mini|Blick auf Schlanders Schlanders ([]; ) ist eine italienische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Vinschgau in Südtirol. Zur Marktgemeinde gehören neben dem gleichnamigen Hauptort auch die Fraktionen Kortsch, Göflan, Vetzan, Nördersberg und Sonnenberg. Schlanders ist Sitz der Bezirksgemeinschaft Vinschgau sowie Standort des einzigen Krankenhauses der Talschaft und mehrerer weiterführender Schulen.
Geographie Schlanders liegt in der geographischen Mitte des Vinschgaus, welches sich als alpines Längstal durch den westlichen Teil von Südtirol zieht. Drei der sechs Fraktionen der Gemeinde, der Hauptort Schlanders (), Kortsch () und Vetzan (), befinden sich auf Schwemmkegeln auf der orographisch linken, nördlichen Seite des Etschtals; Göflan () liegt beiderseits der Etsch. Nördlich oberhalb des Talbodens bieten die Hänge des Sonnenbergs in mittelgebirgiger Lage mehreren Bauernhöfen Platz. Überragt werden diese von Gipfeln der Ötztaler Alpen, die hier dem Saldurkamm zugerechnet werden. Erschlossen ist das zur Gemeinde gehörende Gebiet durch das unbewohnte, beim Hauptort Schlanders abzweigende Hochtal Schlandraun, das vom Schlandraunbach durchflossen wird und von zahlreichen Dreitausendern umkränzt ist, darunter der Ramudlaspitze (), dem Hochalt () und der Mastaunspitze (). Direkt südlich des Talbodens des Etschtals beginnt der Nationalpark Stilfserjoch. Über die Hänge des ebenfalls von Bauernhöfen besiedelten Nördersbergs steigt das Gelände zu den Gipfeln der Ortler-Alpen an. Die Laaser Spitze (), der Untergruppe der Laaser Berge zugerechnet, bildet hier den höchsten Gipfelpunkt.
Etymologie Schlanders wird erstmals im Jahr 1077 in der latinisierten Form Slanderes erwähnt, 1101 erstmals deutsch Schlandere. Weitere Zeugnisse des Namens sind: 1170 Slanders, 1252 Schlanders, 1352 Slanders, 1426 Slanders, 1518 Schlanders.
Der Ortsname steht wohl in einem Zusammenhang mit dem Schlandraunbach (1334 fluvius Slandruni). Kühebacher setzt die indogermanische Silbe *sal-, keltisch *sala- (‚Weide, schmutzig, grau, von Grauweiden bewachsen‘) an. Finsterwalder hingegen geht von der Silbe *sil-/*sul- (‚rinnen/brausen‘) aus und rekonstruiert *Silandria in Analogie zu den Namen Silz und Sill in Nordtirol oder Silla im Trentino.
1923 wurde der Ortsname zu „Silandro“ italianisiert und amtlich eingetragen.
Geschichte Vorgeschichte In der Jungsteinzeit um 3500 v. Chr. waren die Hänge um Schlanders von nomadisierenden Hirten und Jägern bewohnt. Der älteste Fund aus dieser Zeit ist eine Lochaxt. Ötzi, der Mann vom Tisenjoch, durchstreifte um 3200 v. Chr. die Höhen des Vinschgaus. Artefakte (Beile und Sicheln) aus einem Depotfund am Schlanderser Sonnenberg lassen auf Sesshaftigkeit und landwirtschaftliche Tätigkeiten in der Eisenzeit (um 600 v. Chr.) schließen. Um 300 v. Chr. gab es rätische Höhensiedlungen im Vinschgau. Siedlungsaktivitäten sind auch in Schlanders auf Rossladum, auf Kortsch und der Südseite des Sonnenberges auszumachen.
Römerzeit Bei der Eroberung des Alpenbereiches durch die Römer unter Augustus 15 v. Chr. hatten seine Stiefsöhne Drusus und Tiberius den Oberbefehl und unterjochten auch die Venosten, die damals den Vinschgau bewohnten. Etwa 40 n. Chr. wurde die Via Claudia Augusta gebaut, eine Handels- und Militärstraße, die von Altinum am Adriatischen Meer durch den Vinschgau bis nach Augusta Vindelicum (Augsburg) führte. In der Nähe von Schlanders konnte die Trasse nicht genau lokalisiert werden. Münzfunde weisen sie auf die orografisch linke Talseite.
Mittelalter Sankt Georg am Sonnenberg weist auf eine Besiedelung des Gadriaschuttkegels im Bereich von Schlanders und Kortsch um 700 n. Chr. Die erste urkundliche Nennung des Namens Schlanders erfolgte 1077. Kaiser Heinrich IV. übertrug dem Brixner Bischof Altwin umfangreiche Besitzungen in „Slanderes“, das als in der Vinschgauer Grafschaft des Gerung gelegen bezeichnet wird, als Reichslehen. Damals war der Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst entbrannt, durch die Schenkungen hatte der Kaiser wichtige Stützpunkte im Lande mit Vertrauenspersonen besetzt.
mini|Schloss Schlandersberg Um 1100 übten die Herren von Montalban in Schlanders und Umgebung großen Einfluss aus. Das Gut Slanderes war 1148 in den Händen der Grafen von Morit-Greifenstein. Im Tauschwege kam es an Graf Ulrich III. von Tarasp. Die Lehensnehmer auf der Burg waren die Herren von Schlandersberg, eine Nachfahrenlinie derer von Montalban. Sie erbauten im 13. Jahrhundert das Schloss Schlandersberg und besaßen es bis zu ihrem Aussterben 1755. Es gab um 1200 zwei Siedlungskerne, die die weitere Entwicklung von Schlanders beeinflussten: den Bereich um die Pfarrkirche und die Gemarkung um die Sankt-Ingenuin-Kirche (heute Ladurner). Kaiser Friedrich II. übertrug 1235 die Kirche zu Schlanders dem Deutschen Ritterorden. Vorher war sie wahrscheinlich im Besitz des mächtigen süddeutschen Adelsgeschlechtes der Welfen. Mit der Kirche nahm der Ritterorden eine Reihe von Höfen in und um Schlanders in Besitz. 1290 verließen die Herren von Schlandersberg ihren Turm auf Juval am Schlandraunbach (später Stachelburg) und übersiedelten auf die neue Höhenburg Schlandersberg am Sonnenberg.
1305 gründete der Deutsche Orden die Landkommende Schlanders. Ein Zinsbuch der Kommende Schlanders von 1334 gibt Aufschluss über Besitzungen und Einkünfte des Deutschen Ordens in Schlanders. Das Gericht Schlanders wurde 1355 erstmals urkundlich erwähnt. Richter war damals Egno iudex de Slanders. Unter den Tiroler Adeligen, die 1386 in der Schlacht bei Sempach gegen die Schweizerische Eidgenossenschaft fielen, war auch Peter von Schlandersberg. Um 1400 entwickelten sich zwei weitere Siedlungskerne mit Eyrserturm und Behaimturm. Maximilian I. (1490–1519) kaufte 1496 in Schlanders von Sebastian Sennauer ein Haus und ließ es zum Gerichtssitz ausbauen. Nachdem die Eidgenossen während des Engadinerkriegs 1499 die Schlacht an der Calven bei Glurns gewonnen hatten, brannten sie Vinschgauer Dörfer nieder, darunter auch Schlanders.
16. Jahrhundert mini|Hochaltar der Pfarrkirche Schlanders Maria Himmelfahrt Während der Bauernkriege rebellierten 1525 auch in Schlanders Bauern gegen die Obrigkeit. 1529 machte der bekannte Täufer Georg Blaurock aus der Schweiz in Schlanders Station. Schlanders war um 1556 ein Zentrum des Täufertums. Hans Pürchner war Vorsteher einer solchen Gruppe. Die Täufer wurden grausam verfolgt; so wurde der bekannte Täufer Balthasar Dosser 1561 wegen seiner sozialrevolutionären Ideen in Schlanders gefangen genommen und in Innsbruck hingerichtet. Um 1590 ist eine deutsche Schule nachgewiesen. Die Schüler lernten Lesen, Schreiben und Rechnen.
17. Jahrhundert Die Grafen von Hendl erbauten ab 1600 die Schlandersburg. Die Pest wütete 1635 in der Region, in Schlanders und Umgebung starben rund 1.600 Menschen. Das Kapuzinerkloster wurde 1643 gebaut. Ein Jahr später kamen die Kapuziner nach Schlanders; sie errichteten ein Hospiz. Wegen großer allgemeiner Not wurde der Wald um Schlanders zwischen den Ortschaften Göflan, Kortsch und Schlanders aufgeteilt. 1652 wurde der Ansitz Heydorf gebaut, 1695 errichteten die Grafen Hendl den Ansitz Schlanderegg.
18. Jahrhundert 1703 rückten die Schlanderser Standschützen gegen die einfallenden Bayern aus. Umbauarbeiten an der Deutschordenskommende und am Pfarrwidum wurden 1705 durchgeführt, Umbauten am Ansitz Plawenn, damals Freidenthurn genannt, 1720. Ein Ausbruch des Schlandraunbachs 1731 zerstörte oder beschädigte 30 Häuser. Die Wasserschutzmauer („Greibm-Mauer“) am Schlandraunbach, der ein neues Bachbett bekam, wurde daraufhin 1732 erneuert. Die Herren von Schlandersberg starben 1755 in männlicher Linie aus. Beim ersten Franzoseneinfall 1796 rückte die Schützenkompanie Schlanders zur Grenzsicherung aus.
19. Jahrhundert Nachdem Tirol 1805 zu Bayern gekommen war, rief Martin Theimer (1778–1838) 1809 in Schlanders zum Aufstand gegen die bayrisch-französische Besatzung auf. Matthias Purtscher, Lehrer in Schlanders, wurde Adjutant des Oberbefehlshabers Andreas Hofer. Joseph Daney (1782–1826), Priester aus Schlanders, beteiligte sich an den Aufständen, wenn auch mit einem eher distanzierten Verhältnis zu den Führungspersönlichkeiten des Aufstandes. Die bayerische Besatzung vertrieb 1811 den Deutschen Orden aus Schlanders, die Kommende wurde Gerichtssitz. 1812 wurde Schlanders Sitz des Dekanates. Die Gerichte Schlanders und Kastelbell wurden 1825 zusammengelegt und 1826 zum k.k. Landgericht Schlanders erhoben. 1859 wurde Schlanders Garnisonsort. Die frühere Deutschordenskommende wurde 1860 Pfarrwidum, das Gericht wurde in die Schlandersburg verlegt. Im gleichen Jahr gründete sich der Männergesangsverein Schlanders. Die erste Gemeindesparkasse von Tirol wurde 1873 in Schlanders gegründet, die Freiwillige Feuerwehr Schlanders 1875.
Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg mini|Tony Grubhofer: Schlanders (1899) Mit Erlass des Kaisers Franz Joseph I. wurde Schlanders 1901 zum Sitz der Bezirkshauptmannschaft. Die Vinschgaubahn wurde 1906 gebaut. Der Obstanbau gewann in dieser Zeit an Bedeutung, und Schlanders bekam im gleichen Jahr das Marktrecht. 1915 zog das Standschützenbataillon von Schlanders mit 1050 Mann und Offizieren in den Krieg an die Ortlerfront. Nach dem Waffenstillstand 1918 marschierten italienische Truppen in Schlanders ein und besetzten die Kaserne des hier bis 1914 stationierten II. Bataillons des Böhmischen Infanterie-Regiments „Viktor Emanuel III. König v. Italien“ Nr. 28. Inzwischen wurde der Standort aufgegeben. Schlanders wurde 1923 zur faschistischen Unterpräfektur erhoben. 1928 erfuhr das Gemeindegebiet von Schlanders eine enorme Vergrößerung, als es um die bis dato eigenständigen Gemeinden Kortsch, Göflan, Nördersberg, Sonnenberg und Vetzan vergrößert wurde. Die Gemeinde bekam ein eigenes Wappen verliehen, Kasernen wurden gebaut. 1939 begann auch in Schlanders die Option.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart 1946 wurde die Obstgenossenschaft GEOS gegründet. Nach den Gemeinderatswahlen 1952 wurde Josef Benedikter Bürgermeister. Das Krankenhaus Schlanders wurde 1958 gebaut, im gleichen Jahr gründete sich die Freiwillige Blutspendervereinigung Vinschgau. 1962 gründete der Schlanderser Bürgermeister Erich Müller die Talgemeinschaft Vinschgau (später Bezirksgemeinschaft Vinschgau) mit Sitz in Schlanders. Ein Realgymnasium und eine Handelsschule wurden 1966/67 eingerichtet. 1973 wurde die Industriezone Vetzan, eine „Produktionszone von Landesinteresse“, ausgewiesen. Seit der Errichtung der Fußgängerzone Schlanders 1996 ist die Hauptstraße im Dorfkern verkehrsfrei. 1996 wurde auch das Kulturhaus „Karl Schönherr“, das Kultur- und Veranstaltungszentrum von Schlanders, neueröffnet. Die Vinschgaubahn nahm am 5. Mai 2005 ihren Betrieb wieder auf. 2009 hatte die Gemeinde Schlanders 6014 Einwohner, im Hauptort Schlanders lebten 3445 Menschen.
Politik mini|Gemeindegebäude von Schlanders Bürgermeister Bürgermeister seit 1952:
Jahr Name 1952–1956 Josef Benedikter 1956–1958 Karl Matscher 1958–1969 Erich Müller 1969–1978 Jakob Lechthaler 1978–1980 Anton Alber 1980–1995 Heinrich Kofler 1995–2010 Johann Wallnöfer 2010–2025 Dieter Pinggera 2025– Christine Kaaserer
Wappen Auf der Burg Schlandersberg hoch über Schlanders residierten von ca. 1200 bis 1771 die adeligen Herren von Schlandersberg. Ihr Wappenschild zeigt auf blauem Grund drei silbergraue Spitzen, die untereinander angeordnet sind. Sie laufen nach rechts und enden spitz am rechten Schildrand. Die Gemeinde Schlanders hat dieses Adelswappen übernommen. Die Verleihung dieses Wappens erfolgte zur Zeit der italienisch-faschistischen Verwaltung im Jahre 1928 durch königlichen Regierungserlass.
Partnerschaften Böhl-Iggelheim, Deutschland St. Anton am Arlberg, Österreich
Bevölkerung