Rimini ist eine Stadt an der italienischen Adriaküste in der Emilia-Romagna mit Einwohnern (Stand: ) und Hauptstadt der Provinz Rimini. Sie liegt in der historischen Region Romagna und ist heute ein Zentrum des Badetourismus. Die ausgedehnte Altstadt Riminis liegt etwa zweieinhalb Kilometer von der Adriaküste entfernt. Die meisten Viertel der Stadt, die direkt am Meer liegen, sind Neubaugebiete.

Geschichte

Antike Rimini ist eine sehr alte Stadt. Hier fanden sich archäologische Reste der Villanovakultur und der Kelten. Strabon schreibt die Gründung der Stadt den Umbrern zu.Strabon: Geographika. 5, 217. Sie war im 6. Jahrhundert v. Chr. Mitglied eines etruskischen Städtebundes.Ariminum. In: Hellmut Brunner (Hrsg.): Lexikon Alte Kulturen. Band 1, Meyers Lexikonverlag, 1990, ISBN 3-411-07301-2, S. 180. Die Römer machten den Ort 268 v. Chr. zu einer Kolonie latinischen Rechts (mit 6000 Kolonisten), die sie Ariminum nannten und die unweit der Mündung des Flusses Ariminus (heute Marecchia) in das Adriatische Meer lag.Velleius Paterculus, Historia Romana 1, 14, 6; vgl. Eutropius, Breviarum ab urbe condita 2, 16 und Titus Livius, Ab urbe condita, Periocha 15. Bald gewann die Kolonie, die bereits in ihrer ersten Zeit Kupfermünzen prägte, große militärische Bedeutung und diente den Römern im 3. Jahrhundert v. Chr. zusammen mit Arretium (heute: Arezzo) als Bollwerk gegen die in der Po-Ebene siedelnden Gallier.Guido Achille Mansuelli: Ariminum. In: The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. 1976. Auch war sie ein wichtiger Hafen.

Als der Censor Gaius Flaminius 220 v. Chr. die Rom mit der Adriaküste verbindende Via Flaminia anlegte, führte er sie bis Ariminum, das daher seitdem Endpunkt dieser Römerstraße war.Titus Livius, Ab urbe condita, Periocha 20. 187 v. Chr. wurde Ariminum auch Ausgangspunkt der damals neu errichteten Via Aemilia, die bis nach Placentia (heute Piacenza) führte.Titus Livius, Ab urbe condita 39, 2, 10. Im Zweiten Punischen Krieg (218–201 v. Chr.) diente die Stadt den Römern häufig als Stützpunkt für militärische Operationen.Polybios, Historíai 2, 23; 3, 61; 3, 77; Titus Livius, Ab urbe condita 21, 51, 6 f. Sie stand loyal zu den Römern und konnte 209 v. Chr. trotz großer Kriegsnot noch ihr Kontingent stellen.Titus Livius: Ab urbe condita 27, 10, 7.

mini|hochkant|links|Statue des Julius Cäsar in Rimini

Spätestens 88 v. Chr.,Plinius, Naturalis historia 10, 50. nach dem Bundesgenossenkrieg, wurde Ariminum ein Municipium und seine Einwohner erhielten das römische Bürgerrecht und stimmten in der Tribus Aniensis ab. Ariminum stand dann auf der Seite von Gaius Marius, als dieser Sulla bekämpfte; daher plünderten Sullas Truppen die Stadt.Cicero, In Verrem actio 1, 36; Appian, Bella civilia 1, 67; 1, 87; 1, 91. Als Anfang 49 v. Chr. der Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius ausbrach, wandte sich Caesar nach dem Überschreiten des Rubikons zuerst gegen Ariminum und konnte es sehr rasch besetzen. Hierher kamen auch die aus Rom geflohenen Volkstribunen (darunter Marcus Antonius), deren gewalttätige Behandlung Caesar in einer dramatischen Rede seinen Soldaten vor Augen führte. So konnte er seine Soldaten für den Marsch gegen Rom gewinnen.Caesar: De bello civili 1, 8, 1; Sueton, Caesar 33; Lucan, Pharsalia 1, 299 f.

43 v. Chr. vereinbarten die Triumvirn Marcus Antonius, Octavian (der spätere Kaiser Augustus) und Marcus Aemilius Lepidus, das Stadtgebiet von Ariminum unter ihren Veteranen aufzuteilen.Appian: Bella civilia 4, 3. Dennoch blieb die Stadt wichtig und wohlhabend. Augustus, dem sie während der Kriege gegen die Illyrer zeitweilig als Hauptquartier diente, nahm sich ihrer an, indem er die Via Flaminia wiederherstellte.Res gestae divi Augusti 4, 19; Sueton, Augustus 30; Cassius Dio, Römische Geschichte 53, 22. Die Einwohner dankten ihm durch den 27 v. Chr. erfolgten Bau eines erhaltenen großartigen Ehrenbogens. Ferner befahl Augustus kurz vor seinem Tod im Jahr 14 n. Chr. die Errichtung einer, erst von seinem Nachfolger Tiberius 21 n. Chr. vollendeten Brücke über die Marecchia. Gaius Caesar ordnete im Jahr 1 n. Chr. die Pflasterung aller Straßen der Stadt an. Die Stadt führte damals den Namen Colonia Augusta Ariminensis.; Aus der Zeit Hadrians stammt ein 118 m × 88 m messendes Amphitheater mit einer 73 m × 44 m großen Arena.

Relativ früh hielt das Christentum Einzug in Rimini. So ist ein Bischof von Ariminum namens Stemnio bereits auf einem 313 n. Chr. abgehaltenen römischen Konzil bezeugt. 359 fand das Konzil von Rimini statt, auf dem es zu Verhandlungen zwischen Katholiken und Arianern kam.Codex Theodosianus 16, 2, 15; u. a. Als militärisch wichtiger Ort erscheint Ariminum wieder in der Spätantike während der Gotenkriege des 5. und 6. Jahrhunderts. So verhandelte hier Alarich mit dem Prätorianerpräfekten Iovius und entthronte den Usurpator Attalus.Zosimos, Historia nea 5, 48 und 6, 12. Während des von 535 bis 554 dauernden Gotenkriegs belagerte der Ostgotenkönig Witichis 538 Ariminum erfolglos, doch gelang einer Gotenschar Totilas 550 die Einnahme der Stadt, die Narses wenige Jahre später für das Byzantinische Reich zurückeroberte.Prokopios von Caesarea, De bello Gothico 2, 11 f.; 2, 17; 3, 37; 4, 28.

Mittelalter Die Byzantiner blieben Herren Riminis, das nun die nördlichste Stadt der Pentapolis maritima bildete, die wiederum Teil des Exarchats von Ravenna war. Der Langobardenkönig Liutprand eroberte Rimini 728 zusammen mit vielen anderen Städten, gab es den Byzantinern aber um 735 zurück. Pippin der Jüngere nahm die Stadt 756 ein und übertrug sie durch die Pippinische Schenkung dem Papst, für den sie bis zum Ende des 10. Jahrhunderts durch Grafen regiert wurde. Bald danach kam Rimini in den Einflussbereich der römisch-deutschen Kaiser. Friedrich I. Barbarossa gewährte der Stadt 1157 durch ein kaiserliches Patent das Recht eigener Münzprägung und Selbstverwaltung, so dass sie eine unabhängige Kommune wurde. Insbesondere ab diesem Zeitpunkt stritten Kaiser und Papst um die Vorherrschaft über die Stadt.

Damals führte Rimini Kriege mit benachbarten Städten. Nach einer Niederlage gegen Cesena verlieh es 1216 zwei Mitgliedern der mächtigen Feudalherrenfamilie der Malatesta das Bürgerrecht, wofür diese der Stadt im Gegenzug militärischen Beistand im Kriegsfall versprachen. 1239 wurde Malatesta I. Malatesta (1183–1248) Podestà von Rimini, wo es heftige Fehden zwischen Ghibellinen und Guelfen gab. Erstere hatten anfangs während der Regierung Kaiser Friedrichs II. die Oberhand. Auch die Malatesta standen zunächst auf kaiserlicher Seite, wechselten aber in den letzten Jahren Friedrichs II. auf die Seite der Guelfen, die sich schließlich durchsetzten. Mit Malatesta da Verucchio (1212–1312), der dem Papst Militärhilfe leistete, übernahm dessen Familie die Führungsrolle der Guelfen nicht nur in Rimini, sondern in der ganzen Romagna. Die Malatesta trugen erbitterte Gefechte mit rivalisierenden Adelsfamilien aus und wurden 1288 aus Rimini vertrieben, konnten aber in schweren Straßenkämpfen bereits 1295 ihre Rückkehr in die Stadt erreichen. Noch im gleichen Jahr wurde Malatesta da Verucchio Herr von Rimini, und seine Gegner hatten die Stadt zu verlassen. Ab nun herrschten die Malatesta 200 Jahre lang in Rimini.Trevor Dean: Malatesta. In: Volker Reinhardt (Hrsg.): Die großen Familien Italiens. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-520-48501-X, S. 325; Rimini. In: Encyclopædia Britannica. 11. Aufl. 1910–1911, Bd. 23, S. 344.

Malatestino I. Malatesta († 1317), ein Sohn von Malatesta da Verucchio, folgte seinem Vater 1312 als Herr von Rimini und behauptete sich in dieser Stellung bis zu seinem Tod 1317. Auf Wunsch der Guelfen folgte ihm, anstatt seines Sohnes, sein Halbbruder Pandolfo I. Malatesta (um 1267–1326), und erst nach dessen Tod gelangte Malatestinos Sohn Ferrantino Malatesta († 1353) im Jahr 1326 zur Regierung von Rimini. Der Heilige Stuhl suchte nun seine nominelle Oberhoheit über die Romagna nachdrücklicher als früher durchzusetzen; Ferrantino wurde 1331 vom päpstlichen Legaten Bertrand du Pouget aus Rimini verbannt und hatte diesem die Städte seiner Herrschaft überlassen. Nachdem er kurz in Rimini an die Macht zurückgekehrt war, musste er 1335 Pandolfos Sohn Malatesta II. Malatesta (um 1299–1364) weichen. Letzterer trug den Spitznamen Guastafamiglia („Familienverderber“) und beteiligte seinen Bruder Galeotto I. Malatesta († 1385) an der Herrschaft. Guastafamiglia eroberte 1333 Pesaro und Fossombrone, 1334 Fano sowie 1348 Ancona und Ascoli. Auf Druck des von Papst Innozenz VI. entsandten Kardinals Albornoz blieben ihm 1355 nur Rimini, Fossombrone, Fano und Pesaro, die er als Vikar des Papstes zu regieren hatte, doch war nun die Herrschaft der Malatestas formell legitimiert.Trevor Dean: Die großen Familien Italiens. S. 325 f.; Rimini. In: Encyclopædia Britannica. 11. Aufl. 1910–1911, Bd. 23, S. 345.

mini|Castel Sismondo in Rimini, erbaut ab 1437 für Sigismondo Pandolfo Malatesta (idealisierte Darstellung, 1880)

Nach dem Tod Galeottos I. 1385 wurden die Ländereien der Malatesta geteilt; sein ältester Sohn Carlo I. Malatesta (1368–1429) wurde Herr von Rimini und eines Teils der Romagna, während u. a. sein Bruder Pandolfo III. Malatesta (1370–1427) die Regierung über Fano erhielt. Zeitweise stand Carlo I. im Dienst von Gian Galeazzo Visconti, trat nach dessen Tod 1402 in den Regentschaftsrat für dessen unmündige Söhne ein und schloss sich während des Kirchenschismas Papst Gregor XII. an, dem er in Rimini Asyl bot und den er 1415 zur Abdankung überredete. Pandolfo III. hatte drei illegitime Söhne, die alle von Papst Martin V. legitimiert wurden und von denen zuerst nach dem Ableben Carlos I. Galeotto Roberto Malatesta (1411–1432) von 1429 bis 1432 Herr von Rimini war. Diesem folgte Pandolfos III. zweiter illegitimer Sohn, Sigismondo Pandolfo Malatesta (1417–1468), die wohl schillerndste Persönlichkeit seiner Sippe und der berühmteste Herr Riminis. Unter ihm gelangte die Macht der Malatestas in Rimini und Pesaro auf ihren propagandistischen Zenit und überschritt bereits ihren Gipfel. Sigismondo war ein Patron der Künste und kriegerischer Condottiere, auch hauptsächlich für die Befestigungsanlagen Riminis im 15. Jahrhundert verantwortlich, galt aber andererseits, verstärkt durch die Propaganda Pius’ II., als skrupelloser italienischer Renaissancefürst. In Konflikt mit dem Papst geraten, verlor er im Kampf gegen Federico da Montefeltro 1463 fast alle Besitzungen bis auf Rimini und das dazugehörige Gebiet.Trevor Dean: Die großen Familien Italiens. S. 327 f.; Rimini. In: Encyclopædia Britannica. 11. Aufl. 1910–1911, Bd. 23, S. 345 ff.