Port Arthur/Transvaal ist ein Stadtteil der Seehafenstadt Emden in Ostfriesland. Er liegt im Süden der Stadt nahe dem Hafen und ist als Arbeiterviertel etwa um das Jahr 1900 entstanden, als sich in Emden eine spürbare Industrialisierung vollzog; der Name erinnert an die Seeschlacht vor Port Arthur sowie die Transvaal-Republik im Burenkrieg in jener Zeit.

Ende Juni 2017 wurden in Port Arthur/Transvaal 4940 Einwohner gezählt. Diese lebten auf einer Fläche von rund 11,64 km².Emdens Stadtteile – Port Arthur/Transvaal In: emderzeitung.de

Geografie mini|Luftbild eines Teils Transvaals, im Vordergrund die Cassens-Werft mini|links|Luftbild eines Teils Transvaals, im Vordergrund links die Nordseewerke Die genaue Abgrenzung des Stadtteils ist von der Emder Stadtverwaltung kartografisch dokumentiert. Nach dieser Definition, die deutlich weiter gefasst ist als der eigentliche Siedlungskern, gehört unter anderem auch das Volkswagenwerk Emden zum Stadtteil Port Arthur/Transvaal. Es wird jedoch aufgrund seiner Lage im Larrelter Polder unmittelbar südöstlich des Stadtteils Larrelt unter den Emdern auch dem letztgenannten Stadtteil zugeordnet. Die Beschilderung der Stadt, die an den Einfallstraßen die Grenzen des Stadtteils anzeigt, folgt übrigens dieser statistischen Gliederung selbst nicht: Sie kennzeichnet nur den engeren, fast ausschließlich mit Wohnhäusern bebauten Teil als Port Arthur/Transvaal und lässt selbst direkt benachbarte Mischgebiete (Wohnen/Gewerbe) dabei ausgeklammert.

Die statistischen Grenzen des Stadtteils bilden ungefähr eine Teilstrecke der Bahnlinie Leer–Emden, die Bahn-Stichstrecke zum VW-Werk, die Frisiastraße (Verlängerung der A 31), die Larrelter und die Wolfsburger Straße, der Seedeich und eine gedachte Linie durch den Neuen Binnenhafen sowie das Emder Fahrwasser. Damit umfasst das Gebiet des Stadtteils Port Arthur/Transvaal auch einen wesentlichen Teil des Emder Hafens, unter anderem den Außenhafen mit dem Fähranleger nach Borkum und den Autoport, den drittgrößten Autoverladehafen Europas. Auch die Cassens-Werft und weitere Betriebe in den Gewerbe- und Industriegebieten zählen zum Stadtteil. Im Westen grenzt Port Arthur/Transvaal an Logumer Vorwerk (Grenze im Larrelter Polder), im Nordwesten an Larrelt, im Norden an Constantia, im Nordosten an das Behördenviertel und im Osten an die Kolonie Friesland und Borssum.

Während die Einwohner anderer Emder Stadtteile vom Stadtteil zumeist nur verkürzt als Transvaal sprechen und dabei beide Teile des Stadtteils meinen, unterscheiden die Bewohner des Viertels selbst recht genau zwischen Port Arthur und Transvaal. Die Grenze zwischen beiden Teilen bildet die Saxumer Straße. Port Arthur liegt näher zur Innenstadt, Transvaal weiter außerhalb. Die ersten Häuser des Stadtteils entstanden im Teil Transvaal, seinerzeit also vom Stadtzentrum Emdens weit entfernt. Im Volksmund heißt es im Übrigen oftmals, man wohne auf Transvaal, nicht in Transvaal, wie es auch bei vielen anderen ostfriesischen Orten üblich ist.

Geschichte Frühgeschichte Weite Teile des Gebiets im heutigen Port Arthur/Transvaal waren bis ins 19. Jahrhundert noch Wattflächen, zum Großteil floss dort in früheren Jahrhunderten noch die Ems entlang. Der südlichste Teil, das ehemalige Dorf Nesserland, hingegen gehörte bis zur Zweiten Cosmas- und Damianflut am 25./26. September 1509 zum gegenüberliegenden Ufer der Ems, dem Rheiderland.

mini|Baumfällversuch mit der Rekonstruktion eines (bandkeramischen) Dechsels im experimentalarchäologischen Feldversuch Aus der Mittelsteinzeit sind entlang der Ems Funde gemacht worden, die auf die Anwesenheit von Menschen hindeuten. Selbiges gilt für die benachbarten, aber deutlich besser erforschten Nordostniederlande. Aus dem Emder Hafen wurden bei Baggerarbeiten zwei donauländische Dechsel geborgen, darüber hinaus ein Flintbeil und ein Tongefäß aus der Trichterbecherkultur. „Möglicherweise konnte der Emsuferwall bei einem Stillstand des Meeresspiegelanstiegs auf den Ablagerungen der Calais-II-Transgression besiedelt werden. Etwa eintausend Jahre später war das auf den Ablagerungen der Calais-III-Transgression offenbar wieder möglich.“Wolfgang Schwarz: Die Urgeschichte in Ostfriesland , Verlag Schuster, Leer 1995, ISBN 3-7963-0323-4, S. 35. Im Folgenden Schwarz: Urgeschichte.

Die Flussmarsch der Ems wurde ab der älteren vorrömischen Eisenzeit, etwa im 7. Jahrhundert v. Chr., planmäßig besiedelt, und zwar vor allem das Südufer – im Emder Stadtgebiet also der Bereich Nesserland. Die Menschen siedelten auf einem schmalen Streifen auf dem Emsuferwall, der sowohl Schutz vor dem Wasser des Flusses bot als auch hoch genug gelegen war, um die Moräste des Sietlandes zu umgehen. Dieses hatte sich westlich des Emsuferwalls gebildet, als sich durch einen Anstieg des Meeresspiegels das Emswasser zunehmend staute und der natürlich Abfluss des Regenwassers aus dem Hinterland immer mehr ins Stocken geriet. Die Siedler fanden, vom Fluss aus betrachtet landeinwärts, eine von der Tide beeinflusste Schilfzone, Weichholzauen mit Weidengebüschen und -wald sowie Hartholzauen mit Ulmen, Erlen, Eichen und Eschen vor.Schwarz: Urgeschichte. S. 153 f. Entsprechende Gebiete in der Gemeinde Jemgum sind mittlerweile gut erforscht. Die Marschsiedlungen erlaubten sowohl Viehzucht als auch Ackerbau. Unter den Nutztieren waren Rinder und Schafe vorherrschend. Genutzt wurde bei den Rindern deren Fleisch, Milch, Knochen und Fell, außerdem dienten sie als Zug- und Lasttiere. Inwieweit dies auch auf das Pferd zutraf, ist bis dato nicht festzustellen gewesen. Schafe lieferten darüber hinaus Wolle. Über weitere Haustiere, etwa Geflügel, ist ebenfalls noch nichts bekannt.Schwarz: Urgeschichte. S. 161 f. Der Fischfang war trotz der Nähe zum Fluss nur von untergeordneter Bedeutung.Schwarz: Urgeschichte. S. 184.

Mittelalter mini|Auf der Ostfriesland-Karte von Ubbo Emmius (1595) ist die Insel Nesserland (grün) am gegenüberliegenden Ufer Emdens deutlich zu erkennen (linker unterer Quadrant). 1509 brach die Zweite Cosmas- und Damianflut (25./26. September) über den Landstrich herein. Sie schuf den Dollart und durchbrach die Halbinsel, auf der sich Nesserland befand. Die Ems floss seitdem an Emden vorbei auf geradlinigem Weg in die Nordsee – unterbrochen nur von einer kurzen Phase um das Jahr 1600, als das Nesserlander Höft gebaut wurde, das die Ems wieder in den nördlichen Bogen am Emder Stadtkern vorbeizwang. Es hielt jedoch nur wenige Jahrzehnte.

Aus der früheren Halbinsel Nesserland war 1509 eine kleine Insel geworden, umgeben von der Ems und im Norden vom ständig auszuspülenden Fahrwasser zum Emder Hafen sowie Wattflächen. An das Dorf Nesserland erinnern heute noch die Hauptverkehrsstraße des Stadtteils, die Nesserlander Straße, die dort befindliche ehemalige Grundschule Nesserland und ein kleines, inzwischen weitgehend überwuchertes, ehemaliges Friedhofsgelände, auf dem jedoch keine Grabsteine mehr zu erkennen sind.

Kaiserzeit mini|links|Eindeichung von Poldern am Dollart In der Mitte des 19. Jahrhunderts, insbesondere aber nach den deutschen Einigungskriegen, begannen Überlegungen, das Gebiet im Süden des Emder Stadtkerns einzudeichen und so Flächen für eine Hafenerweiterung und für Industrieansiedlungen zu gewinnen. In den Jahren 1873/1875 wurde schließlich durch Eindeichung der Kaiser-Wilhelm-Polder dem Meer abgerungen. Auf dessen Gebiet befindet sich heute der Kern des Stadtteils Port Arthur/Transvaal. Das VW-Werk hingegen, das sich westlich des Stadtteilkerns befindet, liegt in dem erst zwischen 1912 und 1923 eingedeichten Larrelter Polder. Das ehemalige Dorfgebiet Nesserlands liegt heute also ganz im Süden Port Arthur/Transvaals, fast direkt an der Ems. mini|Blick in die Torumer Straße, historischer Kern des Arbeiterviertels Der Stadtteil ist ab 1901 als Arbeitersiedlung für Hafenbeschäftigte entstanden. Er befindet sich in unmittelbarer Nähe der Westseite des Emder Hafens. So zog etwa die bis dahin am Falderndelft im Emder Stadtzentrum gelegene Cassens-Werft in den neu erbauten Teil des Hafens um. Die Nordseewerke wurden 1903 gegründet. Der Umschlag von Kohle aus dem Ruhrgebiet und von Erz für das Ruhrgebiet nahm rasch zu. Emden begann in jener Zeit, der Seehafen des „Kohlenpotts“ zu werden. Die Einwohnerzahl der Stadt Emden stieg an, und besonders für die Beschäftigten in den wachsenden Industrie- und Hafenbetrieben bestand Bedarf für Wohnraum – idealerweise nahe der Arbeitsstätten. Der erst wenige Jahrzehnte zuvor eingedeichte Kaiser-Wilhelm-Polder bot sich aus den genannten Gründen als Standort für ein neu zu errichtendes Arbeiterviertel an.

Eine größere Zahl der zu jener Zeit erbauten Gebäude steht noch heute, darunter in den Straßenzügen Torumer Straße und Wilgumer Straße, wo sich die ältesten Gebäude des Stadtteils überhaupt befinden. Benannt wurde Port Arthur/Transvaal nach zwei Ereignissen aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts: der Seeschlacht bei Port Arthur im Zuge des Russisch-Japanischen Krieges sowie der Provinz Transvaal in Südafrika, zu jener Zeit Schauplatz des Burenkrieges.

Weimarer Republik In den Jahren der Weimarer Republik war Port Arthur/Transvaal neben dem 1928 eingemeindeten Stadtteil Borssum und der Werftarbeiter-Kolonie Friesland eine der Hochburgen der KPD in der Hafenstadt. Die KPD lag in diesen drei Stadtteilen bei der Kommunalwahl 1928 noch vor der SPD, die allerdings in anderen Stadtteilen ebenfalls über Rückhalt verfügte und somit stadtweit knapp vor der KPD lag: Die Sozialdemokraten erhielten acht Sitze im Bürgervorsteherkollegium (Stadtrat), die Kommunisten sieben. Liberale Parteien blieben in Port Arthur/Transvaal ohne Erfolge, wo sich der hohe Anteil von Beschäftigten auf den drei Werften, in den Hafenumschlagsbetrieben, in der Schifffahrt und in der Heringsfischerei bemerkbar machte.Dietmar von Reeken: Ostfriesland zwischen Weimar und Bonn. Eine Fallstudie zum Problem der historischen Kontinuität am Beispiel der Städte Emden und Aurich (Quellen und Untersuchungen zur Geschichte Niedersachsens nach 1945, Band 7), Verlag August Lax, Göttingen 1991, ISBN 3-7848-3057-9, S. 35f. Nach einer Versammlung des rechtsgerichteten Stahlhelms zogen Mitglieder dieser Gruppierung in provozierender Absicht durch den Stadtteil, woraufhin sie nach einem Bericht der kommunistischen Bremer Arbeiter-Zeitung mit manchen „Erfrischungen“ aus der dritten und vierten Etage „gebührend empfangen“ wurden.Zitiert in: Dietmar von Reeken: Ostfriesland zwischen Weimar und Bonn. Eine Fallstudie zum Problem der historischen Kontinuität am Beispiel der Städte Emden und Aurich (Quellen und Untersuchungen zur Geschichte Niedersachsens nach 1945, Band 7), Verlag August Lax, Göttingen 1991, ISBN 3-7848-3057-9, S. 50. In den folgenden Jahren bis 1933 verschärfte sich auch in Emden der Kampf der beiden Arbeiterparteien SPD und KPD gegeneinander, wozu Einflüsse der KPD-Bezirksleitung in Bremen beigetragen haben. Die Sozialdemokraten mobilisierten in den folgenden Jahren zumeist mehr Mitglieder als die KPD, so etwa bei getrennten Umzügen am Ersten Mai. Die Kommunalwahl 1929 brachte den Kommunisten in den Arbeitervierteln Verluste, sie verlor einen Sitz im Bürgervorsteher-Kollegium (von sieben auf sechs).

1925 entstand im Hafen in unmittelbarer Nähe zur Großen Seeschleuse eine weitere kleine Hafenarbeitersiedlung an der Narvikstraße, so benannt nach einem der Haupt-Exporthäfen für nach Emden importiertes Eisenerz.Axel Milkert: Wohnen im Schatten der Schleuse endet. In: Emder Zeitung, 15. Juli 2013, abgerufen am 8. August 2016.

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