8. Jahrhundert, also noch vor der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes in Betrieb. Bei Ausgrabungen im Fundamentbereich des mittelalterlichen Rathauses wurden 2018 steinerne Fundamente des 9. bis 10. Jahrhunderts gefunden. Da in dieser Zeit nur wichtige Gebäude in Steinbauweise errichtet wurden, spricht vieles dafür, dass sich das Areal der Pfalz tatsächlich an der Stelle des heutigen Rathauses befand, zumal das Patrozinium der benachbarten Martinskirche typisch für frühe fränkische Kirchen ist.

In dieser Zeit fanden in Forchheim zahlreiche Reichstage und Fürstentage statt. Der erste Aufenthalt eines ostfränkischen Königs ist für 849 belegt. Den Höhepunkt ihrer Bedeutung hatte die Pfalz im Jahre 900, als dort am 4. Februar der erst sechsjährige Ludwig das Kind zum König gewählt und gekrönt wurde. Nach dem Tod des letzten Karolingers wurde in Forchheim am 10. November 911 Konrad I. zum ostfränkischen König gewählt.

mini|Burg Forchheim (Kaiserpfalz, 2012). Das rechte Gebäude ist der Palas des späten 14. Jahrhunderts. Der angebaute Treppenturm (Zwiebelhaube) stammt aus dem 16. Jahrhundert Am 1. November 1007 schenkte König Heinrich II. das Königsgut Forchheim dem neuerrichteten Bistum Bamberg. 1039 jedoch stellte König Heinrich III. die Stadt wieder unter Reichsverwaltung, bevor sie am 13. Juli 1063 wieder bis zur Säkularisation 1802/03 mit dem Bistum Bamberg, das ab 1500 zum Fränkischen Reichskreis gehörte, verbunden wurde. In der Zeit Heinrichs IV. wurde am 15. März 1077 Herzog Rudolf von Rheinfelden in Forchheim als Gegenkönig gewählt (vgl. Gang nach Canossa), woraus der Stadt auf politischer Ebene vermutlich ein unheilvoller Ruf entstanden ist.

Zwischen 1200 und 1220 wurde Forchheim zur Stadt erhoben und erhielt ihr jetziges Wappen. Im späten 14. Jh. errichtete man eine Stadtburg für die Aufenthalte der Fürstbischöfe, die erst in jüngerer Zeit als Kaiserpfalz bezeichnet wurde.

In der Zeit des deutschen Bauernkriegs, der durch die immer größere Abgabenlast, die verstärkte Abhängigkeit gegenüber den Grundherren und die fortschreitende Konfiszierung von bäuerlichen Allgemeingütern ausgelöst worden war, kam es im Mai 1524 in einer der ersten Erhebungen des Kriegs zu einem Aufstand der Forchheimer Bauern. Schon bald griffen die Unruhen von Forchheim und dem anderen mittelfränkischen Unruheherd bei Poppenreuth auch auf das Umland von Ansbach über. Ob der gemeinsamen Bedrohung schlossen sich der Bischof von Bamberg und das Fürstentum Ansbach zusammen und stellten ein Heer auf, welches den Aufstand niederschlug. Im darauf folgenden Jahr musste sich der Bamberger Bischof seinerseits vorübergehend nach Forchheim zurückziehen, als sich die Bamberger Bauern gegen ihn erhoben.

Im Zweiten Markgrafenkrieg wurde Forchheim 1552 von den Truppen des Albrecht Alkibiades mit Zerstörungen erobert. Nach diesen Erfahrungen baute man die Stadt als südliche Grenzfestung des Bamberger Hochstiftes gegen die protestantischen Nachbarn, das Fürstentum Ansbach und die freie Reichsstadt Nürnberg, im neu-italienischen Stil zur Festung aus. Durch diesen Festungsausbau überstand Forchheim den Dreißigjährigen Krieg, ohne ein einziges Mal eingenommen worden zu sein. Der Bamberger Fürstbischof floh vor den Schweden mehrere Male samt Domschatz in das sichere Forchheim, das von 1632 bis 1634 mehrmals von den Schweden belagert wurde. Der Festungsausbau wurde danach noch bis weit ins 18. Jahrhundert vorangetrieben.

Am 6. September 1802 wurde die Stadt von bayerischen Truppen besetzt, dem Kurfürstentum Bayern angeschlossen und Sitz eines Landgerichts, aus dem der spätere Landkreis Forchheim entstand. 1889 wurde Forchheim eine kreisfreie Stadt. mini|Schleuse 93 in Forchheim (1845)

In den frühen 1840er Jahren wurde Forchheim Hafenstadt, als der 1835–1846 erbaute Ludwig-Donau-Main-Kanal die Stadt erreichte.

20. und 21. Jahrhundert mini|Postkarte, Stadtansichten um 1900

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Synagoge der Jüdischen Gemeinde in der Wiesentstraße beim Novemberpogrom 1938 von SA-Männern geschändet und zerstört, woran ein Gedenkstein gegenüber dem ehemaligen Standort des Gotteshauses erinnert.

1937 begann in Bayern die Umwandlung der Bekenntnisschulen in Gemeinschafts­schulen. Ab dem Schuljahr 1938/39 gab es in der Stadt nur noch je eine Knaben- und eine Mädchenschule für Kinder beider christlicher Konfessionen. Der geheime „Kruzifixerlass“ des bayerischen Kultusministers Adolf Wagner vom 23. April 1941, demzufolge Kruzifixe in bayerischen Schulen „allmählich“ zu entfernen seien, sorgte hingegen für erheblichen Widerstand innerhalb der katholischen Bevölkerung. Nahezu 150 Frauen demonstrierten in Forchheim gegen den Erlass, hatten aber keinen Erfolg.Nazis zwangen die Gemeinschaftsschule auf in: Nordbayerischer Kurier vom 15. November 2021, S. 14.

Im Jahr 1972 verlor die Stadt mit der bayerischen Gebietsreform ihre Kreisfreiheit und wurde in den Landkreis Forchheim eingegliedert.

Forchheim feierte im Jahr 2005 das 1200-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung. Dazu gab die Deutsche Post eine Sonderbriefmarke zu 45 Cent aus. 2004 war die Stadt Schauplatz der Bayerischen Landesausstellung Edel und Frei. Franken im Mittelalter, die rund 200.000 Besucher hatte.

Eingemeindungen Zum 1. Januar 1926 wurde Serlbach aus der Gemeinde Reuth nach Forchheim umgemeindet. Am 1. Juli 1972 schloss sich Reuth freiwillig der Stadt Forchheim an. Am 1. Januar 1978 wurde die Gemeinde Kersbach eingegliedert. Am 1. Mai 1978 kamen Buckenhofen und Burk hinzu.

Bevölkerungsentwicklung Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Forchheim eine vorindustriell geprägte Kleinstadt mit etwa 3000 Einwohnern. Infolge der Industrialisierung siedelten sich viele Fabriken in der Stadt an und die Einwohnerzahl stieg, vor allem durch den Zuzug von Fabrikarbeitern, zwischen 1870 und 1910 auf knapp 10.000.

Einen zweiten stärkeren Anstieg der Einwohnerzahl erfuhr die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg infolge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950. Im Jahr 1946 mussten 5701 Flüchtlinge und Heimatvertriebene in Forchheim untergebracht werden, bis zum 31. Dezember 1950 betrug der Anteil der Vertriebenen und Geflüchteten in der Stadt 31,35 Prozent. Zwischen den späten 1950er und frühen 1980er Jahren wurden zahlreiche vorherige Randlagen (Hänge des Kellerberges, Tal zwischen Burk und Buckenhofen, Hanglagen oberhalb der B 470) mit Einfamilienhaussiedlungen erschlossen, wodurch die Bevölkerungszahl weiter deutlich anstieg. Seit den 1990er Jahren liegt die Einwohnerzahl bei etwa 30.000.

Politik Stadtrat und Oberbürgermeister

Über die Vergabe der 40 Sitze im Stadtrat entscheiden die Wahlberechtigten alle sechs Jahre.

Gemeinsam mit der Kommunalwahl am 16. März 2014 wurde auch die Oberbürgermeisterwahl (amtliche Ergebnisse in Klammern) durchgeführt. Dabei traf Amtsinhaber Franz Stumpf (49,59 %) auf drei Herausforderer. Für die SPD trat Uwe Kirschstein (20,46 %) erstmals an, während Manfred Hümmer (20,09 %) nach 2008 zum zweiten Mal für die Freien Wähler kandidierte. Die FDP war mit Sebastian Körber (9,87 %) vertreten. Damit kam es seit 1990 erstmals wieder zu einer Stichwahl, die am 31. März 2014 Franz Stumpf mit 55,47 % in seinem Amt vor seinem Herausforderer Uwe Kirschstein (44,53 %) bestätigte. Somit war seit 1990 Franz Stumpf (CSU/Wählerinitiative Unabhängiger OB) Oberbürgermeister Forchheims.