mini|Jules Chéret: Jardin de Paris, 1897 mini|„Das Parfüm dieses Winters – Vogue“; Plakatkunst von Jupp Wiertz für den Kosmetikhersteller F. Wolff & Sohn, 1926/1927 Ein Plakat ist ein großer, in der Regel mit Text und Bild bedruckter Bogen aus Papier oder Stoff, der an einer Plakatwand, einem Plakatreiter, einer Litfaßsäule oder einer anderen geeigneten Fläche in der Öffentlichkeit angebracht wird, um eine Botschaft zu übermitteln. Seinem Wesen nach ist das Plakat eine Mitteilung an eine anonyme Gruppe von Empfängern. Der Absender kann nicht unmittelbar kontrollieren, ob seine Botschaft den einzelnen Empfänger erreicht und wie dieser darauf reagiert.

Wortbedeutung Das Wort Plakat taucht im 16. Jahrhundert in den Niederlanden auf. Während des Befreiungskampfes gegen die spanischen Besatzer hatten die Niederländer Flugblätter mit Klebstoff an Häuserwände und Mauern geplackt. Derartige Papierbögen hießen plakatten (neu-niederländisch plakkaat). Im Französischen entstanden daraus plaque („Platte, Täfelchen“) und placard („Anschlag“). In Deutschland verwendete 1578 erstmals der Satiriker Johann Fischart das Wort Plakat in der Bedeutung einer öffentlichen Bekanntmachung der Obrigkeit.

Vorläufer Vorläufer des Plakats kann man schon in vorchristlicher Zeit finden. Im antiken Rom wurden Gesetzestexte oder behördliche Bekanntmachungen auf weißen Holztafeln (albae) an öffentlichen Plätzen angebracht. Im 16. und 17. Jahrhundert entwickelten sich Frühformen des Bildplakats – für vereinzelte Warenangebote oder die Auftritte von Gauklertruppen wurde mit Anschlägen geworben, bei denen Texte mit Bildern kombiniert waren. Im 18. Jahrhundert setzte man illustrierte Plakate ein, um Soldaten anzuwerben, seit etwa 1830 gestalteten Buchillustratoren in Frankreich zugleich auch Plakate für den Buchhandel.

Modernes Bildplakat Mitte der 1930er Jahre kam das Wort aus dem Amerikanischen („Poster“) im deutschen Sprachraum an. Die Kölnische Illustrierte Zeitung überschrieb in ihrer Ausgabe vom 9. Februar 1935 einen Artikel mit „PLAKAT – ein neues photographisches Schlagwort aus Amerika“. Es wurde zum bedeutendsten Werbemittel bis zur Massenverbreitung des Fernsehens um 1970. Seither hat sich das Plakat nur kaum verändert. Damals wie heute wurde es in hoher Auflage auf Papier gedruckt, war groß, farbig, auffällig, enthielt Bild und Schrift in möglichst sinnvoller Anordnung und wollte etwas mitteilen. Tatsächlich hat sich aber – neben dem Stil der Darstellungen – in der Zwischenzeit vieles geändert, ohne dass dies auf den ersten Blick erkennbar wäre:

Die Entwurfstechnik: Nach über hundert Jahren allenfalls gradueller Fortschritte bei der manuellen Herstellung der Entwürfe – etwa durch die Verwendung von Fotografie und Fotomontage, Airbrush-Technik oder Fotosatz – begann mit dem Einsatz leistungsfähiger Computer eine Revolution auf diesem Gebiet. Heute entsteht grafisches Design fast ausnahmslos am Rechner. Die Drucktechnik: Jahrzehntelang blieb die Farblithographie Standard im Plakatdruck, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie abgelöst von Siebdruck und Foto-Offsetdruck. Die Anwendungsgebiete: Anfangs warben Plakate fast nur für Tanzlokale und einzelne Verbrauchsartikel, später wurde die ganze Welt der Waren und Dienstleistungen angeboten (mit den speziellen Kategorien Film, Sport, Reisen usw.); hinzu kam das weite Feld der politischen Beeinflussung. Die Abstimmung mit anderen Werbemitteln: Nach 1900 setzte sich allmählich die Erkenntnis durch, dass ein einzelnes Werbemittel nicht optimalen Verkaufserfolg garantieren konnte. Angestrebt wurde ein einheitliches des Anbieters, zu dem das Plakat, als einer von mehreren Bausteinen, beitragen sollte. Bahnbrechend auf diesem Gebiet wirkte Peter Behrens, seit 1907 künstlerischer Berater der AEG in Deutschland. Die Bedeutung in Bezug auf andere Medien: Verglichen mit der anfänglich überragenden Position hat das Plakat als Werbemittel ständig an Bedeutung verloren. Entscheidende Gründe dafür waren die Weiterentwicklung der Presse als Werbeträger und neue Medien wie Rundfunk, Fernsehen und Internet. Die Bewertung des Plakats als Kunst- oder Gebrauchsgegenstand: Besonders zwischen 1890 und 1910, vereinzelt aber auch noch danach, wurde darüber ausgiebig und kontrovers diskutiert (siehe unten: Die Kunstdiskussion).

Die Funktion des Plakats ist die schnelle Vermittlung von Informationen, oftmals verknüpft mit einer propagandistischen Absicht. Zur Zielgruppe des Plakats gehören nicht nur diejenigen, die diese Informationen suchen, sondern auch diejenigen, die das Plakat und seine Aussage im Vorbeigehen wahrnehmen. Da kaum ein großes gesellschaftliches Ereignis ohne das Plakat auskommt (z. B. Wahlen, auch Scheinwahlen, Ausstellungen, Filme, Theaterinszenierungen, Gedenktage, Sportfeste, Appelle, Werbung für Konsumartikel), hat das Plakat eine große Alltagsbedeutung. Es ist deshalb Spiegel gesellschaftlicher Zustände und eine wichtige Quelle zum Verständnis einer Zeit.Hermann Junghans, Friedrich Dieckmann, Sylke Wunderlich (Herausgeber: Landeshauptstadt Schwerin): Überklebt – Plakate aus der DDR. cw Verlagsgruppe, Schwerin 2007, ISBN 3-933781-59-0, S. 6–7.

Glasplakat Der Grundstein für die Glasplakatproduktion wird 1821 von Jakob Anton Derndinger mit der Errichtung der Glashütte in Niederschopfheim gelegt. 1825 wurde die Glashütte nach Offenburg verlegt und unter dem Namen „Derndinger & Co., Glasmanufaktur“ geführt. Im Jahr 1833 wurde Ludwig Brost Teilhaber; die Firma hieß fortan „Derndinger & Brost“. 1857 wurde das Unternehmen von Carl Nikolaus Geck und Carl Ludwig Weißkopf unter dem neuen Namen „C. Geck & Cie.“ übernommen. Es wurden verzierte Fenstergläser mit gravierten Rosetten und Streifen sowie bunt verzierte Kirchenfenster hergestellt. Die Herstellung von Musselinglas trat aus dem Versuchsstadium heraus.

Im Jahr 1862 gründeten Carl Weißkopf und Adolf Schell eine Werkstätte für Musselinglasfabrikation. Mit dem Eintritt von Wilhelm Schell I. in das Unternehmen, im Jahr 1863, begann die eigentliche Glasmalerei. 1876 trat Otto Vittali in die Firma ein, die nun „Geck & Vittali“ hieß. Im Jahr 1876 trennten sich Adolf und sein Sohn Wilhelm I. Schell. Die Firmierung lautete nun „Adolf Schell & Otto Vittali GmbH“. Wilhelm Schell I. richtete seinen eigenen Betrieb ein, der nach dessen Tod an seinen Sohn Paul Schell überging. Die Fabrikation wurde auf Glasschleiferei und Messingverglasung umgestellt.

Wilhelm Schell II, ein weiterer Sohn Wilhelm Schells I., gründete im Jahr 1896 die Glasplakate-Fabrik Offenburg Wilhelm Schell, die er bis 1934 leitete. Nun begann die Glasplakatefabrikation auf Tafelglas mittels Steindruck, Versilberung, Blattvergoldung und geätzter Scheiben in drei bis vier Tönungen, die damals für Hotels und größere Villen sehr gefragt waren. Das Glasplakat war ein eigenständiges Werbemittel, die Plakate wurden direkt auf das Glas aufgebracht, und damit durch das Glas geschützt, so dass sie zum Außeneinsatz verwendet werden konnten.

Entwicklung bis 1918 Künstlerplakate Plakatentwurf und -herstellung lagen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich in den Händen von Druckern und Lithographen. Mit den gestiegenen Anforderungen an die Qualität von Plakaten waren sie vielfach überfordert. Nun nahmen sich Künstler der Sache an, zuerst in England und besonders in Frankreich. Jules Chéret, der als Pionier der Plakatkunst gilt, war sowohl Handwerker als auch Künstler. Als gelernter Lithograph arbeitete er mehrere Jahre in London, lernte dort, wie große Papierformate zu drucken waren und entwarf als künstlerischer Autodidakt unter anderem Plakate für Oper und Zirkus. Zurück in Paris, nun Besitzer einer eigenen Druckerei, vereinfachte er die komplizierte Farblithographie so weit, dass auch für gute Farbdrucke nur noch drei bis fünf Steine benötigt wurden, statt bis zu 25, wie bisher.

Das senkte die Kosten erheblich und war eine wichtige Voraussetzung für die weite Verbreitung qualitativ hochwertiger Plakate. Es erlaubte auch den Künstlern der Zeit, mit der vereinfachten Technik zu arbeiten. Chéret selbst schuf eine Vielzahl von schwungvoll illustrativen Plakaten, auf denen jeweils eine attraktive, relativ leicht bekleidete junge Frau für Vergnügungsstätten, für Wermut, Zigaretten oder Petroleum warb. Diese Darstellungen wurden vom Publikum begeistert aufgenommen, sicher auch deshalb, weil Chéret Bilder und Texte zu prägnanter Einheit zusammenfügte und sich grundsätzliche Gedanken über Reklame gemacht hatte: „Der Plakatkünstler […] muss etwas erfinden, das selbst den Durchschnittsmenschen anhält und anregt, wenn er vom Pflaster oder Wagen aus das Bild der Straße an seinen Augen vorbeieilen läßt.“Jörg Meißner (Hrsg.): Strategien der Werbekunst. Katalog zur Ausstellung des Deutschen Historischen Museums Berlin, 2004. Druckverlag Kettler, Bönen 2004, ISBN 3-937390-22-7.

Anerkannte Maler und Graphiker nahmen Aufträge für Plakate an. So entstanden Meisterwerke des lithografischen Künstlerplakats, etwa von Eugène Grasset (Librairie Romantique, 1887), Pierre Bonnard (France Champagne, 1889), Henri de Toulouse-Lautrec (Moulin Rouge – La Goulue, 1891) und von Alphonse Mucha, der durch seine Entwürfe für die Schauspielerin Sarah Bernhardt berühmt wurde. Muchas Arbeiten gelten als erste Höhepunkte für die Graphik des Jugendstils (in Frankreich: Art Nouveau), der beherrschenden Kunstströmung der Belle Époque. Frankreich war das frühe Zentrum dieser Entwicklung.

Kunstdiskussion Jules Chéret erhielt 1888 das Kreuz der Französischen Ehrenlegion. In der Begründung hieß es, er habe mit dem Plakat „einen neuen Kunstzweig geschaffen …, indem er die Kunst auf kommerzielle und industrielle Druckerzeugnisse übertrug.“ Ein Zeitgenosse Cherets fand, „Das schönste Naturschauspiel wird niemals den Anblick einer Plakatwand aufwiegen“. Ansichten dieser Art waren typisch für den Höhepunkt der „Plakatbewegung“ in den 1890er Jahren. Plakate wurden nach den Kriterien der freien Kunst bewertet. Öffentliche und private Plakatsammlungen entstanden. Kunsthändler spezialisierten sich auf Plakate, Ausstellungen informierten über die neuesten Entwicklungen. Eine Pariser Druckerei brachte die begehrtesten Künstlerplakate als Sammelmappen im Kleinformat heraus, der große Erfolg veranlasste Nachahmer zu ähnlichen Publikationen. Walter von Zur Westen, ein engagierter deutscher Sammler, Mitglied im Verein der Plakatfreunde, formulierte die weit verbreiteten Erwartungen so: „Können doch künstlerische Plakate […] Liebe und Verständnis für gute Kunst auch in Kreisen wecken, die sonst nicht mit ihr in Berührung kommen.“

Diese idealistische Betrachtungsweise verlor nach 1900 an Bedeutung. Bei sachlicher, zunehmend wissenschaftlicher Bewertung der Reklame stellte sich bald heraus, dass ein künstlerisch hochwertiges Plakat nicht unbedingt auch das wirkungsvollste Werbemittel war. Der aus Österreich stammende Zeichner und Gebrauchsgrafiker Julius Klinger registrierte, es sei „das Mißverständnis entstanden, dass Reklame und Künstler zusammenfielen“. Plakate wurden zwar auch weiterhin in allen erdenklichen künstlerischen Techniken und unter Berücksichtigung allgemeingültiger Regeln von Komposition, Farbenlehre usw. entworfen – entscheidend wurden jetzt aber die Kriterien der Werbepsychologie. Statt Künstlern waren Gebrauchsgrafiker gefragt, Fachleute für Reklame. Sie erkannten und akzeptierten, dass sie sich in einem besonderen Umfeld bewegten und dessen Gesetze respektieren mussten. Dabei ist es seither geblieben.

Nach dem Jugendstil