Berlin gilt als die Geburtsstadt des deutschen Eishockeys: Hier wurde nicht nur 1888 der Deutsche Nationale Eislauf-Verband (danach mehrere Umbenennungen, von 1949 bis zur Auflösung 2006 Deutscher Eissport-Verband, kurz DEV) als erster Eissportverband in Deutschland gegründet, sondern am 4. Februar 1897 auch das erste offizielle Eishockeyspiel in Deutschland auf dem Halensee durchgeführt. Der Akademische Sportklub siegte nach 2 × 20 Minuten über ein Studententeam.Horst Eckert: Eishockey Weltgeschichte. Mit Beiträgen von Xaver Unsinn, Erich Kühnhackl und Karel Gut. Copress Verlag, München, 2. Auflage 1985.

Geschichte + Mannschaften des ersten Eishockeyturniers in Deutschland Princes Ice Hockey Club Club des Patineurs de Paris Berliner Schlittschuhclub Berliner Hockey-Club SC Charlottenburg

Die Anfänge (bis 1908) Erste Erwähnungen des Berliner Eissports gab es ab dem Jahr 1865. Zu den ersten Vereinen, die vorwiegend Kunst- und Schnelllauf betrieben gehörten der Berliner Schlittschuhclub (BSchC), der Berliner Eislauf-Verein 1886 und der Eislauf-Verein Berlin. Bevor Eishockey nach kanadischen Regeln mit dem Puck gespielt wurde, war der Bandysport sehr populär, was sich in der Existenz zahlreicher Vereine widerspiegelte. Als Pioniere gelten hier Kurt Doerry und Andrew Pitcairn-Knowles, die Mitte der 1890er Jahre auf der Eisfläche des Berliner Halensees trainierten und weitere Mitspieler um sich scharten.Horst Eckert: Eishockey Weltgeschichte. Mit Beiträgen von Xaver Unsinn, Erich Kühnhackl und Karel Gut. Copress Verlag, München, 2. Aufl. 1985, S. 87. Das erste in Deutschland ausgetragene Eishockeyspiel wurde am 4. Februar 1897 auf dem Halensee zwischen dem Akademischen Sportclub Berlin und einem gemischten Berliner Team ausgetragen. Das Spiel, das noch stark dem Bandy ähnelte, gewann der ASC mit 11:4.Horst Eckert: Eishockey Weltgeschichte. Mit Beiträgen von Xaver Unsinn, Erich Kühnhackl und Karel Gut. Copress Verlag, München, 2. Aufl. 1985, S. 87.

Zu den ersten Begegnungen mit internationaler Beteiligung kam es im Jahr 1899, als eine englische Mannschaft in Berlin gastierte und im Sportpark Friedenau „Eishockey-Matches“ gegen Berliner Mannschaften bestritt. Hierbei dürfte es sich um die Mannschaft des Bury Fen Bandy Club (BFBC) aus dem englischen Bluntisham in Cambridgeshire gehandelt haben. Der BFBC gehörte seinerzeit zu den führenden Bandy-Mannschaften in Europa und absolvierte ab den frühen 1890er Jahren regelmäßig Freundschaftsspiele auf dem europäischen Festland, so in den Niederlanden, Norwegen, Schweden, Dänemark und Deutschland. In der Vereinschronik des BFBC ist die Gastspielreise nach Berlin im Jahr 1899 verzeichnet.The Bluntisham Heritage Project (2022): Skating – Bluntisham & the game of Bandy, S. 10; abgerufen am 21. April 2023. Auf zwei zeitgenössischen Fotos sind Szenen aus den Spielen des BFBC im Sportpark Friedenau festgehalten, zu erkennen u. a. an der Werbung „Brennabor Räder“ im Hintergrund.The Bluntisham Heritage Project (2022): Bandy in Berlin (photo courtesy of Frances Tebbutt) und Berlin 1899 – An appeal for a goal; jeweils abgerufen am 21. April 2023. Während des Aufenthalts in Berlin spielten die Engländer am 5. Februar 1899 gegen eine mit in Berlin lebenden Ausländern besetzte Mannschaft und gewannen mit 5:3. Am 6. Februar 1899 trat eine gemischte Berliner Mannschaft gegen die Engländer an und kam zu einem 3:1-Erfolg. Für die Berliner Mannschaft spielten E. Schricker (Tor), Belknap, Dering (Verteidigung, „Full Backs“), I. Schricker, Westendarp (Mittelfeld, „Half-Backs“) sowie Toklas, Pitcairn-Knowles und Fullerton-Carnegie (Sturm). Im Spiel am 7. Februar 1899 trat der Akademische Sportclub gegen das englische Team an und unterlag mit 1:6. Für den 8. Februar 1899 wurde schließlich noch das Spiel zwischen dem englischen Team und The Anglo-American Club angesetzt.Norddeutsche allgemeine Zeitung vom 5. Februar 1899, S. 12 und vom 8. Februar 1899, S. 8. Deutsches Zeitungsportal.

Bereits um 1900 wurden unter Beteiligung des BSchC und weiteren Mannschaften ein Eishockeyspielbetrieb organisiert und die Berliner Stadtmeisterschaften ausgetragen. Pionier des organisierten Eissports und Eishockeys in Berlin war Hermann Kleeberg, der maßgeblichen Anteil an der Gründung des BSchC hatte. Nachdem am 31. August 1908 der Berliner Eispalast in der Martin-Luther-Straße in Schöneberg eröffnet wurde, ließ sich Kleeberg vertraglich Eiszeiten für „seinen“ Verein zusichern, die fortan in den Bereichen Eiskunstlauf und Eishockey eine Trainingsstätte besaßen. Mangels Spielgegner war es der Eishockeysparte jedoch nicht möglich, einen regelmäßigen Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, da der Großteil der Vereine zu dieser Zeit dem Bandy folgten. Lediglich europäische Metropolen wie Paris, London oder Brüssel verfügten über die Infrastruktur einer Kunsteisfläche, die dem kanadischen Eishockey zugutekam.

Kurze Zeit nach der Inbetriebnahme des Eispalastes organisierte Kleeberg ein internationales Turnier, das heute als die Geburtsstunde des Eishockeys in Deutschland gilt. Am 2. November 1908 standen sich im Rahmen dieses Turniers der Berliner Schlittschuhclub und der Charlottenburger SC im Eispalast gegenüber, der BSchC gewann das Spiel mit 13:0.Karas: 100 Jahre Eishockey in Berlin, Faszination durch Tradition. 2008, S. 9 ff. Berliner Schlittschuh-Club, Historie; abgerufen am 16. Mai 2009

Die ersten Berliner Meisterschaften (1909–1914) mini|Eishockeymannschaft des Berliner Schlittschuhclubs, 1912

Berliner Meister 1910–1914 1910 Berliner Schlittschuhclub 1911 BFC Preussen 1912 BFC Preussen 1913 keine Meisterschaft 1914 Berliner Schlittschuhclub

Im Jahr 1909 gründete sich der sogenannte „Berliner Eishockey-Bezirk“, der die ersten Berliner Meisterschaften austrug und aus dem sich der Berliner Schlittschuhclub zu einer der führenden Mannschaften in Europa vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs entwickelte. Durch Gastspielreisen trugen der Berliner Schlittschuhclub, aber auch andere Berliner Vereine, zur Verbreitung des Eishockeys in weiteren deutschen Großstädten und Wintersportregionen bei. So hatten sie beispielsweise einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Eishockeysports im Harz.

Während des Ersten Weltkriegs verließen einige Spieler den Berliner Schlittschuhclub, einerseits auf Grund der Rekrutierung in die Armee, andererseits gingen ausländische Spieler in das politische Exil. 1913 erfuhr der Eispalast seinen finanziellen Ruin und musste den Betrieb vorerst einstellen. Ausweichspielstätte war der Admiralspalast, der trotz Verbots – laut Anweisungen des Deutschen Eislauf-Verbandes durften im Krieg keine sportlichen Veranstaltungen stattfinden – als Trainingsstätte diente.

Es finden sich daher nur wenige Hinweise auf das Eishockey in Berlin während des Ersten Weltkriegs. Der Berliner Schlittschuhclub, bei dem Ende 1914 mehr als 100 seiner Mitglieder im Krieg eingesetzt waren, förderte auch im ersten Kriegswinter den Eissport (Kunstlaufen, Schnelllaufen und Eishockey) und warb um Neuanmeldungen.Berliner Tageblatt und Handelszeitung vom 23. Dezember 1914, S. 6. Deutsches Zeitungsportal. Im Januar 1915 fand im Eispalast ein Spiel zwischen der Mannschaft des Berliner Schlittschuhclubs und einer kombinierten Berliner Mannschaft statt, das letztere mit 7:3 gewann.Norddeutsche allgemeine Zeitung vom 27. Januar 1915, S. 4. Deutsches Zeitungsportal. Kurz darauf, im März 1915, wurde der Betrieb des Berliner Eispalastes vollständig eingestellt. Die Berliner Eispalast A. G., die schon seit einigen Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, verpachtete die Anlage an die Stadt Berlin, die sie als Kühlraum zur Konservierung von Fleischvorräten nutzte.Berliner Tageblatt und Handelszeitung vom 17. März 1915, S. 5. Deutsches Zeitungsportal. Im Oktober 1917 warb der Admiralspalast per Anzeige für die Veranstaltung „Eishockey bekannter Amateure“ in der Eisarena des Admiralspalastes.Berliner Tageblatt und Handelszeitung vom 24. Oktober 1917, S. 8. Deutsches Zeitungsportal. Im Dezember 1917 fand eine Wohltätigkeitsveranstaltung im Admiralspalast zugunsten der der Reichsmarinestiftung angegliederten Ehren-Beihilfe für die Marine statt, die vom Berliner Schlittschuhclub veranstaltet wurde. Zum Schluss der Veranstaltung fand ein „lebhaft begeisterndes Eishockey-Wettspiel statt, dessen zwei gegenüberstehende Mannschaften über tüchtige Kräfte am Tor, wie als Verteidiger und Stürmer verfügten“.Berliner Börsen-Zeitung vom 18. Dezember 1917, S. 9. Deutsches Zeitungsportal.

Das Berliner Eishockey zwischen den Weltkriegen (1918–1939) Berliner Meister 1921–1938 1921 Berliner Schlittschuhclub 1922 Berliner Schlittschuhclub 1923–1926 unbekannt 1927 SC Charlottenburg 1928 Berliner Schlittschuhclub 1929 SC Brandenburg 1930 Berliner Schlittschuhclub 1931 keiner 1932 Berliner Schlittschuhclub 1933 Berliner Schlittschuhclub 1934 Berliner Schlittschuhclub 1935 Berliner Schlittschuhclub 1936 Zehlendorfer Wespen 1937 Berliner Schlittschuhclub 1938 Berliner Schlittschuhclub

mini|Mannschaften des Berliner Schlittschuhclubs und des Charlottenburger Sport-Clubs aus der Saison 1918/19

Im Admiralspalast fand das erste Spiel nach dem Krieg am 27. Dezember 1918 statt. Der BSchC trat in dieser Partie gegen den BFC Preussen an und gewann das Spiel mit 5:1. Die Ausmaße der Eisfläche im Admiralspalast waren jedoch so klein, dass sich statt der üblichen sieben Spieler pro Mannschaft nur fünf gegenüberstehen konnten. Ab der Saison 1918/19 fanden wieder regelmäßige Partien statt und so konnte der BSchC bei den Deutschen Meisterschaften 1920 in München erneut erfolgreich vom Eis gehen.

Mit dem Erwerb des Grundstücks an der Thüringerallee in der Nähe des damaligen Reichskanzlerplatzes wurde 1920 neben einer Tennisanlage eine Eisbahn geschaffen, die den Spielbetrieb aufrechterhielt und deutschlandweit Beachtung fand. Trotz der folgenden Inflation aufgrund der Weltwirtschaftskrise konnte der BSchC schuldenfrei gehalten werden und mit dem Umbau des Admiralspalastes gab es auch eine weitere Spielstätte. Dank der Beziehungen Hartmanns zu den europäischen EishockeyvereinenHorst Eckert: Olympia-Bronze 1932 für das deutsche Team. Bei: eishockeymuseum.de, abgerufen am 16. Mai 2009 gestattete es der Deutsche Eislauf-Verband, zu diesen Zeiten namhaften Ausländern im Team des Schlittschuhclubs für die deutsche Meisterschaft aufzulaufen. Als spielerische Symbolfigur dieser Ära ging Gustav Jaenecke hervor, der mit seinen Leistungen das Berliner Publikum begeisterte. Durch die zahlreichen Veranstaltungen, die der Verein austrug, wurde er zum bekanntesten Verein Deutschlands, durfte sich mit den besten Mannschaften Europas messen und wurde zu einem Aushängeschild der frühen Weimarer Republik. Vielfach wurden Deutsche-, Europa- und Weltmeisterschaften im „Hohenzollern“-Sportpalast ausgetragen. Auch die sportlichen Erfolge stellten sich in den „Goldenen Zwanzigern“ in Berlin ein. Bis 1933 wurden – mit Ausnahme des Jahres 1922, als der MTV München den BSchC bezwang, und 1927, als der BSchC nicht antrat – alle deutschen Meisterschaften nach Berlin vergeben. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurden durch die Gleichschaltung Spielern jüdischer Abstammung das Auflaufen in der Mannschaft untersagt und viele ausländische Spieler verließen den Verein. Damit wurde die Mannschaft erheblich geschwächt und gewann bis zum Jahr 1936 keine Meisterschaften mehr.

Im Zuge des Engagements Hermann Kleebergs entstanden in Deutschland zahlreiche neue Kunsteisbahnen, die das Eishockey als Breitensport etablieren sollten. In Berlin wurde während des Bauprogramms das später zerstörte Eisstadion Friedrichshain in der Langenbeckstraße neben dem Volkspark Friedrichshain errichtet.

Eishockey im Zweiten Weltkrieg (1939–1945)