miniatur|Darstellung Baibars I. in einem libanesischen Buch von 1962 Al-Malik az-Zahir Rukn ad-Din Baibars (I.) al-Bunduqdari, kurz auch al Zaher Beybars (; * um 1223; † 1277 in Damaskus), war ein Mamluk, der 1260 zum Sultan von Ägypten und Syrien aufstieg.rechts|300px|mini|klasse=notpageimage|Brücke in Lod mit einer arabischen Inschrift zwischen zwei Löwen, Baibars’ Wappentieren

Leben Aufstieg Anfänge der militärischen Laufbahn Baibars wurde um 1223 im weiten ukrainisch-russischen Steppengebiet zwischen der Krim und dem Kaspischen Meer geboren. Er war kiptschak-türkischerRené Grousset: Die Steppenvölker. Attila – Dschingis Khan – Tamerlan. Kindler, München 1970, S. 501. Abstammung. Nach der Schlacht an der Kalka (31. Mai 1223) wurde das Steppenland von den Mongolen des Dschingis Khan erobert und die lokale Bevölkerung in die Sklaverei geführt. Auf dem Sklavenmarkt von Sivas wurde Baibars von dem Ayyubiden-Emir von Hama gekauft. Dieser verkaufte ihn bald für einen geringen Preis an den Mamluk Ala' ad-Din Aydekin al-Bunduqdar weiter, wohl auch weil Baibars einen weißen Fleck (Katarakt) in seinem rechten Auge hatte.Ibn as-Suqa'i, Tali kitab wafayat al-a'yan, S. 16–18. Aydekin war offenbar der Kommandant der Bogen- und Armbrustschützen (al-Bunduqdar) des Ayyubiden-Emirs von Hisn Keyfa, as-Salih Ayyub, in dessen Dienste Baibars gegeben wurde.

Trotz seiner Sehbehinderung erwies sich Baibars als vortrefflicher Schütze, was ihm seinen Beinamen „der Bogenschütze“ (al-Bunduqdari) und schnell einen führenden Platz als amīr unter den as-Salihi-Mamluken des Emirs einbrachte.Ibn Taghri Birdi, an-nudschum az-zahira fi muluk Misr wa-l-Qahira, VII, 4. Laut dem Historiker al-Maqrīzī soll Baibars in einem engen Loyalitätsverhältnis zum Emir gestanden haben. Als dieser 1239 von seinen eigenen Männern verraten und in die Gefangenschaft des Emirs von Karak verbracht wurde, soll Baibars der einzige Mamluk gewesen sein, der sich freiwillig der Gefangenschaft seines Herrn anschloss.al-Maqrīzī, Kitab as-Suluk li-ma'rifat duwal al-Muluk, I, S. 397–398; Nach Meinung einiger Autoren soll es sich bei der Person „Rukn ad-Din Baibars“, die den Emir in die Gefangenschaft auf Karak gefolgt war, um eine andere als den späteren Sultan Baibars gehandelt haben. Siehe dazu Humphreys (From Saladin to the Mongols. 1977) und Folda (Folda: Crusader art in the Holy Land. 2005), die dazu allerdings keine Referenzen nennen.

Nur ein Jahr nach der Gefangenschaft übernahm as-Salih Ayyub die Herrschaft als Sultan in Ägypten und Baibars wurde von ihm dem Bahri-Regiment der Militärsklavengarde zugeteilt.

Kampf gegen die Kreuzritter Im Jahr 1244 wurde er mit dem Oberbefehl über ein Heer betraut, mit dem er einen Angriff der christlichen Kreuzfahrerbarone auf Ägypten abwehren sollte. In der Schlacht von La Forbie errang er einen vollständigen Sieg über den Feind, allerdings misslang ihm im Anschluss die Eroberung von Askalon.Laut Humphreys (From Saladin to the Mongols. 1977) soll der Kommandant von La Forbie ebenfalls nicht mit dem späteren Sultan Baibars identisch gewesen sein, da dieser Kommandant den Beinamen „as-Salihi“ getragen hatte. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass auch Sultan Baibars den Beinamen „as-Salihi“ trug und selbst benutzte. So zum Beispiel im Vertrag mit dem Hospitaliterorden aus dem Jahr 1271. Siehe dazu Holt (Early Mamluk diplomacy (1260–1290). 1995) und Vermeulen (Le traité d'armistice relatif à al-Marqab conclu entre Baybars et les Hospitaliers. 1991), die den vom Biographen 'Abd az-Zahir überlieferten Vertragstext übersetzten. Der Beiname „as-Salihi“ kennzeichnete jene Militärsklaven, die den frühsten Mamluken des Sultans as-Salih Ayyub angehört hatten, als dieser noch Emir von Hisn Keyfa gewesen war. Während des Angriffs des französischen Königs Ludwig IX. der Heilige auf Ägypten (Sechster Kreuzzug) war Baibars dem Kommando des Emirs Fachr ad-Din Yusuf unterstellt. Nachdem der Emir im Kampf um die Stadt al-Mansura am 8. Februar 1250 getötet wurde, übernahm er das Kommando über die Mamlukenkrieger und stellte den Kreuzrittern eine Falle. Indem er deren Vorhut in die Stadt einziehen ließ, konnte er sie im anschließenden Straßenkampf vernichtend schlagen. Als sich die Kreuzfahrer nach Damiette zurückziehen wollten, verfolgte Baibars sie mit seinen Truppen und nahm am 6. April 1250 bei Fariskur den König von Frankreich gefangen und vollendete damit das Scheitern des Kreuzzuges.

Machtkämpfe in Ägypten Da die Hauptlast zur Verteidigung Ägyptens vor allem von den Mamluken getragen wurde, erregten sie die Missgunst des Sultans Turan Schah, der erst wenige Wochen zuvor die Nachfolge seines Vaters as-Salih Ayyub angetreten hatte. Turan Schah beabsichtigte, sich der führenden Mamluken zu entledigen, zumal sie auch einen dominierenden politischen Einfluss am Hof ausübten. Doch die Mamlukenemire wurden rechtzeitig von der Haremssklavin Schadschar ad-Durr gewarnt, worauf sie ihrerseits die Ermordung des Sultans beschlossen. Am 2. Mai 1250 führte Baibars das Attentatskommando in die Gemächer des Sultans in Fariskur an und versetzte Turan Schah den ersten Streich mit dem Schwert. Der Sultan konnte zwar noch fliehen, starb allerdings nach dem Sturz von einem Holzturm im Uferwasser des Nils. Zunächst schwang sich die ehemalige Sklavin Schadschar ad-Durr zur regierenden Sultana von Ägypten auf, wurde allerdings weder vom Kalifen noch von der Bevölkerung Kairos anerkannt, was sie zur Ehe mit dem Mamluken Izz ad-Din Aybak nötigte, der somit der erste Mamlukensultan von Ägypten wurde.

In den folgenden Jahren herrschte Chaos in Ägypten, da die Mamluken ihre Verhaltensweisen aus der Steppe mitgebracht hatten und nicht viel von der Staatskunst und der Schari'a hielten. Baibars und Aktay terrorisierten die Bevölkerung von Kairo und ignorierten die Autorität des Sultans, der offenbar nicht aus dem Bahri-Regiment stammte. 1254 aber wurde Aktay von Sultan Aybak exekutiert und Baibars ins Exil nach Damaskus und Karak vertrieben. Aber schon 1257 wurde Aybak von Schadschar ad-Durr im Bad ermordet. Sein Nachfolger wurde Qutuz, von dem Baibars nach Ägypten zurückgerufen und wieder in hohe militärische Posten eingesetzt wurde.

Baibars’ große Stunde schlug, als er die Reserve in der Schlacht von Ain Djalut am 3. September 1260 befehligte, in der eine mongolische Armee unter General Kitbukha vernichtet wurde. Die Schlacht zerstörte den Unbesiegbarkeitsmythos der Mongolen.

Herrschaft Machtergreifung Nach seiner Rückkehr nach Ägypten ermordete Baibars am 24. Oktober 1260 während eines Jagdausflugs im Nildelta eigenhändig Sultan Qutuz. Er usurpierte sogleich den Sultansthron und wurde von seinen zahlreichen Anhängern im Heer umgehend anerkannt.

Baibars gilt als skrupellos, doch „sammelte er die Flüchtlinge und holte diejenigen, die fern waren, er beförderte die Übergangenen und gab den Benachteiligten ein Amt.“ Da sein Regime wegen seiner Anmaßung und der früheren Unruhen in Kairo unbeliebt war, versuchte er, sich mit Steuersenkungen und Reformen zu profilieren.

Nach der erfolgreichen Usurpation des Thrones brachte Baibars Ägypten schnell unter seine Kontrolle. Auch die meisten syrischen Emire erkannten ihn sofort als ihren Oberherrn an, nur der mamlukische Statthalter von Damaskus, Sangar al-Halabi, verweigerte die Anerkennung und erhob sich im November 1260 zum unabhängigen Herrscher (Malik). Im Dezember 1260 drangen die Mongolen erneut in Syrien ein, wurden zwar bei Homs geschlagen, besetzten allerdings Aleppo. Im Frühjahr 1261 musste sich Baibars einer Revolte des Mu'izzi-Regiments erwehren, aus dessen Reihen einst Qutuz hervorgegangen war. Nach der erfolgreichen Niederwerfung des Aufstandes konnte er ein Heer nach Damaskus entsenden und Sangar al-Halabi entmachten.

Das Abbasidenkalifat in Kairo Die wirren Verhältnisse in Syrien nutzte allerdings ein weiterer Mamlukenoffizier zur Sezession. Aqqusch al-Burli vertrieb die Mongolen aus Aleppo und bemächtigte sich der Stadt. Er ernannte sich eigenmächtig zum Statthalter und bat Baibars um Bestätigung in diesem Amt, was dieser aber verweigerte. Aqqusch herrschte fortan unabhängig in Aleppo und proklamierte sogar den Abbasiden al-Hakim I. zum Kalifen in Nachfolge des 1258 von den Mongolen gestürzten Kalifats von Bagdad. Gegen den Rebellen proklamierte Baibars seinerseits den nach Kairo geflohenen al-Mustansir II. zum Kalifen, ließ sich von diesem in die futuwwa einweihen und nahm selbst die Würde eines qasim amir al-mu'minin („Partners des Beherrschers der Gläubigen“) an. Mit seinem Kalifen zog er am 2. Oktober 1261 persönlich in Damaskus ein, stabilisierte dort seine Herrschaft und vertrieb die letzten Mongolen aus Syrien. Gegen das mongolische Il-Chanat verbündete sich Baibars mit dem rivalisierenden Mongolenkhanat der Goldenen Horde unter Berke Chan, der das Kalifat von Kairo anerkannte. Dazu heiratete Baibars eine Tochter Berke Chans, womit der ehemalige Sklave von der goldenen Horde als gleichberechtigt gegenüber deren Herrscher anerkannt wurde.

Anschließend rüstete Baibars seinen Kalifen mit einem Heer aus, um ihn gegen das Il-Chanat in den Irak ziehen zu lassen. Ob er dabei eine Eroberung Bagdads ins Auge gefasst hatte, ist umstritten. Nachdem al-Mustansir die Eroberung einiger Städte am Euphrat gelungen war, drang er nach Mesopotamien vor. Dort aber wurde er im November 1261 von den Mongolen bei al-Anbar zur Schlacht gestellt, geschlagen und getötet. Der Sieg der Mongolen wurde vom Verrat einiger Truppenteile al-Mustansirs begünstigt. Trotz der Niederlage konnte Baibars nach der endgültigen Niederwerfung der Rebellen in Aleppo Syrien vollständig dem Mamlukensultanat eingliedern. Anschließend zog er nach Kairo zurück. Dort traf im Januar 1262 auch der geflohene Kalif al-Hakim I. von Aleppo ein, in der Hoffnung, nun von Baibars als rechtmäßiger Kalif anerkannt zu werden. Baibars ließ ihn zunächst in der Zitadelle von Kairo gefangen setzen, aber am 17. November 1262 huldigte er doch al-Hakim I. als neuem Kalifen. Die weitere Existenz des Kalifats diente Baibars einzig dem außenpolitischen Prestige, besonders in Hinblick auf sein Bündnis mit der goldenen Horde, das bis auf kurze Unterbrechungen bis 1323 intakt blieb. Eine tatsächliche politische Funktion ließ er dem Kalifen nicht zukommen; er behandelte ihn zeit seines Lebens weiter als einen Gefangenen und gestattete ihm lediglich ein Familienleben. Erst Sultan Ladschin (1296–1299) sollte dem Kalifen die Durchführung der traditionellen Haddsch nach Mekka gewähren.

Insgesamt aber blieb das von Baibars geschaffene Kalifat von Kairo während seiner gesamten Existenz eine Marionettenregierung der Mamluken.

Kämpfe in der Levante miniatur|300px|Die Mamluken besiegen die Armenier in der Schlacht von Mari. Darstellung aus dem 15. Jahrhundert Im Frühjahr 1263 unternahm Baibars einen erfolgreichen Feldzug gegen den Ayyubiden-Emir von Karak in Transjordanien. Auf dem Weg eroberte er das christlich-fränkische Nazaret und führte einen ersten Angriff auf Akkon, der allerdings zurückgeschlagen wurde. Anschließend begann er in Kairo mit großangelegten Rüstungen zur Vorbereitung eines Krieges gegen die christlichen Kreuzfahrerbarone in der Levante. Nach Überfällen seitens der Franken auf Askalon und Bethsan begann Baibars seinen Eroberungszug 1265 und nahm nacheinander Caesarea, Haifa und Arsuf ein. Im Folgejahr fielen auch Safed und Toron in seine Hände. Da um diese Zeit auch der Il-Chan Hülegü gestorben war, ergriff Baibars die Gelegenheit zu einem Angriff auf das Königreich Kleinarmenien, das mit dem Il-Chanat verbündet war. In der Schlacht von Mari (24. August 1266) wurde das Heer der Armenier vernichtend geschlagen, woraufhin die Mamluken Kilikien verwüsteten und ausplünderten.