Bora Bora ist ein Atoll, das zur Gruppe der Gesellschaftsinseln in Französisch-Polynesien, genauer zu den Inseln unter dem Winde (Îles sous le Vent), im Süd-Pazifik gehört. Das Atoll liegt rund 260 km nordwestlich von Tahiti bei 151° 44' West und 16° 29' Süd und hat eine Landfläche von insgesamt 38 km².Christian Nau: Dictionnaire des Îles. Paris 2002. Bora Bora gilt als einer der exklusivsten und luxuriösesten Urlaubsorte in der oberen Preisklasse und gehört zu den teuersten Reisezielen der Erde.

Geologie und Geographie mini|links|Bora Bora mit vorgelagerten Motu mini|links|Blick auf Lagune und Motu Bora Bora ist ein Atoll, das im Luftbild die klassische, von Charles Darwin beschriebene Atollform mit einem Zentralberg sowie einem Korallensaum mit zahlreichen aufliegenden Motu zeigt. Die Atollbildung ist so weit fortgeschritten, dass die Caldera des Zentralvulkanes bereits versunken ist. Nur noch Teile des bereits weitgehend verwitterten Kraterrandes ragen über den Meeresspiegel, darunter die höchsten Erhebungen der Insel: Mont Otemanu mit 727 m, Mont Pahia mit 661 m und Mataihua mit 314 m.

Die Zentralinsel Bora Boras besteht überwiegend aus basaltischer Lava. Motu Toopua im Westen ist ein weiterer bis 148 m über die Meeresoberfläche emporragender Rest des ehemaligen Kraterrandes und besteht ebenfalls aus vulkanischen Gesteinen. Die kleineren Motu sind flache, durch Tidenkanäle (Hoa) getrennte, sandige Koralleninseln.

Die langgezogene Hauptinsel ist 9 km lang und an ihrer breitesten Stelle 5 km breit. Die Siedlungen befinden sich ausschließlich in den Küstenbereichen, das üppig bewachsene Inselinnere ist weitgehend unerschlossen. Eine 32 km lange, befestigte Ringstraße erschließt die Küstenregion, die Siedlungen und die Hotels. Das Inselinnere ist nur stellenweise mit Geländefahrzeugen befahrbar.

Bora Bora hat 10.605 Einwohner (Stand: 2017).Institut Statistique de Polynésie Française (ISPF) – Recensement de la population 2012. Die größte Ansiedlung, Vaitape mit rund 4600 Einwohnern, liegt auf der Westseite der Insel, gegenüber der Hauptpassage in die Lagune, der Passe Teavanui, die so tief ist, dass sie auch mit größeren Kreuzfahrtschiffen befahren werden kann. Sie liegen in der Lagune auf Reede – oft mehrere gleichzeitig – weil der Hafenkai von Vaitape nur für kleine Schiffe und Boote geeignet ist. Vaitape ist eine Gründung des britischen Missionars John Muggridge Orsmond (1788–1856) von der Londoner Missionsgesellschaft (London Missionary Society). Er kam 1824 von Tahiti nach Bora Bora und ließ zunächst eine Kirche und dann eine Anlegestelle, Straßen und Häuser sowie eine Missionsschule aus Korallengestein errichten. Aus dieser Ansiedlung mit Namen „Beulah“ entwickelte sich das heutige Vaitape.William Ellis: Polynesian researches, during a residence of nearly six years in the South Sea Islands. Band 2, London 1829, S. 553. Weitere Dörfer sind Faʻanui, der frühere Sitz der Herrscherfamilie, im Nordwesten und Anau im Osten. Die Entfernung (Luftlinie) zum australischen Kontinent (Sydney) beträgt 5983 Kilometer, nach Hawaii (Honolulu) sind es 4230 Kilometer.

Geschichte Vorgeschichte

Neueren Erkenntnissen zufolge begann die Besiedlung der Gesellschaftsinseln, die von Samoa und Tonga ausging, bereits um 200 v. Chr. im Zuge der polynesischen Expansion. Etwa zeitgleich erfolgte die Besiedlung der Marquesas. Die Inseln bildeten das polynesische Kernland und damit das Sprungbrett zur Besiedlung von Hawaii, Neuseeland, der Gambierinseln und möglicherweise der Osterinsel.Patrick V. Kirch: On the Road of the Wind – An Archaeological History of the Pacific Islands Before European Contact'. University of California Press, Berkley 2000, ISBN 0-520-23461-8, S. 231.

Auf Bora Bora bildete sich – wie auf den übrigen Gesellschaftsinseln auch – eine stratifizierte Stammesgesellschaft heraus, die in acht Distrikte zerfiel, die Ursache für ständige Rivalitäten und Kriege der Stämme untereinander. Die acht Stämme waren (im Uhrzeigersinn von Nord nach Süd): Hitiaa, Tipoto, Anau, Atitia, Amanahune (Faʻanui), Nunue und Tevaitapu auf der Hauptinsel sowie Ativahia auf dem großen Motu Tooupua im Westen. Davon sind als heutige politische Gliederung noch die drei Teilgemeinden (Communes associées) Anau, Faʻanui und Nunue verblieben.

Äußeres Zeichen für eine sehr kriegerische Gesellschaft sind zwei Festungen auf dem Pahia, deren Reste noch heute sichtbar sind. Sie bestanden aus einem ausgeklügelten System von Erd- und Steinwällen, Gräben und Plattformen. Der Missionar und Forschungsreisende Daniel Tyerman beschreibt die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch intakten Anlagen in seinem Tagebuch unter dem Datum vom 11. April 1823:

Von den polynesischen Ureinwohnern Bora Boras sind heute noch zahlreiche Relikte erhalten: Überreste von 13 Zeremonialplattformen (Marae) – einst waren es mehr als vierzig – und viele Petroglyphen, die allerdings meist im unzugänglichen Gebüsch verborgen sind.Kenneth P. Emory: Stone Remains in the Society Islands. New York 1971, S. 160–167. Die größte Zeremonialstätte auf Bora Bora ist die Marae Fare Opu unmittelbar am Strand der Faʻanui Bay. Durch das Areal, das einst den Vorfahren des berühmten Häuptlings Ma’i gehörte, der im 15. oder 16. Jahrhundert einen Teil von Bora Bora beherrschte, führt heute die Küstenstraße. Die Anlage bestand einst aus einer rechteckigen, geebneten und mit Steinen begrenzten Fläche sowie einer 25 m langen, steinernen Plattform (Ahu) Sie ist mit mehr als 1 m hohen Kalksteinplatten eingefasst und mit Erde aufgefüllt. Zwei von ihnen, an der Nordseite, tragen Steinritzungen mit Schildkrötenmotiven. Einige Steinplatten fehlen, sie wurden 1820 auf Anweisung des Missionars John Muggeridge Orsmond für den Bau des Piers in Vaitape entfernt.

Entdeckungsgeschichte Der erste Europäer, der Bora Bora sah, war wahrscheinlich James Cook, der nach der Beobachtung des Venustransits während seiner ersten Reise 1769 zwischen den Gesellschaftsinseln kreuzte.Max Quanchi, John Robson: Historical Dictionary of the Discovery and Exploration of the Pacific Islands. Lanham/Toronto/Oxford 2005. Am 29. Juli 1769 näherte sich die Endeavour der Insel – Cook nannte sie „Bolabola“ – bis auf 2 bis 3 Meilen. Wegen widriger Winde musste er jedoch abdrehen. Auch am folgenden Tag erreichte er die Insel nicht und umfuhr nur ihre Südspitze außerhalb des Saumriffs, bevor das Schiff mit Westkurs nach Maupiti segelte. Cook betrat Bora Bora erst 1777 während seiner dritten Reise.J. C. Beaglehole: The Journals of Captain James Cook on his Voyages of Discovery. Cambridge 1968, Band 1, S. 146–147.

Andere Quellen bezeichnen als Entdecker den Briten Samuel Wallis, der während seiner Weltumsegelung 1767 die Gruppe der Gesellschaftsinseln durchquerte. Von Tahiti segelte er am 26. Juli 1767 ab, an Moorea, Maiao, Mopelia und Manuae vorbei in den Tonga-Archipel. Es ist zweifelhaft, ob er dabei Bora Bora berührte, seine Aufzeichnungen lassen keinen eindeutigen Schluss zu. Betreten hat er die Insel nicht.John Hawkesworth: An Account of the Voyages Undertaken by the Order of His Present Majesty for Making Discoveries in the Southern Hemisphere, and successively performed by Commodore Byron, Captain Carteret, Captain Wallis, and Captain Cook. London 1783, Band 1, S. 492–493.

Ob der Niederländer Jakob Roggeveen während seiner Weltumseglung Bora Bora 1722 gesehen hat, wie einige Autoren vermuten,John Dunmore: Who’s who in Pacific Navigation. Honolulu 1991, S. 211. ist unklar. Weder seine AufzeichnungenJohannes van Braam (Hrsg.): Tweejaarige reyze rondom de wereld, ter nader ontdekkinge der onbekende zuydlanden, met drie schepen, in het jaar 1721, door last van de Nederlandsche Westindische Maatschappy. Dordrecht 1728 (Bericht über Roggeveens Weltreise, wahrscheinlich von Roggeveen selbst oder nach dessen Angaben). noch der Reisebericht von Carl Friedrich BehrensKarl Friedrich Behrens: Der wohlversuchte Südländer – Reise um die Welt 1721/22. Brockhaus, Leipzig 1923 (Nachdruck). lassen dies eindeutig erkennen. Wahrscheinlich fuhr Roggeveen nördlich an den Gesellschaftsinseln vorbei.

Am 2. April 1768 erreichte der französische Entdecker Louis Antoine de Bougainville Tahiti, nahm die Gesellschaftsinseln für Frankreich in Besitz und begründete damit das heutige Französisch-Polynesien.

Dieser Schritt hatte zunächst jedoch keine Folgen, denn bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte Bora Bora – wie die übrigen Gesellschaftsinseln auch – weiterhin zum Einflussbereich der Königsdynastie Pomaré von Tahiti. Nachdem bereits Königin Pomaré Vahine IV. von Tahiti den Forderungen des aus Frankreich entsandten Konteradmirals Abel Aubert Dupetit-Thouars nachgeben und das französische Protektorat über ihren Herrschaftsbereich anerkennen musste, verzichtete ihr Sohn und Nachfolger Arijane, der als Pomaré V. nur noch eine Scheinregierung führte, 1880 auf jeglichen Thronanspruch. Als Folge wurden die Gesellschaftsinseln von Frankreich annektiert und französische Kolonie.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Bora Bora nach dem Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 eine wichtige Versorgungsbasis der USA im Südpazifik. Unter dem Codenamen „Operation Bobcat“ fuhr am 27. Januar 1942 eine Flotte von sechs Truppentransportern und Versorgungsschiffen der US Navy von Charleston (South Carolina) ab und landete am 17. Februar 1942 insgesamt 4400 Soldaten, darunter ein Pionierbataillon und ein Flugabwehrregiment, auf Bora Bora an. Das Entladen der mitgeführten Ausrüstung dauerte 52 Tage, da keinerlei Be- und Entladeeinrichtungen auf der Insel zur Verfügung standen und erst gebaut werden mussten.Duncan S. Ballantine: U.S. Naval Logistics in the Second World War. Naval War College Press, Newport 1998, S. 67 f. Das US-amerikanische Militär errichtete ein Tanklager, eine Landebahn und eine Basis für Wasserflugzeuge. Mehrere strategisch wichtige Bereiche sicherte man mit Küstenbatterien und Flugabwehrkanonen. Die verrosteten Kanonen kann man zum Teil heute noch sehen. Die US-amerikanische Basis wurde während des Krieges jedoch nicht angegriffen und 1946 aufgegeben.

Flora Die für ein polynesisches Atoll relativ dicht besiedelten und intensiv genutzten Flachlandregionen beherbergen kaum noch Reste der ursprünglichen Vegetation. Die Flora der hohen und steilen, nur schwer zugänglichen Berge ist dagegen noch weitgehend unberührt.

Die hinteren Strandbereiche sind gesäumt von niedrigen, buschig wachsenden Cordia subcordata und Hibiscus tiliaceus. Eine Zuchtform, Hibiscus tiliaceus var. sterilis, mit geradem Stamm und einer schön gerundeten Krone, wird häufig als Straßenbegleitgrün angepflanzt.

Bis zum Fuß der steilen Bergregion erstreckt sich vorwiegend Kulturland mit Kokosplantagen, Brotfruchtbäumen, Tahitikastanien (Inocarpus), Kassava (Manihot), tropischen Früchten sowie Orchideenplantagen für die Dekoration in den Touristenhotels. Aufgegebene Bereiche haben verwilderte Guaven und der Farn Dicranopteris linearis erobert.

Die Spalten und Grate der Inselberge sind von noch weitgehend ungestörten Resten der ursprünglichen Inselvegetation bewachsen. Dazu gehören Metrosideros-Haine, Bestände von Wikstroemia coriacea, einer in Polynesien endemischen Art der Familie der Seidelbastgewächse, und einige Arten von Glochidion. Die feuchten und schattigen Spalten sind dicht mit Farnen besiedelt.Peter Mueller-Dombois, Raymond Fosberg: Vegetation of the Tropical Pacific Islands. New York 1998, S. 428–429.

Politik und Verwaltung