Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e. V. (VdRBw) ist mit rund 110.000 Mitgliedern die größte Vereinigung ehemaliger Soldaten der Bundeswehr. Er wurde 1960 in Bonn gegründet. Als besonders beauftragter Träger der Reservistenarbeit außerhalb der Bundeswehr erhält er gemäß § 26 Abs. 3 BHO (Institutionelle Förderung/Zuschüsse an Einrichtungen) für die lebenslange Betreuung, Ausbildung und Information aller Reservisten finanzielle Zuwendungen aus dem Verteidigungshaushalt.

Im Auftrag der Bundeswehr betreut der Verband alle Reservisten sowie Ungediente – unabhängig von einer Mitgliedschaft – nach den Vorgaben des Bundesministeriums der Verteidigung. Er hat den Auftrag, sie als Mittler für die Bundeswehr in der Gesellschaft zu gewinnen, sie für die Wahrnehmung ihrer Mittlertätigkeit weiterzubilden und deren Interessen zu vertreten sowie einen Beitrag zur Ausbildung der Reservisten der Bundeswehr für militärische Aufgaben zu leisten.

Geschichte 1960er Jahre Am 22. Januar 1960 gründeten 27 Reservisten im Bonner Bürgerverein in Anwesenheit von Abgeordneten des Deutschen Bundestags, des Bundesministeriums für Verteidigung und des deutschen Bundeswehrverbandes in einer gemeinsamen Entschließung offiziell den „Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e. V.“ Unter den 27 Reservisten waren sämtliche Dienstgrade vom Gefreiten d. R. bis zum Oberstleutnant d. R. aus allen Teilstreitkräften der Bundeswehr vertreten. Die Teilnehmer kamen aus allen sechs Wehrbereichen.

Diesem Schritt vorausgegangen war die Bildung regionaler Reservistenvereinigungen in Bayern, Bremen und Niedersachsen. Das erklärte Ziel bestand insbesondere darin, die bereits damals schon vielen Tausend wieder ins zivile Leben entlassenen Grundwehrdienstleistenden weiter an die Bundeswehr zu binden, um so die westdeutschen Streitkräfte in ihrem Verteidigungsauftrag zu stärken. Der Reservistenverband verknüpfte das Interesse von ehemaligen Wehrpflichtigen, mit Kameraden Kontakt zu halten, mit dem Interesse der Bundeswehr, das Reservoir ehemaliger Soldaten weiterhin aufrechtzuerhalten.

Die Gründungsmitglieder verabschiedeten am 22. Januar 1960 eine Satzung und wählten einen Bundesvorstand mit Major d. R. Adalbert Weinstein, einem Militärjournalisten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, an der Spitze. Er schuf wesentliche Grundlagen wie die Gründung der Verbandszeitung „Die Reserve“, dem heutigen Magazin „.loyal“. Gleichzeitig wurde die Gliederung in Landesgruppen und ein Verbandswappen eingeführt. Auf einer Arbeitsbesprechung im Februar 1960 sagte Verteidigungsminister Franz Josef Strauß dem Verband finanzielle Mittel für die Betreuung der Reservisten, die Einrichtung einer Geschäftsstelle und hauptamtliches Personal zu. 1964 beschloss der Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages die alleinige Zuständigkeit des Verbandes für die Betreuung und die Weiterbildung der Reservisten. 1965 zählte der Verband bereits mehr als 19.000 Mitglieder.

1970/80er Jahre 1969 wurde Oberst d. R. Rudolf Woller Präsident des Reservistenverbandes und initiierte eine Neuausrichtung. Folglich wurde 1971 die erste Reservistenkonzeption erlassen, in welcher eine wichtige hoheitliche Aufgabe festgeschrieben wurde: die Aus- und Weiterbildung der Reserve außerhalb von Wehrübungen. Die Bundesregierung erteilte dem Verband damit den Auftrag zur Übernahme der Allgemeinen Reservistenarbeit (heute: beorderungsunabhängige freiwillige Reservistenarbeit). Ziel hinter diesem Schritt war die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit und des Verteidigungswillens der Bevölkerung.

1990er Jahre Nach der deutschen Wiedervereinigung konnten Reservisten der aufgelösten Nationalen Volksarmee ihre Dienstgrade nicht mehr führen und nicht ordentliche Mitglieder des Verbandes, sondern nur Fördermitglieder werden. Dennoch wurde bereits am 29. September 1990 in Tonndorf die erste Reservistenkameradschaft in den neuen Ländern gegründet; erste Landesgruppe war 1991 die Landesgruppe Berlin.

Die veränderte sicherheitspolitische Lage änderte auch zunehmend das Einsatzspektrum der Reserve. Mit ihrem Spezialwissen nahmen Reservisten an den ersten Auslandseinsätzen der Bundeswehr teil. Auch wurden Journalisten als Presseoffiziere eingesetzt.

In den 90er Jahren entstanden Schwierigkeiten für den Verband durch die Verkleinerung der Bundeswehr. Die Schließung von Standorten und die Auflösung der Verteidigungskreiskommandos bewirkten eine Ausdünnung der Geschäftsstellenstruktur.

Im Mai 1998 ging die erste Internetseite des Verbandes online.

2000er Jahre 2003 erließ der damalige Verteidigungsminister Peter Struck eine neue Konzeption für Reservisten der Bundeswehr. 2004 erging durch den Generalinspekteur der Bundeswehr die Richtlinie für die beorderungsunabhängige, freiwillige Reservistenarbeit (RiLiResArb).Richtlinie für die beorderungsunabhängige, freiwillige Reservistenarbeit (RiLiResArb) Stand 29. Juni 2004

Einen Einschnitt bedeutete die Aussetzung der Pflicht zur Ableistung des Grundwehrdienstes und der damit einhergehende Verlust des Rekrutierungspotentials durch die ausscheidenden Wehrpflichtigen. Der Fokus rückte daher vor allem auf ehemalige Soldaten auf Zeit und Berufssoldaten und auf die Ausbildung von Ungedienten zu Reservisten sowie auf eine gesellschaftliche Debatte zur Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht und zur Aufstellung von Landesregimentern, die gleichzeitig eine wichtige Lücke in der Landesverteidigung schließen sollen.

Im Oktober 2019 erschien die Strategie der Reserve. Vision Reserve 2032 plus mit der Beschreibung neuer Verfahren für Beorderung, Ausbildung und Ausstattung von Reservisten. Es wurde das Prinzip der Grundbeorderung eingeführt, welches ausscheidenden Soldaten auf Zeit direkt eine konkrete Stelle als Reservist in den Streitkräften zuweist. Sechs Jahre lang sind die Reservisten dort beordert und rücken im Spannungsfall bzw. Verteidigungsfall ein.

Aufgaben Der Verband ist die größte Vereinigung ehemaliger Soldaten der Bundeswehr. Als besonders beauftragter Träger der Reservistenarbeit außerhalb der Bundeswehr sorgt er für die lebenslange Betreuung, Ausbildung und Information aller Reservisten und von Ungedienten nach den Vorgaben des Bundestages und des Verteidigungsministeriums und wirkt als Mittler für die Bundeswehr in der Gesellschaft. Überparteilich vertritt er die freiheitliche demokratische Grundordnung Deutschlands und trägt zur sicherheitspolitischen Bewusstseinsbildung bei.

Zum Vereinsalltag gehört neben der klassischen Reservistenarbeit wie Ausbildung, Märsche, Schießübungen, sicherheitspolitische Information und Kameradschaftstreffen auch die Mitarbeit in übernationalen Verbänden wie der Confédération Interalliée des Officiers de Réserve (CIOR), der Conféderation Interalliée des Officiers Mèdicaux de Réserve (CIOMR), der Confédération Interalliée des Sous-Officiers de Réserve (CISOR) und der Gaminger Initiative. Ferner fördert der Verband mit seinen Mitteln den Bundesverband Sicherheitspolitik an Hochschulen (BSH).

Den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge unterstützt der Verband bei der Pflege von mehr als 830 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten durch Freiwillige und mit Spendensammlungen.

Seit Dezember 2010 hilft der Verband über das Netzwerk „Psycho-Soziale Kameradenhilfe“ Reservisten und Angehörigen, die unter einsatzbedingten psychischen Schädigungen einschließlich posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS) leiden.

Im März 2020 sicherte Verbandspräsident Sensburg der Bundeswehr die Unterstützung der Reservisten im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie zu. Die Reserve stehe „Gewehr bei Fuß“, da sich viele Reservisten meldeten, um zu helfen und zu unterstützen. Allein von den 110.000 Mitgliedern des Reservistenverbandes sind mehr als 1000 im Sanitätsdienst engagiert. Bis Anfang April hatten sich mehr als 15.000 Reservisten freiwillig gemeldet.

Struktur Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V wird durch ein ehrenamtliches Präsidium geführt, das alle vier Jahre durch die Bundesdelegiertenversammlung gewählt wird. Der Verband hat rund 110.000 Mitglieder. Sie sind Reservisten (ordentliche Mitglieder), Soldaten (außerordentliche Mitglieder) und interessierte Bürger ohne Bundeswehrhintergrund (Fördermitglieder). Der Verband gliedert sich in den Bundesverband, Landesgruppen, Bezirksgruppen (nur in Bayern und Nordrhein-Westfalen), Kreisgruppen und Reservistenkameradschaften (RK). Für die Förderung und Weiterbildung in besonderen Fachgebieten und Dienstgradgruppen bestehen zudem Reservistenarbeitsgemeinschaften (RAG) und Arbeitskreise (AK). mini|Bundesgeschäftsführer Christoph Max vom Hagen Die rund 3.000 Reservistenkameradschaften und RAG/AK, darunter auch 20 Reservistenmusikzüge, sind flächendeckend über Deutschland verteilt und bilden die Basisorganisation des Vereinslebens und für die kameradschaftliche Betreuung der Reserve. Rund 280 hauptamtliche Mitarbeiter unterstützen in mehr als 100 Geschäftsstellen die Arbeit der ehrenamtlichen Mandats- und Funktionsträger und sind Ansprechpartner für alle Fragen der Reservistenarbeit vor Ort.

Der Verband hat seit Ende 2015 seinen vereinsrechtlichen Sitz in Berlin, während sich der Großteil der Bundesgeschäftsstelle weiterhin am Gründungsort des Reservistenverbandes in Bonn befindet.

Seit 2017 ist Christoph Max vom Hagen Bundesgeschäftsführer des Reservistenverbandes.

Unterstützung der Bundeswehr Der Reservistenverband erbringt verschiedene Unterstützungsleistung für die Bundeswehr: Repräsentanz: Übernahme von Aufgaben, die der Darstellung der Bundeswehr in der Öffentlichkeit dienen, etwa mit Infoständen oder Auftritten der Reservistenmusikzüge Spezialisten: Unterstützung durch Spezialisten für Verwendungen im In- und Ausland, z. B. durch einen wesentlichen Beitrag zur Rekrutierung von ehemaligen Soldaten und Ungedienten mit fundierten Kenntnissen im IT-Bereich für den Cyber- und Informationsraum (CIR) der Bundeswehr Vermittlung: Unterstützung bei Vermittlung von Reservisten bei Katastrophen und Unglücksfällen, etwa in der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020, bei der mehr als 15.000 Reservisten ihre Unterstützung anboten Spezielle Unterstützung: Wahrnehmung zahlreicher Funktionen durch Reservisten zur Entlastung der Truppe

Militärische Ausbildung Der Reservistenverband bietet zahlreiche Aus- und Weiterbildungen in den verschiedensten Themenkomplexen an:

Gefechtsdienst aller Truppen Das Herzstück der militärischen Ausbildung ist der Gefechtsdienst. In dieser sogenannten „grünen Ausbildung“ übt der Reservist z. B. das Orientieren im Gelände, Tarnen, Melden, Funksprechverkehr und das Leben im Felde. Dazu kommt der umfangreiche Wachdienst in der Bundeswehr und die Grundlagen des Einzelschützen im Gefecht, wie beispielsweise Patrouillenausbildung oder die Sicherung von Räumen und Objekten.

Waffenausbildung Der Reservistenverband bietet eine auf die Bundeswehrgrundsätze abgestimmte Schießausbildung und organisiert gemeinsam mit der Bundeswehr Schießausbildungstage, an denen der scharfe Schuss mit militärischen Waffen geübt wird.

Taktik Zur Verbesserung der Führungsfähigkeit bietet der Reservistenverband Offizieren und Unteroffizieren mit Portepee unterschiedliche Aus- und Weiterbildungen in der Truppenführung an. Hier erlangen die Teilnehmer Wissen über die Einsatzmittel und -grundsätze der Truppengattungen sowie über die militärischen Symbole. Ferner wird der Führungsprozess im Rahmen des Gefechts der verbundenen Waffen anhand von Beispielen der offensiven, defensiven, stabilisierenden und voraussetzungsschaffenden Aktivitäten trainiert.

Sanitätsausbildung Speziell qualifiziertes Personal macht aus Reservisten potenzielle Lebensretter und unterrichtet in Erster Hilfe mit Schwerpunkt auf der militärischen Qualifikation zum Einsatzersthelfer Alpha (EEH-A).

IGF/KLF