Zahlenanalphabetismus (engl. innumeracy) bezeichnet rechnerisches Unvermögen und somit die Schwäche, Sachverhalte in Zahlen oder Wahrscheinlichkeiten darzustellen, beziehungsweise zahlenmäßig dargestellte Sachverhalte zu verstehen. Manchmal werden Personen, die Zahlenanalphabeten sind, als Innumeraten bezeichnet.

1982 beschrieb Douglas R. Hofstadter die „Innumeracy“ in seiner monatlichen Kolumne im Scientific American, in der deutschen Übersetzung wird von „Zahlenblindheit“ gesprochen. Hofstadter benennt insbesondere das fehlende Verständnis von Größenordnungen und Größenverhältnissen von Zahlen als ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Beispielhaft nennt er eine Klasse von Physikstudenten, in der die Höhe des Empire State Building auf Werte zwischen 15 Metern und 1,6 Kilometern geschätzt wurde. In anderen Kontexten sei das Problem bedeutsamer, insbesondere, wenn politisch über Millionen- und Milliardenbeträge entschieden würde, die von vielen Bürgern schwer zu fassen seien. Hofstadter empfahl, sich bewusst mit solchen Größenordnungen vertraut zu machen und sich konkrete Beispiele für Millionen- und Milliardenmengen und den folgenden Größenordnungen zu merken. Eine Verantwortung sieht Hofstadter insbesondere bei den Medien. Als harmloses Beispiel nennt er die „drei Milliarden Kombinationen“, mit denen der damals populäre Zauberwürfel beworben wurde (und was gegenüber den tatsächlich möglichen ca. 4,3 × 1019 Permutationen um über zehn Größenordnungen zu niedrig ist). Problematischer werde das fehlende Verständnis beispielsweise bei Größenordnungen von Rüstungsbudgets, die Hofstadter in Schulessen, Büchereien oder Jumbo-Jets umrechnet.

Der US-amerikanische Mathematiker John Allen Paulos griff 1998 den Begriff im Buch Innumeracy. Mathematical Illiteracy and Its Consequences auf und beschreibt die Schwäche unter anderem so:

Zahlenanalphabetismus ist nicht zu verwechseln mit Dyskalkulie, der Schwäche, die Regeln des Zahlensystems zu verstehen und zu nutzen (Rechenschwäche).

Literatur John Allen Paulos: Zahlenblind. Mathematisches Analphabetentum und seine Konsequenzen. Heyne, München 1990, ISBN 3-453-03623-9

Einzelnachweise

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