Die Universität Mannheim ist eine Universität im baden-württembergischen Mannheim. Gegründet 1907 als Städtische Handels-Hochschule und seit 1967 Universität, zählt sie zu den jüngeren Universitäten Deutschlands. Sie ist beheimatet im Mannheimer Schloss und sieht sich in der Tradition der 1763 gegründeten Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften.

Die Universität verfügt über fünf Fakultäten:

Fakultät für Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre Fakultät für Betriebswirtschaftslehre Fakultät für Sozialwissenschaften Philosophische Fakultät Fakultät für Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsmathematik

2005 wurde zusätzlich die Mannheim Business School gegründet, die kostenpflichtige MBA-Studiengänge und Management-Weiterbildungen anbietet. 2007 folgte die Graduiertenschule GESS, die von der Exzellenzinitiative des Bundes gefördert wird.Achim Fischer: Exzellenzinitiative: Uni Mannheim eröffnet „graduate school of economic & social sciences“ (gess). In: IDW-Online.de, 26. September 2007.Weitere Förderung der Graduiertenschule beschlossen. Pressemitteilung. In: Uni-Mannheim.de, 15. Juni 2012.

Das Universitätsklinikum Mannheim hingegen gehört nicht zur Universität Mannheim, sondern ist der Universität Heidelberg angegliedert.

Die Universität bietet die Abschlüsse Bachelor, Master und Staatsexamen an. Mannheim ist für seine Interdisziplinarität bekannt; viele Studienfächer, beispielsweise in den Sozialwissenschaften, der Informatik, den Rechts- oder Geisteswissenschaften, bieten die Möglichkeit, fundierte wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse neben dem Hauptfach zu erwerben. Besonders zu erwähnen ist der Bachelorstudiengang Unternehmensjurist (LL.B.), der nach drei Jahren in einem juristischen-betriebswirtschaftlichen Abschluss endet, zu einem Masterstudium in Betriebswirtschaftslehre oder Rechtswissenschaft berechtigt und gleichzeitig – Mannheimer Modell – als Zwischenetappe des Staatsexamens anerkannt wird.

Geschichte mini|hochkant|Haupteingang der Universität Mannheim mit dem alten Schriftzug der Wirtschaftshochschule Die Universität Mannheim hat einen historisch bedingten wirtschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt. Ihre Wurzeln reichen zurück ins Jahr 1907, als auf Initiative von Mannheimer Bürgertum und Handelskammer die Städtische Handels-Hochschule gegründet wurde.

Das spätere Signet der Universität Mannheim – und zuvor schon der Wirtschaftshochschule Mannheim – zeigt das Mannheimer Schloss und die Quadratestadt Mannheim und erinnert an die langjährige Verbundenheit der Universität mit der Stadt Mannheim. Die Umschrift IN OMNIBUS VERITAS ist der Satzung des pfälzischen Kurfürsten Karl-Theodor entnommen, mit der dieser 1763 die Kurpfälzische Akademie der Wissenschaften ins Leben rief: „In omnibus veritas suprema lex esto!“ (Wahrheit in allem sei höchstes Gebot!).

Kurpfälzische Akademie der Wissenschaften zu Mannheim (1763–1803) Die als historische Vorgängerin der Universität Mannheim zu wertende Kurpfälzische Akademie der Wissenschaften war am 15. Oktober 1763 von Carl Theodor, Kurfürst von der Pfalz, gegründet worden. Dessen Regierungszeit in den kurpfälzischen Residenzen Mannheim und Schwetzingen von 1742 bis 1777 hatte eine außergewöhnlich große Bedeutung für die kulturelle, ökonomische und infrastrukturelle Entwicklung des süddeutschen Raumes in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Die Kurpfälzische Akademie der Wissenschaften hatte drei Fakultäten: Erste Sektion: Die Historische Klasse Zweite Sektion Die Naturwissenschaftliche Klasse Dritte Sektion (seit 1780): Die Meteorologische Klasse Die besondere Förderung der Akademie erlitt 1778 einen Rückschlag, als Kurfürst Carl-Theodor Kur-Bayern erbt und seine Residenz nach München verlegt. Schließlich verliert Bayern im Reichsdeputationshauptschluss von 1806 den rechtsrheinischen Teil der Kurpfalz mit Mannheim und Heidelberg an das Großherzogtum Baden.

Die Mannheimer Akademie der Wissenschaften war jedoch bereits 1803 geschlossen worden. Der Magistrat der Stadt Mannheim richtete deswegen am 12. Mai 1804 eine Bittschrift an den Großherzog von Baden in Karlsruhe bezüglich ihrer Wiedererrichtung, ohne jedoch Gehör zu finden.

Handelshochschule Mannheim (1907–1933) Die von 1779 bis 1817 in Mannheim bestehende Handelsschule für Kaufmannssöhne (später: Großherzoglich Badische Handelsakademie) kann als Vorstufe der Handelshochschule in Mannheim angesehen werden. Aber auch danach entwickelte sich die Industrie- und Handelsstadt Mannheim in allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen, so dass weiter nach anspruchsvollen Bildungsmöglichkeiten gesucht werden musste. Seit dem

18. Juli 1905 organisierte der vom Mannheimer Oberbürgermeister Otto Beck mit der Leitung des städtischen Hochschulwesens betraute Bernhard Weber Handelshochschulkurse für berufstätige Kaufleute und Angestellte. Unterstützung kam von der Mannheimer Handelskammer, engagierten Unternehmern und Heidelberger Universitätsprofessoren – hier vor allem vom Nationalökonomen Eberhard Gothein. Diese Kurse, beginnend am 16. Oktober 1905 – sollten auf akademischem Niveau kaufmännische Fortbildung erreichen. Dies war die eigentliche Keimzelle der späteren Städtischen Handelshochschule Mannheim. Als Zeitpunkt für deren feierliche Eröffnung durch den 81-jährigen Großherzog von Baden, Friedrich I., wurde der 13. Oktober 1907 in Aussicht genommen. Dieser starb jedoch völlig unerwartet am 28. September. Es wurde Staatstrauer verhängt, und die Eröffnung musste verschoben werden. Ungeachtet dessen begann die Stadt Mannheim den inoffiziellen, aber vorbereiteten Vorlesungsbetrieb im Wintersemester 1907/08 mit 15 Vollstudenten. Somit kann 1907 als Gründungsjahr der Hochschule und späteren Universität angesehen werden. Erster Studiendirektor war der Nationalökonom Sigmund Schott, hauptberuflich Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Mannheim. Schließlich traf in Mannheim aus der badischen Residenzstadt Karlsruhe am 3. April 1908 die Genehmigung der Städtischen Handelshochschule aufgrund des Gründungserlasses seines Sohnes und Nachfolgers, Großherzog Friedrich II., ein. Damit kann das Sommersemester 1908 als das erste offizielle Semester – dann schon mit 39 Vollstudenten – bezeichnet werden. Im gleichen Semester wurde auch der Allgemeine Studentenausschuss mit Adolf Seitz als Vorsitzendem nach dem Muster der Universität Heidelberg ins Leben gerufen

Studiendirektor Schott und – seit dem Wintersemester 1909/10 – Martin Behrend als dessen hauptberuflicher Nachfolger leiteten die Hochschule zusammen mit Schulrektor Bernhard Weber bis zum Wintersemester 1911/12. Die Hochschule erhielt das großzügig ausgestattete Engelhorn’sche Haus im Quadrat A 1 in bester Innenstadtlage an der Kurpfalz-Straße neben der Jesuitenkirche und gegenüber dem Westflügel des Schlosses.

Die Mannheimer Wirtschaft unterstützte die Hochschule weiterhin: Bis 1911 wurden für die Hochschule mehrere Vermögensfonds angelegt, insbesondere erbrachte die großzügige Stiftung des Heinrich-Lanz-Gedächtnisfonds eine Million Mark. Mit dieser Eigenkapitalbasis konnte die Stadt Mannheim schließlich die Regierung zur Übernahme der Hochschule bewegen. Ab

21. Juli 1911 wurde die Städtische Handelshochschule Mannheim durch Erlass von Großherzog Friedrich II. von Baden zur Anstalt des Öffentlichen Rechts und erhielt am 1. Juli 1911 eine neue Rektoratsverfassung. Erster Rektor der nunmehr Staatlichen Handelshochschule Mannheim wurde zum Sommersemester 1912 Charles Glauser.

Die Studiendauer war zunächst auf vier Semester angelegt, erst 1925 erhöhte man sie auf drei Jahre. Als Voraussetzung reichte zunächst die Mittlere Reife. Ebenfalls von 1925 an war dann lt. Satzung das Abitur die Regelmäßige Voraussetzung. Man hielt jedoch begabten Nichtabiturienten den Zugang unter Ablegung einer Ergänzungsprüfung offen.

Die Hochschule bildete zunächst nur junge Diplom-Kaufleute (Dipl.-Kfm.) und Diplom-Handelslehrer (Dipl.-Hdl.) aus, verwandelte sich aber schließlich bis 1933 in ein Zentrum höherer Bildung. Neben Veranstaltungen in Wirtschaftswissenschaften, Bürgerlichem und Handelsrecht wurden Vorlesungen in Philosophie, Geschichte, Kunst und in den Naturwissenschaften angeboten. Hinzu kamen das Institut für Psychologie und Pädagogik sowie ein Dolmetscherinstitut. Die Hochschule erhielt aber 1929 auch das Recht der Promotion zum Dr. rer. oec. Erster Ehrendoktor wurde 1932 der Mannheimer Oberbürgermeister Hermann Heimerich.

Um akademische Anerkennungen auszusprechen, konnte die Hochschule bis dahin nur den Titel eines Ehrenbürgers nutzen. Hiermit wurde 1924 Eberhard Grothein zu seinem 70. Geburtstag geehrt. Der 65-jährige Sigmund Schott, Ehrenbürger der Stadt Mannheim, wurde dann 1933 mit seiner Pensionierung zum zweiten Ehrendoktor der Handelshochschule ernannt.

Die Machtergreifung durch die NSDAP im Deutschen Reiche hatte unerwartete Folgen: Die Handelshochschule wurde nach dem Sommersemester 1933 völlig unerwartet geschlossen. Sie wurde zum 15. Oktober in die mit zwei betriebswirtschaftlichen Ordinariaten reorganisierte Staats- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Heidelberg eingegliedert. Die Abwicklung erfolgte durch ein gerade als Dipl.-Kfm. graduiertes junges Mitglied des NS-Studentenbundes, das später zum Kommissar für die Überleitung der Mannheimer Hochschule ernannt wurde.

Während 1923 noch ca. 800 Studenten an der Handelshochschule immatrikuliert waren, hatte diese im Auflösungsjahr 1933 nur noch ca. 600 Studenten, die in Heidelberg eine neue Bleibe finden mussten. In Mannheim verloren 31 Dozenten ihren Arbeitsplatz.

Davon wurden nur zwei von Heidelberg übernommen: der betriebswirtschaftliche Ordinarius und damalige Mannheimer Rektor Heinrich Sommerfeld für das erste Ordinariat und der betriebswirtschaftliche Privatdozent Fritz Fleege-Althoff. Außerdem erhielt der seit 1927 an der Mannheimer Hochschule tätige wissenschaftliche Assistent Walter Thoms, seit 1932 NS-Parteimitglied und noch 1933 in Mannheim habilitiert, im gleichen Jahr eine Privatdozentur in Heidelberg; er versuchte – ab 1. April 1937 planmäßiger außerordentlicher Professor – von dort eine Nationalsozialistische Betriebswirtschaftslehre zu begründen. Erst 1937 wurden auch Sommerfels und Fleege-Althoff Mitglieder der NSDAP. Der Mannheimer Ordinarius Walter le Coutre wurde trotz Dozentenmangels nicht auf das zweite verfügbare betriebswirtschaftliche Ordinariat berufen. Dieses blieb unbesetzt.

Während des Nationalsozialismus überlebten nach 1940 von den 14 jüdischen Dozenten der einstigen Handelshochschule nur drei den Holocaust. Unter den Opfern ist auch der Leiter des Psychologischen Instituts und Rektor der Handelshochschule Otto Selz sowie die jüdische Witwe Alice des Jura-Dozenten Adolf Brehm und deren Mutter Emmy Stern. Die Otto-Selz-Straße, die von Osten ausgehend um die Universität führt, erinnert an den anerkannten Erforscher von Denkprozessen.

Die Gründe für die Schließung der Mannheimer Hochschule innerhalb eines halben Jahres nach der NS-Machtergreifung liegen im Dunkeln: Waren finanzielle Gründe ausschlaggebend? War es die Antipathie führender Nationalsozialisten gegenüber der Hochschule, der so viele jüdische Dozenten angehörten?

Wirtschaftshochschule Mannheim (1946–1967) Die Handelshochschule wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Wintersemester 1946/47 als Wirtschaftshochschule Mannheim (WHM) neu gegründet. Die WH Mannheim hatte 12 Gründungsdozenten und 586 Studierende; dazu gehörten als ehemalige Handelshochschul-Dozenten der Wirtschaftswissenschaftler Walter Le Coutre, der Psychologe Edmund Lysinski und der Pädagoge Adolf Willareth. Walter Thoms nahm von 1957 bis 1966 einen Lehrauftrag wahr.