mini|hochkant=0.7|Volutenkrater (attisch rotfigurig) Der Volutenkrater, im antiken Griechenland κρατὴρ λακωνικός krater lakonikos genannt, ist ein Typus des griechischen Weinmischgefäßes Krater. Es handelt sich um einen der vier Standardtypen des Kraters; er wurde im ersten Viertel des 6. Jahrhunderts v. Chr. in Lakonien erfunden. Später wurden Volutenkratere in Attika und Apulien gefertigt, wo sich eigenständige Stile entwickelten. Während seiner Laufzeit von fast drei Jahrhunderten unterlag der Volutenkrater starken Veränderungen, so dass lediglich das Prinzip der Henkelkonstruktion bestimmendes Merkmal dieses Kratertypus ist.

Name und bestimmende Merkmale mini|hochkant=0.7|Henkel der Françoisvase Seinen modernen Namen erhielt der Volutenkrater nach den in einer Volute endenden Henkeln. In Übereinstimmung mit seinem Ursprung trug er im antiken Griechenland den Namen κρατὴρ λακωνικός krater lakonikos,Andreas Rumpf: Krater Lakonikos. In: Charites. Festschrift E. Langlotz. Bonn 1957, S. 127–135. wenngleich er auch andernorts produziert wurde.

Der Volutenkrater wurde während seiner Laufzeit stark verändert. Bei den apulischen Volutenkrateren der spätklassischen Zeit ist die Volute meist nicht ausgeformt, eine mit einer Maske geschmückte Scheibe deutet sie dann lediglich an. Als bestimmendes Merkmal lässt sich über alle Ausprägungen hinweg die grundlegende Henkelform festhalten: Der Henkel ist aus zwei Teilen gebildet und besteht, wie beim Bügelhenkelkrater, aus einem horizontalen und einem vertikalen Element. Am horizontalen Henkelteil, dem Henkelbogen, setzt ein vertikaler Henkelteil an, der, anders als bei den anderen Krateren, über die Gefäßmündung hinaus und dann zu ihr zurückgeführt wird. Am vertikalen Henkelteil sind stets ein mittlerer Teil, das Henkelband, und beiderseits Blenden, die Henkelwülste, anzutreffen. Von der Henkelseite gesehen erscheint das Henkelband gegen die Henkelwülste vertieft, während von der Schauseite aus bei jedem der beiden Henkel eines Kraters nur der vorgeblendete Henkelwulst zu sehen ist.Hannelore Eva Schleiffenbaum: Der griechische Volutenkrater. Peter Lang, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-631-43477-4, S. 15; die Bezeichnungen der Henkelteile geht auf Konrad Hitzl: Die Entstehung und Entwicklung des Volutenkraters von den frühesten Anfängen bis zur Ausprägung des kanonischen Stils in der attisch schwarzfigurigen Vasenmalerei. Peter Lang, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-8204-7288-6, S. iii zurück.

Vorbilder Die folgenden Feststellungen zu den Vorbildern der Volutenkratere wurden aufgrund sehr weniger Fundstücke getroffen. Besondere Bedeutung haben dabei zwei vollständig erhaltene Vasen aus Böotien und Lakonien, die sich in Boston und in Sparta befinden.

Herkunft der Henkelform Sieht man von sehr frühen Vorkommen volutenartig geschwungener Henkelformen bei Vasen ab, die weder in räumlicher noch in zeitlicher Kontinuität zum Volutenkrater stehen, kann der Ursprung volutenförmiger Henkel bei den Reliefpithoi von Tinos und aus Böotien gesucht werden. Diese Pithoi waren gefüllt zu schwer, um an den Henkeln getragen zu werden. Der Raum zwischen dem funktionslos gewordenen Henkel und der Vasenwand konnte so durch eine mit Spiralen verzierte Tonscheibe gefüllt werden, was ihn zum rein dekorativen Element machte. Bei den später in Lakonien gefertigten Reliefvasen wurde dieses Grundprinzip übernommen und weiterentwickelt, wobei die Tonscheibe verkleinert und der Henkel wieder durchgreifbar wurde. Konrad Hitzl: Die Entstehung und Entwicklung des Volutenkraters von den frühesten Anfängen bis zur Ausprägung des kanonischen Stils in der attisch schwarzfigurigen Vasenmalerei. Peter Lang, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-8204-7288-6, S. 4–14. Die Zweiteiligkeit des Henkels mit horizontalem und vertikalem Element lässt sich von den geometrischen Bügelhenkelkrateren herleiten.Konrad Hitzl: Die Entstehung und Entwicklung des Volutenkraters von den frühesten Anfängen bis zur Ausprägung des kanonischen Stils in der attisch schwarzfigurigen Vasenmalerei. Peter Lang, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-8204-7288-6, S. 16, 30, 36 Die Kratere vom so genannten chalkidischen Typus, deren Henkel ebenfalls Horizontal- und Vertikalteil aufweisen, sind jünger. Konrad Hitzl: Die Entstehung und Entwicklung des Volutenkraters von den frühesten Anfängen bis zur Ausprägung des kanonischen Stils in der attisch schwarzfigurigen Vasenmalerei. Peter Lang, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-8204-7288-6, S. 17–18.

Vorausgehende Kratere Die Gefäßform des Volutenkraters mit niedrigem Hals, bauchigem Körper und deutlich abgesetztem Fuß wird auf einen Einfluss des Kolonettenkraters zurückgeführt. Konrad Hitzl: Die Entstehung und Entwicklung des Volutenkraters von den frühesten Anfängen bis zur Ausprägung des kanonischen Stils in der attisch schwarzfigurigen Vasenmalerei. Peter Lang, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-8204-7288-6, S. 30.

Die lakonischen Reliefgefäße, deren Henkel als Vorläufer der Volutenkraterhenkel angesehen werden können, werden in der Literatur häufig als Pithoi bezeichnet, können allerdings aufgrund ihrer weiten Mündungsöffnung auch als Kratere gedeutet werden.Zuerst von Fernand Courby: Les vases grecs à reliefs, de Boccard, Paris 1922, später auch von Georges Vallet und Francois Villard: Un atelier de bronziers: sur l'école du cratère de Vix. In: Bulletin de correspondance hellénique 79, 1955, S. 66–67 Anm. 5 Digitalisat und Conrad M. Stibbe: Laconian black-glazed pottery 1: Laconian mixing bowls – a history of the krater Lakonikos from the seventh to the fifth century B.C. Allard Pierson Museum, Amsterdam 1989, ISBN 90-71211-16-9. Gegen die Deutung als Pithoi sprechen bei diesen Gefäßen auch ihre geringe Höhe von etwa 70 cm und die Fundumstände, die vornehmlich eine Widmung als Weihegeschenk nahelegen.Hannelore Eva Schleiffenbaum: Der griechische Volutenkrater. Peter Lang, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-631-43477-4, S. 21, 100–104. Die lakonischen Reliefgefäße haben neben der Volutendekoration der Henkel noch weitere Gemeinsamkeiten mit den bronzenen Volutenkrateren aus Lakonien, so dass sie als deren Vorläufer bezeichnet werden können. Bei diesen Gemeinsamkeiten handelt es sich zum einen um ein dreistufiges Halsprofil,Hannelore Eva Schleiffenbaum: Der griechische Volutenkrater. Peter Lang, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-631-43477-4, S. 22. 36. zum anderen um die Verteilung der Dekorationselemente: Spiralen auf den Henkeln und Zungen unterhalb der Mündung, auf Schulter und Fuß.Hannelore Eva Schleiffenbaum: Der griechische Volutenkrater. Peter Lang, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-631-43477-4, S. 25. 36 ff. Das beiden Gefäßgattungen gemeinsame Bildthema des Streitwagenzugs kann als weiteres Indiz für die Abhängigkeit des Volutenkraters von den lakonischen Reliefvasen gesehen werden; es ist zwar verbreitet, in der lakonischen Kunst jedoch nur auf diesen beiden Vasengattungen zu finden. Hannelore Eva Schleiffenbaum: Der griechische Volutenkrater. Peter Lang, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-631-43477-4, S. 25 ff.

Entwicklung, Herstellungslandschaften mini|hochkant=0.7|Gorgohenkel am Krater von Vix

Die ersten Volutenkratere wurden um 575 v. Chr. in Lakonien aus Bronze hergestellt. Konrad Hitzl: Die Entstehung und Entwicklung des Volutenkraters von den frühesten Anfängen bis zur Ausprägung des kanonischen Stils in der attisch schwarzfigurigen Vasenmalerei. Peter Lang, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-8204-7288-6, S. 36. Diese Vasen wurden sehr bald in anderen Teilen Griechenlands nachgeahmt. Hannelore Eva Schleiffenbaum: Der griechische Volutenkrater. Peter Lang, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-631-43477-4, S. 39. 95. In Lakonien entstanden etwa zur gleichen Zeit wie die bronzenen auch Volutenkratere aus Keramik. Diese Kratere folgen allerdings nicht der Tradition der Reliefgefäße, sondern lassen einige der typischen Merkmale, wie das Zungenmotiv an der Mündung und das dreistufige Halsprofil, fort und bilden eine eigene Tradition. Auch ist die Volute nicht ausgebildet, sondern durch eine flache Scheibe (Rotelle) ersetzt, obwohl die Volute der Metallversion leicht zu übernehmen gewesen wäre, etwa durch spiralförmige Ritzung. Hannelore Eva Schleiffenbaum: Der griechische Volutenkrater. Peter Lang, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-631-43477-4, S. 43–44. 48–49. Der horizontale Henkel wird in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. durch eine stützende Gorgo ersetzt – eine Neuerung, die auf lakonische Werkstätten zurückzuführen ist. Noch vor Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. schwindet die Beliebtheit dieses Dekorationselements. Konrad Hitzl: Die Entstehung und Entwicklung des Volutenkraters von den frühesten Anfängen bis zur Ausprägung des kanonischen Stils in der attisch schwarzfigurigen Vasenmalerei. Peter Lang, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-8204-7288-6, S. 43–83.

Erste Nachahmungen des Volutenkraters wurden in Ionien hergestellt, ein bronzener Henkel in der Antikensammlung Berlin wird als ältester Zeuge dieser Nachahmungen betrachtet und einer Werkstatt auf Samos zugeschrieben.Konrad Hitzl: Die Entstehung und Entwicklung des Volutenkraters von den frühesten Anfängen bis zur Ausprägung des kanonischen Stils in der attisch schwarzfigurigen Vasenmalerei. Peter Lang, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-8204-7288-6, S. 40 ff. Auch aus Korinth oder seinem Umkreis stammen frühe Nachahmungen der bronzenen lakonischen Volutenkratere. Von diesen übernahmen die Nachahmungen das dreistufige Halsprofil. Dekoration und Bildthemen der Nachahmungen unterscheiden sich von denen der lakonischen Kratere. Die Henkel sind durchwegs einfacher gegossen als ihre Vorbilder; einer freien Drehung der Volute bei lakonischen Henkeln steht eine rein ornamentale Andeutung der Spirale bei den Stücken aus dem übrigen Griechenland gegenüber.Hannelore Eva Schleiffenbaum: Der griechische Volutenkrater. Peter Lang, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-631-43477-4, S. 39–42.

Attische Töpfer ahmten den lakonischen Volutenkrater der Bronzeversion nach, wobei sie sich eng an das Vorbild hielten und ihre Produkte sich damit von den lakonischen Keramiken unterschieden. Hannelore Eva Schleiffenbaum: Der griechische Volutenkrater. Peter Lang, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-631-43477-4, S. 51. Eine stetige Produktion keramischer Volutenkratere in attischen Werkstätten beginnt zwischen 540 und 530 v. Chr. Der Metallglanz des Vorbildes wurde dabei durch schwarzen Firnis imitiert. Mit verschiedenen Neuerungen in der Zeit der schwarzfigurigen Vasenmalerei beginnt die Ausformung des attischen Volutenkraters. Die meisten Exemplare des attischen Volutenkraters schwarzfigurigen Stils wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 6. Jahrhunderts v. Chr. gefertigt.Konrad Hitzl: Die Entstehung und Entwicklung des Volutenkraters von den frühesten Anfängen bis zur Ausprägung des kanonischen Stils in der attisch schwarzfigurigen Vasenmalerei. Peter Lang, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-8204-7288-6, S. 84–133.

Mit Einsetzen der rotfigurigen Vasenmalerei treten weitere Neuerungen auf; bis zur zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts v. Chr. münden die Veränderungen in einen kanonischen Stil. Hannelore Eva Schleiffenbaum: Der griechische Volutenkrater. Peter Lang, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-631-43477-4, S. 60–68. Die Produktion attischer rotfiguriger Volutenkratere wird zu Beginn des vierten Jahrhunderts v. Chr. eingestellt.