Weißenburg (amtlich , im lokalen südfränkischen Dialekt WeißeburchDer französische Name ist gleichwohl hergeleitet aus der im überwiegenden Teil des Elsass gebräuchlichen alemannischen Lautung wiss für weiß., elsässisch Wisseburi) ist eine französische Kleinstadt mit Einwohnern (Stand ) im Elsass (Europäische Gebietskörperschaft Elsass). Die Stadt ist der Präfektur Bas-Rhin zugeordnet und liegt in der Region Grand Est. Die Stadt Weißenburg ist Mitglied und Sitz des Gemeindeverbandes Pays de Wissembourg.
Im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Weißenburg eine selbstständige Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich, auch unter dem Namen Kronweißenburg bekannt.
Geographie
Lage Die Stadt liegt am Fluss Lauter, der in Deutschland entspringt, an jener Stelle der deutsch-französischen Grenze, an der der Oberrheingraben in den Pfälzerwald bzw. die Nordvogesen übergeht. Auf deutscher Seite liegt ihr gegenüber die Ortsgemeinde Schweigen-Rechtenbach (Verbandsgemeinde Bad Bergzabern, Landkreis Südliche Weinstraße, Rheinland-Pfalz). Weißenburg ist nach Siltzheim die zweitnördlichste Gemeinde des Départements Bas-Rhin.
Gemeindeteile Ortsteile der Stadt sind Altenstadt (etwa 1.000 Einwohner, 1974 eingemeindet) sowie Geisberg, Geitershof, Weiler und Welschdorf. Altenstadt ist eine Commune associée (Verbundene Gemeinde), im Gegensatz zu einer vollständig eingemeindeten Gemeinde behält sie einige Vorrechte, z. B. einen stellvertretenden Bürgermeister und eine Zweigstelle des Rathauses.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden von Weißenburg sind Schweigen-Rechtenbach (D) im Norden, Schweighofen (D), Kapsweyer (D) und Steinfeld (D) im Nordosten, Scheibenhardt (D, Berührungspunkt), Salmbach und Schleithal im Südosten, Seebach und Riedseltz im Süden, Steinseltz, Oberhoffen-lès-Wissembourg, Rott und Cleebourg im Südwesten, Climbach im Westen sowie Bobenthal (D) im Nordwesten.
Geschichte mini|links|Weißenburg auf einem Stich aus dem 17. Jahrhundert mini|links|Karte von Weißenburg (um 1750) mini|Gotischer Kreuzgang des alten Klosters mini|hochkant|Abteikirche St. Peter und Paul, Innenraum
Die Gemeinde Weißenburg (lateinisch Weissenburgum, Sebusium, Leucopolis) entwickelte sich aus einer stetig wachsenden Ansiedlung um das im 7. Jahrhundert gegründete Kloster Weißenburg, das bald an Bedeutung gewann. Von 1306 bis 1697 war Weißenburg Reichsstadt. Sie gehörte zum 1354 gegründeten Zehnstädtebund elsässischer Reichsstädte.
Im Jahr 1440 begann der Weißenburger Bürger Eikhart Artzt mit der Niederschrift seiner „cronick“ der Stadt.Peter Johanek: Artzt, Eikhart. In: Verfasserlexikon. Band I, Sp. 503 f.
Zwischen 1480 und 1503 beschäftigte der Zwist des Klosters mit dem Burgherrn des nahen Berwartstein, Hans von Trotha, nacheinander den Kurfürsten von der Pfalz, Philipp den Aufrichtigen, den römisch-deutschen König und späteren Kaiser Maximilian I. und sogar die Päpste Innozenz VIII. sowie Alexander VI. Höhepunkt der Auseinandersetzung war 1485 die sogenannte Wasserfehde, als Hans von Trotha zunächst Weißenburg das Wasser entzog, indem er die Lauter aufstauen ließ, um dann den Damm einzureißen und der Stadt eine gewaltige Überschwemmung zu bescheren.
mini|hochkant|links|Preußen-Ehrenmal Geisberg mini|hochkant|Porträt von Joseph Philipp von Stichaner am Denkmal in Weißenburg
1522 wurde die Reformation durch Heinrich Motherer, den Pfarrer der Johanneskirche, und Martin Bucer eingeführt.Für Weißenburg und die elsässische Dekapolis ist im Jahre 1529 keine formale Zustimmung für die Protestation zu Speyer nachweisbar.
Nach dem Westfälischen Frieden 1648 kamen große Teile des Elsass unter französische Herrschaft, ferner wurde Frankreich die Landvogtei über den elsässischen Zehnstädtebund zugesprochen. Jedoch entsandte dieser weiterhin seine Vertreter zum immerwährenden Reichstag nach Regensburg. Mit seiner Reunionspolitik ließ Ludwig XIV. in den Jahren 1673 und 1674 die zehn Städte erobern, ihre Befestigungen schleifen und unterstellte sie der französischen Provinzialverwaltung. Im Frieden von Rijswijk musste Frankreich 1697 alle Eroberungen und Reunionen der vorherigen Kriege außerhalb des Elsass zurückgeben, erhielt damit aber endgültig die Herrschaft über Straßburg und die Dekapolis bestätigt.
Im Ersten Koalitionskrieg befreiten die französischen Revolutionsstreitkräfte 1793 in der Zweiten Schlacht bei Weißenburg die Stadt von der Besatzung durch die Koalition von Österreich, Preußen und anderen.
Mit der Französischen Revolution erfolgte die Einbindung in das moderne Verwaltungs- und Rechtssystem des Landes. Die Stadt Weißenburg war von 1800 bis 2014 Sitz der Unterpräfektur (Sous-préfecture) des Arrondissements Wissembourg im Département Bas-Rhin bzw. der deutschen Kreisdirektion. Seit 1800 ist die Stadt Kantonshauptort; der Kanton wurde im Januar 2015 von 13 auf 44 Gemeinden erweitert.
Die heutigen Ortsteile Altenstadt und Weiler waren nach dem Wiener Kongress zunächst pfälzische Gemeinden im Kanton Bergzabern. Am 5. Juli 1825 wurden sie in der Grenzkonvention zwischen Bayern und Frankreich zusammen mit Ober- und Niedersteinbach von Bayern an Frankreich abgetreten. Weißenburg wurde 1816 Grenzort zur bayerischen Pfalz, zu der seit 1815 auch wieder Landau gehörte. Im Jahr 1861 hatte Weißenburg 5376 Einwohner.
Am 4. August 1870 besiegten in der Schlacht bei Weißenburg preußische Truppen die Franzosen. Zwei gepflegte Denkmäler – eines für die französischen und eines für die deutschen Gefallenen – auf dem Geisberg an der Straße Weißenburg–Riedseltz erinnern an die vielen Gefallenen. Bürger aus Weißenburg kämpften als Soldaten auf französischer Seite.
Mit dem Frieden von Frankfurt (1871) wurden das Elsass (mit Weißenburg, das zuvor offiziell Wissembourg hieß) und Teile Lothringens dem neu gegründeten Deutschen Kaiserreich angegliedert. Vom 28. Juni 1871 bis 1918 war die Stadt Teil des Reichslandes Elsaß-Lothringen. Im September 1871 wurde das Militärgouvernement aufgelöst und die deutsche Verwaltung aufgebaut. Weißenburg wurde Sitz einer Kreisdirektion und Garnisonsort: Das Infanterie-Regiment Nr. 60 wurde nach Kriegsende nicht in die brandenburgische Heimat zurückverlegt, sondern zog in Weißenburg ein. Für das Regiment wurde von 1893 bis 1896 die Neue Kaserne errichtet. Die heute noch erhaltenen Kasernengebäude an der Rue de l’Industrie () werden als Wohngebäude genutzt., Dossier IA67008073 von 1998. In: Service de l’Inventaire du Patrimoine de la Région Alsace.
Von der überwiegend katholischen Bevölkerung Elsass-Lothringens war die Annexion unter Führung des protestantisch geprägten Preußen mit Skepsis aufgenommen worden. Das gute Verhältnis des Kreisdirektors Joseph Philipp von Stichaner zu den Bürgern und zur Frankreich treuen Führungsschicht des Kreises stellte im ganzen Elsass eine Ausnahme dar. Ende 1886 wurde Stichaner zum Bezirkspräsidenten in Straßburg ernannt. Um 1900 hatte Weißenburg eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, ein Gymnasium, eine Landwirtschaftsschule, eine Oberförsterei und war Sitz eines Amtsgerichts. Eine erste Synagoge war 1805 errichtet worden. Sie wurde 1872 durch einen Neubau ersetzt, der im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Eine dritte Synagoge wurde nach dem Krieg errichtet.Französisches Kulturministerium
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags zusammen mit dem Elsass Frankreich zugeschlagen. In die Neue Kaserne (nun Caserne Abel Douay) zogen die Chasseurs alpins ein. Im Zweiten Weltkrieg von 1940 bis 1944/1945 waren die Stadt und das Land vom Deutschen Reich annektiert. Im März 1945 wurden die Stadt und das Umland im Rahmen der Operation Undertone von US-Truppen erobert.
Seit 1945 gehört die Stadt wieder zu Frankreich. Um die Hoheit über den im Norden von Weißenburg in der Pfalz liegenden Mundatwald wurde bis 1990 verhandelt.
Heute führt eine offene Grenze zu Nachbarschaftshilfen bei Bränden und zur Zusammenarbeit des Notarztdienstes auf beiden Seiten. 1997 wurde die Maximiliansbahn zwischen Weißenburg und Winden in der Pfalz wieder eröffnet.
Die jüdische Gemeinde Die ersten Juden sollen sich im 13. Jahrhundert in Weißenburg angesiedelt haben. Nachweisbar sind sie anhand ihrer Verfolgungen. Am 4. Juli 1270 wurde sieben Juden in der Stadt gerädert wegen eines angeblichen Ritualmords. 1349, zur Zeit der Pestpogrome, wurden drei Juden auf dem „Judenrain“ zu Weißenburg verbrannt. 1362 wurden erneut einige Juden aufgenommen. Seit dem 16. Jahrhundert lebten wieder Juden in der Stadt. Im Jahr 1766 lebten 15 jüdische Familien in Weißenburg, im Jahr 1780 lebten hier 54 Erwachsene, 81 Kinder und 17 Diener. Im 19. Jahrhundert kam es zur Bildung einer größeren jüdischen Gemeinde durch Zuzug von zahlreichen jüdischen Familien aus Dörfern der weiteren Umgebung: 1885 wurden 1.750 jüdische Einwohner gezählt. Seitdem ging die Zahl jedoch durch Aus- und Abwanderung wieder zurück: 1895 waren es 1.341 jüdische Einwohner.
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof, seit 1681 in der Rue de la Pépinière. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Kantor angestellt, der zugleich als Schochet tätig war. Als Kantor wird ab 1906 Gustav Klein, 1913 Herr Becker genannt. Die Stadt gehörte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch zum Rabbinat Landau, das damals dem unterelsässischen Landesrabbinat in Hagenau unterstellt war; im 19. Jahrhundert wurde Weißenburg Sitz eines eigenen Bezirksrabbinates. Unter den Rabbinern in Weißenburg sind zu nennen: Israel Erlanger (1790–1867), Jacques Bloch (1832–1920), Dr. Marc Levy (1842–1926), Dr. Léonard Sylvain Koch (1867–1930), Dr. Bernard Émilie Schwarz.
Bis zum Beginn der NS-Zeit ging die Zahl der jüdischen Einwohner in der Stadt weiter zurück. 1939 gehörten der jüdischen Gemeinde noch 146 Personen an. Von ihnen wurde ein großer Teil gemeinsam mit den Juden von Elsass-Lothringen 1940 nach Südfrankreich deportiert. Von den verbliebenen wurden die meisten im KZ ermordet. Nach 1945 entstand wieder eine kleine jüdische Gemeinde in der Stadt. Die Mitgliederzahl ging zurück, sodass 2009 die Synagoge säkularisiert und von der Gemeinde gekauft wurde. Nach Renovierung wurde in ihr das städtische Archiv eingerichtet, der Thoraschrein ist noch erhalten. 2024 wurden Stolpersteine in Weißenburg verlegt.
Demographie