Ullrich Carl Haupt (* 30. Oktober 1915 in Chicago, USALandkreis Cook, Illinois, USA, Geburtsurkundenindex, vgl. auch Einwanderungskarte Brasilien; kostenpflichtig abrufbar auf Ancestry.com.; † 22. November 1991 in München, Deutschland) war ein deutsch-amerikanischer Schauspieler und Regisseur.
Leben Haupt wuchs in Chicago und Los Angeles auf. Dorthin war sein Vater Ullrich Haupt sr. (1887–1931) ausgewandert, der sich als Darsteller auf der Bühne und im Hollywood-Film (u. a. neben Marlene Dietrich in Marokko) einen Namen gemacht hatte.
Haupt war in erster Ehe verheiratet mit der Hamburger Schauspielerin Ilse Drost (* 1921). Seine Tochter Sabine Quennet, geb. Haupt, lebt als Hörbuchautorin der Kinderserie „Sebastian und der Helifant“ in Freigericht/Hessen. In zweiter Ehe war er mit der Schauspielerin Beatrice Norden verheiratet, mit der er ebenfalls eine Tochter hatte. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof (I-69) in Grünwald bei München.
Theater Nach dem frühen Tod seines Vaters begab sich Haupt, der zu dieser Zeit Kunstmaler werden wollte, nach Berlin, um dort Kunst zu studieren. Doch unter dem Eindruck von Gustaf Gründgens’ Darstellung des Mephisto änderte er seine beruflichen Pläne und bewarb sich bei der Staatlichen Schauspielschule in Berlin. Dort absolvierte er unter Gründgens seine Schauspielausbildung und debütierte 1936 als Theaterschauspieler in der Titelrolle von Shakespeares Romeo und Julia in Danzig.
mini|Leopold Lindtberg mit Ullrich Haupt und Peter Frankenfeld, Hauptproben zur Uraufführung des Stücks Biografie: Ein Spiel von Max Frisch, Schauspielhaus Zürich, Foto: Josef Schmid, Comet Photo, Bildarchiv der ETH-Bibliothek, Zürich, 1968 Seine nächste Bühnenstation war von 1937 bis 1940 das Staatsschauspiel München. 1940 engagierte ihn Gründgens für das Staatstheater in Berlin, wo Haupt bis Kriegsende unter Vertrag blieb. Hier macht sich Haupt schnell durch die Verkörperung großer Charakterrollen einen Namen. Er spielte den Macbeth, den Karl Moor und sowohl den Othello als auch den Jago. Haupt stand 1944 in der Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.Haupt, Ulrich. In: Theodor Kellenter: Die Gottbegnadeten : Hitlers Liste unersetzbarer Künstler. Kiel: Arndt, 2020, ISBN 978-3-88741-290-6, S. 301
Nach dem Zweiten Weltkrieg zog Haupt wieder in die USA und spielte an verschiedenen Tourneetheatern. 1951 folgte er einem Ruf Gründgens’ an das Düsseldorfer Schauspielhaus und vier Jahre später an das Hamburger Schauspielhaus, wo er bis 1964 unter Gründgens’ Regie zahlreiche klassische Bühnenrollen verkörperte. Weitere Theaterstationen von Haupt waren von 1967 bis 1970 das Schauspielhaus Zürich, die Münchner Kammerspiele und das Thalia Theater Hamburg. Der zum Staatsschauspieler ernannte Haupt gastierte bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen und bei den Salzburger Festspielen. Seit 1959 arbeitete er auch als Regisseur.
Film und Fernsehen Bereits 1941 gab Haupt unter der Regie von Georg Wilhelm Pabst neben Henny Porten in Komödianten sein Spielfilmdebüt. Obwohl seine Filmauftritte rar blieben, spielte er größere und große Rollen in Produktionen wie in Kurt Hoffmanns phantastischer Komödie Der Engel, der seine Harfe versetzte, in Fritz Kortners Aristophanes-Adaption Die Sendung der Lysistrata, im Jerry-Cotton-Krimi Die Rechnung – eiskalt serviert, in der Fernsehserie Die Abenteuer des David Balfour (nach Robert Louis Stevenson), neben Gene Hackman in dem Thriller Target – Zielscheibe und in Bernhard Wickis Drama Das Spinnennetz. Außerdem übernahm er zahlreiche Gastauftritte in Fernsehserien wie Der Kommissar, Derrick und Der Alte.
mini|hochkant=0.80|Grabstätte von Ullrich Haupt auf dem Waldfriedhof Grünwald Hörspiel und Synchronisation Haupt arbeitete umfangreich als Sprecher für Hörspielproduktionen. So sprach er den Valentin 1952 für eine Faust-I-Produktion des NWDR und zwei Jahre später den Michael für eine Faust-Produktion des WDR, Ariel und Lynceus (Faust II) sowie den Spielmann Volker für eine Hörspielfassung der Nibelungensage. Als Synchronsprecher lieh er seine modulierbare Stimme unter anderem John Mills (Tiger Bay), Pedro Armendáriz (Lukrezia Borgia) und Rod Steiger (Die Brücke der Vergeltung).
Filmografie (Auswahl) 1941: Komödianten 1944: Träumerei 1945: Der Scheiterhaufen (unvollendet) 1959: Der Engel, der seine Harfe versetzte 1960: Fährten 1961: Die Sendung der Lysistrata 1963: Heimweh nach St. Pauli 1963: Stalingrad 1966: Der schwarze Freitag 1966: Die fünfte Kolonne – Das verräterische Licht (Fernsehserie) 1966: Die Rechnung – eiskalt serviert 1967: Mister Dynamit – Morgen küßt Euch der Tod 1968: Wegen Reichtum geschlossen 1969: Husch, husch ins Körbchen 1970: Menschen 1970: Gneisenau – Die politische Auflehnung eines Soldaten 1970–1972: Der Kommissar (Fernsehserie, 2 Folgen) 1974: Derrick – Folge 3: Stiftungsfest 1976: Salon Kitty 1976: Die 21 Stunden von München (The 21 Hours at Munich) 1976: Derrick – Folge 22: Kein schöner Sonntag 1976: Derrick – Folge 26: Das Superding 1978: Die Abenteuer des David Balfour (Kidnapped) 1978: Derrick – Folge 48: Lissas Vater 1979: Derrick – Folge 61: Ein Kongress in Berlin 1981: Der Alte – Die Unbekannte (Krimireihe) 1982: Derrick – Folge 92: Nachts in einem fremden Haus 1985: Target – Zielscheibe (Target) 1986: Abschiedsvorstellung 1986: Tatort: Tod auf Eis 1986: Derrick – Folge 141: Der Charme der Bahamas 1987: Der Alte – (Folge 166: Ultimo) 1987: Flucht aus Sobibor (Escape from Sobibor) 1988: Achterloo IV (Fernsehfilm) 1988: Der Alte – Folge: Ein ganz gewöhnlicher Mord 1989: Das Spinnennetz 1992: Derrick – Folge 213: Eine eiskalte Nummer
Literatur Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 370. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 3: F – H. John Barry Fitzgerald – Ernst Hofbauer. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 577 f.
Weblinks
Ullrich Haupt in der Synchrondatenbank
Einzelnachweise
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