mini|Uphuser Meer (Ostseite)
Uphusen ist ein Stadtteil im Osten Emdens, der 1946 eingemeindet wurde. Der Name des Ortes bedeutet „höher (= up). gelegene Häuser“.Arend Remmers: Von Aaltukerei bis Zwischenmooren – Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade. Verlag Schuster, Leer 2004, ISBN 3-7963-0359-5, S. 224.
In der Nähe befindet sich das Uphuser Meer, ein Wassersport- und Ferienhaus-Revier. Die Stadt Emden rechnet auch den Stadtteil Marienwehr statistisch zu Uphusen. Uphusen hat zusammen mit Marienwehr 824 Einwohner (Stand 1. Juli 2020). Mit der Einführung statistischer Bezirke wird Uphausen zusammen mit Harsweg geführt. Dieser statische Bezirk hat 1836 Einwohner (Stand 2024).
Geschichte Mittelalter Die Dorfwurt Uphusens ist eine Gründung des frühen Mittelalters. Ursprünglich bestanden dort drei Einzelsiedlungen entlang des Uphuser Tiefs. Im späten Mittelalter wurden die drei Ansiedlungen durch Aufschüttung miteinander zu einer großen Warf verbunden, deren Höhe von rund fünf Metern und deren Lage bis heute im Ortsbild sichtbar ist.Wolfgang Schwarz: Archäologische Quellen zur Besiedlung Ostfrieslands im frühen und hohen Mittelalter. In: Karl-Ernst Behre, Hajo van Lengen (Hrsg.): Ostfriesland. Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft. Ostfriesische Landschaftliche Verlags- und Vertriebsgesellschaft, Aurich 1995, ISBN 3-925365-85-0, S. 75–92, hier: S. 80/81. Im späten Mittelalter war Uphusen eine Herrlichkeit.
Noch bevor die Herrlichkeit entstand, wohnte 1325 mit von Aildo Wiarda ein Richter des Rheiderlands in Uphusen, möglicherweise auch schon auf der Burg. Für die Zeit der Ostfriesischen Häuptlinge wird als erster 1367 Ayldo Harrara genannt. Ab 1427 ist Wiard von Uphusen belegt, der im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts wirkte, als sich nacheinander die tom Brok, die Ukenas und schließlich die Cirksenas um die Vorherrschaft in Ostfriesland stritten. Wiard war zu jener Zeit Häuptling von Uphusen und Wolthusen, weshalb später auch von einer Herrlichkeit Up- und Wolthusen gesprochen wurde. Er galt als treuer Anhänger der Cirksenas und als einer der mächtigsten und reichsten Edelleute Ostfrieslands, was auf seinen weit reichenden Besitz zurückzuführen war: Neben seinem Stammsitz Up- und Wolthusen war er auch Häuptling von Groß-Faldern und Klein-Faldern, Borssum, Jarßum und zeitweilig und anteilig auch von Oldersum. Sein Herrschaftsbereich umfasste insgesamt zwölf Kirchspiele.Fridrich Arends: Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes. Emden 1824, S. 296. (, abgerufen am 3. April 2013) Wiards Tochter Occa erbte Up- und Wolthusen sowie Jarßum und heiratete Snelger Houwerda. Ihre Nachkommen blieben im Besitz der Herrlichkeit Up- und Wolthusen, bis diese 1596 an die Stadt Emden verkauft wurde. Die Häuptlinge besaßen in ihren Herrlichkeiten jeweils Burgen genannte Steinhäuser, in denen sie residierten. In Uphusen stand die Burg unmittelbar nordwestlich der Kirche, Reste sind von der Burg nicht erhalten. Um 1600 soll sie aus einem Steinhaus mit Saal sowie den zugehörigen Wirtschaftsgebäuden bestanden haben und von einer Wall-Graben-Befestigung umgeben gewesen sein. In der recht spartanisch gehaltenen Burg befand sich auch die Rechtkammer, in denen die Häuptlinge Houwerda die Hophe und Niedere Gerichtsbarkeit ausübten. Von Häuptling Hicko (oder Hicke) Houwerda († 1537) ist aus alten Prozessakten überliefert, dass er „seines Obrigkeits halben“ einen Mann namens Folkmar „lassen koppen umb das er bey seiner stievtochter geslaeffen“ habe. Auch Hexenprozesse sind aus dieser Zeit überliefert.Marianne Claudi, Reinhard Claudi: Goldene und andere Zeiten. Emden, Stadt in Ostfriesland. Gerhard Verlag, Emden 1982, ISBN 3-88656-003-1, S. 57 f. Hicko Houwerda ließ den Täufer Andreas Karlstadt um 1530 zu sich nach Uphusen kommen. Karlstadt erhielt jedoch kurze Zeit später in Uphusen Predigtverbot. Der Reformator Johannes Ligarius war nach 1556 Prediger in der Uphuser Kirche.
In Uphusen soll noch eine zweite Burg gestanden haben, in der Häuptling Garrelt von Klein-Faldern 1408 nach der Zerstörung seiner dortigen Burg Zuflucht gefunden hatte. Im 18. Jahrhundert wurden zwei Bauernhäuser mit besonders dicken Mauern als Überreste dieser heute nicht mehr lokalisierbaren Burg angesehen.
Frühe Neuzeit Nach der Emder Revolution (1595) ging die Stadt Emden daran, ihr östliches Einzugs- und Zugangsgebiet durch den Erwerb von Herrlichkeiten zu sichern. Im 16. und auch im 17. Jahrhundert waren in mehreren dieser Adelsbesitzungen, deren Herren zumeist auf die mittelalterlichen Häuptlingsgeschlechter zurückgingen, einzelne Zweige oder ganze Familien ausgestorben. Auch waren die Herrlichkeiten oft verschuldet. Sie standen damit für den Erwerb offen, oft durch andere (ostfriesische oder auswärtige) Adlige. Die Emder Stadtväter befürchteten, dass sich die ostfriesischen Grafen der östlich von Emden gelegenen Herrlichkeiten bemächtigen und der Stadt dadurch die wichtigen östlichen Land- und Wasserwege sperren könnten. Daher kaufte die Stadt bei der ersten sich bietenden Gelegenheit 1597 die Herrlichkeiten Wolthusen und Uphusen der Familie des Snelger Howerda zum Preis von 62.750 Gulden ab.
In den Jahren 1629 bis 1631 erwarb die Stadt weitere umliegende Herrlichkeiten am rechten Ufer der unteren Ems. Aus dem Besitz der Familie Frese in Uttum und Hinte kamen die Herrlichkeiten Groß- und Klein-Borssum, später auch Jarßum und Widdelswehr hinzu, wofür Emden zusammen etwas mehr als 21.000 ostfriesische Gulden zahlte. 1631 schließlich erwarb Emden die flächengrößte seiner Herrlichkeiten, Oldersum, mitsamt den umliegenden Dörfern Gandersum, Rorichum, Tergast und Simonswolde. Dafür zahlte die Stadt rund 60.000 Reichstaler. Bis auf die Herrlichkeit Petkum beherrschte Emden damit das gesamte untere rechte Emsufer.Bernd Kappelhoff: Geschichte der Stadt Emden von 1611 bis 1749. Emden als quasiautonome Stadtrepublik. (= Ostfriesland im Schutze des Deiches. Band 11). Verlag Rautenberg, Leer 1994, ISBN 3-7921-0545-4, S. 37.
Die Erwerbungen, aus geografisch-strategischen Erwägungen vorgenommen, sollten nach dem Willen der Emder Stadtführung künftig auch einem weiteren Zweck dienen: Durch die Herrlichkeiten erhoffte sich Emden etwa ab 1636 Sitz und Stimme in der Ritterschaftskurie der Ostfriesischen Landschaft.
Um die Schulden abzubauen, die sich aus dem Erwerb der Herrlichkeiten ergaben, verkaufte die Stadt Emden in den folgenden Jahrzehnten ihre Allodialgüter in den Herrlichkeiten.Bernd Kappelhoff: Geschichte der Stadt Emden von 1611 bis 1749. Emden als quasiautonome Stadtrepublik. (= Ostfriesland im Schutze des Deiches. Band 11). Verlag Rautenberg, Leer 1994, ISBN 3-7921-0545-4, S. 344.
mini|Kolorierte Kupferstichkarte von Homann, Nürnberg, um 1718 zur Weihnachtsflut 1717 Von der Weihnachtsflut 1717 war Uphusen aufgrund seiner etwas binnenwärtigeren Lage östlich von Emden zwar deutlich weniger betroffen als die nördlichen Küstenabschnitte der ostfriesischen Halbinsel. Jedoch kamen auch in der Herrlichkeit nach einer zeitgenössischen Übersicht des Larrelter Predikanten Jacobus Isebrandi HarkenrothZitiert in: Ernst Siebert: Entwicklung des Deichwesens vom Mittelalter bis zur Gegenwart. (= Ostfriesland im Schutze des Deiches. Band 2). Verlag Deichacht Krummhörn, Pewsum 1969, , S. 334 f. fünf Menschen ums Leben. Acht Pferde und 52 Rinder ertranken. Zwei Häuser wurden völlig und ein weiteres teilweise zerstört.
Von der ersten preußischen Zeit bis zum Kaiserreich (1744 bis 1918) Mit Ostfriesland kam die Herrlichkeit Up- und Wolthusen im Jahr 1744 zu Preußen. Aus preußischen Statistiken der Jahre 1805/06 geht hervor, dass es in jenen Jahren in der Herrlichkeit 41 Bewohner ganzer Plätze, zehn Bewohner eines halben und eines Bewohners eines viertel Platzes, also kleinerer Höfe, gab. Hinzu kamen 74 Warfsleute, Kötter und Hausleute. In den Kirchen der Herrlichkeit waren fünf Prediger und sechs Küster tätig. Die Einwohnerzahl der Herrlichkeit betrug 1019. Zur Landwirtschaft kam ein diversifiziertes Gewerbeleben hinzu. So gab es im Handwerk 13 Müller, acht Schuster, jeweils sechs Zimmerleute, Bäcker und Schneider, fünf Leinenweber, jeweils Ziegelstreicher und Brauer sowie einen Branntweinbrenner. 13 Personen waren im Gastgewerbe tätig, wozu die Lage am Treckfahrtstief beigetragen hat. Für die medizinische Versorgung waren zwei Hebammen zuständig. 54 Personen verdienten zudem ihren Lebensunterhalt als Tagelöhner. In der Herrlichkeit befanden sich eine Ölmühle mit fünf und eine Schneidemühle mit zehn Beschäftigten, eine Branntweinbrennerei, Leinewebermanufakturen und eine Ziegelei mit zehn Beschäftigten. In der Landwirtschaft waren 1468 Stück Rindvieh zu verzeichnen (darunter 25 Ochsen und 315 Stück Jungvieh), 447 Schafe, 425 Schweine und 287 Pferde. Im Ackerbau konzentrierten sich die Landwirte auf Hafer und vor allem Raps, bauten in geringerem Umfang aber auch Weizen, Roggen, Gerste, Kartoffeln, Erbsen und Bohnen an.Karl Heinrich Kaufhold, Uwe Wallbaum (Hrsg.): Historische Statistik der preußischen Provinz Ostfriesland (= Quellen zur Geschichte Ostfrieslands. Band 16). Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1998, ISBN 3-932206-08-8, S. 135, 144, 372, 427 f., 593 und 618.
In den Jahren 1798 bis 1800 wurde zwischen Emden und Aurich der Treckschuitenfahrtskanal, später Treckfahrtstief genannt, angelegt. Er führte vom Emder Wall über (das heutige) Tholenswehr nach Marienwehr und knickte dort scharf in südöstliche Richtung nach Uphusen ab. An der „Uphuser Klappe“ entstand nicht nur eine Klappbrücke über den Kanal, die 1807 erstmals erwähnt wurde,Arend Remmers: Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade. Verlag Schuster, Leer 2004, ISBN 3-7963-0359-5, S. 225. sondern auch ein Gasthaus. Mit Schuten, die von Pferden getreidelt wurden, beförderte die Treckfahrtsgesellschaft Post, Stückgut und Passagiere, woher der Kanal seinen Namen erhalten hat.„Trecken“ ist ostfriesisches Plattdeutsch und heißt „ziehen“. Federführend bei der Planung des Kanals war der aus Horsten stammende Wasserbauingenieur Tönjes Bley. Die Gesellschaft konnte sich nicht langfristig etablieren, da der Plan, den Kanal durch die gesamte ostfriesische Halbinsel zu führen, nicht zuletzt an Finanzierungsmängeln scheiterte.Ernst Siebert: Geschichte der Stadt Emden von 1750 bis 1890. In: Ernst Siebert, Walter Deeters, Bernhard Schröer: Geschichte der Stadt Emden von 1750 bis zur Gegenwart. (Ostfriesland im Schutze des Deiches. Band 7). Verlag Rautenberg, Leer 1980, S. 52f. Erst in den Jahren 1880 bis 1888 wurde der Plan aus dem Beginn jenes Jahrhunderts umgesetzt, den Kanal weiter fortzuführen. Er wurde bis Wilhelmshaven verlängert und fortan Ems-Jade-Kanal genannt. Für die Treckfahrtsgesellschaft kam dies zu spät: Der Bau von Chausseen und Bahnlinien in Ostfriesland bedeutete in den 1860er-Jahren das Aus für den regelmäßigen Schiffsverkehr nach Aurich.
Für das Jahr 1823 sind in Uphusen 294 Einwohner überliefert.Fridrich Arends: Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes. Emden 1824, S. 297. (, abgerufen am 6. April 2013)
Nationalsozialismus Während des Krieges war Emden 80-mal das Ziel alliierter Bomber während des Luftkriegs. Die mit der Flugabwehr betrauten Wehrmachtssoldaten versuchten, durch Vernebelung die Zielauffassung der feindlichen Flugzeuge zu verhindern. Dadurch kam es teilweise zu unkontrollierten Abwürfen, so dass auch die Vororte von einzelnen Bomben getroffen wurden. Schäden waren auch in Uphusen zu verzeichnen.Herbert Kolbe: Als alles von vorne begann. 1945/1946. Gerhard Verlag, Emden 1985, ISBN 3-88656-006-6, S. 88.
Nach 1945