Miltenberg ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Regierungsbezirk Unterfranken; es gehört seit 1816 zu Bayern.

Geografie Geografische Lage mini|Luftbild mini|Blick vom Main auf Miltenberg Das heutige Stadtzentrum und der historische Ortskern von Miltenberg liegen linksmainisch am Knie des Mainvierecks zwischen Spessart und Odenwald. Da sich im Gebiet Miltenbergs das Bett des Mains nahe am Fuß des Odenwaldes befindet, verbleibt auf der linken Mainseite nur ein schmaler Streifen nutzbarer Fläche, der in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder vom Mainhochwasser überspült wurde. Die Altstadt nahm durch diese Hochwasser teils beträchtlichen Schaden. Etwa seit Beginn des 20. Jahrhunderts breitete sich Miltenberg nach Landkäufen von der Nachbargemeinde Großheubach auch auf der rechten Mainseite aus. Der topographisch höchste Punkt der Stadt befindet sich mit am Gipfel des Berges „Kohlplatte“, südlich von Miltenberg, der niedrigste liegt im Main auf .

Miltenberg hat etwas über 9300 Einwohner, zusammen mit den direkt angrenzenden Nachbargemeinden Großheubach, Kleinheubach und Bürgstadt insgesamt mehr als 22.000.

Gemeindegliederung Es gibt acht Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Der Hauptort selbst gliedert sich räumlich – jedoch nicht politisch – in mehrere Teile: Altstadt, bestehend aus: historischer Siedlungskern, Teil des Schwarzviertels erste Stadterweiterung westlich bis zum Schwertfegertor, Teil des Schwarzviertels östlich bis Wamessertor zweite Stadterweiterung westlich bis Mainzer Tor, zukünftiges Mainzer Viertel östlich bis Würzburger Tor Außerhalb der historischen Stadtmauern schließen sich im Uhrzeigersinn an: westlich des Mainzer Tors: die Monbrunner Siedlung diesseits der Mud Miltenberg-West jenseits der Mud am gegenüberliegenden Mainufer, über die alte Mainbrücke erreichbar: Miltenberg-Nord, das durch die Bahnlinie zweigeteilt wird und eng an das Großheubacher Gewerbegebiet Auweg angrenzt. östlich des Würzburger Tors und südlich des Vögeleinstors: Miltenberg-Ost, das baulich nahtlos in die Nachbargemeinde Bürgstadt übergeht das Villenviertel am Grauberg

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Breitendiel, Mainbullau, Miltenberg, Schippach/Mil und Wenschdorf. Die Gemarkung Miltenberg hat eine Fläche von 36,543 km². Sie ist in 6701 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5453,30 m² haben.

Name Etymologie Ihren Namen hat die Stadt Miltenberg von der oberhalb des Ortes liegenden Mildenburg.

Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1226 Miltinberg 1272 Miltenberg 1291 Mildemberg 1675 Miltenberg

Ortsneckname mini|Drei junge Staffelbrünnler brunsen von der Staffel in den Staffelbrunserbrunnen Neben dem bekannteren alten Brunnen am „Schnatterloch“ (wie der Marktplatz umgangssprachlich auch genannt wird) gibt es noch den „Staffelbrunnen“, zu dem ein paar Stufen (süddeutsch: Staffel) hinabführen. Die Miltenberger benutzten in vergangener Zeit dieses Fließgewässer und wurden deshalb ganz städtisch-vornehm „Staffelbrünnler“ genannt. Der Volksmund nannte sie aber „Staffelbrunser“; allerdings mit s und nicht mit z.Werner Trost: Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer. Landkreis Miltenberg 2003 Dem Spottnamen Staffelbrunser wurde ein Zierbrunnen gewidmet: der Staffelbrunserbrunnen. Als Brunnenfiguren sind drei Knaben dargestellt, die in ein Wasserbecken brunsen (urinieren). Staffelbrunnen und Staffelbrunserbrunnen sind nicht identisch und befinden sich an verschiedenen Orten.

Geschichte mini|Historische Altstadt und Mildenburg mini|Miltenberg (am linken Bildrand) in der Karte des Spessarts von Paul Pfinzing von 1594 (Norden ist rechts)

Bis zur Gemeindegründung Schon die Menschen der Vor- und Frühgeschichte wussten um die strategische Bedeutung des Engpasses am Mainknie zwischen Odenwald und Spessart und errichteten mächtige Ringwälle auf dem Greinberg (Ringwall Greinberg) oberhalb Miltenbergs und auf dem Bürgstadter Berg (Ringwall Bürgstadter Berg). Um 159/160 n. Chr.Claus-Michael Hüssen: Die römische Besiedlung im Umland von Heilbronn. Theiss, Stuttgart 2000, ISBN 3-8062-1493-X, S. 145.Bernhard Albert Greiner: Der Beitrag der Dendrodaten von Rainau-Buch zur Limesdatierung. In: Limes XX. Estudios sobre la frontera Romana. Ediciones Polifemo, Madrid 2009, ISBN 978-84-96813-25-0, S. 1289.Bernd Becker: Fällungsdaten römischer Bauhölzer anhand einer 2350jährigen Süddeutschen Eichen-Jahrringchronologie. In Fundberichte aus Baden Württemberg. Band 6, Theiss, Stuttgart 1981, ISBN 3-8062-1252-X, S. 386.Dieter Planck, Willi Beck: Der Limes in Südwestdeutschland. 2. Auflage, Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0496-9, S. 82 u. Abb. 84. schlossen die Römer hier den fast schnurgerade nach Süden verlaufenden „Vorderen Limes“ an den Main an. In der Nähe des heutigen Miltenberges stieß der Limes auf den Main, der ab hier weiter nordwärts die natürliche Grenze des Römischen Reiches nach Germanien hin darstellte. Es befinden sich die Überreste zweier römischer Kastelle zwischen Miltenberg und Kleinheubach (Kastell Miltenberg-Altstadt, ORL 38) sowie zwischen Miltenberg und Bürgstadt (Kastell Miltenberg-Ost, ORL 38a).mini|hochkant|Computer-Rekonstruktion des Altstadt-Kastells Miltenberg

Mit dem Limesfall bis spätestens um 259/260 n. Chr. und dem Abzug der römischen Truppen verloren die für den Grenzschutz zuständigen Kastelle ihre Funktion. Das Kastell Miltenberg-Altstadt war jedoch noch im 4. Jahrhundert bewohnt, was Münzfunde belegen. Für das 5. Jahrhundert lassen sich keine sicheren Besiedlungsspuren erbringen. Ab dem 7. Jahrhundert, möglicherweise bereits im 6. Jahrhundert waren die römischen Ruinen wieder bewohnt. In der Ostecke des ehemaligen Kastells wurde damals unter Ausnutzung der römischen Mauer eine Mörtelmauer errichtet. Sporenfunde deuten auf hochrangige Personen hin und sprechen dafür, dass das Kastell im Zusammenhang mit der fränkischen Ostkolonisation stand. In den folgenden Jahrhunderten war die Anlage kaum genutzt, bis im 12. Jahrhundert, wiederum in der Ostecke des alten Kastells, ein Wohnturm angelegt wurde. Hierbei könnte es sich bereits um den Sitz des Adelsgeschlechtes Wallhausen gehandelt haben, die kurz darauf hier bezeugt sind.Norbert Goßler (2006): Zur Wiederbenutzung römischer Militäranlagen im Mittelalter: Einige Beispiele vom Obergermanisch-Rätischen Limes. In: Kontinuitätsfragen. Mittlere Kaiserzeit – Spätantike – Frühmittelalter. S. 31–44.

Die für Miltenberg namensgebende Mildenburg entstand nach Forschungsergebnissen von Wolfgang Hartmann (s. u. Literatur) ab 1144 auf Besitz des von König Konrad III. bevogteten Klosters Amorbach. Ihr Name erinnert an die Milde des ersten Stauferkönigs im Zusammenhang mit der weltberühmten Weibertreu-Begebenheit von Weinsberg.

Die im Schutz der Burg entstandene Siedlung und spätere Stadt Miltenberg wird 1226 anlässlich eines Besuches des Mainzer Erzbischofs Siegfried II. erstmals urkundlich erwähnt. Etwa ab 1379 begrenzten die beiden Stadttürme, das Mainzer und das Würzburger Tor, den zwischen Fluss und Berghang eng und lang gestreckt gewachsenen heutigen Altstadtbereich nach Westen und Osten. Bereits im Mittelalter war der Miltenberger Buntsandstein sehr begehrt. Daher wurden in den umliegenden Wäldern Objekte wie Mahlsteine oder Säulen gehauen. Bereits vor dem Jahr 1319 wurde das Spital St. Peter durch Erzbischof Peter von Aspelt gegründet. In Miltenberg existierte nach Daten der Gesellschaft für Leprakunde „vor der Stadt“, in der heutigen Eichenbühler Straße, bis Mitte des 18. Jahrhunderts ein mittelalterliches Leprosorium. In: Gesellschaft für Leprakunde, Münster 1995, abgerufen am 6. Januar 2017

mini|hochkant|Hinweisplatte an der Heunen-Säule in Mainz mini|Miltenberg – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian dem Jüngeren 1655 mini|Torhaus der Mainbrücke Bis 1803 gehörte Miltenberg zu Kurmainz und war dort Sitz des Amtes Miltenberg. Dies manifestiert sich bis heute im Mainzer Rad im Stadtwappen. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss kam Miltenberg zum Fürstentum Leiningen, mit dem es 1806 dem Großherzogtum Baden einverleibt wurde. Nachdem die Stadt ab 13. November 1810 zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt gehörte, wurde sie infolge des am 30. Juni 1816 zu Frankfurt a. M. zwischen Österreich, Preußen und Hessen Darmstadt abgeschlossenen Vertrags und nach Übereinkunft vom 7. Juli 1816 Teil des Königreichs Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige städtische Gemeinde.

Jüdisches Leben in Miltenberg In der bis 1803 zum Erzstift Mainz gehörenden Stadt Miltenberg werden Juden seit der Mitte des 13. Jahrhunderts genannt. Sie lebten insbesondere vom Geldverleih und der Erhebung des erzbischöflichen Zolles. Ihr Wohngebiet wird als "Judenstadt" genannt (1361). Die Gemeinde wurde während der Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 zerstört. Der Besitz der Juden fiel an das Erzstift. Nach den Verfolgungen sind 1383 wieder wenige Juden in der Stadt bezeugt. 1429 dürften vier oder fünf jüdische Familien in der Stadt gelebt haben. Damals wurden mehrere jüdische Häuser geplündert und die Juden zwecks Steuererpressung eingekerkert. Eine letzte Nachricht über Juden in der mittelalterlichen Stadt stammt von 1464. 1631 erfolgte eine vorübergehende Vertreibung.

1933 lebten 99 jüdische Personen in der Stadt (2,1 % von insgesamt 4.663 Einwohnern). Im April und September 1942 wurden die letzten jüdischen Miltenberger deportiert.Die Synagoge in Miltenberg. In: Alemannia Judaica, 30. Juni 2020

Südlich der Stadtmauer befindet sich noch der bis ins Mittelalter reichende Alte Jüdische Friedhof.

Verwaltungsgeschichte Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Miltenberg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Miltenberg lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Miltenberg war eine Gemeinde im Altkreis Miltenberg. Dieser schloss sich am 1. Juli 1972 mit dem Landkreis Obernburg am Main zum neuen Landkreis Miltenberg zusammen.

20. und 21. Jahrhundert Aus Miltenberg stammen auch die für den Bau des Mainzer Domes bestimmten Heunensäulen. Auf dem Mainzer Domplatz steht heute eine dieser Heunensäulen mit einer entsprechenden Hinweistafel.

Miltenberg verfügt über eine historische Altstadt mit zahlreichen Fachwerkhäusern, vor allem in der die eigentliche Altstadt bildenden Hauptstraße.Vgl. Martin Droschke: Frankens längstes Fachwerkwunder […]. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 24. August.

Am 22. Februar 1945 griffen sechs amerikanische Jagdbomber die Stadt mit Bomben und Bordwaffen an. Es gab 20 Tote. Die Mainbrücke wurde am 28. März 1945 von zurückweichenden deutschen Truppen gesprengt, ohne dass sie vorher für den Verkehr gesperrt worden war. Torhaus und Pfeiler blieben erhalten. Im Rahmen der heftigen Schlacht um Aschaffenburg rückten am 31. März US-Truppen in Miltenberg ein.

In den Jahren 1912 und 1955 erwarb Miltenberg Gelände auf der rechten Mainseite zur Erweiterung der Stadt. Die Mildenburg ist seit 1979 Eigentum der Stadt Miltenberg, 1971 wurden die Außenteile renoviert, eine mehrjährig angelegte Sanierung und Restaurierung wurde im Jahr 2011 abgeschlossen. Im Burginneren befindet sich nun das Museum Burg Miltenberg mit Kunstsammlungen der Diözese Würzburg. Im Burghof stand früher der Toutonenstein (jetzt im Museum Stadt Miltenberg), eine fünf Meter hohe Sandsteinsäule, deren Inschrift bis heute bezüglich ihrer Bedeutung ein Rätsel darstellt.

2008 fand in Miltenberg der 3. Tag der Franken im Rahmen der Unterfränkischen Kulturtage statt.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1971 die Gemeinde Breitendiel und am 1. Januar 1976 die Gemeinden Mainbullau, Schippach (mit Berndiel) und Wenschdorf (mit Monbrunn) eingegliedert.

Einwohnerentwicklung