Die DKW RT 125 ist ein Motorrad, das unter der Marke DKW der Auto Union AG zwischen 1940 und 1944 gebaut wurde. Die Abkürzung RT in Verbindung mit dem Markennamen DKW steht für Reichstyp, der mit dem Vorgängermodell DKW RT 100 eingeführt wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Konstruktion nicht mehr geschützt und wurde von verschiedenen Herstellern in mehreren Ländern nachgebaut. Die unter der Leitung von Hermann Weber im DKW-Stammwerk Zschopau entwickelte DKW RT 125 gilt als meistkopiertes Motorrad der Welt. Zusammengenommen mit rund 133.000 von der Auto Union GmbH (1949–1957) und rund 324.500 Einheiten der IFA aus der DDR (1949–1965) ist sie eines der meistgebauten Motorräder in Deutschland.
Modellgeschichte und Technik Zivile Ausführung mini|DKW RT 125, Bauzeit 1940–1941 Die RT 125 wurde 1939 als letzte zivile Weiterentwicklung vor dem Zweiten Weltkrieg vorgestellt. Die Konstruktion basierte auf der RT 100, die als Verkaufserfolg von 1934 bis 1940 über 70.000-mal produziert wurde und auch als RT 2 ½ PS, später RT 3 PS, bekannt war.
Im Gegensatz zur RT 100 hat die RT 125 einen geschlossenen Einrohrrahmen. Das Hinterrad ist nicht gefedert, das Vorderrad wird in einer Parallelogrammgabel mit aus Stahlblech gepressten Gabelscheiden geführt.
Wichtigste Neuerung war ein komplett neu entwickelter fahrtwindgekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor mit Schnürle-Umkehrspülung und Flachkolben. Motor-Getriebe-Gehäuse und Zylinderdeckel sind aus einer Aluminiumlegierung gefertigt; der Zylinder besteht aus Grauguss. Die Zylinderbohrung von 52 mm und der Kolbenhub von 58 mm ergeben einen Hubraum von 123 cm³. Er leistet bei 4800/min, was für eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ausreicht. Bemerkenswert ist die bei einem DKW-Motorrad erstmalige Verwendung einer gemeinsamen Befestigung von Zylinder und Zylinderdeckel auf dem Kurbelgehäuse mittels langen, bis in den Deckel durchgehenden Stehbolzen.
Die Gemischaufbereitung übernimmt ein Vergaser mit Schwimmer und Nadelventil, die Motorschmierung erfolgt als Gemischschmierung mit einem Mischungsverhältnis des Zweitaktgemisches von 1 : 25 (Öl : Benzin). Er hat eine spannungsgeregelte 6-V-Gleichstromlichtmaschine mit Batteriezündung. Neu war auch die Dreigangfußschaltung, was damals technischer Höchststand war. Das Motorrad verbrauchte im Durchschnitt 2,5 l/100 km und kostete 425 Reichsmark. – zu der Zeit das Bruttomonatsgehalt eines Volksschullehrers; Soziussattel und Tachometer waren zusätzlich erhältlich. Die RT 125 war nur in Schwarz lieferbar; leer wog sie 66 Kilogramm.
Die Antriebskraft wird vom Motor über eine Lamellenkupplung an das Getriebe (Primärtrieb) und von dort an das Hinterrad (Sekundärantrieb) mit jeweils einer Kette übertragen.
Wehrmachtsmodell mini|DKW RT 125-1 der Wehrmacht, Baujahre 1943–1944 1941 wurde die Produktion der RT 125 eingestellt, um der Wehrmacht größere Stückzahlen des Modells NZ 350-1 liefern zu können. Als die Verantwortlichen bemerkten, dass die NZ 350-1 mit ihrem Leergewicht von 175 Kilogramm oftmals zu schwer und zu unhandlich für Soldaten war, sollte sie für den Fronteinsatz durch ein leichteres Motorrad ersetzt werden.
Folglich wurde 1943 die Produktion der RT 125 mit leichten Modifikationen zum militärischen Einsatz unter dem Namen RT 125 neuere Ausführung (RT 125 n. A.) erneut aufgenommen. Zu den Änderungen des auch RT 125-1 genannten Wehrmachtsmotorrads zählen unter anderem ein größerer Tank mit militärischem Tankdeckel (Messbecher), Rahmenverstärkungsstreben (wie NZ 350-1), ein Wirbelluftfilter im Prinzip ähnlich der NZ 350-1, ein komplett aus Grauguss gefertigtes Motor-Getriebe-Gehäuse, Tachoantrieb mit ISGUS-Tachometer, Schraubenfederung der Trapezgabel (statt der Gummibandfederung des zivilen Modells), Packtaschen und die Lackierung in der ab 1943 eingeführten Militärlackierung Einheitsfarbe 43 (Dunkelgelb) oder Olivgrün. Für möglichst hohe Antriebskraft aus niedrigen Motordrehzahlen wurde ein Kettenritzel mit 13 Zähnen eingebaut, wodurch die Höchstgeschwindigkeit auf 75 km/h sank. Laut Produktionsplan sollten noch 1945 pro Monat 600 Maschinen gebaut werden.
Mit einem Leergewicht von 80 Kilogramm und einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 240 Kilogramm war das Motorrad leicht und wendig. Rund 12.000 Fahrzeuge wurden bis Kriegsende an die Wehrmacht geliefert. 1944 gab das Oberkommando des Heeres je 100 RT 125 n. A. zum Export in die Schweiz und nach Schweden frei. Bis Ende März 1945 wurden von den zugesicherten 200 Motorrädern 165 geliefert.
Die RT 125 n. A. und die DKW NZ 350-1 waren die einzigen Motorräder, die gegen Kriegsende noch für die Wehrmacht gebaut wurden.
Testberichte/Kritiken Im August 1940 testete die Zeitschrift Motor und Sport die RT 125 und berichtete bzw. urteilte:
Das Motorrad war vielen Konkurrenzmodellen in der Leistung (durch die alleinigen Rechte der Auto Union an der Umkehrspülung bei Zweitakt-Ottomotoren) überlegen und noch dazu preisgünstiger. So kostete die 1941 vorgestellte NSU 125 ZDB – mit einem Motor von 122 cm³ Hubraum und 4 PS Leistung sowie einer Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h – 35 Reichsmark mehr als die RT 125.
Technische Daten im Vergleich RT 125 RT 125-1 Baujahre 1939–1941 1943–1944 Motor fahrtwindgekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor, Kickstarter Steuerung Kolbenkantensteuerung Ladungswechsel Umkehrspülung Bohrung × Hub 52 × 58 mm Hubraum 123 cm³ Verdichtung 6 : 1 Nennleistung bei 4800/min max. Drehmoment bei 3300/min Vergaser Amal, Graetzin, Bing Motorschmierung Zweitaktgemisch 1 : 25 Zündung Batteriezündung, kontaktgesteuert Lichtmaschine 6 V – 35/45 W Bordspannung 6 V Kupplung Mehrscheibenkupplung im Ölbad Getriebe 3-Gang mit Fußschaltung Endantrieb Kette Rahmen Einrohrrahmen mit Unterzug Maße (L × B × H) 1960 × 660 × 900 mm Radstand 1230 mm Sitzhöhe 680 mm Radaufhängung vorn Parallelogrammgabelmit Gummibandfederung Parallelogrammgabelmit Schraubenfeder Radaufhängung hinten Starrrahmen Felgengröße vorn 2,00 × 19″ Felgengröße hinten Bereifung vorn 2,50–19″ Bereifung hinten Bremse vorn Innenbacken-Trommelbremse, Ø 125 mm (Halbnabe) Bremse hinten Leergewicht 66 kg(mit Soziussattel: 70 kg) 80 kg zul. Gesamtgewicht 185 kg 240 kg Tankinhalt 7,5 l 9 l Höchstgeschwindigkeit 80 km/h 75 km/h Stückzahl rd. 21.000 rd. 12.000
Quellen:
Trivia In eine 1940 endmontierte DKW RT 125 wurde der 1.000.000. in Zschopau hergestellte Zweitaktmotor (Stationär- und Einbaumotoren eingeschlossen) eingebaut.
Im Stadtzentrum von Zschopau wurde im Oktober 2024 ein originalgetreues, leicht vergrößertes Bronzemodell im Maßstab 1,5 : 1 feierlich enthüllt.
Kopien und Nachbauten Nicht mehr bestehender Schutz nach Ende des Zweiten Weltkriegs Nachdem am 17. August 1948 die Auto Union AG aus dem Chemnitzer Handelsregister gelöscht wurde, erloschen nicht nur die Rechte an den Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer, sondern auch auf die Auto Union eingetragene Patente an Konstruktionen. Damit war in Ost- und Westdeutschland der Weg frei, die RT 125 nachzubauen.
Die Sowjetunion konnte aufgrund der Regelungen im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 über die deutschen Vermögenswerte (zu denen auch Patente zählten) in der sowjetischen Besatzungszone, in der die Auto Union AG ihren Unternehmenssitz hatte, verfügen.Vgl. Otto Klambauer: Staat im Staate. Sowjetisches Vermögen in Österreich 1945–1955. In: Stefan Karner, Gottfried Stangler (Hrsg.): Der Österreichische Staatsvertrag. 2005, S. 182–187, hier S. 182.
Mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 5 vom 30. Oktober 1945 wurde das deutsche Auslandsvermögen auf eine beim Kontrollrat gebildete Kommission übertragen sowie Warenzeichen und auch Patente beschlagnahmt.Kontrollratsgesetz Nr. 5 vom 30. Oktober 1945. In: Amtsblatt des Kontrollrats in Deutschland, Nummer 2 vom 30. November 1945, S. 27 ff., Digitalisat der Deutschen Nationalbibliothek: . Im Londoner Abkommen über die Behandlung deutscher Patente vom 27. Juli 1946 wurde zwischen den beteiligten Nationen festgelegt, dass noch gültige Patente „der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen oder zum öffentlichen Besitz zu erklären oder den Untertanen aller Regierungen, die Vertragspartner sind, dauernd zur Erteilung gebührenfreier Lizenzen anzubieten“ sind.Veröffentlichung zum Londoner Abkommen über die Behandlung deutscher Patente vom 27. Juli 1946 im Blatt für Patent- Muster und Zeichenwesen, 1948, Heft 2/3, Seite 45-47. (Onlineabschrift). Abgerufen am 9. Mai 2025.
mini|MZ (RT) 125 mini|DKW RT 125 W im museum mobile von Audi in Ingolstadt; Baujahr 1950
IFA- und MZ-Modelle in der DDR Bemühungen, nach Ende des Zweiten Weltkriegs in der Zschopauer Region wieder Motorräder (mit maximal 60 cm³ Hubraum entsprechend einer Bestimmung der Besatzungsmächte) zu bauen, zeigten sich im DKW-Leichtmotorrad L60, das 1947 im nahegelegenen Wilischthal konstruiert wurde. Als der Prototyp auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1948 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, stand jedoch bereits fest, dass es zu keiner Serienproduktion kommen würde. Die gesetzliche Hubraum-Freigrenze war inzwischen angehoben worden. Damit eröffnete sich die Möglichkeit, die nicht mehr geschützte Vorkriegskonstruktion RT 125 zu bauen.
Die Motorräder der – mehrfach durch staatliche Beschlüsse umbenannten – Baureihe RT 125 liefen zwischen 1950 und 1965 im früheren DKW-Stammwerk in Zschopau, nun Motorradwerk Zschopau (MZ), vom Band. Die bisherigen Produktionsanlagen der DKW RT 125 konnten dafür jedoch nicht genutzt werden, da sie als Reparationsleistung nach Moskau, später Minsk verbracht wurden, wo später Fahrzeuge unter der Bezeichnung Минск gebaut wurden.
Während 16 Jahren Bauzeit erfolgte eine kontinuierliche Modellpflege des Modells, das zuletzt als MZ 125 bezeichnet wurde. Insgesamt wurden über 324.000 Stück hergestellt.
Der Motor wurde von MZ stetig aber nur geringfügig weiterentwickelt, in seiner Leistung gesteigert und in seiner Grundkonstruktion noch bis Mitte 1985 in Großserie hergestellt. Die letzten damit angetriebenen Modelle waren die MZ TS 125 und TS 150.
Die RT 125 in der Bundesrepublik Deutschland Bei der in Ingolstadt neu gegründeten Auto Union GmbH begann 1949 die Produktion der im Vergleich zum Vorkriegsmodell nur leicht veränderten DKW RT 125 W. Das W stand für West, um eine deutliche Abgrenzung zum zu Beginn als IFA-DKW RT 125 vermarkteten Modell zu kennzeichnen.
Bis zur Einstellung der Produktion 1957 war die RT 125 die beliebteste und meistgekaufte Maschine ihrer Klasse – 1952 war nahezu jede zweite zugelassene Achtellitermaschine in der Bundesrepublik Deutschland eine RT 125 der Auto Union GmbH. Insgesamt wurden rund 133.000 Stück produziert.
Nach großen Verlusten im Motorradgeschäft ging die DKW-Zweiradfertigung der Auto Union GmbH 1957/58 in der Zweirad Union auf, die Produktion der 125er-RT-Baureihe wurde, wie auch die der Schwestermodelle mit 175 bis 350 cm³ Hubraum, nicht weitergeführt. 1966 wurden die DKW-Namensrechte an die Sachs-Gruppe verkauft.
Kopien und Nachbauten in aller Welt
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Produktionsanlagen und Unterlagen für die DKW RT 125 als Reparationsleistung in die Sowjetunion verbracht. In Moskau, später Minsk, wurde auf diesen Maschinen die Produktion der DKW RT 125 als M1A „Moskwa“ sozusagen fortgesetzt, ebenfalls in der Sowjetunion wurde ab 1946 der Nachbau К-125 im Degtjarjowwerk in Kowrow hergestellt. Weitere Teile der DKW-Produktionsanlagen gelangten nach Serpuchow.