mini|500px|Blick auf das Forum Romanum von den Kapitolinischen Museen aus (2012) Das Forum Romanum (Römischer Marktplatz) in Rom ist das älteste römische Forum und war Mittelpunkt des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Lebens. Es liegt in einer Senke zwischen den drei Stadthügeln Kapitol, Palatin und Esquilin und war der Ort vieler öffentlicher Gebäude und Denkmäler.

Ursprünglich ein von einem Bach durchzogenes sumpfiges Tal wurde es laut der antiken Überlieferung, die nicht mit dem bis wohl ins 8. Jahrhundert v. Chr. zurückreichenden archäologischen Befund übereinstimmt,Andrea Carandini: Palatino, Velia e Sacra via. Paesaggi urbani attraverso il tempo (= Workshop di Archeologia Classica. Band 1). Edizioni dell’Ateneo, Rom 2004; Andrea Carandini: Roma il primo giorno. Laterza, Rom/Bari 2007. erst unter dem legendären etruskischen König Lucius Tarquinius Priscus zu Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. in die Stadt einbezogen. Den Höhepunkt seines prachtvollen Ausbaus erlebte es in der Römischen Kaiserzeit.Filippo Coarelli: Rom. Ein archäologischer Führer. S. 56. Es ist heute eine der wichtigsten Ausgrabungsstätten des antiken Rom.

Geschichte mini|Das Forum Romanum (1787) vor der Ausgrabung, die erst 1788 begann. An der Stelle des späteren Forum Romanum befand sich bis zum 7. Jahrhundert v. Chr. eine sumpfige Ebene, die sich zwischen Palatin und Kapitol erstreckte und von den frühen latinischen Siedlern als Begräbnisstätte verwendet wurde. Erst durch Anlage der Cloaca Maxima konnten dieser Sumpf und seine Verlängerung Richtung Tiber, das Velabrum, ausgetrocknet werden.

Königszeit Die römische Geschichtsschreibung bringt die Initiative zum Bau der Cloaca Maxima mit Lucius Tarquinius Priscus um 600 v. Chr.,Dionysios von Halikarnassos, Römische Altertümer 1,44. die Vollendung mit Lucius Tarquinius Superbus, dem letzten römischen König, in Verbindung.Livius 1,38,6; 56. Archäologisch nachweisbar ist das Ende der Bestattungen im Forumstal um 600 v. Chr. Zugleich entstand eine erste Pflasterung, die von der Nutzung des neuen Platzes zeugt. Um 600 v. Chr. entstand auch das Gebäude der Regia, obwohl traditionell als Haus oder Regierungssitz des zweiten römischen Königs Numa Pompilius bezeichnet und in der schriftlichen Überlieferung als eines der ältesten Gebäude Roms verankert.Beispielsweise Ovid, Tristia 3,1,30; Fasti 6,263 f.; Plutarch, Numa 14. Mit Numa ist auch der Bau des Vestatempels verbunden.Dionysios von Halikarnassos, Römische Altertümer 2,65 f.; Plutarch, Numa 11. Archäologisch nachweisbar wurde die Regia nach einem Brand am Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. mit neuem Grundriss wiederhergestellt. Zusammen mit dem Tempel der Vesta bezeichnete sie ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. die östliche Grenze des neuen, Forum genannten Platzes.

Römische Republik Nördlich dieses Platzes wurde bald ein zweiter angelegt, das durch die Rostra vom Forum abgegrenzte Comitium. Hier wurde der größte Teil der römischen Politik gemacht, da der Senatssitz, die Curia, und die Rostra, die öffentliche Rednertribüne, direkt daneben lagen. Um 490 v. Chr. wurden zwei Tempel im Tal erbaut, die den Göttern Saturn und Castor gewidmet waren. Sie bildeten zusammen mit einer Ladenzeile zwischen den Tempeln, den tabernae veteres, die südliche Begrenzung des als Marktplatz dienenden Forums.Varro, De lingua Latina 5,145: Quo conferrent suas controversias et quae venderentur vellent quo ferrent, forum appellarunt. Um die Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. zeugt die Anbringung des Zwölftafelgesetzes an den Rostra davon, dass sich das Forum schnell zum Zentrum der jungen Stadt entwickelte. Doch lässt sich diese Bedeutung archäologisch nicht fassen.

An der westlichen Schmalseite des Forums, am Fuße des Kapitols, wurde 367 v. Chr. ein erster der Concordia, der Eintracht, geweihter Tempel errichtet. Die Gründung soll auf Marcus Furius Camillus zurückgehen und das Ende der Ständekämpfe zwischen den Patriziern und den Plebejern symbolisieren.Plutarch, Camillus 42,3. Hierfür das Forum als Standort gewählt zu haben, belegt dessen zunehmende Bedeutung in politischer Hinsicht. Es beginnt die Politisierung des Forums.Zum Folgenden siehe mit weiterer Literatur: Susanne Muth: Reglementierte Erinnerung. Das Forum Romanum unter Augustus als Ort kontrollierter Kommunikation. In: Felix Mundt (Hrsg.): Kommunikationsräume im kaiserzeitlichen Rom (= Topoi – Berliner Studien der Alten Welt. Band 6). De Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-026593-4, S. 3–48, hier: S. 7–17. Im Jahr 338 v. Chr. ließ Gaius Maenius die Schiffsschnäbel aus der Schlacht von Antium an der Rednertribüne anbringen. Zuvor wurde derlei Siegesbeute in die Tempel und Heiligtümer geweiht. Gaius Maenius wurde im selben Jahr mit einer Ehrensäule, der columna Maenia, und der Aufstellung eines Reiterstandbildes geehrt. Auch Lucius Furius Camillus zu Ehren, Amtskollege des Maenius im Konsulat des Jahres, wurde ein Reiterstandbild auf dem Forum aufgestellt, mit dem Leistung und Sieg im Latinerkrieg gewürdigt wurden. Eine weitere Reiterstatue folgte im Jahr 306 v. Chr. für Quintus Marcius Tremulus vor dem Dioskurentempel. Gaius Duilius wurde 260 v. Chr. mit einer columna rostrata geehrt. An ihr wurden die von ihm erbeuteten Schiffsschnäbel (rostra) angebracht. Schließlich wurden auch die Gesandten Roms, die während ihrer Gesandtschaft ums Leben gekommen waren, mit Statuen auf oder bei der Rednertribüne geehrt.

Neben diesen Ehrungen für Zeitgenossen traten solche für Personen der Vergangenheit, deren Vorbildhaftigkeit für die Zeit ihrer Aufstellung jeweils herausgekehrt wurde: für den Augur Attus Navius, der auf wundersame Weise die Ficus Ruminalis auf das Comitium versetzt hatte; für Horatius Cocles; für Hermodoros von Ephesos, der bei Erstellung des Zwölftafelgesetzes entscheidende Hilfe leistete; für Pythagoras und Alkibiades. Die zunehmende Konkurrenz innerhalb der römischen Nobilität führte schließlich zu einer derartigen Häufung von Ehrenstatuen auf dem Forum, dass im Jahr 158 v. Chr. alle Statuen, die nicht auf Volks- oder Senatsbeschluss aufgestellt worden waren, abgeräumt wurden. Dennoch wurden insbesondere im 1. Jahrhundert v. Chr. vermehrt Statuen, oft exzeptionell in der Ausführung, doch meist aus nichtigem Anlass gestiftet: für Sulla, Pompeius und Caesar, für Octavian, Lucius Antonius, Marcus Aemilius Lepidus und Marcus Antonius. Im politischen Kampf der ausgehenden Republik wurden solche Ehrenstatuen nun jedoch beständig umgestürzt oder zerstört, wiederaufgerichtet, eingeschmolzen oder in Sicherheit gebracht.

mini|Forum Romanum im 2. Jahrhundert v. Chr. All dies wirkte sich auch auf die bauliche Gestaltung des Forums aus. Mit dem Ende der Punischen Kriege, mit der Ausweitung des faktischen Herrschaftsbereiches auf das östliche Mittelmeer und den aus den Kriegsbeuten gewonnenen finanziellen Mitteln setzte im 2. Jahrhundert v. Chr. nicht nur in Rom allgemein, sondern speziell auf dem Forum eine rege Bautätigkeit ein. Tempel wie die der Concordia und der Dioskuren wurden von Grund auf erneuert, vier Basiliken entstanden, darunter die 179 v. Chr. gebaute Basilica Aemilia und die 169 v. Chr. errichtete Basilica Sempronia. Beide gaben dem Forumsplatz einen festen Rahmen an Nord- und Südseite und ersetzten die tabernae veteres des alten Marktplatzes. An der Westseite des Forums entstand zudem 121 v. Chr. die Basilica Opimia. Zugleich unterstrich der Bau des Macellum die Verlagerung der ursprünglich wirtschaftlichen Nutzung des Forums und seine politische Aufwertung. Hierfür wurde die Funktion des Comitium auf das Forum verlagert, die Nutzung der Rostra gedreht, so dass Redner nun zum Forum sprachen. Als neue Kulisse, vor der sich das Treiben auf dem Forum abspielte, wurde unter Sulla 83–80 v. Chr. das Tabularium erbaut. Noch hinter allen westlichen Forumsbauten gelegen, bildete es den optischen Rahmen und die Abgrenzung zum Kapitolshügel, an dessen Ostflanke es sich erhob.

Gaius Iulius Caesar ließ das Forum neu pflastern. In diesem Zusammenhang wurde unter der freien Platzanlage ein unterirdisches Gangsystem eingerichtet, das durch senkrechte Schächte und zugehörige Aussparungen im Pflaster zu erreichen war. Dieses Gangsystem diente wahrscheinlich einem weiteren Aspekt des Forum Romanum: Es war Veranstaltungsort für Gladiatorenkämpfe, bis mit dem Amphitheater des Statilius Taurus im Jahr 29 v. Chr. ein erstes steinernes und daher dauerhaftes Gebäude für diese Art von Veranstaltungen errichtet wurde.Filippo Coarelli: Rom. Ein archäologischer Führer. Herder, Freiburg im Breisgau 1981, S. 79.

Kaiserzeit Unter Augustus wurde das Forum stark umgestaltet. Durch die umfangreiche Verwendung von Marmor und die neue Pflasterung in weißem Travertin entstand so ein äußerst prunkvoller Platz, vergleichbar vielleicht mit der Akropolis in Athen. Durch geschickte Assoziationen verband Augustus die unter seiner Herrschaft neu errichteten Bauwerke mit der Familie der Julier, um seinen Machtanspruch direkt von den Göttern abzuleiten. Besonders deutlich wurde dies bei der bewussten Parallelisierung von Pollux und Castor, den Dioskuren, mit den Söhnen des Augustus, und der geänderten Orientierung des Platzes, der jetzt auf die verlagerte Rednertribüne und den Tempel des Divus Iulius ausgerichtet war.Susanne Muth: Seiner Zeit voraus? Wie das Forum Romanum zu einer neuen Platzstruktur fand. In: Wissenschaftskolleg zu Berlin: Jahrbuch 2007/2008. Berlin 2009, ISBN 978-3-934045-10-1, S. 324–346. Die neue, auf Augustus und die Julier ausgerichtete Gestaltung fand ihren Niederschlag auch in dem Umstand, dass das nach einem Brand im Jahr 12 v. Chr. neu verlegte Pflaster die caesarischen Gangsysteme verschloss: Spiele fanden auf dem Forum nun nicht mehr statt. Um die erstrebte Würde des Platzes zu erzwingen, wies Augustus sogar die Ädilen an, auf dem Forum und in seiner Umgebung niemanden mehr zu dulden, der nicht mit der Toga bekleidet war.Sueton, Augustus 40. Der repräsentative Anspruch der neuen Platzgestaltung sollte durch Alltagskleidung nicht herabgewürdigt werden.Paul Zanker: Augustus und die Macht der Bilder. Zweite Auflage. C. H. Beck, München 1990, S. 168.

Der bereits 29 v. Chr. errichtete Tempel für seinen vergöttlichten Adoptivvater bildete nun die neue östliche Begrenzung. Flankiert wurde er möglicherweise von Actiumbogen und Partherbogen, zwei Triumphbögen, die die militärischen Siege des Augustus feierten. Somit stand die Ostseite des Forums ganz im Dienste der augusteischen Präsentation und Selbstdarstellung, die dahinter befindliche Regia verschwand aus dem Blickfeld des Forumbesuchers. Tiberius, Adoptivsohn und Nachfolger des Augustus, errichtete auf der Westseite, zwischen der Nordwestecke der Basilika Julia und neben dem Saturntempel einen eigenen Bogen. Tiberius hatte bereits zuvor den Concordiatempel auf dieser Seite des Forums aufwendig erneuern lassen, so dass nun die Bauten des Augustus und des Tiberius die Platzanlage auf den Schmalseiten klammerten.

Unter den folgenden Kaisern verlagerte sich der Schwerpunkt der Platzfunktion, das Forum diente nun als Kulisse für prächtige religiöse Zeremonien. Da das Forum Romanum in der späten Republik zu klein geworden war, errichteten ab Caesar einige Herrscher die sogenannten Kaiserforen (Caesarforum, Augustusforum, Templum Pacis, Nerva-Forum, Trajansforum), die zwar einige Aufgaben des Forum Romanum übernahmen, es aber nie vollständig ersetzen konnten. Erst jetzt bekam das Forum zur Abgrenzung den selten verwendeten Zusatz Romanum.Vergil, Aeneis 7,361; Plinius, Naturalis historia 19,23; Tacitus, Annales 12,24; Sueton, Augustus 72. Strabon nennt es , „das alte Forum“.Strabon 5,3,8 (236).