mini|Diego de Almagro – fiktives Porträt aus dem 19. Jahrhundert
Diego de Almagro (auch d’Almagro; * um 1479 in Almagro, La Mancha, Spanien; † 8. Juli 1538 in Cuzco, Peru) war ein spanischer Abenteurer und Konquistador. Er wird oft mit Namenszusatz el Viejo („der Alte“) genannt, um ihn von seinem gleichnamigen Sohn Diego de Almagro el Mozo („der Junge“) zu unterscheiden.
Leben In Spanien Die Ursprünge von Diego de Almagro blieben lange im Dunkeln. In älteren Quellen wurde berichtet, dass er ein Findelkind gewesen sei und nach dem Ort benannt wurde, wo er im Jahr 1475z. B. Winsor, Justin (1831–1897). 1886 aufgefunden worden sein soll. Der Historiker Jean Descola nennt allerdings als Fundort das Kirchenportal von Malagón. Neuere Quellen berichten hingegen, er sei der zwischen 1478 und 1479 in Almagro in Spanien geborene, nicht eheliche Sohn von Juan de Montenegro, dem Mundschenk des Großmeisters des Calatravaordens, und Elvira Gutiérrez, einer Magd.Ramón, Armando de, 1953, S. 115 und Mellafe, Rolando, 1954, S. 23 und Villalobos, Sergio, 1954. S. 118: zitieren aus José Toribio Medina Zavala (1852–1930), Colección de documentos inéditos para la historia de Chile, desde el viaje de Magallanes, hasta la batalla de Maipo. 1888. Band VI S. 141 Zwischen den Eltern bestand wohl ein Eheversprechen, das aber nie eingelöst wurde. Um ihre Ehre in der streng katholischen Gemeinschaft zu retten, wurde die werdende Mutter von ihrer Verwandtschaft verborgen, der Sohn Diego heimlich geboren und bald in die Obhut einer Amme gegeben. Die Eltern von Elvira bemühten sich darum, dass doch noch eine Ehe geschlossen würde. Aber Juan de Montenegro sei die angebotene Mitgift zu gering gewesen und selbst eine Schlägerei mit Verwandten Elviras habe nicht geholfen, ihn umzustimmen.
So lebte Diego zunächst bei Sancha López de Peral in Bolaños, später in Aldea del Rey. Mit vier oder fünf Jahren kam Diego zu seinem Onkel Hernán Gutiérrez in eine Bauernfamilie mit langer christlicher Tradition. Der Onkel behandelte ihn schlecht; er ging daraufhin zu seiner Mutter, die ihn aber abwies. Die Details seiner Kindheit wurden erst spät bei einer Befragung seiner Stiefschwester Leonor Celinos und seines Vetters Diego de Sevilla durch einen Emissär niedergeschrieben. Diesen hatte der betagte Diego de Almagro im Jahr 1536 in seine Heimat geschickt, um mehr über seine Familie in Erfahrung zu bringen.Villalobos, Sergio. 1954, S. 119
Er blieb Analphabet. Mit 15 Jahren riss er aus. Er soll vorübergehend für den Bürgermeister von Sevilla gearbeitet haben und vagabundierte nach einem Zwischenfall durch Spanien, bis er im Jahr 1514 nach Mittelamerika gelangte.
In Panama mini|Isthmus von Darién und Panama(Karte von 1697) 1514 reiste Diego Almagro im Gefolge des Konquistadors und Gouverneurs Pedrarias Dávila nach Darién im heutigen Panama, wo er am 30. Juni ankam. Er verdingte sich dort als Söldner unter verschiedenen Hauptleuten, bis er zu etwas Geld kam und als Belohnung für seine Dienste Land als Lehen und einige Indigene für die Bewirtschaftung des selbigen zugewiesen bekam. In dieser Epoche lernte Almagro den Soldaten Francisco Pizarro, mit dem ihn bald eine innige Kameradschaft verband, und den Kleriker Fernando de Luque kennen. Von da an war Almagros Biografie untrennbar mit den beiden verbunden. Am 15. August 1519 gründete Pedrarias Davila Panama-Stadt und teilte sie unter 400 Siedlern aus Darién auf, darunter auch Almagro, Pizarro und Luque. Zu dritt machten sie Geschäfte und es gelang ihnen, in den folgenden Jahren ein stattliches Vermögen aufzubauen. Ihnen gehörten schließlich mehrere Goldminen, Farmen und Viehherden, was sie zu den drei reichsten Männern in Panama machte.Amunátegui, Miguel. 1913, S. 43 Im Jahr 1520 wurde ihm von Ana Martínez, einer Indianerin aus Panama, ein Sohn namens Diego geboren, der den Namenszusatz El Mozo (= „Junior“) erhielt. Über die Mutter wurde weiter nichts bekannt. Später bekam er noch eine Tochter von einer anderen Frau, über die ebenfalls kaum etwas bekannt ist. Im Jahr 1522 gelangten erste vage Berichte über eine Provinz im Süden namens Biru, die zu einem großen Reich der Yncas gehören sollte, nach Panama.Winsor, Justin. 1886, S. 506 Es war die Zeit, in der Hernán Cortés das Aztekenreich in Mexiko ausplünderte und dort sein eigenes Reich aufbaute. Diese erfolgreiche Eroberung diente dem ambitionierten Trio als Vorbild und sie schmiedeten Pläne für die Eroberung von Biru. Luque wollte das Projekt finanzieren und Pizarro und Almagro sollten es ausführen.
Konquista Perus Am 14. November 1524 stürzten sich Almagro und Pizarro, beide immerhin schon fast 50 Jahre alt, wie mit jugendlicher Unerfahrenheit in ein erstes Abenteuer mit zwei kleinen, schlecht ausgerüsteten Schiffen, mit viel zu geringer Besatzung – und scheiterten kläglich. Almagro verlor zudem noch ein Auge durch einen Pfeilschuss.Pizarro y Orellana, Fernando, 1639, S. 212 Immerhin war Almagro bei seiner Reise nach Süden über den Pazifik bis 4° Nord gelangt, so weit wie keiner vor ihm auf dieser Route. Aber bedingt durch den Misserfolg und den Verlust von insgesamt 97 Soldaten hatten die drei nun die öffentliche Meinung und den Gouverneur gegen sich.
Pedrarias betraute daraufhin Juan de Basurto mit der Konquista in Richtung Süden. Dieser starb aber bald und das Trio ergriff erneut seine Chance, denn sie waren vor Ort die einzigen, die als Organisatoren für ein Unternehmen dieser Art geeignet waren. Unter diesen Umständen und mit der in Aussicht stehenden üblichen Gewinnbeteiligung für den Gouverneur war Pedrarias wohl einfach umzustimmen.
Am 10. März 1526, gründeten Almagro, Pizarro und Luque mittels eines notariellen Vertrags und vor Zeugen eine Gesellschaft, deren Zweck die Eroberung neuer Gebiete war. Die Einlagen waren 20.000 Goldpesos (1 Goldpeso entsprach 4,7 g Feingold) von Luque, die persönlichen Dienste von Almagro und Pizarro sowie eine Lizenz für Entdeckungen, die sie vom Gouverneur Pedrarias erhalten hatten. Der Gesellschaftsgewinn, alle Metalle, Edelsteine, Indigene, Ländereien und generell alle Vorteile, die sie erlangen würden, sollte jeder zu einem Drittel erhalten. Um dem Pakt öffentlich noch mehr Nachdruck zu verleihen, krönte man die ganze Zeremonie mit einer feierlichen Messe, in der die drei eine Hostie teilten. In der Öffentlichkeit machte man sich wegen ihrer Pläne lustig über sie und bezeichnete sie als Verrückte.Amunátegui, Miguel. 1913, S. 38f
Kurz darauf versuchten die drei noch einmal eine Expedition mit 160 Soldaten und besserer Ausrüstung. Gegen alle erdenklichen Widrigkeiten drangen sie schließlich über den Pazifik bis 9° Süd vor und kamen in Kontakt mit dem Inkareich.
Im Folgejahr waren Almagro, Pizarro und Luque praktisch bankrott und hatten wegen des andauernden Misserfolgs, des Verlustes von zahlreichen Soldaten und den Beschwerden von Expeditionsteilnehmern auch noch den neuen Gouverneur von Panama gegen sich aufgebracht.Amunátegui, Miguel. 1913, S. 55 Weil sie nun vom Gouverneur keine Erlaubnis mehr erhielten, beschlossen die drei, dass Francisco Pizarro nach Europa reisen sollte, um vom spanischen König Karl V. die Erlaubnis für die Fortsetzung ihres Projekts zu erhalten.
Im Jahr 1530 brach die bis dahin scheinbar unbedingte Einigkeit des Trios zum ersten Mal auf, als bekannt wurde, dass Francisco Pizarro seine Geschäftspartner übergangen hatte. Bei Verhandlungen mit der spanischen Krone um die Eroberung Perus, wie man es nun erstmals nannte, hatte sich Pizarro Pfründe und Titel zusichern lassen, ohne sich wie geplant für alle drei Partner gleichermaßen einzusetzen. Francisco Pizarro war am 26. Juli 1529 mittels der Capitulación de Toledo vom König zum Gouverneur und Adelantado von Nueva Castilla ernannt worden und für Almagro blieb nur der Posten des Kommandeurs von Tumbes übrig. Almagro entschloss sich, die gemeinsame Gesellschaft zu verlassen, und verlangte von Pizarro, ihm seinen Anteil auszuzahlen. Doch Pizarro war nicht in der Lage, ohne Almagro seine Eroberungspläne umzusetzen. Angesichts leerer Kassen und der begründeten Annahme, dass Almagro auch ohne Pizarro das Projekt weitertreiben würde, gelang es ihm, Almagro zu überreden, in der Gesellschaft zu bleiben, indem er diesem versprach, dass er dafür sorgen wollte, dass Almagro auch Gouverneur werden würde.Amunátegui, Miguel. 1913, S. 59
mini|500px|Pizarro marschiert nach Peru (Fries im Kapitol in Washington)
Am 28. Dezember 1531 begann die dritte Expedition nach Peru zur Eroberung von Nueva Castilla, wie es nun hieß, unter der Führung Pizarros mit 183 Soldaten und 73 Pferden. Almagro übernahm, so wie zuvor auch, die Aufgabe, von Panama aus die Versorgung zu organisieren.Amunátegui, Miguel. 1913, S. 77
Um diese Zeit war in Almagro die Idee gereift, sich ein von Pizarro unabhängiges Gouvernement aufzubauen. Er bat beim spanischen König um die Erlaubnis, die Gebiete südlich von Chincha, etwa 200 km südlich des heutigen Lima, bis zur Magellanstraße, der Meerenge, die im Süden des Kontinents den atlantischen mit dem Pazifischen Ozean verbindet, erobern und besiedeln zu können. Weil der König aber die gerade begonnene Expedition nach Peru nicht gefährden wollte, wurde ihm die Erlaubnis am 11. Juli 1532 versagt.Ramón, Armando de. 1953, S. 23
Am 15. April 1533 kam Almagro mit weiteren 200 Soldaten in Cajamarca an, wo Francisco Pizarro den Inkaherrscher Atahualpa gefangen hielt.Amunátegui, Miguel. 1913, S. 77 Atahualpa brachte mehrere Tonnen Gold und Silber als Lösegeld auf und wurde dennoch von Pizarro und Almagro hingerichtet. Almagro wurde an der Verteilung des Lösegelds nicht beteiligt.Ramón, Armando de. 1953, S. 10 Luque war kurz vorher gestorben. Almagro und Pizarro eroberten Cusco im November des Jahres.
Weiter nach Süden mini|200px|Aufteilung Südamerikas durch Karl V.
Im Jahr 1533 erneuerte Almagro sein Gesuch an den spanischen König, die Provinzen südlich von Pizarros Nueva Castilla erobern zu dürfen und ein eigenes Gouvernement zu erhalten.Ramón, Armando de. 1953, S. 24 Am 21. Mai 1534 wurde Almagro von König Karl V. für sein Vorhaben autorisiert und zum Gouverneur, Generalkapitän und Adelantado ernannt, den begehrten Titeln eines Konquistadors. Die Real Cédula, die königliche Urkunde, wurde in Spanien an Hernando Pizarro, den Bruder Franciscos, übergeben, der sie nach Peru bringen sollte. Almagro erfuhr zunächst nichts davon, und der intrigante Hernando nutzte das aus, um ihm das Schriftstück vorzuenthalten und sich selbst mittlerweile in Cuzco als Stadtkommandeur zu etablieren.Ramón, Armando de. 1953, S. 33
Im August desselben Jahres stoppte Almagro den Gouverneur von Guatemala Pedro de Alvarado, der mit einer Truppe unterwegs war, um den Norden des Inkareichs für sich zu erobern. Alvarado war schon bis vor Quito gelangt, als sich ihm Almagro mit seinen Soldaten entgegenstellte. Zunächst drohte militärische Auseinandersetzung zwischen beiden Armeen, dann aber gelang es Almagro nach zähen Verhandlungen, den Konflikt zu entschärfen. Für eine Zahlung von 100.000 Goldpesos trat Alvarado seine Armee mit Ausrüstung, seine Schiffe und seine vermeintlichen Eroberungsrechte an Pizarro und Almagro ab.Hemming, John, S. 149
Im Februar 1535 bereitete sich Almagro für eine Expedition ins heutige Chile vor.Ramón, Armando de. 1953, S. 35 Er beschaffte sich systematisch Informationen über die Region, die schon damals unter diesem Namen Chile bekannt war, und begann damit, Soldaten sowie dreiRamón, Armando de. 1953, S. 63 Schiffe auszurüsten.