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Der Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Ahorne (Acer) in der Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae). Um seine Zugehörigkeit zur Gattung der Ahorne zu betonen, ist in der Botanik die Bindestrichschreibweise üblich und nicht die ansonsten geläufige Schreibweise Bergahorn. Er ist in Europa weit verbreitet und sowohl als Parkbaum als auch forstwirtschaftlich eine wichtige Art seiner Gattung.

Beschreibung mini|links|Baumkrone mini|Borke mini|links|Knospe und Rinde mit Lentizellen mini|Laubblatt

Vegetative Merkmale Der Berg-Ahorn wächst als sommergrüner Baum, der Wuchshöhen von bis über 30 Metern, selten bis über 35 Metern erreicht. Der Stammdurchmesser erreicht über 90 Zentimeter, selten bis über 2 Meter, manchmal bis über 3 Meter.Österreichische Garten-Zeitung. Fünfter Jahrg., 1910, S. 174.Carl Fritzsche: Die Brennstoffe und ihre Anwendung. Wagner, 1843, S. 47.Hermann Wagner: Malerische Botanik. Erster Band, Spamer, 1861, S. 175.Ferdinand Senft: Lehrbuch der forstlichen Botanik. Zweiter Band, Fischer, 1857, S. 235.Conrad Amber: Baumwelten. Franckh-Kosmos, 2017, ISBN 978-3-440-15403-8, S. 18–45 (Bilder und Maße großer Exemplare). Er kann bis 600 Jahre alt werden, sehr selten bis 800 Jahre.Baumexperte Brunner entdeckt Baumriese bei Kaltbrunn In: Südostschweiz. 10. März 2013. Mit aufstrebenden Ästen und einer abgerundeten Krone besitzt er als Solitärpflanze eine eindrucksvolle Gestalt. Es handelt sich um einen Tiefwurzler.

Die glatte Rinde an den Zweigen ist hell-braun-grau und es sind Lentizellen vorhanden. Die grau-braune bis gräuliche Borke ist sehr schwachborkig und blättert im fortgeschrittenen Alter schuppig bis plattig ab. Das Aussehen des Stamms ist dann platanenähnlich.

Die charakteristisch gefärbten Blattknospen des Berg-Ahorns sind olivgrün. Die End- und Seitenknospen sind spitz eiförmig, wobei die Endknospen größer als die Seitenknospen sind. Die Seitenknospen stehen vom Zweig ab und sind kreuzgegenständig angeordnet. Die Knospenschuppen sind grünbraun bis schwarz berandet, zugespitzt, oft etwas gekielt und am Rand bewimpert.

Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der Blattstiel enthält keinen Milchsaft. Die bis etwa 20 Zentimeter lange und meist 10 bis 15 (8 bis 20) Zentimeter breite Blattspreite ist fünflappig, wobei die mittleren drei Blattlappen voll ausgebildet sind. Im Vergleich zum Spitzahorn sind die Blattlappen des Berg-Ahorns kürzer zugespitzt und die Spitzen der Blattlappen nicht in langen, schmalen Zipfeln ausgezogen. Die einzelnen Blattlappen treffen im spitzen Winkel aufeinander. Die spitze bis zugespitzte Blattspreite ist mehr oder weniger herzförmig. Die Blattoberseite ist matt dunkelgrün und die Unterseite ist hell-graugrün bis leicht purpurfarben gefärbt. Die Spreite ist auf den Blattadern und in den Nervenwinkeln leicht behaart. Der Blattrand ist gesägt bis unregelmäßig gekerbt. Die handförmig gelappten Blätter ähneln denen der Platane, worauf das Artepitheton pseudoplatanus hinweist. Die Laubblätter der Wildform färben sich im Herbst intensiv goldgelb oder in großen Höhenlagen rötlich.

Generative Merkmale mini|links|Hängender Blütenstand mini|Weibliche Blüte mini|Männliche Blüten mini|Berg-Ahorn fruchtend mini|Typische Spaltfrucht mit zwei Flügelnüssen Blühfähig (mannbar) ist der Berg-Ahorn erst im Alter von 25 bis 40 Jahren. Der Berg-Ahorn blüht von April bis Mai mit dem Laubaustrieb oder unmittelbar danach. Er ist einhäusig monözisch und dichogam.

In 6–15 cm langen, überhängenden, traubenartigen und meist behaarten Rispen stehen viele Blüten dicht zusammen. Die funktionell eingeschlechtlichen, gelb-grünen und gestielten Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Blütenstiele sind leicht behaart bis kahl. Dabei sind Kelch und Krone sehr ähnlich. Die Anzahl der vorstehenden Staubblätter mit leicht behaarten Staubfäden ist 8 und der Fruchtknoten ist oberständig und weiß-zottig behaart mit kahlem Griffel. Bei weiblichen Blüten sind Staminodien mit Antheroden, bei männlichen ein Pistillode vorhanden. Es ist jeweils in Diskus vorhanden.

Der Berg-Ahorn bildet zweiteilige und geflügelte Spaltfrüchte mit Flügelnüssen (Samara). Die einsamigen Teilfrüchte besitzen jeweils einen Flügel und enthalten jeweils ein kugeliges Nüsschen. Die Teilfrüchte sind 3,5–4,5 cm lang und bis zu 15 mm breit. Die Flügel verbreitern sich zu den Flügelspitzen hin. Die äußeren Ränder der beiden Teilfrüchte bilden zueinander einen rechten bis spitzen Winkel. Hierdurch und durch die Nüsschen unterscheiden sich die Früchte des Berg-Ahorns von denen der anderen Ahorn-Arten Mitteleuropas. An den Fruchtschalen befinden sich innen lange, silberweiße Haare. Die Früchte reifen von Ende August bis Anfang Oktober. Fruchtreife ist von September bis Oktober. Die Teilfrüchte der Spaltfrüchte hängen bis zur Reife zusammen.

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 26; es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 52 vor.

Ökologie Bei der Acer pseudoplatanus handelt es sich um einen Phanerophyten.

Blütenbiologie Die Blüten enthalten viel Nektar. Bestäubung erfolgt durch Insekten und durch Wind.

Ausbreitungsbiologie Die Flügelnüsse sind typische Schraubenflieger mit etwa 16 Umdrehungen pro Sekunde. Vom Wind werden sie oft mehr als 100 Meter weit getragen.

Waldbau Waldbaulich dient der Berg-Ahorn neben der auf geeigneten Standorten vorhandenen hohen Wertleistung auch als wertvolle Mischbaumart der Bodenverbesserung und der ökologischen Bereicherung. Die kräftige, aus Verzweigung der Pfahlwurzel entstandene Herzwurzel erschließt den Boden gut. Sie geht in die Tiefe, ohne sich weiter zu verzweigen. Die Blätter aller Ahorn-Arten verrotten zu bodenpfleglichem Mull. Berg-Ahorn verjüngt sich auf natürliche Weise sehr gut. Als Pionierbaumart kann er Rohböden, Kippen und durch seine bereits früh einsetzende, zahlreiche Fruktifikation auch etwas ärmere Böden erschließen.

Der Berg-Ahorn ist wie der Spitzahorn in der Jugend sehr raschwüchsig. Nach 10 Jahren bereits etwa 4 Meter hoch, kann er nach 20 Jahren etwa 16 Meter Höhe erreichen. Die Endhöhe liegt bei etwa 35 Metern. Das Wachstum lässt auf durchschnittlichen Standorten aber bereits relativ früh nach, so dass sie in der Folge von der Rotbuche eingeholt und überwachsen werden.

„Aufsitzerpflanzen“ oder Epiphyten wie Moose und Flechten nutzen vor allem in höheren Lagen oder feuchten Tälern den Berg-Ahorn als Unterlage, um besser ans Licht zu kommen. Da sie nicht in den Baum eindringen, richten sie keinen Schaden an. Auf der Borke aufsitzende empfindliche Flechten wie die Bartflechten sind ein Zeichen hoher Luftreinheit.Dr. Silvius Wodarz Stiftung (Hrsg.): Der Berg-Ahorn. Baum des Jahres 2009, Marktredwitz 2009.

Umwelteinflüsse und Fraßfeinde Der Berg-Ahorn kann weder längeren Wassermangel noch Überflutungen vertragen. Berg-Ahorn ist frosthart, aber junge Exemplare sind empfindlich gegen späten Frost. Junge Bäume werden von Wühlmäusen benagt und auch Wild verbeißt sie gern, so dass sie häufig vor diesem geschützt werden müssen.

Krankheiten mini|Teerfleckenkrankheit Häufig tritt die besonders auffällige Teerfleckenkrankheit auf, bei der sich die durch den parasitischen Pilz Ahorn-Runzelschorf infizierten Blattpartien schwarz färben. Diese Krankheit tötet den Baum jedoch nicht.

Lebensraum für Insekten mini|Hörnchengallmilbe (Aceria macrorhyncha) an Laubblatt des Berg-Ahorns

Falter Im und vom Holz des Berg-Ahorns leben die Raupen von Weidenbohrer und Blausieb. Von den Blättern leben die Raupen von Ahorneule, Ahornspanner und Haarschuppenspinner.

Motten Die Ahornmotte lebt in aufgerollten Blättern, die Ahornminiermotte in den Früchten. Die Raupe des Ahornwicklers frisst zunächst Samen und nach der Überwinterung zusammengesponnene Blätter. Die Rosskastanienminiermotte nutzt ebenfalls den Berg-Ahorn als sekundäre Wirtspflanze.

Käfer Der Pflasterkäfer (alternativer Name: Spanische Fliege) ernährt sich von Blättern, seine Larven entwickeln sich in Wildbienennestern. Der Ahornblattroller fertigt für seine Jungen Trichterrollen aus Ahornblättern. Die Larven mehrerer Bockkäferarten ernähren sich von trockenen oder bereits morschen Ästen, Zweigen und Wurzelstubben des Berg-Ahorns: Feldahornbock, Schwarzschwänziger Schmalbock, Bunter Scheibenbock, Keulenfüßiger Scheckenbock. Im Holz kranker Bäume lebt auch der Buchennutzholz-Borkenkäfer.

Wildbienen Neben Honigbienen zieht die sehr gute Nektartracht des Berg-Ahorns im Mai bis Anfang JuniDer Bienenweidepflanzenkatalog Baden-Württembergs, Bergahorn, abgerufen am 13. Mai 2024. auch Wildbienenarten wie die Rotpelzige Sandbiene, die Rotschopfige Sandbiene, die Rote Mauerbiene und die Gehörnte Mauerbiene an. An dem Nektar laben sich neben den beiden genannten Mauerbienenarten (Osmia) nach Studien von Paul Westrich insgesamt auch zwei Furchenbienenarten (Lasioglossum) und elf Sandbienenarten (Andrena).

Weitere Insekten Außerdem leben häufig die Hörnchengallmilbe (Aceria macrorhyncha) sowie die Larven der Ahorngallwespe (Pediaspis aceris) in den Ahornblättern.

Vorkommen mini|Verbreitung des Bergahorns × Isolierte Populationen▲ Eingeführte und verwilderte Vorkommen (synanthropisch)Acer pseudoplatanus, Sycamore auf EUFORGEN. mini|Der Bergahorn ist am Aufbau montaner Buchenwälder beteiligt. Dieser starke Bergahorn wächst im Urwald Ilijin do in der Bijela gora in Montenegro mini|Sycamore Gap Tree, Vereinigtes Königreich

Der Berg-Ahorn ist in Europa und Westasien weitverbreitet. Es gibt Fundortangaben für Deutschland, Dänemark, Österreich, die Schweiz, Italien (inklusive Sizilien), Frankreich (inklusive Korsika), Spanien, Portugal, die ehemalige Tschechoslowakei, Ungarn, Polen, Belarus, das ehemalige Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien, Moldawien, Albanien, Griechenland, die Ukraine, Georgien und Ciskaukasien. In Südspanien und Südgriechenland fehlt er.

In Mitteleuropa ist er die häufigste Ahornart. Als Baum des kühl-feuchten Bergklimas liegen seine Verbreitungsschwerpunkte in den mittleren und höheren Lagen der süd- und mitteleuropäischen Gebirge. In den Mittelgebirgen ist er von etwa 900 (Harz und Erzgebirge) bis 1300 Metern heimisch (Bayerischer Wald). Er erreicht Höhenlagen in der Steiermark bis 1700 Metern, im Unterwallis bis 1980 Meter. Der Berg-Ahorn steigt oft gemeinsam mit der Vogelbeere bis in die hochmontane Höhenstufe. In den Allgäuer Alpen steigt er bis zu einer Höhenlage von 1500 Metern auf. Zusammen mit der Buche kommt er aber auch im Hügelland vor und bildet mit Esche und Bergulme die sogenannten Schluchtwälder (Aceri-Fraxinetum). Er ist in Mitteleuropa eine schwache Charakterart des Verbands Tilio-Acerion und kommt auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Fagion oder Alno-Ulmion vor.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w+ (feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).

Acer pseudoplatanus ist in vielen Gebieten mit gemäßigtem Klima ein Neophyt, beispielsweise in Makaronesien, Australien, Neuseeland, Nordamerika und Argentinien. Durch seine Ausbreitungsstrategie mit den Flügelnüssen gilt er in einigen Ländern als invasive Pflanze.

Im westlichen Teil der Norddeutschen Tiefebene, Skandinavien, Belgien und den Niederlanden findet man den Berg-Ahorn nur dort, wo er vom Menschen hingebracht wurde. In Nordeuropa und auf den Britischen Inseln gibt es keine natürlichen Vorkommen des Berg-Ahorns, er wird aber oft kultiviert und kommt dann auch verwildert vor. In Dänemark wird der Berg-Ahorn nach dem deutschen Forstmann Johann Georg von Langen, der als Begründer der planmäßigen Forstwirtschaft Dänemarks gilt, auch als „Von Langens Fußstapfen“ bezeichnet.