Die tragische Historie vom Doktor Faustus (engl. The Tragical History of Doctor Faustus) ist ein Drama des englischen Renaissance-Schriftstellers Christopher Marlowe.
mini|Überlieferter früher Textdruck in der Huntington Library Handlung Einteilung Die verwendete englische Edition von Bevington und Rasmussen ist eine Paralleltext-Ausgabe, die in fünf Akte mit jeweils neu beginnender Szenenzählung eingeteilt ist.David Bevington und Eric Rasmussen (Hrsg.): Dr Faustus. The A- and B-Texts (1604, 1616): A parallel-text Edition. Manchester University Press, Manchester 2014, S. 26 und S. 30. Die Prologe in den Akten 1, 3 und 4 werden dabei nicht in die Szeneneinteilung einbezogen. Es gibt eine moderne deutsche Übersetzung von Adolf Seebaß und drei Übersetzungen, die ins neunzehnte Jahrhundert datieren.Die erste deutsche Übersetzung von Wilhelm Müller von 1818 war Goethe bekannt, dann folgt die Arbeit von Adolf Böttger von 1857 und sodann die Übersetzung von van der Velde 1870, die von Klaus Udo Szudra für die Sammlung "Dramen der Shakespearezeit" (Leipzig 1964) von Robert Weimann überarbeitet wurde. Vgl. Adolf Seebaß (Übersetzer): Christopher Marlowe: Die tragische Historie vom Doktor Faustus. Reclam, Stuttgart 1964, S. 90. Die Übersetzung von Adolf Seebaß folgt dem Text nach Havelock Ellis von 1893Die Mermaid-Series wurde 1887 von Henry Vizetelly und Ellis begründet und hatte die Herausgabe von Dramen der frühneuenglischen Zeit zum Ziel. (dies ist eine Edition der Erstausgabe von 1604, dem sog. A-Text) und der kritischen Ausgabe von Frederick S. Boas von 1932 (einer Kompilation von A- und B-Text) und hat eine durchgehende Szenenzählung.Adolf Seebaß (Übersetzer): Christopher Marlowe: Die tragische Historie vom Doktor Faustus. Reclam, Stuttgart 1964, S. 90. Die Bearbeitung der Übersetzung von Alfred van der Velde durch Klaus Udo Szudra folgt der kritischen Ausgabe nach William Greg von 1950, die ebenfalls eine Kompilation darstellt.Alfred van der Velde und Klaus Udo Szudra: Christopher Marlowe: Doktor Faustus. Die tragische Geschichte vom Leben und Tod des Doktor Faustus. in: Robert Weimann (Hrsg.): Dramen der Shakespearezeit. Dietrich’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1964, S. 650.
Akt I Der erste Akt spielt in Fausts Wohnung in Wittenberg und einem angrenzenden Wald. Faust ist fasziniert von der Macht, die die Magie verspricht; er beschwört Mephistopheles, den Abgesandten Luzifers und Mittler zwischen dem Herrn der Hölle und den Menschen, und bietet seine Seele an im Tausch gegen einen Teufelspakt.
[Prolog] Ein Prolog stellt Faust als einen Gelehrten aus Wittenberg vor.Adolf Seebaß (Übersetzer): Christopher Marlowe: Die tragische Historie vom Doktor Faustus. Reclam, Stuttgart 1964, S. 6. David Bevington und Eric Rasmussen (Hrsg.): Dr Faustus. The A- and B-Texts (1604, 1616): A parallel-text Edition. Manchester University Press, Manchester 2014. A-Text - Prologue, 1-28. B-Text - Prologue, 1-27.
[Szene 1] In der ersten Szene sieht man Faust in seinem Studierzimmer. Er bilanziert seine bisherige wissenschaftliche Karriere als Theologe, Philosoph, Arzt und Jurist. All das erscheint ihm vergeblich und er beschließt, sich in Zukunft mit Magie zu beschäftigen, sie verheißt ihm grenzenlose Macht.Adolf Seebaß (Übersetzer): Christopher Marlowe: Die tragische Historie vom Doktor Faustus. Reclam, Stuttgart 1964, S. 7–9. David Bevington und Eric Rasmussen (Hrsg.): Dr Faustus. The A- and B-Texts (1604, 1616): A parallel-text Edition. Manchester University Press, Manchester 2014. A-Text - Act I,1,64: "A sound magician is a mighty god." B-Text - Act I,1,61: "A sound magician is a demigod." Er ruft seinen Diener Wagner und befiehlt ihm, seine Freunde German Valdes und Cornelius einzuladen. Ein böser und ein guter Engel erscheinen und versuchen Faust auf ihre Seite zu ziehen: „Lies die Bibel.“ – „Was Gott im Himmel ist, sei Du auf Erden.“Adolf Seebaß (Übersetzer): Christopher Marlowe: Die tragische Historie vom Doktor Faustus. Reclam, Stuttgart 1964, S. 9; 1. Akt; 1. Szene. David Bevington und Eric Rasmussen (Hrsg.): Dr Faustus. The A- and B-Texts (1604, 1616): A parallel-text Edition. Manchester University Press, Manchester 2014. A-Text: Act I,1,72-79; B-Text: Act I,1,69-76. Er träumt davon, Geister zu beschwören, die ihm dienen. Als seine Freunde zu Besuch kommen, bestärken sie Faust in seinem Beschluss und versprechen ihm, ihn in die Praxis der Geisterbeschwörung einzuweihen: „Wie den spanischen Erobrern Indianer dienstbar sind, so solln die Geister der Elemente all stets zu Gebote uns stehn.“Adolf Seebaß (Übersetzer): Christopher Marlowe: Die tragische Historie vom Doktor Faustus. Reclam, Stuttgart 1964, S. 11; 1. Akt; 1. Szene. David Bevington und Eric Rasmussen (Hrsg.): Dr Faustus. The A- and B-Texts (1604, 1616): A parallel-text Edition. Manchester University Press, Manchester 2014. A-Text: Act I,1,123-125; B-Text: Act I,1,115-117.
[Szene 2] Die zweite Szene zeigt Wagner und zwei Studenten in einem spitzfindigen Gespräch, bei dem die Studenten erfahren, dass Faust sich mit Anhängern der Magie trifft: „Oh weh, dann, fürcht ich, hat mein Argwohn recht, dass Faustus der verfluchten Kunst verfiel.“Adolf Seebaß (Übersetzer): Christopher Marlowe: Die tragische Historie vom Doktor Faustus. Reclam, Stuttgart 1964, S. 14; 1. Akt; 2. Szene. David Bevington und Eric Rasmussen (Hrsg.): Dr Faustus. The A- and B-Texts (1604, 1616): A parallel-text Edition. Manchester University Press, Manchester 2014. A-Text: Act I,2,33f; B-Text: Act I,2,30f.
[Szene 3] Die dritte Szene zeigt Faust des Nachts im Wald bei der Beschwörung von Mephistopheles. Er befiehlt diesem, seinem Herrn mitzuteilen, dass er bereit sei, seine Seele zu verkaufen: „Geh, sag dem mächtigen Luzifer … dass (Faust) ihm seine Seel ergibt, wenn er ihn vierundzwanzig Jahre lang in grenzenloser Wollust leben lässt.“Adolf Seebaß (Übersetzer): Christopher Marlowe: Die tragische Historie vom Doktor Faustus. Reclam, Stuttgart 1964, S. 16; 1. Akt; 3. Szene. David Bevington und Eric Rasmussen (Hrsg.): Dr Faustus. The A- and B-Texts (1604, 1616): A parallel-text Edition. Manchester University Press, Manchester 2014. A-Text: Act I,3,89-94; B-Text: Act I,3,86-91.
[Szene 4] Die vierte und letzte Szene des ersten Aktes zeigt wieder Wagner zusammen mit dem Diener Robin (Hanswurst). Robin macht sich über die Befehle Wagners und die Vorstellung lustig, seine Seele an den Teufel zu verkaufen. Wagner erschreckt ihn deshalb mit der Beschwörung zweier Teufel, fordert GehorsamAdolf Seebaß (Übersetzer): Christopher Marlowe: Die tragische Historie vom Doktor Faustus. Reclam, Stuttgart 1964, S. 21; 1. Akt; 4. Szene. David Bevington und Eric Rasmussen (Hrsg.): Dr Faustus. The A- and B-Texts (1604, 1616): A parallel-text Edition. Manchester University Press, Manchester 2014. A-Text: Act I,4,72f; B-Text: Act I,4,46-48: "…let thy left eye be diametarily fixed upon my right heel." und droht ihm eine Verwandlung in ein Tier an. Robin gehorcht.
Akt II [Szene 5] Die fünfte Szene zeigt Faust wiederum in seinem Studierzimmer. Er erwartet die Ankunft von Mephistopheles und denkt über sein Angebot eines Paktes mit dem Teufel nach. Die beiden Engel Gut und Böse versuchen abermals, ihn zu überzeugen. Mephistopheles erscheint und unterbreitet ein Angebot seines Herrn, Luzifer. Allerdings fordert er einen Vertrag, den Faust mit seinem Blut schreiben müsse. Faust gelingt es nicht, mit seinem Blut zu schreiben, es erstarrt, und Mephistopheles bringt ein brennendes Kohlenbecken, das das Blut wieder „klar und flüssig“ werden lässt. Nach der Unterzeichnung des Vertrages ist der Teufel Faust dienstbar und erfüllt seine Wünsche.
[Szene 6] In der sechsten Szene bereut Faust zum ersten Mal seine Wahl, glaubt „giftgetränkte Dolche“ zu sehen, mit denen er sich töten will. Er trotzt der Drohung des bösen Engels, dass die Teufel ihn in Stücke reißen würden, wenn er bereue. Da erscheinen Luzifer, Beelzebub und Mephistopheles und werfen Faust vor, gegen den Teufel zu freveln. Faust gibt nach und wird mit einem Auftritt der Sieben Todsünden belohnt. Faust vertreibt die Völlerei mit der Aufforderung, der „Vielfraß möge sich selbst verschlingen“. Die Teufel verabschieden sich und zur Belohnung seiner Treue schenkt Luzifer Faust ein Buch, dessen Zauber ihm die Verwandlung in jegliche Gestalt erlauben.
[Szene 7] Die siebte und letzte Szene des zweiten Aktes zeigt die beiden Knechte Robert und Richard im Hof einer Herberge. Robert hat Faust ein Beschwörungsbuch gestohlen und will nun selber hexen. Mit einem derben Wortwitz machen sie sich auf, die Magd Hanne so zu verzaubern, dass sie Richard zu Willen ist.
Akt III [Chor] Der kurze dritte Akt beginnt mit einem Chor, der Fausts Himmelsreise in einem von Drachen gezogenen Flammenwagen beschreibt. Diese Reise führt ihn innerhalb einer Woche um die ganze Welt. Danach begibt er sich zu einem Drachenritt nach Rom.
[Szene 8] Die achte Szene zeigt Faust und Mephistopheles im Privatgemach des Papstes. Faust berichtet, auf welchem Weg sie nach Rom gekommen sind, und nennt die Stationen: Trier, Paris, Neapel, Padua und Venedig. Mephisto schildert ihm dann die Schönheit der Stadt am Tiberstrom, die Engelsbrücke mit ihrem mächtigen Kastell und die prächtigen Obeliske, die einst Julius Cäsar aus Afrika gebracht hat. Faust fiebert vor Sehnsucht „der glänzend stolzen Roma Denkmäler und das Bild der Stadt zu sehn.“ Mephistopheles macht Faust mit einem Zauber unsichtbar, dann treten der Papst und der Kardinal von Lothringen ein. Der unsichtbare Faust treibt einige unwürdige Späße mit ihnen. Erschrocken ruft der Papst Mönche herbei, die einen Exorzismus beten.
[Szene 9] In der neunten Szene begegnen sich die Knechte Robert und Richard vor einem Wirtshaus. Sie haben dem Wirt einen silbernen Becher gestohlen und wollen ihn durch Zauberei davon abhalten, den Becher zurückzufordern. Während Robert mit falschem Latein vergeblich zu zaubern versucht, erscheint Mephistopheles und neckt die beiden Knechte mit Feuerwerk. Für den Raub von Buch und Becher werden sie vom Teufel schließlich durch eine Verwandlung in Hund und Affe bestraft.
Akt IV Während die für diese Handlungsdarstellung benutzte Übersetzung von Seebaß überwiegend die kritische Ausgabe von Frederick S. Boas verwendet, die dem (längeren) B-Text von 1616 folgt, weicht der Übersetzer im vierten Akt bei der sog. Kaiserszene (und ebenso im fünften Akt) von seiner Vorlage ab und verwendet den deutlich kürzeren A-Text der frühen Ausgabe von 1604.Adolf Seebaß (Übersetzer): Christopher Marlowe: Die tragische Historie vom Doktor Faustus. Reclam, Stuttgart 1964, Nachwort S. 90: "Für die Kaiserszene des vierten Aktes und für den ganzen fünften Akt hält er (der Autor) den Text von 1604 (A 1) für den authentischen."
[Chor] Der umfangreiche vierte Akt beginnt wieder mit einem Chor. Dieser berichtet, wie Faust zurück von seiner Reise um die Welt und beim Papst seinen Freunden gegenüber mit seinen Erlebnissen prahlt, sich sein Ruhm dann verbreitet und er vom Kaiser eingeladen wird.