mini|Wohngegend am Wolthuser Kolk Wolthusen ist ein Stadtteil der Seehafenstadt Emden in Ostfriesland und wurde 1928 in die Stadt eingemeindet. Der Name des Ortes rührt von der Lage im niedrigen, sumpfigen Wiesenland (= Wold) her, zusammengesetzt mit -husen, also Häusern.Arend Remmers: Von Aaltukerei bis Zwischenmooren – Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade. Verlag Schuster, Leer 2004, ISBN 3-7963-0359-5, S. 246.

In dem Stadtteil, der sich zu einem guten Teil entlang des Ems-Jade-Kanals und anderer Kanäle (Borßumer Kanal, Treckfahrtstief) erstreckt, liegen einige der bevorzugtesten Wohnlagen Emdens. Wolthusen hatte am 30. September 2012 4178 Einwohner,Statistik-Info 4/2012 der Statistikstelle der Stadt Emden; abgerufen am 27. Februar 2013, S. 7. die von der Statistikstelle der Stadt auf zwei Gebiete aufgeteilt werden: Wolthusen-Dorf und Wolthusen-Neubaugebiet, zu dem auch der Stadtteil Tholenswehr gezählt wird. Am 1. Juli 2020 lebten von den 4056 Einwohnern leben 1739 in Wolthusen-Dorf und 1739 in Wolthusen-Neubaugebiet. Mit seinen 4056 Einwohnern ist Wolthusen der fünftgrößte Emder Stadtteil nach dem Stadtzentrum, Barenburg, Borssum und Port Arthur/Transvaal. 2,3 Prozent der Einwohner sind Ausländer, womit der städtische Durchschnitt von 5,1 Prozent deutlich unterschritten wird. Mit der Einführung statistischer Bezirke wurde das Gebiet in Wolthusen/Nord-Ost und Wolthusen/West aufgeteilt. Hier wohnten am 31. Dezember 2024 zusammen 4071 Einwohner.

Lage Wolthusen liegt östlich der Emder Innenstadt. Es grenzt im Norden an den Nachbarstadtteil Tholenswehr, die Grenze bildet der nach diesem Stadtteil benannte Zentralfriedhof Emdens. Durch umfangreiche Neubaugebiete im Norden Wolthusens und östlich bis nordöstlich des Friedhofs hat die Bebauung jedoch inzwischen Tholenswehr erreicht, so dass die Übergänge fließend sind. Das Statistikamt der Stadt Emden zählt Tholenswehr zum Bereich Wolthusen/Neubaugebiet. Westlich von Wolthusen, jenseits des Emder Walls und des Emder Stadtgrabens, liegen die innenstädtischen Viertel Groß-Faldern und Bentinkshof. Im Süden grenzt Wolthusen an Herrentor. Im westlicheren Bereich bildet der Ems-Jade-Kanal die Grenze, im östlichen Bereich teils der Verbindungskanal, zum Teil befindet sich die Grenze jedoch auch in der Feldmark. Im Osten liegen Uphusen und die Feldmark von Marienwehr, Grenze ist hier die Bundesautobahn 31.

Die Wolthuser Gemarkung liegt vollständig in der Knickmarsch.Zu den folgenden Ausführungen vgl. die Bodenübersichtskarte 1:50.000 des Niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie. Kartenserver. nibis.lbeg.de; abgerufen am 14. Juli 2013.

Geschichte Ur- und Frühgeschichte Beim Ausbaggern des Borssumer Vorflutkanals kamen 1984 Keramik-Fundstücke aus der römischen Kaiserzeit ans Tageslicht. Dabei handelte es sich um Rand- und Henkelstücke einer Vase oder eines ähnlichen Behältnisses. Sie sind teils granitgrus-gemagert, teils organisch gemagert.Wolfgang Schwarz, Hans Janssen: Ostfriesische Fundchronik 1984. In: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, 1985, Band 65, S. 148.

Mittelalter Die erste urkundliche Erwähnung Wolthusens stammt aus dem Jahre 1437. Eine noch deutlich ältere Erwähnung der Ortsangabe „in Walthusen“ aus den Fuldaer Traditionen aus dem 8./9. Jahrhundert, die in einer Abschrift aus dem 12. Jahrhundert auftauchte, wurde von dem Historiker von Künzel-Blok-Verhoeff hingegen im Raum der heutigen Provinz Groningen verortet.Arend Remmers: Von Aaltukerei bis Zwischenmooren – Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade. Verlag Schuster, Leer 2004, ISBN 3-7963-0359-5, S. 246.

Für die Zeit der Ostfriesischen Häuptlinge ist Wiard von Uphusen belegt, der im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts wirkte, als sich nacheinander die tom Brok, die Ukenas und schließlich die Cirksenas um die Vorherrschaft in Ostfriesland stritten. Wiard war zu jener Zeit Häuptling von Uphusen und Wolthusen, weshalb später auch von einer Herrlichkeit Up- und Wolthusen gesprochen wurde. Er galt als treuer Anhänger der Cirksenas und als einer der mächtigsten und reichsten Edelleute Ostfrieslands, was auf seinen weit reichenden Besitz zurückzuführen war: Neben seinem Stammsitz Up- und Wolthusen war er auch Häuptling von Groß-Faldern und Klein-Faldern, Borssum, Jarßum und zeitweilig und anteilig auch von Oldersum. Sein Herrschaftsbereich umfasste insgesamt zwölf Kirchspiele.Fridrich Arends: Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes, Emden 1824. , S. 296, abgerufen am 3. April 2013. Wiards Tochter Occa erbte Up- und Wolthusen sowie Jarßum und heiratete Snelger Houwerda. Ihre Nachkommen blieben im Besitz der Herrlichkeit Up- und Wolthusen, bis diese an die Stadt Emden verkauft wurde.

Frühe Neuzeit Nach der Emder Revolution (1595) ging die Stadt Emden daran, ihr östliches Einzugs- und Zugangsgebiet durch den Erwerb von Herrlichkeiten zu sichern. Im 16. und auch im 17. Jahrhundert waren in mehreren dieser Adelsbesitzungen, deren Herren zumeist auf die mittelalterlichen Häuptlingsgeschlechter zurückgingen, einzelne Zweige oder ganze Familien ausgestorben. Auch waren die Herrlichkeiten oft verschuldet. Sie standen damit für den Erwerb offen, oft durch andere (ostfriesische oder auswärtige) Adlige. Die Emder Stadtväter befürchteten, dass sich die ostfriesischen Grafen der östlich von Emden gelegenen Herrlichkeiten bemächtigen und der Stadt dadurch die wichtigen östlichen Land- und Wasserwege sperren könnten. Daher kaufte die Stadt bei der ersten sich bietenden Gelegenheit 1597 die Herrlichkeiten Wolthusen und Uphusen der Familie des Snelger Howerda zum Preis von 62.750 Gulden, einigen Schmuckstücken sowie „einer Piepe des besten Cognacs“ ab.

In den Jahren 1629 bis 1631 erwarb die Stadt weitere umliegende Herrlichkeiten am rechten Ufer der unteren Ems. Aus dem Besitz der Familie Frese in Uttum und Hinte kamen die Herrlichkeiten Groß- und Klein-Borssum, später auch Jarßum und Widdelswehr hinzu, wofür Emden zusammen etwas mehr als 21.000 ostfriesische Gulden zahlte. 1631 schließlich erwarb Emden die flächengrößte seiner Herrlichkeiten, Oldersum, mitsamt den umliegenden Dörfern Gandersum, Rorichum, Tergast und Simonswolde. Dafür zahlte die Stadt rund 60.000 Reichstaler. Bis auf die Herrlichkeit Petkum beherrschte Emden damit das gesamte untere rechte Emsufer.Bernd Kappelhoff: Geschichte der Stadt Emden von 1611 bis 1749. Emden als quasiautonome Stadtrepublik. Verlag Rautenberg, Leer 1994, S. 37 (Ostfriesland im Schutze des Deiches, Band 11).

Die Erwerbungen, aus geografisch-strategischen Erwägungen vorgenommen, sollten nach dem Willen der Emder Stadtführung künftig auch einem weiteren Zweck dienen: Durch die Herrlichkeiten erhoffte sich Emden etwa ab 1636 Sitz und Stimme in der Ritterschaftskurie der Ostfriesischen Landschaft.

mini|Kolorierte Kupferstichkarte von Homann, Nürnberg, um 1718 zur Weihnachtsflut 1717 Von der Weihnachtsflut 1717 war Wolthusen aufgrund seiner etwas binnenwärtigeren Lage östlich von Emden zwar deutlich weniger betroffen als die nördlichen Küstenabschnitte der ostfriesischen Halbinsel. Jedoch kamen auch in der Herrlichkeit nach einer zeitgenössischen Übersicht des Larrelter Prädikanten Jacobus Isebrandi HarkenrothZitiert in: Ernst Siebert: Entwicklung des Deichwesens vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Verlag Deichacht Krummhörn, Pewsum 1969, S. 334 f. (Ostfriesland im Schutze des Deiches, Band 2) fünf Menschen ums Leben. Acht Pferde und 52 Rinder ertranken. Zwei Häuser wurden völlig und ein weiteres teilweise zerstört.

Preußische Zeit Mit Ostfriesland kam die Herrlichkeit Up- und Wolthusen im Jahr 1744 zu Preußen. In den Jahren 1798 bis 1800 wurde zwischen Emden und Aurich der Treckschuitenfahrtskanal, später Treckfahrtstief genannt, angelegt. Er führte vom Emder Wall durch die Herrlichkeit Up- und Wolthusen: über (das heutige) Tholenswehr nach Marienwehr und dort scharf in südöstliche Richtung. Mit Schuten, die von Pferden getreidelt wurden, beförderte die Treckfahrtsgesellschaft Post, Stückgut und Passagiere, woher der Kanal seinen Namen erhalten hat.„Trecken“ ist ostfriesisches Plattdeutsch und heißt „ziehen“. Federführend bei der Planung des Kanals war der aus Horsten stammende Wasserbauingenieur Tönjes Bley. Die Gesellschaft konnte sich nicht langfristig etablieren, da der Plan, den Kanal durch die gesamte ostfriesische Halbinsel zu führen, nicht zuletzt an Finanzierungsmängeln scheiterte.Ernst Siebert: Geschichte der Stadt Emden von 1750 bis 1890. In: Ernst Siebert, Walter Deeters, Bernhard Schröer: Geschichte der Stadt Emden von 1750 bis zur Gegenwart. Verlag Rautenberg, Leer 1980, S. 52 f. (Ostfriesland im Schutze des Deiches, Band 7.) Erst in den Jahren 1880 bis 1888 wurde der Plan aus dem Beginn jenes Jahrhunderts umgesetzt, den Kanal weiter fortzuführen. Er wurde bis Wilhelmshaven verlängert und fortan Ems-Jade-Kanal genannt. Für die Treckfahrtsgesellschaft kam dies zu spät: Der Bau von Chausseen und Bahnlinien in Ostfriesland bedeutete in den 1860er Jahren das Aus für den regelmäßigen Schiffsverkehr nach Aurich.

Aus preußischen Statistiken der Jahre 1805/06 geht hervor, dass es in jenen Jahren in der Herrlichkeit 41 Bewohner ganzer Plätze, zehn Bewohner eines halben und eines Bewohners eines viertel Platzes, also kleinerer Höfe, gab. Hinzu kamen 74 Warfsleute, Kötter und Hausleute. In den Kirchen der Herrlichkeit waren fünf Prediger und sechs Küster tätig. Die Einwohnerzahl der Herrlichkeit betrug 1019. Zur Landwirtschaft kam ein diversifiziertes Gewerbeleben hinzu. So gab es im Handwerk 13 Müller, acht Schuster, jeweils sechs Zimmerleute, Bäcker und Schneider, fünf Leinenweber, jeweils Ziegelstreicher und Brauer sowie einen Branntweinbrenner. 13 Personen waren im Gastgewerbe tätig, wozu die Lage am Treckfahrtstief beigetragen hat. Für die medizinische Versorgung waren zwei Hebammen zuständig. 54 Personen verdienten zudem ihren Lebensunterhalt als Tagelöhner. In der Herrlichkeit befanden sich eine Ölmühle mit fünf und eine Schneidemühle mit zehn Beschäftigten, eine Branntweinbrennerei, Leinewebermanufakturen und eine Ziegelei mit zehn Beschäftigten. In der Landwirtschaft waren 1468 Stück Rindvieh zu verzeichnen (darunter 25 Ochsen und 315 Stück Jungvieh), 447 Schafe, 425 Schweine und 287 Pferde. Im Ackerbau konzentrierten sich die Landwirte auf Hafer und vor allem Raps, bauten in geringerem Umfang aber auch Weizen, Roggen, Gerste, Kartoffeln, Erbsen und Bohnen an.Karl Heinrich Kaufhold; Uwe Wallbaum (Hrsg.): Historische Statistik der preußischen Provinz Ostfriesland (Quellen zur Geschichte Ostfrieslands, Band 16), Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1998, ISBN 3-932206-08-8, S. 135, 144, 372, 427 f., 593 und 618.

Hannoversche Zeit und Kaiserreich