mini|Porträt Friedrich Wilhelms aus dem Jahre 1809 von Johann Christian August Schwartz Friedrich Wilhelm von Braunschweig, auch der Schwarze Herzog genannt (* 9. Oktober 1771 in Braunschweig; † 16. Juni 1815 in der Schlacht bei Quatre-Bras, Königreich der Vereinigten Niederlande), war einer der deutschen Volkshelden der Napoleonischen Kriege, preußischer General, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg und Fürst im Landesteil Braunschweig-Wolfenbüttel. Durch Erbschaft war er zudem ab 1805 als Herzog von Oels ein mediatisierter Fürst im preußischen Staat.

Leben mini|Friedrich-Wilhelm-Denkmal in Braunschweig mini|alternativtext=4 % Anleihe des Herzogs zu Braunschweig-Lüneburg Friedrich Wilhelm über 25 Taler, ausgegeben in Braunschweig am 20. Juli 1814, einlösbar bei der Fürstlich Braunschweig-Lüneburgischen General-Kasse, aufgenommen für die Finanzierung des Befreiungskrieges gegen Napoleon|4%-Anleihe des Herzogs zu Braunschweig-Lüneburg Friedrich Wilhelm über 25 Taler, ausgegeben in Braunschweig am 20. Juli 1814, einlösbar bei der Fürstlich Braunschweig-Lüneburgischen General-Kasse, aufgenommen für die Finanzierung des Befreiungskrieges gegen Napoleon Friedrich Wilhelm wurde als sechstes Kind des Braunschweigischen Herzogs und preußischen Generalfeldmarschalls Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig und dessen Ehefrau Augusta von Hannover, Prinzessin von Großbritannien, geboren. 1789 trat er in die preußische Armee ein, wurde Kapitän bei einem Infanterieregiment und nahm ab 1792 am Ersten Koalitionskrieg gegen Frankreich teil. 1800 wurde er Regimentschef des Altpreußischen Infanterieregiments No. 12. Der Höhepunkt seiner Militärkarriere war seine Ernennung zum Generalmajor durch König Friedrich Wilhelm III. im Juli 1801. Er war Mitglied der Militärischen Gesellschaft. Während sein Vater am 14. Oktober 1806 in der Schlacht bei Auerstedt tödlich verwundet wurde, befand sich Friedrich Wilhelm im Korps des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar bei Ilmenau. Es schloss sich dem Rückzug der geschlagenen Armee unter Gebhard Leberecht von Blücher an. Sein sterbender Vater rief ihn nach Braunschweig, um ihn zu seinem Thronfolger im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel zu bestimmen, da seine drei älteren Brüder regierungsunfähig waren. Wenig später nahm Friedrich Wilhelm am 6. November 1806 im Korps Blücher an der Schlacht bei Lübeck teil. Seither war das Verhältnis zu Blücher, der seine Niederlage auf taktische Fehler Friedrich Wilhelms zurückführte, getrübt. Beide gerieten durch die Kapitulation von Ratekau in französische Gefangenschaft.

Die Regierung im Fürstentum konnte Friedrich Wilhelm nicht antreten, denn Napoleon hatte es für erloschen erklärt und sein Territorium im Frieden von Tilsit 1807 dem neu geschaffenen Königreich Westphalen unter der Regentschaft seines Bruders Jérôme zugeteilt. Friedrich Wilhelm zog sich nach Preußen ins niederschlesische Oels zurück, das er 1805 geerbt hatte.

In der Folge beteiligte sich Friedrich Wilhelm an Aufstandsplanungen gegen die Herrschaft Napoleons und unterhielt Kontakte zu Ferdinand von Schill und Wilhelm von Dörnberg. Als Österreich 1809 auf einen Krieg gegen Frankreich in Form einer deutschen Volkserhebung zusteuerte, begab er sich im Januar 1809 nach Wien. Im Februar 1809 kam die Konvention von Wien zwischen Österreich und ihm zustande, welche die Aufgabe, Stärke, Uniformierung, Feldzeichen, Mindestzahl und Besoldung eines Herzoglich Braunschweigischen Korps im nun beginnenden Fünften Koalitionskrieg regelte. Das Freikorps stand unter dem Schutz Österreichs, blieb aber selbständig, wurde auf Kosten des Herzogs errichtet und ebenso unterhalten. Einzusetzen war es gegen Frankreich.

Die Fürstentümer Oels und Bernstadt mit Schulden belegend, gelang ihm die Finanzierung dieser neuen Truppe. In Böhmen, nahe der preußischen Grenze, auf dem Schloss Náchod, das ihm die Herzogin Wilhelmine von Sagan zur Verfügung stellte, und in Braunau stellte Friedrich Wilhelm bis zum 1. April 1809 die 2300 Mann starke „Schwarze Schar“ auf.

Die „Schwarze Schar“ und das Braunschweigische Leibbataillon

mini|Einzug des Herzogs im Jahr 1809 in das sächs. Werdau, gemalt von Rudolf Trache mini|Die Braunschweiger in der Schlacht bei Quatre-Bras am 16. Juni 1815. Das Korps, wegen seiner schwarzen Uniform „Schwarze Schar“ genannt, fiel, selbständig handelnd, in Sachsen ein, konnte den gewünschten Volksaufstand aber, trotz des Wohlwollens der Einwohner, nicht auslösen. Den Znaimer Waffenstillstand vom Juli 1809, in dem Österreich seine Niederlage anerkannte, wollte Friedrich Wilhelm, der sich als kriegführenden Souverän betrachtete, nicht für sich akzeptieren. Während die Österreicher unter Karl Friedrich am Ende nach Böhmen zurückkehrten, zog sein Korps ohne deren Wissen von Zwickau ausRuthard von Frankenberg: Im Schwarzen Korps bis Waterloo. Memoiren des Majors Erdmann von Frankenberg. edition von frankenberg, Hamburg 2015. S. 28––31 / 21, 55 / 152, 166. kämpfend mit dem Schlachtruf „Sieg oder Tod“ über Halle, Halberstadt, Braunschweig, Burgdorf, Hannover, Delmenhorst und Elsfleth nach Brake, wo die Einschiffung zur britischen Insel Wight gelang. Besonders die Erstürmung von Halberstadt am 29. Juli 1809 und das Gefecht bei Ölper vor den Toren Braunschweigs am 1. August 1809, in dem sich die Schwarze Schar unter Friedrich Wilhelm gegen eine dreifache Übermacht behauptete, wurden in der deutschen Öffentlichkeit in Gedichten und Liedern gefeiert.

Großbritannien nahm die „Schwarze Schar“ in Sold und setzte sie auf dem iberischen Kriegsschauplatz ein. Friedrich Wilhelm verlor gemäß einer Vereinbarung mit der britischen Regierung das Kommando über sein Korps und wählte, als Bruder von Caroline von Braunschweig-Wolfenbüttel, der Princess of Wales, und vom britischen Parlament mit einer stattlichen Pension ausgestattet, London zum Sitz, wo er im Brunswick House residierte. Von dort unterhielt er durch den Geheimgesandten August Neidhardt von Gneisenau Verbindung zum preußischen König Friedrich Wilhelm III.

Während der Befreiungskriege traf Friedrich Wilhelm am 22. Dezember 1813, nach der Vertreibung der französischen Machthaber aus der Stadt, wieder in Braunschweig ein und übernahm unter dem Jubel der Einwohner als Souverän die Regierung. Anfang 1814 war Friedrich Wilhelm Kommandeur des 2. Bundeskorps in der Nordarmee des schwedischen Thronfolgers und ehemaligen Marschalls von Frankreich Bernadotte.Maurice-Henri Weil: La Campagne de 1814 d'après les documents des archives impériales et royales de la Guerre à Vienne. Band 1. L. Baudouin. Paris. 1891. ISBN 978-2-01-255873-1. S. 10. Bald darauf zog er gegen den von der Insel Elba zurückgekehrten Napoleon auch mit dem neu formierten Braunschweigischen Leibbataillon ins Feld, nun ein vollgültiger Souverän und Alliierter der Briten in der Funktion eines Divisionsgenerals unter dem Herzog von Wellington.

Tod auf dem Schlachtfeld

mini|Das Haus, in dem der Schwarze Herzog starb (Foto um 1890) mini|„Herzog Friedrich Wilhelm auf dem Totenbett“ von Mathieu Ignace van Brée am 17. Juni 1815, einen Tag nach dem Tod des Herzogs, angefertigt. Gut zu erkennen, die Schussverletzung an der rechten Hand und das Einschussloch auf der rechten Seite. Der spätere Tischlermeister Ernst Carl Külbel war zuvor Korporal in der 2. Kompanie des Braunschweigischen Leibbataillons und Teilnehmer an der Schlacht bei Quatre-Bras. Aufgrund eines Rechtsstreites in den späten 1850er Jahren um die Todesumstände des Braunschweigischen Herzogs veröffentlichte Külbel 1859 Die letzten Augenblicke unsers Durchlauchtigsten Herzogs Friedrich Wilhelm bei Quatrebras, den 16. Juni 1815. Darin beschrieb er detailliert den Ablauf der Ereignisse. Demnach soll sich folgendes ereignet haben:

Bei über 30 °C war das Braunschweigische Leibbataillon gegen 16:00 Uhr auf dem Schlachtfeld eingetroffen und unmittelbar in schwere, verlustreiche Kämpfe verwickelt worden. Der 1. Zug der Braunschweiger hatte eine Tirailleurlinie gebildet, die unter permanentem Beschuss lag. Artilleriefeuer zwang einige Einheiten gegen 19:30 Uhr, eine frühere Position zu beziehen, an der sich zu diesem Zeitpunkt auch Hannoversche Verbände befanden. Beide Einheiten hatten bereits schwere Verluste erlitten und wurden nun zum wiederholten Male von französischer Kavallerie angegriffen. Die Braunschweiger Linieninfanterie hatte ein Carré gebildet, um die Kavallerieattacke besser abwehren zu können, als die Franzosen angriffen. In diesem Moment ritt Herzog Friedrich Wilhelm ohne Begleitung und Deckung direkt zwischen die Braunschweiger und die Franzosen, wobei er bei dem Gehöft GémioncourtOtto Elster: Die historische schwarze Tracht der Braunschweigischen Truppen. Zuckschwerdt & Co., Leipzig 1896, S. 29. von der tödlichen Kugel getroffen wurde. Die Gewehrkugel streifte erst sein rechtes Handgelenk und trat anschließend in die rechte untere Brustseite ein. Sie durchdrang die Leber, verletzte das Zwerchfell, ging schließlich durch die Lunge und trat auf der linken Schulterseite wieder aus.Ernst Carl Külbel: Die letzten Augenblicke unsers Durchlauchtigsten Herzogs Friedrich Wilhelm bei Quatrebras, den 16. Juni 1815. Celle 1859, S. 4. Der Getroffene stürzte vom Pferd und blieb ca. 25 m vor den Braunschweigern liegen, während die französische Reiterei heranstürmte. Da das Leibbataillon in dieser Phase gerade unter Feindeinwirkung die Position wechselte, blieb das Ereignis weitgehend unbemerkt. Korporal Külbel war einer der wenigen, die es bemerkt hatten. Er nahm sich daraufhin den Jäger Reckau und den Hornisten Aue(r),In der Erstausgabe von 1859 gibt Külbel den Namen mit Auer an (S. 5), in der 2. Ausgabe von 1865 ist der Name jedoch mit Aue (S. 6) angegeben. um den Verwundeten zu bergen und ihn nicht den Franzosen zu überlassen. Der Herzog war, als man ihn hinter die deutschen Linien gebracht hatte, noch bei Bewusstsein und wurde zunächst auf freiem Feld abgelegt. Aufgrund verstärkt einsetzenden Artilleriebeschusses wurde er schließlich in ein Gebäude eines nahe gelegenen Bauernhofes gebracht, wo er kurz darauf in Anwesenheit von Stabsarzt August Pockels verstarb.Ernst Carl Külbel: Die letzten Augenblicke unsers Durchlauchtigsten Herzogs Friedrich Wilhelm bei Quatrebras, den 16. Juni 1815. S. 7.

Am Tag nach seinem Tod wurde der Leichnam zunächst nach Antwerpen gebracht, wo der belgische Maler Mathieu Ignace van Brée ein Ölgemälde anfertigte, das den Herzog mit nacktem Oberkörper auf dem Totenbett zeigt. Die durch die Kugel verletzte rechte Hand und das Einschussloch sind deutlich erkennbar. Das Bildnis befindet sich heute im Braunschweigischen Landesmuseum. Der Tote wurde anschließend in einen mit Blei ausgekleideten Sarg gelegt. Dieser wurde mit Weingeist gefüllt und schließlich verzinnt, um nach Braunschweig überführt werden zu können, wo er um Mitternacht des 22. Juni eintraf.

Beisetzungsfeierlichkeiten Der Leichnam wurde einige Tage in der Stadt aufgebahrt, bevor der Schwarze Herzog in der Nacht vom 3. auf den 4. Juli 1815 in der Krypta des Braunschweiger Domes beigesetzt wurde. Dem von acht Pferden gezogenen Leichenwagen folgten Karl II., ältester Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelms als Herzog von Braunschweig, Adolphus Frederick, 1. Duke of Cambridge, Friedrich Wilhelms zweiter Sohn Wilhelm sowie dessen Onkel Herzog Ernst August von Hannover. Diesen folgte wiederum der restliche Hofstaat.Louis Ferdinand Spehr: Friedrich Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Oels. S. 217. Der mit schwarzem Samt beschlagene Sarg befindet sich noch heute in der Krypta.

Ehe und Nachkommen mini|hochkant|Die etwa 18-jährige Marie von Baden, spätere Ehefrau Friedrich-Wilhelms. Friedrich-Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel-Oels heiratete am 1. November 1802 in Karlsruhe die elf Jahre jüngere Marie von Baden.

Mit ihr hatte er drei Kinder: Karl II. von Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel (1804–1873), Herzog von Braunschweig