Der Parque Arqueológico do Vale do Côa (dt.: Archäologischer Park im Côa-Tal) ist der bedeutendste archäologische Park altsteinzeitlicher Felsbilder in Portugal. Seine Einweihung fand 1996 statt, Gründungsdirektor war der international bekannte Paläoanthropologe João Zilhão. Der Park befindet sich im Distrikt Guarda im Nordosten des Landes. Die nächstgelegene Stadt Vila Nova de Foz Côa hat etwa 3300 Einwohner.
Lage und Bedeutung An den Uferhängen des Flusses Côa wurden von Archäologen Ende der 1980er Jahre Tausende Felsritzungen entdeckt, die aufgrund stilistischer Merkmale und der dargestellten Tiermotive auf ein Alter von etwa 25.000 Jahre geschätzt werden. Die einheimische Bevölkerung, die die Felsritzungen seit langem kannte, hatte sich mit der ungeprüften Erklärung zufriedengegeben, diese stammten von der maurischen Besiedlung der Iberischen Halbinsel.Alves, Lara Bacelar: Rock Art and Enchanted Moors: The Significance of Rock Carvings in the Folklore of North-West Iberia. In: Robert J. Wallis, Kenneth Lymer (Hrsg.): A Permeability of Boundaries? New Approaches to the Archaeology of Art, Religion and Folklore. British Archaeological Reports, International Series S936, Archaeopress, Oxford 2001, S. 71–78. Erst im November 1994 gab ein Team portugiesischer Archäologen, darunter Mila Simões de Abreu und João Zilhão, die Existenz und Bedeutung der Gravuren öffentlich bekannt. Der Anlass war ein Staudammprojekt im Côa-Tal, wobei eine Überflutung des Großteils der Felsritzungen erfolgt wäre. Massive Proteste von Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit konnten die ursprünglich geplante Höhe der Flutung deutlich verringern. Seit 1998 ist das Tal als Weltkulturerbe durch die UNESCO anerkannt. 2010 wurde der Welterbetitel um das benachbarte Siega Verde in Spanien erweitert.
Die in das Schiefergestein geritzten Darstellungen zeigen Auerochsen, Pferde, Hirsche, Steinböcke, aber auch Ziegen und Fische, an beiden Talrändern auf einer Länge von über 17 Kilometern. Es ist eine Galerie unter freiem Himmel mit Darstellungen, wie man sie aus dem Paläolithikum bislang nur in geschützten Höhlen und Abris vorgefunden hatte. Der Schwerpunkt der Darstellungen stammt aus der Zeit des Solutréen, wofür in erster Linie stilistische Vergleiche mit Felsbildern aus Südwestfrankreich und Kantabrien sprechen.
Durch die Jahrtausende nutzten Menschen die Felswände als Zeichenfläche und so entstand eine ausgedehnte Kunstgalerie, in der auch Werke aus der Jungsteinzeit, der Eisenzeit sowie einige neuzeitliche Darstellungen zu finden sind. Dass sich die Kunstwerke an der Oberfläche so gut erhalten haben, hängt mit dem ausgesprochen mediterranen Klima des Tals zusammen, welches eine konservierende Wirkung gehabt hat.
Bei einigen Darstellungen kann man die verschiedenen Techniken der einzelnen Zeitalter gut erkennen: Einige Darstellungen von Tieren sind in gepunkteten Linien gezeichnet, die anfangs direkt, später indirekt mit einem anderen Stein als „Malstein“ in den Schiefer gehauen wurden. Dieser „Zeichen-Technik“ folgten die Ritzzeichnungen, die "echte" Linien ergaben. Sogar Bewegungen haben die Steinzeitmenschen durch mehrfaches Zeichnen der betreffenden Körperteile darzustellen versucht: einige Pferde haben mehrere Köpfe und Schweife, die einen bestimmten Bewegungsablauf nachahmen.
Liste der Welterbestätten UNESCO-ID Name Lage Fläche in ha Beschreibung Bild 866-001 Broeira 4,57 Fundort mit 15 Felszeichnungen, die sich entlang eines langen Hanges am rechten Côa-Ufer verteilen. Um die Mündung eines kleinen Baches herum konzentrieren sich einige prähistorische Pferdedarstellungen. 866-002 Canada do Inferno / Rego da vide 10,09 Canada do Inferno enthält die größten Felskunsttafeln des Côa-Tales. Die Felszeichnungen zeigen tierförmige und ein paar seltene geometrische und abstrakte Motive, die vom Gravettien über das Solutréen bis ins Magdalénien datieren. 150px 866-003 Faia 5,94 Im Gegensatz zu den anderen Fundorten überwiegen hier gemalte Motive. Einziges Beispiel im Côa-Tal eines sowohl eingravierten als auch gemalten Auerochsen. 866-004 Faia – Vale Afonsinho 3,03 866-005 Fonte Frieira 1,57 866-006 Meijapão 2,07 Kleines Tal am rechten Ufer des Côa, mit drei prähistorischen Felszeichnungen. Auf zwei der Tafeln wurden während der Eisenzeit geometrische Motive, Reiter, Waffen und Tiere hinzugefügt. 866-007 Penascosa 22,32 An einem steilen Hang über dem rechten Ufer des Coa liegen verstreut 36 identifizierte Aufschlüsse mit Felszeichnungen, von denen die meisten ins Jungpaläolithikum datieren. Einige der größten Tafeln des Parks, wie etwa Rock 5 und Rock 10, befinden sich hier. 150px|Pferdefigur mit zwei Ziegen 866-008 Quinta da Barca 20,48 Rock 1 („Spaghettifelsen“) enthält die höchste Konzentration übereinanderliegender Motive, Rock 3 zeigt einen männlichen Steinbock mit zwei Köpfen 866-009 Quinta da Ervamoira 9,53 Flussterrasse am linken Ufer des Côa, nördlich davon befindet sich eine kleine Felsengruppe mit Spuren von Felszeichnungen 866-010 Quinta do Fariseu 10,09 16 jungpaläolithische Felszeichnungen mit Pferde-, Steinbock- und Auerochsmotiven 866-011 Ribeira de Piscos / Quinta dos Poios 12,40 Enthält einige der schönsten Zeichnungen des Tales. Insgesamt 42 identifizierte Paneele verteilen sich entlang der letzten zwei Kilometer des Piscos und rund um die Mündung in den Côa, die meisten davon datieren ins späte Jungpaläolithikum. Die Felsen zeigen menschliche Motive als auch Pferde, Steinböcke und Auerochsen. 866-012 Ribeirinha 6,11 Granitüberhang mit spätprähistorischen Schemazeichnungen, viele rotfarbige, meist menschenähnliche Figuren 866-013 Salto do Boi 5,16 866-014 Vale de Figueira / Teixugo 8,73 sieben Felstafeln mit gepickten Auerochsen, gestreiften Hirschen und linienförmige Gravuren („Fingernägel des Teufels“) 866-015 Vale de Moinhos 4,57 Neben Darstellungen aus der Eisenzeit enthält der Fundort Felszeichnungen mit Pferden, Fischen und einem Hirsch. 866-016 Vale de Namoradas 3,70
Literatur Günter Grünig: Foz-Côa. Eiszeitliche Felsbild-Kunst in Portugal (= Höhlen – Felsen – Kunstwerke. Bd. 1). Greiner, Remshalden 2007, ISBN 978-3-86705-011-1. Thomas G. Schattner (Hrsg.): Archäologischer Wegweiser durch Portugal (= Kulturgeschichte der Antiken Welt. Bd. 74). Philipp von Zabern, Mainz 1998, ISBN 3-8053-2313-1, S. 88
Film Côa, Tal der 1.000 Gemälde. Dokumentarfilm, Frankreich, Niederlande, Portugal, 2006, 52 Min., Regie: Jean-Luc Bouvret, Produktion: arte, Inhaltsangabe von arte
Siehe auch Liste von Freilichtmuseen
Weblinks
Patrimonio Cultural do Vale do Côa (englisch/portugiesisch) abgerufen am 16. September 2014 Internetpräsenz des Parks (portugiesisch) abgerufen am 16. September 2014 Museum von Coa (portugiesisch/englisch) abgerufen am 16. September 2014
Einzelnachweise
Kategorie:Monumento Nacional (Portugal) Vale do Coa Vale do Coa Kategorie:Freilichtmuseum in Portugal Kategorie:Petroglyphe Kategorie:Vale do Côa Kategorie:Welterbestätte in Europa Kategorie:Welterbestätte in Portugal Kategorie:Weltkulturerbestätte Kategorie:Museum für Ur- und Frühgeschichte Kategorie:Solutréen Kategorie:Vorgeschichte Portugals Kategorie:Ur- und Frühgeschichte (Iberische Halbinsel) Kategorie:Museumsgründung 1996