Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) (wegen Sponsoring offiziell PENNY DEL) ist die höchste Spielklasse im deutschen Eishockey. Bei ihrer Gründung 1994 war sie die erste deutsche Profiliga, deren Spielbetrieb von einer Gesellschaft durchgeführt wurde und deren Klubs ihre Profimannschaften in Kapitalgesellschaften auslagerten. Vorgängerliga war die zwischen 1958 und 1994 bestehende Eishockey-Bundesliga. Rekordmeister der DEL sind die Eisbären Berlin mit zwölf Titeln.
Die DEL Betriebsgesellschaft mbH ist rechtlich, wirtschaftlich und organisatorisch selbstständig. Ihre Geschäftsstelle, das sogenannte Ligabüro, befindet sich in Neuss. Dem Beispiel der DEL folgten später alle größeren deutschen Sportligen etwa mit der Gründung der Basketball-Bundesliga GmbH 1996, der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH 2000 oder der Handball-Bundesliga GmbH 2004.
In der Spielzeit 2023/24 konnte ein europäischer Zuschauerrekord aufgestellt werden: 2,6 Millionen Zuschauer hatten die 364 Partien der Hauptrunde besucht. Erstmals kamen so über 7.000 Zuschauer pro Spiel (7.162). In den Play-offs waren es im Schnitt gar 7.931 Fans.Eishockey News Rückblick 2023/24, S. 16
Geschichte Vorgeschichte Im Dezember 1993 wurden die Pläne, eine neue Profiliga im deutschen Eishockey zu gründen, offiziell. Der Vorsitzende des DEB Ulf Jäkel, DEB-Sportdirektor Franz Reindl sowie die Vorstandsmitglieder Gottfried Neumann (Augsburg) und Wolfgang Bonenkamp (Düsseldorf) hatten hierfür Pläne ausgearbeitet. Dafür waren sie auf Erkundungstour in Nordamerika. Die National Hockey League sollte das sportliche, die International Hockey League, in der damals alle Clubs schwarze Zahlen schrieben, dagegen das wirtschaftliche Vorbild sein.
Die Entwürfe sahen unter anderem vor, den Auf- und Abstieg zur zweiten Liga abzuschaffen. Hinter der in den neunziger Jahren dominierenden und vier Mal in Folge Deutscher Meister (1990 bis 1993) gewordenen Düsseldorfer EG gab es drei bis vier Clubs, die ein finanzielles Risiko eingingen, um Anschluss an Düsseldorf zu finden. Der Rest litt unter massiven Finanzproblemen und kämpfte um die Existenz. Die zweite Bundesliga war in der Saison 1993/94 mit elf (statt, wie vorgesehen, zwölf) Vereinen an den Start gegangen, von denen sich zunächst der SV Bayreuth und später der SC Memmingen aus finanziellen Gründen vom laufenden Spielbetrieb zurückzog. Nach Saisonende gingen die bisherigen Zweitligisten ECD Sauerland und EHC Essen-West in Konkurs. Zwar wurde auch hier Profisport geboten (mit Ausnahme des EV Landsberg, dessen Spieler Halbprofis waren), doch in der Realität fehlte den Zweitligaklubs Publizität und damit Geld. Deshalb erhöhten praktisch alle Bundesliga-Vereine ihren Etat, um dem Abstieg zu entgehen. Innerhalb von zwei Jahren stieg der Etat der Erstligaclubs um 25 % auf zusammen 88,6 Millionen DM.
Da die Clubs ihre Kosten nicht decken konnten, griffen sie teilweise zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Der Meister der letzten Bundesliga-Saison Hedos München gab Top-Spieler wie Georg Franz und Wally Schreiber, die zuvor auf 10 % ihres Gehalts verzichteten, ab. In Mannheim einigte man sich auf einen Gehaltsverzicht von 30 %. Zusammen hatten die Bundesliga-Vereine 50 Millionen DM Schulden. Deshalb planten die Verantwortlichen mit nur noch einer Profiliga.
Gründung Trotz Kritik der Vereine aus Mannheim, Berlin, Rosenheim und Krefeld stimmten Mitte Januar 20 der 21 verbliebenen Erst- und Zweitligaklubs für die Reform des Ligawesens. Unter dem Dach des DEB wurde die Betriebsgesellschaft „Deutsche Eishockey Liga GmbH“ gebildet. Die teilnehmenden Vereine gründeten Kapitalgesellschaften, denen durch den Beirat ein Mitspracherecht zugebilligt wurde. Voraussetzungen für die Mitgliedschaft in der DEL waren ein vernünftiges Entschuldungskonzept, eine Antrittsgebühr von 500.000 DM und ein abgesicherter Etat, der mindestens 4,5 Millionen DM betragen musste. Des Weiteren forderte die DEL ein ligataugliches Stadion und mindestens 15 vertraglich gebundene Profispieler. Es war den Kapitalgesellschaften vorgeschrieben, 10 % des Etats zurückzulegen und die Ligenleitung regelmäßig über die wirtschaftliche Situation zu informieren. Außerdem wurde ein zentraler Vermarkter für Trikots, Eis, Bande und Fernsehrechte beschlossen, der die wirtschaftlichen Disparitäten innerhalb der Liga schmälern sollte.
Die Geschäftsführung der neu gegründeten DEL-GmbH übernahmen Franz Reindl und der ehemalige Manager von Hedos München, Franz Hofherr, die sich auch für die Lizenzierung verantwortlich zeigten. Es bewarben sich alle Erstligisten, alle verbliebenen Zweitligisten außer dem EV Landsberg sowie der ETC Timmendorfer Strand und der ESC Wedemark aus der Oberliga Nord. Den beiden Oberligisten sowie dem EHC 80 Nürnberg, EC Ratingen, ES Weißwasser, BSC Preussen, Eisbären Berlin und auch dem amtierenden Meister EC Hedos München wurde die Lizenz vorerst verweigert. Bis auf die beiden Oberligisten erkämpften sich alle Vereine vor dem DEB-Schiedsgericht die Lizenz für die DEL. Dabei wiesen die Eisbären und Ratingen einen erheblichen Schuldenabbau und Weißwasser einen neuen Hauptsponsor, welcher 1,2 Millionen DM investieren wollte, vor. Als letzter Club bekam der deutsche Meister EC Hedos München, der unter dem Namen Maddogs München an den Start ging, kurz vor Ablauf der Lizenzierungsfrist die DEL-Lizenz. Am 20. Juni stand das 18 Mannschaften große Teilnehmerfeld schließlich.
Im Zuge der Mediatisierung nahm der Unterhaltungsfaktor für die Zuschauer zu, so wurden LED-Leinwände und teilweise Videowürfel installiert. Als Opening Face Off Music wird eine Remixversion des Sirtaki gespielt.
Gründungsmitglieder Name vor der DEL-Gründung Name zur ersten DEL-Saison Heutiger Name Platzierung vor der Premierensaison Heutige Liga Augsburger EV Augsburger Panther Meister 2. BL DEL EHC Dynamo Berlin EHC Eisbären Berlin Platz 10, 1. BL DEL BSC Preussen Berlin – Platz 4, 1. BL – Düsseldorfer EG Deutscher Vizemeister DEL2 Frankfurter ESC Frankfurt Lions – Platz 4, 2. BL – EC in Hannover Hannover Indians Platz 6, 2. BL Oberliga EC Kassel Kassel Huskies EC Kassel Huskies Platz 2, 2. BL DEL2 ESV Kaufbeuren Kaufbeurer Adler ESV Kaufbeuren Platz 8, 1. BL DEL2 Kölner EC Kölner Haie Platz 3, 1. BL DEL Krefelder EV Krefeld Pinguine Platz 5, 1. BL DEL EV Landshut Platz 6, 1. BL DEL2 Mannheimer ERC Adler Mannheim Platz 7, 1. BL DEL EC Hedos München Maddogs München — Deutscher Meister — EHC 80 Nürnberg Nürnberg Ice Tigers Platz 3, 2. BL DEL EC Ratingen EC Ratingen „Die Löwen“ — Platz 12, 1. BL — Sportbund DJK Rosenheim Starbulls Rosenheim Starbulls Rosenheim e. V. Platz 9, 1. BL DEL 2 ES Weißwasser ESG Füchse Sachsen Weißwasser/Chemnitz Lausitzer Füchse Platz 7, 2. BL DEL2 Schwenninger ERC Schwenninger ERC Wild Wings Schwenninger Wild Wings Platz 11, 1. BL DEL
Premierensaison Das erste Spiel der Saison 1994/95 fand im ausverkauften Curt-Frenzel-Stadion zwischen den Augsburger Panthern und den Maddogs München statt, das München mit 6:1 gewann. Das erste Bully führten die Ehrengäste Bobby Hull und Paul Ambros aus. Auch die übrigen Spiele des ersten Spieltags waren gut besucht, insgesamt kamen 45.000 Zuschauer in die Hallen.
Nach dem erfolgreichen Start musste die DEL im Dezember 1995 einen Rückschlag hinnehmen: Der amtierende Meister aus München meldete Konkurs an. Der Zulassungsausschuss hatte den Maddogs die Lizenz unter Auflagen erteilt und Bürgschaften der Vorstandsmitglieder verlangt, die aber letztlich nicht werthaltig waren. Sportlich dagegen profitierte die DEL vom NHL-Lockout: Verschiedene NHL-Spieler wie Brendan Shanahan (Düsseldorf), Pawel Bure (Landshut), Scott Young (Landshut und Frankfurt), Robert Reichel (Frankfurt), Doug Weight (Rosenheim), Uwe Krupp (Landshut), Glenn Anderson (Augsburg) oder Vincent Damphousse (Ratingen) überbrückten den Lockout in der DEL. Schließlich konnten sich die Kölner Haie mit Trainer Bob Murdoch, der nach dem Konkurs aus München kam, in den Playoffs durchsetzen und wurden erster Meister der DEL.
Nationale Eishockey-Liga und Trennung vom Verband Am 18. Februar 1995 kam DEB-Präsident Ulf Jäkel seiner Abwahl zuvor und trat von seinem Posten zurück. Vor allem zwei Ungereimtheiten wurden ihm angekreidet: Eine Firma, an der Jäkel selbst beteiligt war, übernahm das Controlling in der DEL und ein anderes Unternehmen aus Jäkels Heimat Kaufbeuren kreierte das erste DEL-Logo. Jäkels Nachfolger Rainer Gossmann (Schatzmeister der Düsseldorfer EG) galt als Vertreter der DEL-Clubs. Trotzdem kam es zwischen ihm und Bernd Schäfer III, dem Wortführer der DEL-Clubs, in der Folge immer wieder zu Streitigkeiten. Der Streit zwischen den DEL-Klubs und dem DEB zog sich durch die Spielzeiten 1995/96 und 1996/97. Teilweise verweigerten die DEL-Clubs sogar die Abstellung von Spielern für Freundschaftsspiele der Nationalmannschaft. Schließlich kamen diverse Konstruktionsfehler bei der Gründung der DEL GmbH zu Tage. So hatte der DEB die Clubs der DEL ausgeschlossen, so dass der Spielbetrieb der DEL formal eine wilde Liga war. Zudem galt zwischen DEB und DEL-Clubs damit nicht mehr das Vereinsrecht, sondern das Unternehmensrecht. Die Vermarktungsrechte waren nicht klar geregelt. Die Streitigkeiten wurden teilweise vor den Schiedsgerichten ausgefochten und führten schließlich dazu, dass der Franchise-Vertrag der DEL GmbH für ungültig erklärt wurde.
Im Sommer 1995 gründeten die DEL-Clubs schließlich die Nationale Eishockey-Liga (NEL) als vom Verband unabhängige Liga. Erst durch Einschalten des Weltverbandes IIHF wurde der Start der NEL verhindert. Am 10. März 1997 gründeten die DEL-Clubs dann erneut eine eigenständige Ligagesellschaft, die Deutsche Eishockey Liga Betriebsgesellschaft mbH. Diesmal sorgte die IIHF dafür, dass der DEB im Hinblick auf die Eigenständigkeit der DEL einlenken musste. Das Verhältnis von DEL und DEB als Dachverband wurde in einem ersten Kooperationsvertrag festgeschrieben. Bernd Schäfer III wurde Comissioner der DEL. Er nutzte die Konkurrenzsituation zwischen dem bisherigen TV-Partner Premiere und dem neuen Sender DF1 von Leo Kirch und schloss einen hochdotierten neuen Fernsehvertrag für die DEL ab.
Die Bosman-Entscheidung und ihre Folgen Parallel zum Streit DEB-DEL veränderte die Bosman-Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs vom 15. Dezember 1995 die DEL grundlegend. Spieler aus EU-Staaten fielen nun nach dem Bosman-Urteil nicht mehr unter das drei Spieler umfassende Ausländerkontingent. Vor allem die späteren Playoff-Finalisten aus Köln und Düsseldorf verstärkten ihre Kader. Im Finale der Playoffs 1996 setzten sich die Düsseldorfer im Rhein-Derby nach vier Spielen gegen die Haie durch. In der Folgesaison wurde die Bosman-Entscheidung ein entscheidender Faktor für die Kader-Zusammenstellung. Die Vereine konnten dadurch, dass die deutschen Spieler jetzt Konkurrenz aus der ganzen EU hatten, ihre Personalkosten deutlich senken. In der Saison 1996/97 spielten 97 EU-Ausländer in der DEL. Die häufigen Spielerwechsel, auch während der Saison, führten auf der anderen Seite aber auch zu einem Zuschauerrückgang. Die Bosman-Entscheidung war vor allem eine Chance für die kleineren Vereine. So stießen die Kassel Huskies und die Eisbären Berlin in dieser Saison in die Ligenspitze vor, während der deutsche Meister aus Düsseldorf die Playoffs, die zum ersten Mal mit dem Viertelfinale (vorher: Achtelfinale) begannen, verpasste. Das Überraschungsteam der Saison waren die Kassel Huskies, die sich bis ins Finale vorkämpften und gegen die Adler Mannheim scheiterten. Deren Manager Marcus Kuhl und Trainer Lance Nethery holten Spieler aus weniger starken Eishockey-Nationen (Italien, Frankreich, Österreich), die sich in der DEL beweisen wollten, und schlossen die Hauptrunde als Erster ab.
Dominanz der Adler mini|Die Frankfurt Lions nach dem Gewinn der Meisterschaft gegen die Eisbären Berlin am 16. April 2004