mini|hochkant|Niels Ryberg Finsen Niels Ryberg Finsen (* 15. Dezember 1860 in Tórshavn/Färöer; † 24. September 1904 in Kopenhagen) war ein färöisch-dänischer Arzt und Dermatologe, der 1903 für seine Arbeit über Phototherapie von Hautkrankheiten den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt. Er war damit nach Emil von Behring und Ronald Ross der dritte Nobelpreisträger dieser Sektion und zugleich der erste, der im Bereich der Dermatologie aktiv war.

Mit seiner Lichtbehandlung der Hauttuberkulose Lupus vulgaris auf der Basis der bakterienabtötenden Lichtbestrahlung revolutionierte er die Behandlung dieser zu seiner Zeit weit verbreiteten Krankheit und gilt damit als Begründer der modernen Lichttherapie bei Hauterkrankungen. Die von ihm entwickelte „Finsen-Lampe“ wurde erfolgreich an Hunderten von Patienten eingesetzt und die Behandlung etablierte sich als Standardbehandlung.

Leben Familie und Ausbildung mini|hochkant|Hannes Finsen, Vater von Niels Ryberg Finsen Niels Ryberg Finsen wurde am 15. Dezember 1860 als Sohn der Dänin Johanne Sofie Caroline Christine Formann und des Isländers Hannes Kristján Steingrímur Finsen in der färöischen Hauptstadt Tórshavn geboren. Sein Vater war Polizeichef und wurde später Amtmann der Färöer und war Mitglied des färöischen Parlaments. Finsens Mutter starb, als er vier Jahre alt war, und sein Vater heiratete deren Cousine Brigitte Kristine Formann. Niels hatte vier echte und durch die zweite Heirat sechs Halbgeschwister, sein älterer Bruder Olaf Finsen wurde der erste Apotheker der Färöer.

Finsen begann seine Schulausbildung in der Volksschule in Tórshavn, 1874 schickte ihn sein Vater auf das Internat Herlufsholm in Dänemark. 1876 ging er an das Gymnasium von Reykjavík, wo er 1882 sein Abitur machte. Im selben Sommer kehrte Finsen auf die Färöer zurück und begann danach sein Medizinstudium an der Universität Kopenhagen. Er lebte zeitweise bei seinen Eltern in Ribe, wo sein Vater ab 1884 Amtmann war. In Kopenhagen pflegte er intensiven Kontakt zu seinen Landsleuten von den Färöern und war im färöischen Rudersport auf dem Öresund unter den Studenten aktiv.

Krankheit und akademische Karriere Niels Ryberg Finsen litt an der Niemann-Pick-Krankheit, einer schweren Stoffwechselstörung mit einem gestörten Fettstoffwechsel, bei dem es zu einer fortschreitenden Verdickung verschiedener Membranen in der Leber, der Milz und dem Herzen kommt. Es bilden sich Symptome eines Herzleidens mit starkem Aszites und allgemeiner Schwäche, die sich als schleichende Erkrankung bereits während seines Studiums zeigte. Weitere Symptome wie eine allgemeine Abgeschlagenheit, Vorhofflimmern, Dyspnoe und Hepatomegalie reduzierten seine Belastbarkeit und führten zu dem vergleichsweise lang dauernden Studium. Zu den ersten Symptomen seiner Erkrankung gehörten Magenbeschwerden, die zunächst auf eine in Island zugezogene Infektion zurückgeführt wurden, später wurde eine Herzinsuffizienz vermutet; der eigentlich Grund seiner Erkrankung wurde erst durch den Obduktionsbefund nach seinem Tod erkannt.

Sein Zustand verschlechterte sich zunehmend und er unterzog sich einer Vielzahl von Parazentesen wegen der Aszites sowie zahlreichen Punktionen zur Suche nach Leberzysten. Er dokumentierte seine Krankheit und analysierte den Natriumgehalt seines Urins, um einen Zusammenhang zwischen der Natriummenge und dem Grad des Aszites herzustellen. Zudem ernährte er sich salzarm und notierte die Wassermenge, die er trank. Zudem erhielt er eine Therapie mit verschiedenen Diuretika. Eine Begleiterscheinung der Krankheit waren auch verschiedene Hauterscheinungen, darunter fettige Wucherungen in der Haut und dunkle Pigmentflecken, die sein Interesse an der Lichttherapie bei Hautkrankheiten weckte. Er experimentierte im Selbstversuch, indem er seine eigenen Unterarme regelmäßig der direkten Sonne aussetzte, bis sie die ungebräunte Haut reizte.

mini|Einsatz einer Finsenlampe zur Behandlung von Lupus vulgaris mini|König Eduard VII. und seine Frau Alexandra von Dänemark im Finsen-Raum im The London Hospital in Whitechapel, um 1903 Im Jahr 1890 wurde Finsen in Kopenhagen promoviert und danach aufgrund seiner sehr sorgfältigen Präparationen Prosektor am Anatomischen Institut der Universität Kopenhagen unter Johan Hendrik Chievitz. 1891 legte er das medizinische Staatsexamen ab. Bereits zu dieser Zeit machte er Beobachtungen über die Wirkung des Sonnenlichtes auf verschiedene Tiere sowie auf die besonders ausgeprägten Pockennarben an lichtexponierten Stellen der Haut im Gesicht und am Handrücken. Er entwickelte Filter, mit denen er die von ihm für diesen Effekt verantwortlich gemachten kurzwelligen Lichtstrahlen, die damals als „chemische Strahlen“ bezeichnet wurden, eliminierte und so eine Pflege mit gefiltertem Rotlicht ermöglichte. Seine Erkenntnisse veröffentlichte er 1893.

Er gab seine Anstellung 1893 auf, um sich mehr seiner wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der physiologischen Wirkung des Lichts zu widmen. 1895 lernte Finsen einen Ingenieur kennen, der an einer ausgedehnten Hauttuberkulose des Gesichtes litt. Dessen Erkrankung heilte innerhalb einiger Monate durch die Bestrahlung mit einer 20-Ampere-Kohlen-Bogenlichtlampe vollständig ab. Finsen nutzte dabei die Entdeckung der bakteriellen Ursache der Tuberkulose durch Robert Koch, die er auf Lupus vulgaris übertrug, sowie die Kenntnis der bakteriziden Wirkung des Lichtes, die durch Arthur Henry Downes und Thomas Porter Plunt nachgewiesen wurde.Arthur Matthew Weld Downing, Thomas P. Blunt; III.: Researches on the effect of light upon Bacteria and other organisms. In: Proc. R. Soc. (1878); Band 26 (179–184), S. 488–500. doi:10.1098/rspl.1877.0068. Nachdem der Behandlungserfolg veröffentlicht und bekannt geworden war, kamen zahlreiche weitere Tuberkulose-Patienten zu ihm und wollten behandelt werden. Ab 1896 war er Leiter des Instituts für Lichttherapie am Hospital in Kopenhagen, das mit finanzieller Unterstützung dänischer Wissenschaftsmäzene wie Gustav Adolph Hagemann und Vilhelm Jorgensen aufgebaut wurde und die biologischen und therapeutischen Wirkungen des Lichts untersuchte. 1896 behandelte Finsen 15 Patienten mit Lupus vulgaris, 1897 stieg die Zahl auf 97 und 1898 waren es bereits 221 Patienten, vor allem aus den nordeuropäischen Ländern, Deutschland, der Schweiz und Russland. Dabei benötigte eine einzelne Behandlung häufig 50 und mehr Bestrahlungen.

Akademische Würdigung und Nobelpreis 1898 wurde Finsen die Professorenwürde in Kopenhagen verliehen, im gleichen Jahr veröffentlichte er sein Werk „Über die Anwendung von concentrierten chemischen Lichtstrahlen in der Medicin“ im Verlag F.C.W. Vogel in Leipzig. 1899 wurde er als Ritter des Dannebrogordens geadelt, wenige Jahre später bekam er das Silberne Kreuz verliehen. Am 10. Dezember 1903 bekam Finsen den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin „in Anerkennung seines Beitrags an der Behandlung von Krankheiten, insbesondere Lupus vulgaris, mit konzentrierter Lichtstrahlung, durch die er der medizinischen Forschung einen neuen Weg eröffnete“. Er war damit nach Emil von Behring und Ronald Ross der dritte Nobelpreisträger dieser Sektion und zugleich der erste Mediziner, der für eine Therapieform im Bereich der Dermatologie mit diesem Preis geehrt wurde. Nominiert wurde er dabei von mehreren angesehenen Medizinern und Naturwissenschaftlern wie unter anderem von dem österreichisch-ungarischen Dermatologen Eduard Lang, dem dänischen Chirurgen Oscar Wanscher, dem ebenfalls in Dänemark tätigen Bakteriologen Carl Julius Salomonsen, dem schwedischen Chemiker Severin Jolin, dem schwedischen Augenarzt Johan Widmark und dem dänischen Ophthalmologen Jannik Petersen Bjerrum. Aufgrund seiner Krankheit war es Finsen nicht möglich, an der Nobelpreisverleihung teilzunehmen, sein Dankesgruß wurde entsprechend von dem Chemiker Karl Axel Henrik Mörner, Professor und Rektor des Karolinska-Instituts in Stockholm, verlesen, der seine Leistungen und seine Ausdauer trotz Krankheit zudem in einer kurzen Rede und einem Trinkspruch würdigte.

Privatleben und Tod 1892 heiratete Finsen Ingeborg Balslev, die Tochter des Bischofs von Ribe. Das Paar hatte vier Kinder, wobei der erste Sohn ein Jahr nach der Geburt starb. Der zweite Sohn Haldor wurde Arzt. Seine Tochter Gudrun heiratete den Professor Svend Lomholt, der lange Jahre mit Finsen arbeitete und später Direktor der Fakultät für Hauterkrankungen des Finsen-Institutes war. Deren Sohn Gunnar Lomholt wurde ebenfalls Dermatologe.

Mit fortschreitender Krankheit trat Finsen in späteren Jahren nur noch selten in der Öffentlichkeit auf. Auf Kongressen und Konferenzen wurden seine Ergebnisse von seinen Mitarbeitern des Instituts präsentiert. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im Rollstuhl, setzte seine Arbeit jedoch bis an sein Lebensende fort. Er starb am 24. September 1904 in Kopenhagen und wurde dort auf dem Vestre Kirkegård mit einem öffentlichen Begräbnis beigesetzt.

Werkbetrachtung Finsen war nicht der erste Mediziner, der sich mit der Anwendung natürlicher und künstlicher UV-Strahlung bei Lupus vulgaris beschäftigte. Licht bereits von Hippokrates zur Therapie erwähnt, moderne Behandlungen kamen jedoch erst zum Ende des 19. Jahrhunderts auf. So gab es bereits 1888 Arbeiten des Frankfurter Dermatologen Josef Schütz für eine Behandlung des Lupus vulgaris mit natürlichem Sonnenlicht im Hochgebirge und der Leipziger Chirurg Robert Hermann Tillmanns 1896 wies in seinem Lehrbuch einer Behandlung des Lupus vulgaris mit durch ein Brennglas fokussierten Sonnenstrahlen hin, die von Henry Thayer durchgeführt wurde. Auch der Berliner Schriftsteller Maximilian Mehl wendete diese Brennglastherapie im Selbstversuch an und setzte sie später auch bei anderen Erkrankten ein, seine Ergebnisse beschrieb er zuerst in Tageszeitungen sowie 1896 als Buch unter dem Titel „Meine Sonnen-Therapie“. Er behandelte neben Lupus vulgaris auch Bartflechte, Blutschwämmchen, Muttermale, syphilitische Hauterkrankungen, Hautkrebs, Warzen, Hühneraugen, Lupus erythematodes und andere Hautkrankheiten mit dem Brennglas mit unterschiedlichem Erfolg.

Finsen griff die Idee der Lichttherapie zur Behandlung der Hauttuberkulose auf, die entsprechend der Darstellung von Hans-Dieter Göring „zu Ausgang des 19. Jahrhunderts die quasi in der Luft lag“, auf, und führte den „Elementargedanken der Lichttherapie“ systematisch weiter, sodass sie sich als Behandlungsprinzip weltweit in der Praxis durchgesetzt hat und ihn zum „Begründer der modernen Lichttherapie“ machte. Er demonstrierte in seinen Arbeiten mit einfachen Experimenten, dass die Anteile der Sonnenstrahlung mit der höchsten Energie (er nannte sie „Chemische Strahlen“) eine stimulierende Wirkung auf Gewebe haben können. Er entdeckte auch die schädigende Wirkung zu starker Sonnenstrahlung und den Zusammenhang mit der starken Pigmentierung dunkelhäutiger Menschen. Er vertrat die Ansicht, dass die Schädigung der Haut durch starke Lichtstrahlung durch einfache Schutzmaßnahmen verhindert werden kann.