mini|hochkant=1.5|Entwicklung der Geburten- und Sterberaten in Japan 1950 bis 2008. Der Einbruch der Geburtenrate 1966 wurde durch das Jahr des Feuer-Pferds erklärt.

Die Demografie Japans war von einem starken Bevölkerungswachstum im 19. und 20. Jahrhundert geprägt, was Japan zu einem der am dichtesten besiedelten Industriestaaten der Welt machte. Die aktuelle Situation ist durch eine hohe Lebenserwartung und eine niedrige Geburtenrate gekennzeichnet. Seit dem Jahr 2010 geht die Bevölkerungszahl zurück.

Historischer Überblick + Bevölkerungsentwicklung Japan seit 1872 mit Prognosen bis 2070 Jahr Einwohner(in 1000) Altersgruppen (in %) Änderung(in %) Bevölkerungs-dichte (Ew./km²) 0–14 J. 15–64 J. >64 J.187234.806…………91190043.84733,960,75,4+0,83115191049.18436,058,85,2+1,16129192055.96336,558,35,3+1,30147193064.45036,658,74,8+1,42169194071.93336,758,54,8+1,10188195084.11535,459,64,9+1,58226196094.30230,264,15,7+0,922541970104.66524,068,97,1+1,082811980117.06023,567,49,1+0,903141990123.61118,269,712,1+0,423322000126.92614,668,117,4+0,213402010128.05713,263,823,0+0,053432020126.14611,959,528,6−0,153382021125.50211,859,428,9−0,513362022124.94711,659,429,0−0,443352023124.35211,459,529,1−0,483332024123.80211,259,629,3−0,443322030120.11610,358,930,8−0,503222040112.83710,155,134,8−0,623032050104.6869,952,937,1−0,75281206096.1489,352,837,9−0,85258207086.9969,252,138,7−1,00233 Genaue statistische Angaben zur Bevölkerungszahl Japans gibt es erst seit der Meiji-Zeit (1868–1912), als sich Japan in schnellem Tempo zu einer industriellen Gesellschaft nach westlichem Vorbild wandelte. Im Jahr 1874 betrug die Bevölkerungszahl knapp 34 Millionen. Damit war Japan schon damals ein vergleichsweise dicht besiedeltes Land mit hoher Bevölkerungszahl (zum Vergleich: Frankreich im Jahr 1872: 36,2 Millionen). In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Bevölkerung durch die sich verbessernden sozioökonomischen Bedingungen, insbesondere die verbesserte medizinische Versorgung, kontinuierlich. Sie erreichte mit etwa 64 Millionen Einwohnern im Jahr 1930 etwa die damalige Bevölkerungszahl Deutschlands. Der Bevölkerungsanstieg wurde kaum durch den Zweiten Weltkrieg gebremst. Im Jahr 1950 hatte Japan mit etwa 84 Millionen Einwohnern eine deutlich größere Bevölkerung als jeder europäische Staat (außer Russland). Die 100-Millionen-Einwohnermarke wurde Ende der 1960er Jahre überschritten. Ab den 1940er Jahren setzte ein Rückgang der Geburtenrate von über 4,0 auf etwa 2,0 in den 1960er Jahren ein, wie er auch in anderen westlichen Industriegesellschaften früher oder später zu beobachten war. Die Schwelle von etwa 2,1 Geburten, die zur Aufrechterhaltung einer stabilen Bevölkerungszahl ohne Zuwanderung nötig ist, wurde unterschritten. Die Geburtenrate sank weiter kontinuierlich auf 1,26 im Jahr 2005. Anschließend stieg sie leicht an; aufgrund geburtenstarker Jahrgänge, die noch in das Reproduktionsalter kamen, nahm die Bevölkerung bis 2010 weiter zu und erreichte mit 128 Millionen ihr absolutes Maximum. Seither sinkt die Bevölkerungszahl. 2022 schrumpfte die Bevölkerung um mehr als 500.000 Menschen. Gegenüber einem „Rekordtief“ 2024 von 720.000 Geburten (Geburtenrate 1,20) starben 900.000 Menschen mehr.

Derzeitige Prognosen sagen eine Bevölkerungsabnahme von mehr als 20 Millionen bis zur Jahrhundertmitte voraus, entsprechend mehr als 20 Prozent der Bevölkerung.

Japan ist heute eine urbane Gesellschaft, in der nur 5 % der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft tätig sind. Viele Landwirte ergänzen ihr Einkommen mit Teilzeitjobs in nahegelegenen Städten. Etwa 80 Millionen Menschen leben dicht konzentriert an der Pazifikküste von Honshū und im Norden der Insel Kyūshū.

Die Einwohnerzahlen der größten Städte (12 Städte über 1 Mio. Einwohner) waren 2015: Tokio 9,273 Millionen Yokohama 3,725 Millionen Osaka 2,691 Millionen Nagoya 2,296 Millionen Sapporo 1,952 Millionen Fukuoka 1,539 Millionen Kōbe 1,537 Millionen Kawasaki 1,475 Millionen Kyōto 1,475 Millionen Saitama 1,264 Millionen Hiroshima 1,194 Millionen Sendai 1,082 Millionen

Bevölkerungsdichte und -verteilung mini|hochkant=1.8|Bevölkerungsdichte (Einwohner/km²) nach Präfekturen im Jahr 2015 Japans Bevölkerungsdichte lag im Jahr 2016 bei 340 Einwohnern/km². Die Bevölkerung innerhalb Japans ist extrem inhomogen verteilt und schwerpunktmäßig auf die Küstenstreifen und großen Ebenen der Pazifikküste Honshūs konzentriert. Während die Bevölkerungsdichte im überwiegend ländlichen Hokkaidō unter 70 Einw./km² liegt, übersteigt sie in den städtischen Präfekturen Tokio, Kanagawa und Osaka 3500 Einw./km². In den vom Ministerium für Land, Infrastruktur und Transport bestimmten „Gebieten mit extrem hoher Bevölkerungsdichte“DIDs (Densely Inhabited Districts): Gemeinden oder Bezirke mit einer Bevölkerungsdichte von über 4000 Einw./km² und einer Gesamtbevölkerung von über 5000 Einwohnern (Definition, englisch)., die rund 3,3 % der Landesfläche ausmachten, lebten 2005 84 Millionen Menschen, also fast zwei Drittel der Bevölkerung.MIC, Statistisches Jahrbuch 2008: (englisch). Diese Zahl ist seit 1975 um über 20 Millionen gestiegen.

Diese Bevölkerungsverteilung ist die Ursache für die extrem hohen Bodenpreise. Zwischen 1955 und 1989 stiegen die Landpreise in den 6 größten Städten um durchschnittlich 15.000 %.MIC, Statistics Bureau: (englisch). Besonders während der Immobilienspekulationsblase (Bubble) Ende der 80er Jahre stiegen die Landpreise stark an. Die Bodenpreise insgesamt stiegen 1980 bis 1987 um 40 %, in den sechs Großstädten Tōkyō, Yokohama, Nagoya, Kyōto, Osaka und Kōbe verdoppelten sie sich. Seit 1991 sind die Preise während der Deflationskrise der 90er Jahre wieder deutlich gesunken, bleiben aber angesichts der hohen Dichte dieser Ballungsräume auf hohem Niveau. 2007 wurden erstmals wieder Preiszuwächse für alle drei Landnutzungskategorien (Wohnraum, Industrie, Dienstleistungen) in den sechs Großstädten registriert, 2008 erreichten die Wachstumsraten wieder Werte von über vier Prozent.MLIT, Japan Real Estate Institute (): (japanisch, englisch).

Viele Familien können sich daher keine Wohnung in den größeren Städten leisten. Deshalb müssen viele Japaner täglich weite Strecken pendeln. Im Tokioter Gebiet sind tägliche Fahrten von bis zu 2 Stunden in eine Richtung nicht ungewöhnlich. In Japan sind Parks in den Städten kleiner und seltener als in großen westeuropäischen und nordamerikanischen Städten, die etwa zehnmal so viel Grünland pro Einwohner haben.

Die Regierung und die Lokalregierungen stellen Mittel bereit, um kleinere Städte und ländliche Gebiete attraktiver zu machen, indem Transportinfrastruktur, soziale Dienste, Industrie und Bildungseinrichtungen entwickelt werden. Ziel ist eine Dezentralisierung der Besiedlung und eine Verbesserung der Lebensqualität. Dennoch bleiben die wichtigsten Großstädte, besonders Tōkyō, für die junge Bevölkerung, die Ausbildung und Arbeitsplätze sucht, attraktiv.

Altersstruktur + Säuglingssterblichkeit, Fertilität und Lebenserwartung Jahr Säuglings-sterblichkeitpro 1000Lebend-geburten Ferti-litäts-rate Lebenserwartung(Jahre) Männer Frauen195060,13,6559,57a)62,97a)196030,72,0065,3270,19197013,12,1369,3174,6619807,51,7573,3578,7619904,61,5475,9281,9020003,21,3677,7284,6020052,81,2678,5685,5220102,31,3979,5586,3020151,91,4580,7586,9920201,81,3381,5687,7120211,71,3081,4787,5720221,81,2681,0587,0920231,81,2081,0987,1420241,81,1581,0987,13 a) Zeitraum 1950–1952 mini|Entwicklung der Zahl der Geburten und der Geburtenrate mini|Alterspyramide 2016 in Millionen Einwohnern mini|lang=de|Prognostizierte Alterspyramide für das Jahr 2050 in Millionen Einwohnern

Wie andere postindustrielle Staaten hat auch Japan eine alternde Bevölkerung. 1989 waren nur 11,6 % der Bevölkerung 65 Jahre oder älter. Prognosen sagen voraus, dass sich im Jahr 2030 25,6 % der Bevölkerung in dieser Altersgruppe befinden werden. Diese Verschiebung wird Japan zu einer der ältesten Gesellschaften der Welt machen und diese Veränderung wird schneller als in irgendeinem anderen Land vor sich gehen.

Dieses Altern der Bevölkerung wurde durch eine Kombination von niedriger Fertilitätsrate und hoher Lebenserwartung ausgelöst. Seit der ersten Hälfte der 1970er Jahre lag die Fertilitätsrate unter dem Wert von 2,0 und erreichte mit 1,20 im Jahr 2024 einen neuen Tiefstand.

Eine Anzahl weiterer Faktoren trug zu dem Trend zu kleinen Familien bei: späte Heirat zunehmende Beteiligung der Frauen am Arbeitsleben (und dies zunehmend auch nach der Hochzeit) kleine Wohnungen hohe Kosten für die Ausbildung der Kinder.

Die Lebenserwartung von 76,4 Jahren für Männer und 82,2 Jahren für Frauen war im Jahre 1993 die höchste der Welt (zu Ende des Zweiten Weltkrieges hatte sie für beide Geschlechter noch 50 Jahre betragen). Die Sterberate wurde 2008 auf 9,26 pro 1000 Einwohner geschätzt., abgerufen am 15. April 2020. Die führenden Todesursachen sind Krebs, Herzerkrankungen und zerebrovaskulare Erkrankungen, ein in postindustriellen Gesellschaften typisches Muster.

Politik, Medien und Bevölkerung befassen sich mit den zu erwartenden Folgen einer Bevölkerung, bei der ein Viertel der Einwohner 65 oder älter ist. 2025 wird eine Abhängigkeitsrate (Verhältnis der unter 15- und über 65-Jährigen zu den 15- bis 64-Jährigen) von 0,66 erwartet, d. h. 2 Abhängige auf 3 Arbeitsfähige. Diese Definition der Abhängigkeit gibt die Verhältnisse jedoch eher zu günstig wieder, da heute kaum ein Japaner mit 16 berufstätig ist und viele auch nicht bis 65 arbeiten können.

Das Altern der Bevölkerung offenbarte sich bereits in der alternden Arbeiterschaft und dem Mangel an jungen Arbeitern in den späten 1980ern und hat Auswirkungen auf die Beschäftigungsverhältnisse, Löhne und Zusatzleistungen sowie die Rolle der Frau im Arbeitsleben. Der steigende Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung hatte auch einen wichtigen Einfluss auf die Ausgaben der Regierung. Noch in den 1970er Jahren betrugen die Sozialausgaben nur etwa 6 % von Japans Nationaleinkommen. 1992 betrug der Anteil am BIP bereits 11,8 % (der Anteil am Haushalt bereits 18 %), 2003 sogar schon 19,1 %. Für 2025 wird erwartet, dass 27 % des Nationaleinkommens für Sozialausgaben ausgegeben werden.vgl. OECD Social Expenditure Database (SOCX).

Zusätzlich stieg das mittlere Alter der älteren Bevölkerung in den späten 1980er Jahren an. Für den Anteil der Bevölkerung zwischen 75 und 85 Jahren wird ein Anstieg von 6 % (1985) auf 15 % (2025) prognostiziert. Die Regierung begann in der Mitte der 1980er Jahre die relative Belastung der Regierung und des privaten Sektors in Bezug auf Gesundheitsfürsorge und Pensionen neu zu bewerten und stellte Regelungen auf, um den Staatsanteil an diesen Programmen zu steuern. In Anerkenntnis der sinkenden Wahrscheinlichkeit, dass eine ältere Person bei einem erwachsenen Kind leben wird, und der höheren Wahrscheinlichkeit, dass alle Töchter und Schwiegertöchter einer bezahlten Arbeit nachgehen (oder die traditionelle Verpflichtung, die alternden Eltern zu pflegen, schlichtweg ablehnen), ermutigte die Regierung den Bau von Pflegeheimen, Tagespflege-Einrichtungen für ältere Menschen und Hauspflegeprogrammen. Längere Lebensspannen ändern die Beziehungen zwischen den Eheleuten und über die Generationen hinweg, sie schaffen neue Aufgaben für den Staat und ändern nahezu jeden Aspekt des sozialen Lebens.

Japanischer Ethnozentrismus Japaner behaupten gegenüber Außenstehenden oft, dass ihr Volk ethnisch homogen sei. Neuere Untersuchungen des Erbguts haben jedoch eine große genetische Diversität ergeben. Es wurde eine Mischung aus Genen der Jōmon und von in der Yayoi-Zeit zugezogenen südchinesischen und koreanischen Einwanderern festgestellt, die auch die große Variabilität der Gesichtszüge erklärt.Hanihara, K (1991). "Dual structure model for the population history of the Japanese". Japan Review. 2: 1–33, (englisch).