Friedberg ist eine Stadt im bayerisch-schwäbischen Landkreis Aichach-Friedberg und grenzt an den Osten der Stadt Augsburg. Sie ist eine von 13 sogenannten leistungsfähigen kreisangehörigen Gemeinden in Bayern.
Geographie Das Stadtgebiet liegt fast vollständig am Westrand des tertiären Donau-Isar-Hügellandes an der Lechleite, wo der Lech sich als Gletscherschmelze in der Riss-Eiszeit ein breites Bett schuf.
Stadtgliederung Friedberg hat 22 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
mini|In der Altstadt
Nachbargemeinden An das Stadtgebiet Friedberg grenzen Augsburg, Affing, Obergriesbach, Dasing, Adelzhausen, Eurasburg, Ried und Kissing.
Geschichte mini|hochkant=1.5|Friedberg um 1650 mini|hochkant=1.5|Friedberg um 1690/1700 mini|hochkant|Friedberg auf einer Karte des Königreichs Bayern, 1809 Siedlungsspuren auf dem Friedberger Stadtgebiet aus der Römerzeit sind durch archäologische Befunde von Töpfereien bzw. Ziegeleien in den Gemeindeteilen Hügelshart, Rohrbach (hier ab dem letzten Drittel des 3. Jahrhunderts), Stätzling (hier Ende 3. bis Ende 4. Jahrhundert) und Wulfertshausen nachgewiesen.
Urkundlich das erste Mal erwähnt wurde das Städtchen in einem Schutzbrief des Staufers Konradin zusammen mit dem Herzog Ludwig II. an die Bürger der Stadt Augsburg des Jahres 1264: In ihm ist die Errichtung einer Burg Fridberch angekündigt, die fortan als Grenz- und Zollsicherung des Herzogtums Bayern gegenüber Schwaben und der freien Reichsstadt Augsburg dienen sollte. Diese Funktion bedeutete bald Ärger mit den mächtigen Augsburgern, die erstmals im Jahre 1396 die Stadt niederbrannten. Ihre Lage brachte der Stadt oftmals Probleme ein, da die nicht seltenen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Bayern und Augsburg bzw. Schwaben meist auf dem Rücken der Stadt ausgetragen wurden. Im Jahr 1485 wird in Friedberg Balthasar Hubmaier, eine führende Täuferpersönlichkeit der Reformationszeit, geboren.
Ein Aufschwung kam erst, nachdem Herzogin Christine von Lothringen die Friedberger Burg 1568 zu ihrem Witwensitz erkor, was die Stadt in einen Mittelpunkt des bayerischen Hoflebens verwandelte. Im folgenden Jahrhundert jedoch wurde dieser blühenden Zeit ein abruptes Ende bereitet: 1599 wütete die Pest furchtbar in der Stadt, und im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt gleich zweimal von den Schweden völlig vernichtet. Bis auf die Burg und die Stadtmauer ist heute kein Gebäude älter als das Rathaus, das kurz nach Kriegsende erbaut wurde. In den folgenden Jahren blühte die Friedberger Wirtschaft wieder mit Macht auf, als die zahlreich in Erscheinung getretenen Uhrmacher die Stadt wieder zu einem Mittelpunkt machten: Friedberg war damals vielen Uhrliebhabern ein Begriff, und Friedberger Uhren sind heute noch begehrt. 1753 wurde die Wallfahrtskirche Herrgottsruh errichtet, die mit zu den schönsten Kirchen des bayerischen Rokoko gehört. Von 1754 bis 1768 wurde vom bayerischen Kurfürsten Max III. Joseph im Friedberger Schloss eine Fayencemanufaktur betrieben. Im 19. Jahrhundert war Friedberg vor allem Nutznießer der drängenden Wohnungsnot im prosperierenden Augsburg.
Von 1938 bis 1945 existierte das NSV-Kindergärtnerinnen- und Hortnerinnen-Seminar Friedberg bei Augsburg, geleitet von der Jugendleiterin Maria Krawinkel.
Die beiden Weltkriege überstand die Stadt ohne größeren Schaden. Bis zu dessen Auflösung im Jahr 1972 war Friedberg Kreisstadt des Landkreises Friedberg.
Eingemeindungen Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1970 die Gemeinde Wiffertshausen eingegliedert. Am 1. Januar 1974 kamen die bisherige Gemeinde Paar und der Hauptteil der aufgelösten Gemeinde Harthausen hinzu. Ottmaring, Rederzhausen und Wulfertshausen sowie Gebietsteile der aufgelösten Gemeinden Derching und Stätzling folgten am 1. Mai 1978.
Einwohnerentwicklung Friedberg ist die sechstgrößte Stadt Bayerisch-Schwabens.Gemeinden nach Bevölkerungszahlen aufgeschlüsselt. Statistisches Landesamt Bayern; abgerufen am 15. November 2011. Beim Zensus am 9. Mai 2011 zählte Friedberg 28.640 Einwohner. Am 31. Dezember 2019 lebten in Friedberg 29.979 Bürger. Zwischen 1988 und 2019 wuchs die Stadt von 25.668 auf 29.979 um 4.311 Einwohner bzw. um 16,8 %.
Politik
Stadtrat Der Friedberger Stadtrat setzt sich aus dem Ersten Bürgermeister und 30 Stadträten zusammen. Zum Nachfolger des seit 2002 amtierenden Ersten Bürgermeisters Peter Bergmair wurde in der Stichwahl am 30. März 2014 Roland Eichmann (SPD) gewählt, nachdem im ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht hatte.Der Neue macht’s mit großem Vorsprung. In: Augsburger Allgemeine, Lokalausgabe Friedberg, 30. März 2014. Bergmair war nicht erneut zur Wahl angetreten. 2020 setzte sich Roland Eichmann (SPD) im ersten Wahlgang mit 52,08 % gegenüber den anderen Kandidaten durch.
Wappen Mit der Gründung der Stadt Friedberg im Jahre 1264 wurde auch ein Siegel verliehen, das dem heutigen Wappen sehr ähnlich war. Im Jahre 1297 wird das Wappen erstmals urkundlich erwähnt, es handelt sich damit um eines der ältesten Wappenbilder Bayerns. Haus der bayerischen Geschichte.
Einige eingemeindete Orte wie Hügelshart führen neue eigene Wappen außerhalb von Amtshandlungen.
Städtepartnerschaften Es gibt sechs Partnerstädte:
: Völs am Schlern, Südtirol, seit 1964 : Friedberg, Steiermark, seit 1966 : Bressuire, seit 1992 : Chippenham, England, seit 1992 : Städtepartnerschaft Friedberg-La Crosse, seit 2002 🇹🇬 Togo: Zafi in der Kommune Yoto 2, seit 2023
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Friedberger Rathaus mini|hochkant|Ehemaliges Jesuitenkolleg am Marienplatz in Friedberg mini|hochkant|Historische Stadtmauer mini|hochkant|Wittelsbacher Schloss
Museen Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg mit vielen bestens erhaltenen Friedberger Uhren
Bauwerke
Schloss Friedberg (1257 erbaut, heutiges Gebäude größtenteils aus dem 16. Jahrhundert) Rathaus (um 1680), erbaut von einem Schüler des Elias Holl Pfarrkirche St. Jakob (1871–1872) Wallfahrtskirche „Unseres Herrn Ruhe“ (1731–1753), einer der schönsten Rokokobauten in Bayern Marienbrunnen mit Pestsäule auf dem Marienplatz (um 1600) Kirche St. Stephan, (1698) Kirche St. Afra im Felde (1710). An dieser Stelle soll die Heilige Afra den Märtyrertod gestorben sein. Wallfahrtskapelle Maria Alber (1686) Historische Stadtmauer (1409) Pallottikirche (1955 erbaut, 2013 umgestaltet) mit einer Gedenktafel für den Pazifisten und Pallottinerpater Franz Reinisch, der den Eid auf Hitler verweigerte und deswegen 1942 in Brandenburg-Görden ermordet wurdeGedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 138 St. Georg (Rettenberg)
Regelmäßige Veranstaltungen Friedberger Zeit (auch Altstadtfest genannt), eine der größten historischen Veranstaltungen Schwabens. Alle drei Jahre, nächster Termin ist 2028. Skatertag (jeweils an einem Sonntag, Ende Mai) Karitativer Christkindlmarkt Friedberger Advent(-smarkt) Friedberger Volks- und Heimatfest, jährlich Anfang – Mitte August auf dem Volksfestplatz Fête de la Musique, seit 2015 nimmt Friedberg jedes Jahr am 21.6. an diesem weltweiten Festival teil Friedberger Musikwettbewerb in der „Friedberger Schule für Musik“, gesponsert vom Lions-Club verkaufsoffener Marktsonntag, viermal jährlich (März: Judikamarkt, Juni: Johannimarkt, September: Matthäusmarkt, November: Martinimarkt) in der Friedberger Altstadt Seifenkistenrennen Friedberger Halbmarathon am letzten Feriensonntag im September, erstmals durchgeführt 2003 Friedberger Faschingsumzug mit anschließender Feier in Friedberger Tiefgarage Ost (organisiert vom Jugendclub Friedberg e. V.), jährlich am Faschingsdienstag.
Sport Die Männermannschaft der Volleyballer des TSV Friedberg spielt in der 3. Deutschen Volleyball-Bundesliga. Die Männermannschaft der Handballer des TSV Friedberg spielt in der Bayernliga. Die Männermannschaft der Judoka der Sportfreunde Friedberg kämpft in der Bayernliga. Seit 2009 hat der TSV Friedberg eine äußerst erfolgreiche Sportakrobatik Gruppe, unter anderem mit deutschen Vizemeistern. Über die Grenzen von Friedberg hinaus bekannt ist der Friedberger Baggersee (Größe: ca. 450 × 430 m; Wasserfläche: ca. 18 ha) mit seinem Wasserskilift. Parkplätze, große Liegewiesen, Beach-Volleyball, Kinderstrand, sanitäre Anlagen, Restaurant, Kiosk und Wasserwachtstation sind vorhanden. Seit 2002 findet jährlich das Event Friedberg bewegt sich statt. Darüber hinaus gibt es in Friedberg zwei ortsansässige Fußballmannschaften: den TSV Friedberg und die Sportfreunde Friedberg. Seit 1948 wird beim TTC Friedberg Tischtennis gespielt.
Wirtschaft und Infrastruktur
Unternehmen Die wirtschaftliche Situation in Friedberg stützt sich auf eine große Bandbreite an kleinen und mittleren Unternehmen in den verschiedensten Branchen. Der Ausbau als Wirtschaftsstandort hat dazu geführt, dass es mehr Ein- als Auspendler aus dem Stadtgebiet gibt.
Überregional bekannt ist vor allem das Möbelhaus Segmüller, welches seine Hauptfiliale und Polstermöbelfabrik in Friedberg unterhält.
Die Firmen konzentrieren sich auf drei Gewerbegebiete. Das älteste liegt im Südosten der Kernstadt, wo mit Tenneco (Herstellung von Kolbenringen und Zylinderlaufbuchsen) einer der größten Arbeitgeber seinen Sitz hat. Im zweiten Gewerbegebiet nördlich von Friedberg-West liegt unter anderem die Großbäckerei Landbäckerei Ihle, der größte Bäcker Bayerns. Das dritte Gewerbegebiet liegt im nördlichsten Ortsteil Derching, direkt an der Autobahnausfahrt Friedberg. Hier ist die Firma Gruma erwähnenswert und eine Clusterbildung im Bereich Hebe- und Steigtechnik.
Bildung + Schulen in FriedbergNameSchularthauptamtliche LehrkräfteSchüler (SJ 2018/2019)Besondere AngeboteGrundschule Friedberg-SüdGrundschule18264Offene GanztagesschuleTheresia-Gerhardinger-Grundschule FriedbergGrundschule22347Chor, AG Orff, Kreativ Gruppe, Ganztagsklasse, StreitschlichterVinzenz-Pallotti-Schule – Sonderpädagogisches Förderzentrum FriedbergFörderschule35231Ganztagsklassen, Verlängerte Nachmittagsbetreuung, Offene Ganztagsschule, MSD & MSH, Sonderpädagogische BeratungsstelleMittelschule FriedbergMittelschule36391Offene Ganztagesschule, M-KlassenKonradin RealschuleRealschule53785Offene Ganztagsschule, Erasmus +, Theater, Orchester, Band, Artistik, ImkereiStaatliches Gymnasium FriedbergGymnasium62760Offene Ganztagsschule, Diverse Profilkurse und AG'sStaatl. Fachoberschule FriedbergFachoberschule57837iPad-KlassenStaatl. Berufsoberschule FriedbergBerufsoberschule588 -Pastoraltheologisches Institut (Hochschule, 1961 gegründet)Pastoraltheologisches Institut (PthI)keine Datenkeine Datenkeine Daten
Verkehr Südlich des Stadtzentrums liegt der Bahnhof Friedberg (b Augsburg) an der Bahnstrecke Ingolstadt–Augsburg-Hochzoll (Paartalbahn). Vom Augsburger Hauptbahnhof führt die Straßenbahnlinie 6 der Augsburger Verkehrsgesellschaft über die Augsburger Stadtteile Textilviertel, Herrenbach und Hochzoll nach Friedberg-West. Die Buslinie 200 (Stadtbus Friedberg) verbindet die Innenstadt (Friedberg Ost – Friedberg Süd – Friedberg Bahnhof – Friedberg West) sowohl mit der Paartalbahn als auch mit der Straßenbahnlinie 6. Darüber hinaus verkehren viele Regionalbuslinien des AVV vom Friedberger Stadtgebiet in die Stadtteile sowie ins Umland.
Über die Bundesautobahn 8 ist Friedberg wie folgt zu erreichen: Ausfahrt 74a – Friedberg (Bayern) – Kreisstraße AIC 25-neu, die zur Kreuzung Bundesstraße 300 im Stadtgebiet führt.
Persönlichkeiten Ehrenbürger der Stadt Friedberg 1860: Cäsar von Widder (1806–1872), Königlicher Landrichter in Friedberg (1851–1871), kümmerte sich um das Schulwesen und gründete ein Spital 1913: Kaspar Wieland, 1. Bürgermeister und Landtagsabgeordneter 1916: Josef Probst, Königl. Geistlicher Rat und Stadtpfarrer von St. Jakob (1891–1919) 1920: Karl Brennfleck, Bezirksamtmann von 1895 bis 1923