Die Altstadt von Jerusalem (; ; ) erstreckt sich auf einer Fläche von knapp 1 km². Sie ist definiert als das Areal, das von der Stadtmauer Süleymans des Prächtigen aus dem 16. Jahrhundert umschlossen wird. Außerhalb dieser Mauern befinden sich zwei Gebiete, die historisch zur Stadt Jerusalem gehören: der Berg Zion im Südwesten, an dem die Traditionen des Davidsgrabs (jüdisch) und des Abendmahlssaals (christlich) haften, und die sogenannte Davidsstadt im Südosten, ein Felssporn, auf dem sich das Urusalim oder Uruschalimum der mittleren Bronzezeit, beziehungsweise das Jerusalem der Eisenzeit befand. Die durch die Mauern Süleymans definierte Altstadt ist also gegenüber früheren Perioden der Stadtgeschichte ein Stück nordwärts versetzt.
Geschichte Zwar hatte das antike Jerusalem unter Herodes Agrippa I. seine maximale Ausdehnung erreicht und umschloss im Norden wie im Süden Gebiete, die außerhalb der heutigen Altstadt lagen (siehe: Holyland-Modell der Stadt Jerusalem), doch bedeutete die Zerstörung der Stadt im Jahr 70 n. Chr. eine Zäsur in der Stadtentwicklung. Einzig das Tempelareal blieb durch seine mächtigen Umfassungsmauern eindeutig definiert.
Die (nicht ummauerte) Neugründung Kaiser Hadrians, Aelia Capitolina, nimmt ungefähr den Raum ein, der später durch die Altstadtmauern begrenzt wurde: Die Zivilstadt befand sich im Norden auf dem Areal des christlichen und muslimischen Viertels, das Standlager der Legio Decima Fretensis im Süden, im Bereich des Armenischen und des Jüdischen Viertels. Von jetzt an ging die Entwicklung der Stadtgrenzen und der wichtigsten Straßen kontinuierlich weiter, so dass sie sich mit dem heutigen Stadtplan in Verbindung bringen lassen. Beispiele:
Forum und byzantinischer Marktplatz: Muristan Cardo Maximus: Suq Chan ez-Zeit, dreifacher Suq, Rechov Chabad Cardo Secundus: Tariq al-Wad Decumanus: Tariq Bab as-Silsila, David Street
Das byzantinische Jerusalem hatte im Norden, Westen und Osten bereits den heutigen Stadtmauerverlauf, schloss aber im Süden die Davidsstadt und den Zion mit ein, so dass ein Stadtareal von etwa 120 ha entstand (Mauer der Kaiserin Eudokia, 443–460).
In frühislamischer Zeit wurde dann die Südgrenze der Stadt auf der heutigen Linie gezogen, doch war der Zionsberg unter den Ajjubiden mit Mauer und Turm umfasst. Als Al-Muʿazzam 1219 die Stadtmauern von Jerusalem niederlegen ließ, wanderte die nun schutzlose Bevölkerung zu einem großen Teil ab. So bedeutete es eine Wende in der Stadtentwicklung, als Süleyman der Prächtige durch den Architekten Sinan Pascha und auf den Resten der früheren Stadtbefestigung eine repräsentative Mauer um Jerusalem bauen ließ.
Folgende Faktoren führten im 19. Jahrhundert zu einem Wachstum Jerusalems zur Großstadt:
Einwanderung von Juden aus der Diaspora (wobei Jerusalem bevorzugt von religiösen Einwanderern als Ziel gewählt wurde); Erwerb großer Flächen durch christliche Organisationen; Bevölkerungswachstum der einheimischen Palästinenser.
Die ummauerte Altstadt war nur mehr ein kleiner Teil dieses neuen Jerusalem, „an dessen Mauern sich im Norden und Westen direkt slumartige Wohnquartiere anschlossen.“
Die Großmächte des 19. Jahrhunderts richteten sich in der Altstadt von Jerusalem eine sichtbare Präsenz ein. Den Anfang machten die Briten mit dem Bau der Christuskirche (1843). „Jede Nation wollte Jerusalem in ihrem Sinne prägen und eigene architektonische Akzente setzen.“
Der Bürgermeister Hussein al-Husseini übergab die Stadt am 9. Dezember 1917 kampflos an die britische Armee, so dass General Edmund Allenby am 11. Dezember in Jerusalem einziehen konnte. 1920 wurde das Völkerbundsmandat für Palästina errichtet, das auch Jerusalem umfasste. In dieser Zeit kam es wiederholt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Muslimen. Im gegen das britische Mandat gerichteten Arabischen Aufstand 1936–1939 hatten die Rebellen im Oktober 1938 kurzzeitig die Kontrolle über die Altstadt. Als 1948 der Palästinakrieg ausbrach, war sie heftig umkämpft und wurde in der Folge von Jordanien besetzt und 1950 annektiert. Für die nächsten 19 Jahre gehörte die Altstadt zum jordanisch kontrollierten Ostjerusalem. Während dieser Zeit war die Altstadt nach Westen hin abgeriegelt, die westlichen Altstadttore wurden vermauert. Sie verfiel in den folgenden Jahren zusehends, insbesondere das Jüdische Viertel.
1967 während des Sechstagekriegs eroberten israelische Truppen die Altstadt, und die Jerusalemer Stadtverwaltung wurde auf Ostjerusalem mit der darin liegenden Altstadt ausgeweitet. Die Stadtverwaltung hat seither im gesamten Altstadtgebiet viele Gebäude saniert oder neu aufgebaut. Die Anbauten an die Stadtmauer wurden abgerissen, ein Ring von Parkanlagen um die Altstadt ist mittlerweile weitgehend realisiert. Die Wohnsituation in Ostjerusalem wird dadurch erschwert, dass es aufwendig und teuer ist, Baugenehmigungen zu erhalten, die jedes Jahr erneuert werden müssen; in der Folge wird oft illegal und unkontrolliert gebaut. alt=Old City Jerusalem|mini|Eine Gasse in der Jerusalemer Altstadt mit ihren charakteristischen Märkten. Im Jerusalemgesetz von 1980 wurde die gesamte Stadt als Einheit und „unteilbare Hauptstadt Israels“ definiert.
Weltkulturerbe Die Jerusalemer Altstadt wurde von Jordanien für die Aufnahme in das UNESCO-Welterbe vorgeschlagen. Auf seiner vierten Sitzung beschloss das Welterbekomitee 1980, den Vorschlag zu prüfen. Nachdem der Vorschlag vom Internationalen Rat für Denkmalpflege befürwortet worden war, beantragte die israelische Regierung, dass ein Repräsentant Israels zu den Beratungen eingeladen würde. Auf Antrag von 17 seiner 20 Mitglieder trat das Welterbekomitee im September 1981 in Paris zu seiner ersten außerordentlichen Sitzung zusammen. Zu Beginn der Sitzung beantragte der Delegierte der USA, Israel als dem Staat, der für die Verwaltung Jerusalems zuständig sei und der die de facto Kontrolle über die Altstadt von Jerusalem ausübe, ein Rederecht einzuräumen. Dieser Antrag wurde jedoch mit der Begründung abgewiesen, dass ein Repräsentant Israels nicht zur Sitzung eingeladen werden könne, da Israel kein Vertragsstaat der Welterbekonvention sei. Israel nahm die Welterbekonvention erst 1999 an.
Nachdem der jordanische Delegierte den Vorschlag in der Sitzung vorgestellt hatte, wurde in der anschließenden Diskussion die weitverbreitete Zustimmung dazu deutlich, ein so herausragendes Kulturgut wie die Altstadt von Jerusalem in die Welterbeliste aufzunehmen. Jedoch wurden auch Bedenken geäußert, inwieweit Jordanien die rechtlichen Voraussetzungen erfülle, einen derartigen Vorschlag vorzulegen. In namentlicher Abstimmung wurde schließlich mit 14 Für- und einer Gegenstimme sowie fünf Enthaltungen beschlossen, die Stätte unter der Bezeichnung Altstadt und Stadtmauern von Jerusalem, deutscher Titel entsprechend als Weltkulturerbestätte in die Welterbeliste aufzunehmen. Die Eintragung erfolgte aufgrund der Kriterien (ii), (iii) und (vi). Die Vertreter von 9 Vertragsstaaten gaben Erklärungen zu ihrer zustimmenden oder ablehnenden Stimme bzw. Enthaltung zu Protokoll, in denen betont wird, dass diese Entscheidung keinerlei Implikation über die Zugehörigkeit Jerusalems zu einem bestimmten Staat beinhalte.
Die Welterbestätte ist keinem Staat zugeordnet, sondern separat unter „Jerusalem (auf Vorschlag von Jordanien)“ in die Welterbeliste eingetragen. Auf Grund der besonderen politischen Situation und des unklaren politischen Status von Jerusalem wurde die Stätte 1982, wiederum auf Vorschlag von Jordanien, auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt.
Das Welterbekomitee sieht es als seine besondere Aufgabe an, die Entwicklung der Altstadt und den Erhalt ihrer Denkmäler zu überwachen und zu unterstützen. Zuletzt musste es 2007 vermittelnd in den Streit um die Rekonstruktion einer Rampe einschreiten, die neben der Klagemauer am Dungtor in die Altstadt führt. Diese war Ende 2004 nach heftigen Regenfällen beschädigt worden. Die von der israelischen Stadtverwaltung durchgeführten Grabungen zur Untersuchung des Baugrunds für die Reparatur führten zu scharfen Protesten der arabischen Waqf, die die alleinige Autorität für die Verwaltung der Altstadt beansprucht.
Der Tempelberg mini|Tempelberg von Süden
Der Tempelberg mit der al-Aqsa-Moschee und dem Felsendom dominiert die Altstadt von Jerusalem. Hier befand sich das zentrale Heiligtum des Judentums und befindet sich gegenwärtig eines der wichtigsten Heiligtümer des Islam. Nach der Eroberung durch israelische Streitkräfte im Sechstagekrieg 1967 wurde der Tempelberg der autonomen Verwaltung des Waqf übergeben.
Der Tempelberg wird als zur Altstadt gehörend betrachtet, da die Stadtmauer an die östliche und südliche Stützmauer des Tempelbergs anschließt, und der Tempelberg nur von innerhalb der Altstadtmauern betreten werden kann. Gesondert betrachtet und genannt wird er, da er unbewohnt ist und keinem der Altstadtviertel zugeordnet ist.
Die einzelnen Viertel mini|Die Viertel der Jerusalemer Altstadt mit der Stadtmauer und ihren Toren Die Aufteilung der bewohnten Altstadt in vier Viertel bildete sich im 19. Jahrhundert heraus, vereinfachte aber die komplexere Realität. Das soll am Beispiel zweier Quellen des Jahres 1856 gezeigt werden: +BarclayVan de VeldeJüdisches Stadtviertel (mit einem besonderen Wohngebiet der Peruschim)Jüdisches Viertel mit drei NachbarschaftenMuslimisches Stadtviertel, aufgeteilt in die Wohngebiete der Türken, Araber und MaghrebinerMuslimisches Stadtviertel mit sieben NachbarschaftenChristliches Stadtviertel, aufgeteilt in Quartiere für Armenier, Lateiner und GriechenChristliches Stadtviertel mit zwölf NachbarschaftenArmenisches Stadtviertel mit drei Nachbarschaften (einer Quelle von 1876 zufolge bestand eine der Nachbarschaften des Viertels aus Syrern und eine aus Juden) Die Grenzen zwischen den Vierteln waren fast überall Märkte, das heißt, Zonen, wo die Bewohner benachbarter Viertel sich begegneten. Plätze, oft neben einem wichtigen religiösen Gebäude, waren zentral für die Struktur eines Stadtviertels, von hier gingen die Gassen maändernd in alle Richtungen aus, oft in Sackgassen endend. Dieses Gassengewirr hatte sich über das rechtwinklige Straßennetz der spätantiken und byzantinischen Stadt gelegt, das gleichwohl erkennbar blieb. Während im Christlichen und Armenischen Viertel europäische Dachkonstruktionen vorherrschten, sah man im jüdischen und muslimischen Viertel meist die orientalischen Kuppeldächer.
Muslimisches Viertel
Mit etwa 30 Hektar Fläche ist das Muslimische Viertel das größte und auch am dichtesten bevölkerte der Altstadt. Begrenzt wird es im Norden und Osten durch die Stadtmauer, im Süden durch die Straße Tariq Bab as-Silsila und im Westen durch den Suq Chan ez-Zeit.
Besondere Bauwerke: +NameBaujahrTrägerschaftFotoSt.-Anna-Kirche12. JahrhundertFrankreich (französisches Generalkonsulat)100pxKonkathedrale vom Allerheiligsten Namen Jesu1872Kustodie des Heiligen Landes100pxGeißelungskapelle1929Kustodie des Heiligen Landes100x100pxVerurteilungskapelle1903Kustodie des Heiligen Landes100x100pxKapelle des Simon von Kyrene1895Kustodie des Heiligen Landes100pxKirche der Schmerzen Mariae1881 mit Bausubstanz des 12. JahrhundertsArmenisches Patriarchat von Jerusalem100pxEcce-Homo-Basilika und Kloster Notre Dame de Sion1864100pxEcce-Homo-Bogenum 135 n. Chr.100pxÖsterreichisches Hospiz mit Kirche der Heiligen Familie1863Österreichische Gesellschaft vom Heiligen Land100px
Christliches Viertel
Mit 19 Hektar deutlich kleiner als das Muslimische Viertel findet sich das Christliche Viertel im Nordwesten der Stadt und wird nach Süden hin durch die David Street vom Armenischen Viertel abgegrenzt. Im Westen des Viertels gab es seit dem 19. Jahrhundert ein Areal mit repräsentativen europäischen Gebäuden, zweitens das Gebiet um die Grabeskirche, das durch den Pilgerbetrieb geprägt war, und ein reines Wohngebiet im Nordosten.
Besondere Bauwerke: