Klein-Faldern ist ein Teil des Stadtzentrums von Emden innerhalb des Wallringes. Mit der Einführung statistischer Bezirke wird Klein-Faldern zusammen mit dem Eisenbahndock geführt. Dieser statische Bezirk hat 1995 Einwohner (Stand 31. Dezember 2024).
Klein-Faldern wurde bereits in der frühen Neuzeit nach Emden eingemeindet. Der Name geht vermutlich auf das Wort fald/valt (= Viehstall oder Viehgehege) zurück.Arend Remmers: Von Aaltukerei bis Zwischenmooren – Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade. Verlag Schuster, Leer 2004, ISBN 3-7963-0359-5, S. 68.
Geografie Klein-Faldern liegt östlich bis südöstlich der Emder Altstadt. Nördlich und nordwestlich des Stadtteils befindet sich Groß-Faldern, von Klein-Faldern getrennt durch den Falderndelft. An der Kesselschleuse trifft Klein-Faldern in einem Punkt an den Stadtteil Wolthusen. Östlich von Klein-Faldern erstreckt sich Herrentor, im Südwesten und Süden wird der Stadtteil von der Kolonie Friesland begrenzt. Westlich von Klein-Faldern, jenseits des Alten Binnenhafens, befindet sich das Behördenviertel.
Geschichte Mittelalter In Klein Faldern wurde 1276 ein Vertrag der friesischen Gaue mit dem Bischof von Münster, die sogenannte Bischofssühne, abgeschlossen, in dem kirchenrechtliche und Handelsfragen geregelt wurden. In Klein Faldern befand sich auch ein Häuptlingssitz. Von den Häuptlingen sind aber nur Wiard und sein Sohn Garrelt überliefert. 1408 wurde die Burg von der Stadt Emden unter der Führung des Propstes Hisko Abdena erobert und geschleift. Garrelt verlegte daraufhin seinen Sitz nach Uphusen. Nach seinem Tod im Jahr 1427 verlor Klein Faldern seine Selbstständigkeit und fiel an die Häuptlinge von Groß-Faldern.
Frühe Neuzeit Klein-Faldern war bis in die 1570er-Jahre hinein ein kleines Dorf östlich von Emden. Im Laufe des vermehrten Zuzugs niederländischer Religionsflüchtlinge in jener Zeit wuchs die Stadt über ihre damaligen Grenzen hinaus, um Wohnraum zu schaffen, und gliederte Klein-Faldern ins Stadtgebiet ein.
Nach der Fertigstellung des Emder Walls im frühen 17. Jahrhundert war der Stadtteil Klein-Faldern von zwei der insgesamt zehn Zwinger geschützt: dem noch heute bestehenden Weiße-Mühlen-Zwinger und dem sich daran anschließenden Borssumer Zwinger. Im ausgehenden 17. Jahrhundert kam noch der direkt zur Ems gelegene Emszwinger hinzu – der Fluss floss seinerzeit noch eng an der heutigen Innenstadt vorbei. Der Emszwinger und der Borssumer Zwinger wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts niedergelegt.Hummerich: Auf den Spuren einer Emder Straße. S. 16.
Entwicklung seit dem frühen 19. Jahrhundert Als in den 1840er-Jahren der Emder Hafen zu einem tidefreien Hafen umgebaut wurde und zugleich östlich des neu angelegten Emder Fahrwassers zwischen dem Alten Binnenhafen und der Ems Polder angelegt wurden, erlaubte dies auch den Ausbau von Klein-Faldern in südliche Richtung. Bis dahin reichte die Bebauung in südlicher Richtung lediglich bis zur Lienbahnstraße.
Eine wesentliche Erweiterung erfuhr Klein-Faldern nach Fertigstellung der Hannoverschen Westbahn: Der (damalige) Emder Hauptbahnhof (späterer Name: Bahnhof Süd) wurde am 20. Juni 1856 als Kopfbahnhof eingeweiht. In einem Vertrag mit dem Hannoverschen Staat verpflichtete sich die Stadt Emden, eine städtebauliche Verbindung herzustellen zwischen dem Stadtkern und dem bereits bebauten Teil Klein-Falderns einerseits sowie dem zum damaligen Zeitpunkt noch mehrere Hundert Meter abseits und isoliert gelegenen Hauptbahnhof.Hummerich: Auf den Spuren einer Emder Straße. S. 11. Für den Export von Gütern wurde eine Umschlagstelle geschaffen, die dem heutigen kombinierten Verkehr entspricht: Direkt südlich des Hauptbahnhofes entstanden mehrere Gleise und Güterschuppen, weiter südlich ein neues Hafenbecken namens Eisenbahndock. Güter konnten, mit der Bahn kommend, von dort direkt auf Schiffe verladen werden. Die städtebauliche Erweiterung von Klein-Faldern in Richtung Südosten, also zum damaligen Hauptbahnhof, ließ hingegen noch mehrere Jahrzehnte auf sich warten.Hummerich: Auf den Spuren einer Emder Straße. S. 23.
Stattdessen ließ die Stadt am südöstlichen Rand von Klein-Faldern um das Jahr 1860 zunächst ein Gaswerk errichten, das erste der Stadt. Es kündigte zusammen mit dem Hauptbahnhof und den vermehrt in den Hafen einlaufenden Dampfschiffen den Heraufzug des Industriezeitalters an. Fertiggestellt wurde das Gaswerk 1861. Die Stadt Emden war dafür einen Vertrag mit dem Nürnberger Finanzier Emil Speng eingegangen, der sich verpflichtete, das Werk zu bauen, für 35 Jahre von der Stadt zu pachten und hernach wieder an Emden zurückzugeben. Am 10. Oktober 1861 brannten in Emden die ersten Gaslaternen.Hummerich: Auf den Spuren einer Emder Straße. S. 24.
Zwischen 1876 und etwa 1900 entstanden an der Bahnhofstraße (heute: südlicher Teil der Friedrich-Ebert-Straße) mehrere historistische Villen begüterter Emder, die Straße galt als bevorzugte Wohnlage. Unter anderem zog Emdens Oberbürgermeister Leo Fürbringer in ein dort neu erbautes Haus ein. Der Holzhändler und Senator Carl Dantziger ließ ein mit Säulen bestücktes Wohnhaus errichten, weitere Villen gehörten dem Bauunternehmer Kistenmacher, dem englischen Vizekonsul und Senator Franz Ihnen, dem Amtsgerichtsrat Thomsen und dem Fischereidirektor Zimmermann. Auch in der parallel verlaufenden Courbièrestraße entstanden Villen, unter anderem zog hier der Emder Reeder Nübel ein. Durch die Lage am Hauptbahnhof und die gleichzeitige Nähe zu den seinerzeit noch im Alten Binnenhafen startenden Borkumfähren boten sich auch für Hoteliers und andere Gastronomen gute Entwicklungsmöglichkeiten: Bereits 1879 entstand das Hotel Union, ein Jahr später das Hotel Bellevue (heute: Hotel Schmidt) sowie in den Folgejahren weitere Hotels und Gaststätten.Hummerich: Auf den Spuren einer Emder Straße. S. 29 ff.
Als in den Jahren 1880 bis 1888 der Ems-Jade-Kanal fertiggestellt wurde und sich die Entwässerungssituation für Emden und sein Umland dadurch spürbar verbesserte, ergaben sich auch Konsequenzen für den Stadtteil Klein-Faldern: Zur Spülung der Siele, bis dahin für die Entwässerung nötig, waren einige der innerstädtischen Wasserläufe Emdens nicht mehr notwendig. In Klein-Faldern wurde daher das sogenannte „Stinktief“ verfüllt, das seinen Namen aufgrund der Geruchsbelästigungen durch unhygienische Abfälle hatte. Das Tief verlief, vom Falderndelft abzweigend, unter der Mühlenstraße und der Kranstraße hindurch und hatte zwischen den genannten Straßen noch zwei rechtwinklig abzweigende Seitenkanäle. Auf dem Raum, den das Tief eingenommen hatte, entstand eine neue Straße, die den Namen Am Rosentief erhielt.Marianne Claudi, Reinhard Claudi: Goldene und andere Zeiten. Emden, Stadt in Ostfriesland. Gerhard Verlag, Emden 1982, ISBN 3-88656-003-1, S. 114. Bei der Anlegung des Ems-Jade-Kanals wurde zugleich das Siel aufgegeben, stattdessen wurde eine Drehbrücke über die damalige Neue Straße (heute: Friedrich-Ebert-Straße) errichtet.Claudi, Claudi: Goldene und andere Zeiten. S. 116.
Am Ende des 19. Jahrhunderts, als das Eisenbahndock aufgrund des Baus des Dortmund-Ems-Kanals für den Bahn-Güterverkehr in Richtung Ruhrgebiet rapide an Bedeutung einbüßte, wurde das Hafenbecken als „Badeanstalt“ genutzt.Hummerich: Auf den Spuren einer Emder Straße. S. 12. 1896 entstand an der Courbièrestraße ein markantes neues Bauwerk, der 35 Meter hohe, im Stile der Zeit von Zinnen gekrönte Wasserturm, der bis 1974 seine Funktion als Druckerzeuger im Emder Wassernetz behielt.Hummerich: Auf den Spuren einer Emder Straße. S. 33 f.
Als Verbindungsstraße zwischen der Faldernbrücke über den Falderndelft, der Allee in Richtung Borssum sowie der Neuen Straße und der Bahnhofstraße wurde 1896 eine neue Straße projektiert und bis 1901 fertiggestellt: die Martin-Faber-Straße, die heute Hauptdurchgangsstraße zwischen dem Emder Stadtkern und den östlichen Vororten ist. Sie wurde als erste Straße Emdens nach einer Emder Persönlichkeit benannt und als dritte Straße Emdens nach einer Person überhaupt (die anderen beiden waren in den Jahren zuvor die Bismarckstraße und die Wilhelmstraße, heute Neutorstraße, letztere benannt nach Kaiser Wilhelm I.). Bis dahin waren Straßennamen zumeist nur nach geografischen Gegebenheiten benannt worden.Hummerich: Auf den Spuren einer Emder Straße. S. 39.
Kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die Richardstraße angelegt und deren Ostseite mit Mietshäusern bebaut. Benannt wurde die Straße nach Franz Richard, von 1907 bis 1921 Präsident der Eisenbahndirektion Münster. Richard galt nicht nur als Befürworter des Emder Hafenausbaus, sondern auch als Förderer des Sozialen Wohnungsbaus.Hummerich: Auf den Spuren einer Emder Straße. S. 48.
Weimarer Republik und Nationalsozialismus In Emden gab es zur Zeit der Weimarer Republik weiterhin einen starken Mangel an Wohnraum. Diesem Mangel sollte durch die Forcierung des sozialen Wohnungsbaus entgegengewirkt werden. Neben der Baupolitik der Stadt spielten dabei vor allem Wohnungsbaugenossenschaften eine wichtige Rolle. In Klein-Faldern entstand zu jener Zeit der bis heute längste Wohnblock Emdens: Auf dem früheren Deich zwischen Faldern und Borssum baute der Beamten-Bau- und Wohnungsverein entlang der Petkumer Straße zwischen Courbièrestraße und dem Sportplatz der Freien Turnerschaft Mietwohnungen. Auch die Westseite der Richardstraße wurde bebaut, an der Hafenstraße (heute: Friedrich-Naumann-Straße) wurden die letzten Baulücken gefüllt. Auch hier entstanden vorwiegend Mietwohnungsbauten.Hummerich: Auf den Spuren einer Emder Straße. S. 48 f.
Bis in die 1930er-Jahre führte das Herrentorstief nach Klein-Faldern. Es zweigte nahe der Herrentorsbrücke vom Fehntjer Tief ab und führte nahezu auf die Neue Straße (Friedrich-Ebert-Straße) zu. In Höhe des Hotels Heeren befanden sich mehrere sogenannte Stigte – Treppen am Kanalufer, an denen vornehmlich die Torfschiffer aus den ostfriesischen Fehngebieten ihre Ware entluden. Der Wasserlauf wurde jedoch in den 1930er-Jahren zugeschüttet und an seiner Stelle die Straße Am Herrentor verbreitert.Gunther Hummerich: Emden in den Zwanziger- und Dreißiger-Jahren. Sutton Verlag, Erfurt 2004, ISBN 3-89702-680-5, S. 78f.
mini|hochkant|Vor dem Treffpunkt der Kommunisten, der Gaststätte Kap Horn (heute: Herrentor), erinnert ein Stolperstein an den Gastwirt Friedrich W. Scheiwe.