Zermatt ([], veraltet Praborgne) ist eine Munizipalgemeinde und eine Burgergemeinde im Bezirk Visp sowie eine Pfarrgemeinde des Dekanats Visp im Schweizer Kanton Wallis. Bevölkerungsmässig ist Zermatt nach Visp zweitgrösster Ort im Bezirk Visp und liegt im Mattertal auf einer Höhe von circa am Nordostfuss des Matterhorns. Zermatt ist ein Bergsteigerzentrum und dank dem Matterhorn und seinem Wintersport- und Wandergebiet ein bekannter Ferienort der Schweiz.
Geographie Lage Mit einer Fläche von 243,4 km2 gehört Zermatt zu den grössten Schweizer Gemeinden. Das Areal umfasst 1,3 km2 Bauzone, 9,4 km2 Wald, 10,0 km2 Landwirtschaftszone (inkl. Alpweiden) und 183,0 km2 Naturschutzzonen. Der höchste Punkt ist mit die Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv. Der tiefste Punkt auf liegt im Bachbett des Talflusses Mattervispa an der Grenze zur unterhalb liegenden Nachbargemeinde Täsch nahe der Flur mit dem Namen Schlangengrube. Das weite Hochtal ist im Osten von der Bergkette Rimpfischhorn – Strahlhorn – Jägerhorn – Dufourspitze – Signalkuppe begrenzt, im Süden von der Reihe Lyskamm – Castor und Pollux – Breithorn – Klein Matterhorn und westlich des Theodulpasses von Matterhorn – Dent d’Hérens – Tête Blanche. Im Westen liegen zwischen dem Tal des Zmuttbachs und dem Val d’Anniviers die Höhenzüge von Dent Blanche, Ober Gabelhorn und Zinalrothorn.
Das Zermatter Gemeindegebiet grenzt an Italien. Der Übergang über den Theodulpass nach Valtournenche war wegen der Eisbedeckung nur für Fussgänger und Skifahrer passierbar. Seit 1. Juli 2023 erlaubt das Matterhorn Alpine Crossing auf die Fahrt per Seilbahnen nach Italien und zurück am selben Tag.
Gewässer Der Hauptfluss im Tal ist die Mattervispa, die durch den Ortskern von Zermatt fliesst. Sie entsteht durch die Vereinigung des vom Zmuttgletscher kommenden Zmuttbachs, der vom Gornergletscher kommenden Gornera, des vom Triftgletscher kommenden Triftbachs und des vom Findelgletscher durch die Findelschlucht fliessenden Findelbachs. Bei Stalden bildet die Mattervispa zusammen mit der Saaservispa die Vispa, die bei Visp in den Rotten (Rhône) mündet.
Die Gornera nimmt südlich von Furi den Furggbach auf, der am Furgggletscher unter der Ostwand des Matterhorns und unter dem Oberen Theodulgletscher entspringt. Der Bach Balmbrunnen fliesst vom Hohtälligrat über die Alp Breitboden in den Findelbach. Vom Mettelhorn rauscht der Luegelbach durch die steile Runse neben dem Wisshorn zur Mattervispa hinunter.
Am Zmuttbach liegt der von 1961 bis 1964 gebaute Stausee Zmutt, der als Wasserfassung für die Stauhaltung des Grande-Dixence-Systems dient. Das Wasser wird mit Pumpstationen bei Zmutt und Stafel ins Dixence-Tal geleitet.
Neben zahlreichen namenlosen Toteisseen, die in den letzten Jahren durch das Abschmelzen der Gletscher entstanden sind, sind die folgenden Zermatter Bergseen erwähnenswert:
Berge 22 Schweizer Hauptgipfel über 4000 Meter liegen ganz oder teilweise auf Zermatter Gebiet:
Weitere markante Berge im Gemeindegebiet sind das Oberrothorn (), das Stockhorn (), das Äbihorn (), das Untere Gabelhorn (), das Theodulhorn (), das Riffelhorn () und das Mettelhorn ().
Gletscher In den hoch gelegenen Tälern von Zermatt liegen viele, zum Teil trotz dem andauernden Schwund noch recht grosse Gletscher. Zusammen mit allen Seitengletschern bedeckt das Gletschersystem des Gornergletschers eine Fläche von 68 km2, was nach dem Aletschgletscher die zweitgrösste zusammenhängende Gletscherfläche der Alpen darstellt.
Liste der Zermatter Gletscher:
Klima Durch die hohen Berge, welche in den Hauptwetterrichtungen die Niederschläge abschirmen, sowie das allgemein hohe Geländeniveau ist das Klima für die Höhe und die geographische Breite mild und niederschlagsarm. Die Waldgrenze liegt auf hohen 2'200 bis und damit im mittel- und südeuropäischen Spitzenbereich. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Dorf beträgt rund 700 mm pro Jahr. Die umgebenden Berge, insbesondere entlang der italienischen Grenze, sind – relativ zur Höhe – deutlich kälter und niederschlagsreicher. Auf der Signalkuppe des Monte Rosa beträgt der durchschnittliche Jahresniederschlag 4100 mm.
Für die Normalperiode 1991–2020 betrug die Jahresmitteltemperatur 4,7 °C, wobei im Januar mit −3,9 °C die kältesten und im Juli mit 13,7 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 171 Frosttage und 42 Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel 8 bis 9, während im Schnitt alle 10 Jahre ein Hitzetag zu verzeichnen ist. Die Messstation von MeteoSchweiz liegt auf einer Höhe von
Siedlungen Auf dem Gebiet von Zermatt liegen die Weiler Findeln, Tuftern, Winkelmatten, Blatten, Zum See und Zmutt, meist mit eigenen Kapellen. Früher wurden sie als Sommersiedlungen benutzt. Heute sind sie beliebte Touristenziele.
Sprache Zermatt ist noch vor Salurn in Südtirol der südlichste Ort des geschlossenen deutschen Sprachraumes (als deutsche Sprachinsel liegen lediglich die Lystaler Orte Gressoney und Issime weitere 20 km bis 30 km südlich).
Geschichte mini|Bevölkerungsentwicklung zwischen 1476 und 2007 mini|Altes Zermatt mini|Die Bahnhofstrasse von Zermatt mini|Luftbild (1964) Neuere archäologische Grabungen in einem Felsabri auf der Alp Hermetje förderten menschliche Spuren aus der Mittel- und Jungsteinzeit (ab 9000 v. Chr. und 5500–2200 v. Chr.) zutage. In den Hubelwäng am Fuss des Unteren Gabelhorns belegen fünf prähistorische Schalensteine am alten Handelsweg die frühe Anwesenheit von Menschen, während römische Münzfunde auf dem Theodulpass und spätmittelalterliche Münz- und Waffenfunde am Gletscherrand beim Trockenen Steg die Benützung dieses Alpenübergangs in Antike und Spätmittelalter bezeugen. In den 1880er Jahren wurde bei Fundamentarbeiten für das Hotel Monte Rosa eine latènezeitliche Topfwerkstätte entdeckt, in der Gefässe aus Chloritschiefer gehöhlt wurden. In den 1990er Jahren wurde im Furi eine ähnliche Werkstatt aus der jüngeren Eisenzeit (380–120 v. Chr.) freigelegt.
1280 wird Zermatt erstmals als erwähnt, was «Lochmatte, Loch/Vertiefung in einer Weide» bedeutet. Der Ort hiess noch in jüngerer Zeit in den benachbarten frankoprovenzalischen Dialekten Praborna. Der deutsche Name findet sich erstmals 1435 als ze Made und 1495 als zer Matt, «zur Matte, bei der Weide/Wiese», bezeugt.
Zermatt ist eine Tochterpfarrei von St. Niklaus. Die Pfarrgemeinde von Zermatt wird in einer Urkunde vom 25. April 1285 erwähnt. Eine Dorfkapelle wurde ca. 1290 errichtet. Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert kauften sich die Zermatter von verschiedenen Feudalherren frei.
Wichtige Handelswege führten im Mittelalter via Zermatt über den Theodulpass nach Italien. Münzfunde belegen, dass dieser Weg schon zu Zeiten der Römer im 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. benutzt wurde. Die Münzen kann man heute im Matterhorn-Museum Zermatlantis besichtigen. Als sich die Gletscher während der Wärmephase um 1000 bis 1300 weit zurückgezogen hatten, war der Theodulpass auch auf der Nordseite eisfrei. Aus dem 13. Jahrhundert stammen die teilweise gepflasterten Saumwege, deren Überreste heute noch zu sehen sind.
Erste Naturforscher kamen um 1780 nach Zermatt. Ein bescheidener Fremdenbesuch setzte nach 1820 ein, ab 1838 gab es eine Gastherberge. Zwischen 1850 und 1860 wurde eine mit Kutschen befahrbare Strasse zwischen Zermatt und St. Niklaus erstellt. 1852 wurde das erste kleine Hotel eröffnet. Der Gommer Bauernsohn Alexander Seiler I. eröffnete 1855 das Hotel Monte Rosa und begründete sein Hotelimperium. Ein Hotel auf dem Riffelberg wurde 1854 gebaut. Ein weiterer Tourismuspionier war Joseph Anton Clemenz, der 1852 das Mont Cervin eröffnete und es 15 Jahre später an Seiler verkaufte.
1865 gelang dem Engländer Edward Whymper die Erstbesteigung des Matterhorns. Dies war der Startschuss für den Aufstieg zum weltberühmten Touristenort. 1891 wurde die Bahnstrecke von Visp nach Zermatt der Visp-Zermatt-Bahn für den Sommerbetrieb eröffnet. 1898 folgte die Bahn auf den Gornergrat.
Im Januar 1902 organisierte Hermann Seiler als Präsident der Sektion Monte Rosa des Schweizer Alpen-Clubs in und bei Zermatt den ersten Skikurs in der Schweiz. Von Zermatt aus gelang im September 1903 Luftschiffer Eduard Spelterini und Hermann Seiler zusammen mit einer dritten Person die erste Überfliegung der Hochalpen im Ballon.
Am 31. Dezember 1927 liess Hermann Seiler 180 eingeladene englische Sommerstammgäste in St. Niklaus mit 50 Schlitten abholen und nach Zermatt fahren. Mit dem Abschluss der Schutzbauten Ende Oktober 1933 konnte die heutige Matterhorn-Gotthard-Bahn den ganzjährigen fahrplanmässigen Betrieb bis nach Zermatt aufnehmen, wie er bereits seit 1928 bis St. Niklaus bestand, Voraussetzung für reguläre Wintersaisons in Zermatt. 1944 besuchten erstmals mehr Gäste im Winter als im Sommer Zermatt.
Im März 1963 grassierte in Zermatt eine Typhusepidemie mit über 400 Erkrankten und drei Toten. Der Verdacht, dass ein Gastarbeiter aus Italien, der sich für die Arbeit am Damm in Zmutt in der Schweiz aufhielt, die Krankheit importiert hatte, erwies sich als unzutreffend. Die Analyse der Proben ergab eine Diskrepanz zwischen den geprüften Bakterien. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde der zugrundeliegende Grund klar: Bergleute, die einen 100 km langen Wasserversorgungsstollen für die Staumauer Grande-Dixence bohrten und über einer Trinkwasserquelle arbeiteten, waren für die Kontamination des Fliessgewässers der Oberwalliser Station verantwortlich.
Die 1968 gegründete Air Zermatt errichtete am Dorfeingang einen Heliport.
Durch den Tourismus ist Zermatt im Lauf der Zeit stark gewachsen. Das typische Bild eines Walliser Bergdorfs ist nur noch im Ortskern und bei den ausserhalb gelegenen Weilern zu finden, während im Tal ausgedehnte Feriensiedlungen entstanden sind.
Zermatt ist eine autofreie Gemeinde; die Strasse darf ab Täsch nur mit entsprechender Bewilligung befahren werden. In Zermatt werden Transportaufgaben von speziell bewilligten kommerziellen Elektrofahrzeugen oder Pferdetaxen übernommen. 107 Hotels sowie 1.213 Ferienwohnungen bieten den Gästen den notwendigen Platz.
75 % der Einwohner gehören der Römisch-katholischen Kirche an, 9 % der Evangelisch-reformierten Kirche und 16 % gehören einer anderen Konfession an oder sind konfessionslos (Stand 2023).
Wappen Das Wappen der Gemeinde stellt auf rotem Hintergrund einen gelben Löwen dar, der auf zwei von drei grünen Hügeln steht. Zwei fünfzackige Sterne flankieren das Wappentier. Seit je fand die sinnbildliche Kraft des Löwen in den verschiedensten Wappen ihren Niederschlag. Es wird vermutet, dass der Zermatter Löwe als Zeichen der Bezirkszugehörigkeit aus dem Wappen der (Bezirkshauptstadt Visp) «geliehen» worden ist.
Bevölkerung + Bevölkerungsentwicklung Jahr 1802 1850 1900 1950 2000 2010 2012 2014 2016 2021 2024 Einwohner 436 369 741 1395 5988 5720 5786 5770 5714 5769 6099
Tourismus Wintersportgebiete mini|Gornergratbahn mit Matterhorn
Das Wintersportgebiet um Zermatt gliedert sich in die drei Bereiche , «Gornergrat» und . Seit dem Bau der neuen Verbindungsbahn Furi–Riffelberg im Sommer 2006 sind die drei Skigebiete () miteinander verbunden. Mit dem angegliederten Gebiet von Breuil-Cervinia (Italien) stehen dem Wintersportler 63 Bergbahnen und 257 Pistenkilometer zur Verfügung. Die längste Abfahrt vom Kleinen Matterhorn nach Zermatt ist ca. 15 km lang und hat eine Höhendifferenz von 2'279 m.
Die Fahrt mit der Seilbahn von der Mittelstation auf dem Trockenen Steg zum (Klein Matterhorn) führt auf eine Höhe von Die am höchsten gelegene Bergstation wurde Ende der 1970er Jahre erbaut, nachdem die Bergbahngesellschaft die Konzession Ende der 1960er Jahre erhalten hatte. Ein Aufzug führt von der Bergstation zum Gipfel des Kleinen Matterhorns. Kurze Zeit später wäre das Projekt wohl kaum mehr realisierbar gewesen, was die Gemeinde Saas-Fee mit ihrem Projekt zum Feechopf () erfahren musste.