mini|hochkant=1.25|Rindt 1970 beim Großen Preis der Niederlande Die Automobil-Weltmeisterschaft 1970 war die 21. Saison der Automobil-Weltmeisterschaft, die heutzutage als Formel-1-Weltmeisterschaft bezeichnet wird. In ihrem Rahmen wurden über 13 Rennen in der Zeit vom 7. März 1970 bis zum 25. Oktober 1970 die Fahrerweltmeisterschaft und der Internationale Pokal der Formel-1-Konstrukteure ausgetragen.

Jochen Rindt gewann zum ersten und einzigen Mal die Fahrerweltmeisterschaft. Er starb beim Training zum Großen Preis von Italien in Monza am 5. September 1970 und ist der einzige Weltmeister der Formel 1, dem posthum dieser Titel zugesprochen wurde, da sein Punktevorsprung nicht mehr eingeholt wurde. Lotus-Ford wurde zum vierten Mal Konstrukteursweltmeister.

Änderungen 1970 Reglement Abgesehen von einer Erhöhung des Mindestgewichts der Autos auf 530 kg blieb das Regelwerk der Formel 1 im Vergleich zum Vorjahr unverändert.

Nach wie vor waren alternativ aufgeladene Motoren mit einem Hubraum von bis zu 1,5 Litern oder unaufgeladene Motoren mit maximal 3,0 Litern Hubraum zugelassen. Tatsächlich nutzte wie in den Jahren zuvor kein Hersteller die Möglichkeit einer Aufladung. Der von Ford finanzierte Cosworth-DFV-Motor wurde gleichsam zum Standardtriebwerk der Formel 1: 18 von 21 Teams setzten ausschließlich oder überwiegend DFV-Triebwerke ein. Lediglich BRM, Ferrari und Matra verwendeten eigene Motoren. Hinzu kam ein Achtzylindermotor von Alfa Romeo, der zu einzelnen Rennen in einem dritten Werkswagen des McLaren-Teams gemeldet wurde. Im Laufe der Saison gab es einen Leistungseinbruch bei den in den vergangenen Jahren auch sportlich dominierenden Cosworth-DFV-Motoren. Er war vor allem darauf zurückzuführen, dass Cosworth in den Sommermonaten 1970 zeitweise mit der Wartung der zahlreichen im Umlauf befindlichen Motoren überfordert war.Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports. Motorbuch Verlag Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9, S. 226.

Teams Im Bereich der Teams gab es 1970 einige Veränderungen. Mit March Engineering kam ein neuer Konstrukteur hinzu, der nicht nur ein eigenes Werksteam betrieb, sondern darüber hinaus auch neu aufgebaute Rennwagen an Kundenteams verkaufte. Der March 701 war das am meisten verbreitete Auto der Saison 1970: In diesem Jahr setzten fünf Rennställe insgesamt acht Exemplare des 701 ein.

Im Laufe der Saison wandelte sich Tyrrell von einem Kundenteam zu einem Konstrukteur. Nachdem die seit 1968 bestehende Allianz mit Matra Ende 1969 aus unternehmenspolitischen Gründen zerbrochen war – das inzwischen zum Chrysler-Konzern gehörende Unternehmen Matra lehnte die von Tyrrell praktizierte Kombination des Matra-Chassis mit Motoren von Cosworth bzw. Ford nunmehr ab –, begann Ken Tyrrell die Saison mit Chassis von March, ließ aber zur gleichen Zeit sein erstes eigenes Chassis entwickeln, das im Sommer 1970 zunächst als Einzelstück einsatzbereit war. Im Gegenzug kehrte Matra, das sich 1969 auf die Ausrüstung des Tyrrell-Teams beschränkt hatte, 1970 nach einjähriger Pause mit einem eigenen Werksteam in die Formel 1 zurück.

Als neuer Konstrukteur kam 1970 auch das Team Surtees hinzu, der neu gegründete Rennstall des mehrfachen Motorrad- und Formel-1-Weltmeisters John Surtees. Surtees hatte nach einer erfolglosen Vorsaison bei BRM für 1970 kein Werkscockpit mehr erhalten und entschied sich dafür, ähnlich wie Jack Brabham ein Jahrzehnt zuvor seine Fahrerkarriere mit einem eigenen Rennstall fortzusetzen. Bis das erste Surtees-Auto einsatzbereit war, half sich das Team mit älteren Kundenautos von McLaren aus.

Neu war außerdem der Bellasi F1 70, ein von Vittorio Bellasi konstruiertes Auto, das der Tessiner Rennfahrer Silvio Moser in seinem privaten Rennstall einsetzte.

Der britische Rennstall Frank Williams Racing Cars, der zuvor Kundenautos von Brabham eingesetzt hatte, brachte den italienischen Sportwagenhersteller De Tomaso in die Formel 1 zurück. Williams setzte als einziges Team Rennwagen ein, die von De Tomaso konstruiert und aufgebaut worden waren. Die Verbindung endete bereits nach einem Jahr; De Tomaso zog sich daraufhin dauerhaft aus der Formel 1 zurück.

Neben den zehn Werksteams, die selbst konstruierte Autos einsetzten, traten 1970 elf Kundenteams an, die üblicherweise nur bei einzelnen Rennen an den Start gingen. Das Rob Walker Racing Team war der einzige private Rennstall, der sich für nahezu alle Weltmeisterschaftsläufe des Jahres meldete.

Fahrer mini|Posthum Weltmeister: Jochen Rindt 1970 debütierten François Cevert, Emerson Fittipaldi, Peter Gethin, Ignazio Giunti, Henri Pescarolo, Ronnie Peterson, Clay Regazzoni, Tim Schenken, Rolf Stommelen und Reine Wisell in der Formel 1.

Zu Saisonbeginn gab es einige Fahrerwechsel. Graham Hill, der im Jahr zuvor noch für das Lotus-Werksteam angetreten war, erhielt keinen neuen Vertrag und wechselte zu dem privaten Rob-Walker-Team. Spitzenfahrer bei Lotus war Jochen Rindt; im zweiten Werkswagen fuhr John Miles. Nach dem tödlichen Unfall Rindts in Monza führten Emerson Fittipaldi und Reine Wisell die Saison für Lotus zu Ende. Tyrrell setzte neben dem amtierenden Weltmeister Jackie Stewart nun Johnny Servoz-Gavin ein, der den eng mit Matra verbundenen Jean-Pierre Beltoise ersetzte. Servoz-Gavin zog sich allerdings nach einigen Rennen aus der Formel 1 zurück. Ken Tyrrell wollte ihn zunächst durch Brian Redman ersetzt, entschied sich dann aber auf Empfehlung Jackie Stewarts für den französischen Debütanten François Cevert. Chris Amon, der im Jahr zuvor für die Scuderia Ferrari gefahren war, wechselte zum neu gegründeten March-Werksteam. Neben ihm fuhr der Schweizer Jo Siffert, dessen Fahrergehalt in diesem Jahr nahezu vollständig von Porsche finanziert wurde.

Fahrerseitig wurde die Saison 1970 zu einer der tragischsten der Formel-1-Geschichte. Im Laufe des Jahres ereigneten sich mehrere tödliche Unfälle.

Am 2. Juni 1970 verunglückte Bruce McLaren tödlich bei einer Testfahrt mit einem CanAm-Rennwagen in Goodwood. Bei dem Unfall wurde die Heckverkleidung des Fahrzeugs infolge des hohen Anpressdruckes weggerissen, der Wagen prallte bei 200 km/h gegen eine Mauer. Bruce McLaren wurde aus dem Auto herausgeschleudert und war sofort tot.

Am 21. Juni 1970 verunglückte Piers Courage bei einem Unfall während des Großen Preises der Niederlande in Zandvoort tödlich. Sein de Tomaso-Ford fing nach einem Unfall Feuer. Courage konnte nicht mehr rechtzeitig aus dem Fahrzeug befreit werden und verbrannte.

Am 5. September 1970 ereignete sich eine halbe Stunde nach Trainingsbeginn auf der Rennstrecke in Monza ein schwerer Unfall von Jochen Rindt. Rindt fuhr mit Höchstgeschwindigkeit auf die Parabolica zu. Noch auf der Geraden zog der Lotus plötzlich mit 30 Grad scharf nach links, prallte mit der flachen Schnauze unter die Leitplanke, drehte sich unter Verlust des ganzen Vorderbaues mehrfach, prallte ein zweites Mal an die Planken und blieb schließlich in Fahrtrichtung im Sand stecken. Rindt erlitt einen Luftröhrenriss und starb noch auf dem Transport zum Krankenhaus in Mailand an seinen schweren Verletzungen.

Teams und Fahrer In der nachstehenden Übersicht werden alle Fahrer aufgeführt, die in der Saison als Stammfahrer zu Weltmeisterschaftsläufen gemeldet waren. Für die Fahrer wurden keine festen Startnummern vergeben; die Startnummern wechselten von Rennen zu Rennen.

Bild Team Chassis Motor Reifen Stammfahrer Rennen 130px|zentriert|McLaren M14A McLaren M14A Ford Cosworth DFV V8 1–3 5, 8–13 5–7 1–3, 6–13 Alfa Romeo TT33 V8 2–3, 5–12 10 130px|zentriert|March 701 von Ronnie Peterson March 701 Ford Cosworth DFV V8 3–8, 10–12 McLaren M7C Ford Cosworth DFV V8 10,12 130px|zentriert|Matra MS 120 Matra MS120 Matra MS12 3,0 V12 1–13 1–13 130px|zentriert|De Tomaso 505 De Tomaso 505 Ford Cosworth DFV V8 1–5 7–8 9–12 130px|zentriert|Lotus 72 Lotus 49 Ford Cosworth DFV V8 1, 3–4 1, 3 2, 6 7–9 Lotus 72 2, 5–9 2, 4–9 12–13 12–13 Brabham BT26 Ford Cosworth DFV V8 12 March 701 Ford Cosworth DFV V8 8 130px|zentriert|March 701 von Chris Amon March 701 Ford Cosworth DFV V8 1–13 1–13 Brabham BT33 Ford Cosworth DFV V8 1–13 1–13 130px|zentriert|BRM P153 BRM P153 BRM P142 V12 1–13 1–13 2–3, 5–7, 9–12 12 BRM P139 1 Lotus 49 Ford Cosworth DFV V8 5–7, 12 Lotus 49 Ford Cosworth DFV V8 1–8 Lotus 72 10–12 130px|zentriert|Ferrari 312B Ferrari 312B Ferrari 001 B12 1–13 4,6,9-10 5, 7–13 Lotus 49 Ford Cosworth DFV V8 1 Bellasi F1 70 Ford Cosworth DFV V8 5–6, 8–10 March 701 Ford Cosworth DFV V8 1–2, 7–9 Lotus 49 Ford Cosworth DFV V8 1 Brabham BT26 1 130px|zentriert|Surtees TS7 McLaren M7A Ford Cosworth DFV V8 1–3, 5 Surtees TS7 7–13 12 Brabham BT26 Ford Cosworth DFV V8 4 130px|zentriert|Tyrrell 001 March 701 Ford Cosworth DFV V8 1–10 1–3 5–13 Tyrrell 001 11–13

Rennkalender: Die Weltmeisterschaftsläufe Die Saison 1970 umfasste 13 Weltmeisterschaftsläufe. Daneben wurden zahlreiche Rennen nach dem Formel-1-Reglement abgehalten, die nicht zur Weltmeisterschaft zählten.

Nr. Datum Grand Prix(Strecke) Distanz(km) Sieger Zweiter Dritter Pole-Position SchnellsteRennrunde GesamtführenderFahrer GesamtführenderKonstrukteur 1 7. März (Kyalami) 328,320 (Brabham-Ford) (McLaren-Ford) (March-Ford) (March-Ford) (McLaren-Ford) 2 19. April (Jarama) 306,36 (March-Ford) (McLaren-Ford) (March-Ford) (Brabham-Ford) (Brabham-Ford) 3 10. Mai (Monaco) 251,60 (Lotus-Ford) (Brabham-Ford) (Matra) (March-Ford) (Lotus-Ford) 4 7. Juni (Spa-Francorchamps) 394,80 (BRM) (March-Ford) (Matra) (March-Ford) (March-Ford) 5 21. Juni (Zandvoort) 355,44 (Lotus-Ford) (March-Ford) (Ferrari) (Lotus-Ford) (Ferrari) 6 5. Juli (Clermont-Ferrand) 306,09 (Lotus-Ford) (March-Ford) (Brabham-Ford) (Ferrari) (Brabham-Ford) 7 18. Juli (Brands Hatch) 341,2 (Lotus-Ford) (Brabham-Ford) (McLaren-Ford) (Lotus-Ford) (Brabham-Ford) 8 2. August (Hockenheim) 339,45 (Lotus-Ford) (Ferrari) (McLaren-Ford) (Ferrari) (Ferrari) 9 16. August (Spielberg) 354,66 (Ferrari) (Ferrari) (Brabham-Ford) (Lotus-Ford) (Ferrari) 10 6. September (Monza) 391 (Ferrari) (March-Ford) (Matra) (Ferrari) (Ferrari) 11 20. September (Mont-Tremblant) 383,85 (Ferrari) (Ferrari) (March) (Tyrrell) (Ferrari) 12 4. Oktober (Watkins Glen) 399,708 (Lotus) (BRM) (Lotus) (Ferrari) (Ferrari) 13 25. Oktober (Mexiko-Stadt) 325 (Ferrari) (Ferrari) (McLaren-Ford) (Ferrari) (Ferrari)

Rennberichte Großer Preis von Südafrika

Platz Fahrer Team Zeit 1 1:49:35,4 2 + 8,1 3 + 17,1 PP 1:19,3 SR / / 1:20,8 Der Große Preis von Südafrika 1970 fand am 7. März 1970 auf dem Kyalami Grand Prix Circuit statt. Er ging über 80 Runden zu je 4,094 km und hatte damit eine Gesamtdistanz von 327,52 km.

Gemeldet waren alle Werksteams sowie die privaten Teams von Rob Walker, STP, Surtees und Tyrrell. Hinzu kamen mit der Scuderia Scribante und dem Team Gunston zwei südafrikanische Teams, die drei lokale Fahrer an den Start brachten und zu keinem weiteren Weltmeisterschaftslauf des Jahres antraten. Bei diesem Rennen gab der erst ein Jahr zuvor gegründete Rennwagenkonstrukteur March Engineering sein Formel-1-Debüt. In Kyalami standen insgesamt fünf Fahrzeuge vom Typ March 701 am Start. Im Training waren sie die schnellsten Autos. Jackie Stewart (Tyrrell) und Chris Amon (March-Werksteam) erzielten mit ihren 701 im Qualifikationstraining identische Rundenzeiten und belegten die erste Startreihe. Im Rennen führte zunächst Stewart in Tyrrells Kunden-March. Er wurde aber nach dem ersten Viertel von Jack Brabham (Brabham) überholt, der von Platz drei gestartet war. Brabham gewann das Rennen vor Denis Hulme im Werks-McLaren und Stewart, der mit seinem dritten Platz bereits im ersten Rennen die erste Podiumsplatzierung für March Engineering herausfuhr. Jack Brabham und John Surtees, der ein älteres Kundenauto von McLaren fuhr, teilten sich mit 1:20,8 Min. die schnellste Rennrunde.

Großer Preis von Spanien

Platz Fahrer Team Zeit 1 2:10:58,2 2 + 1 Runde 3 + 1 Runde PP 1:23,9 SR 1:24,3