Das ifa – Institut für Auslandsbeziehungen e. V. ist eine deutsche Mittlerorganisation für den internationalen Kulturaustausch mit Sitz in Stuttgart und in Berlin. Als älteste deutsche Mittlerorganisation für Auswärtige Kulturpolitik engagiert sich das ifa weltweit für Kunstaustausch, den Dialog der Zivilgesellschaften und die Vermittlung außenkulturpolitischer Informationen.

mini|Im „Alten Waisenhaus“ am Stuttgarter Charlottenplatz ist seit 1925 der Sitz des ifa. (Foto: 2010)

Geschichte Gründung (1917) Am 10. Januar 1917 wurde per Dekret des württembergischen Königs Wilhelm II.Vgl. Landeshauptstadt Stuttgart Referat Kultur/Bildung und Sport (4. August 2006): GRDrs 629/2006, Institut für Auslandsbeziehungen Beschlussvorlage - Zuwendungen 2006 und 2007, www.stuttgart.de. in Stuttgart der Vorläufer des heutigen Instituts für Auslandsbeziehungen gegründet. Das Museum und Institut zur Kunde des Auslandsdeutschtums und zur Förderung deutscher Interessen im Ausland, das noch im selben Jahr in Deutsches Ausland-Institut (DAI) umbenannt wurde, ging vor allem auf die Idee und den Einsatz des Stuttgarter Unternehmers Theodor Wanner (1875–1955) zurück. Das Institut wurde gemeinsam vom Deutschen Reich, vom Königreich Württemberg und der Stadt Stuttgart getragen.

Nachkriegszeit und Weimarer Republik: die Aufbauphase (1918 bis 1933) Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 war das DAI bemüht, das ruinierte Ansehen Deutschlands in der Welt und die soziale Stellung der Auslandsdeutschen zu verbessern. So war das Institut in der Folge vor allem für die Beratung von Auswanderungswilligen, für die Betreuung von Auslandsdeutschen, aber auch für die Organisation von Ausstellungen und die Herausgabe einer Zeitschrift verantwortlich. Der wissenschaftliche Charakter des Instituts wurde darüber hinaus durch eine auslandskundliche Fachbibliothek, den Presse- und Nachrichtendienst sowie sein umfangreiches Archiv gestärkt. Geleitet wurde das DAI in dieser Zeit von Theodor Wanner und dem Staatswissenschaftler und Publizisten Fritz Wertheimer (1884–1968), der ab 1. Oktober 1918 als Generalsekretär amtierte. In der Zeit der Weimarer Republik wurde das DAI in mehrere, nach Regionen und Zuständigkeitsbereichen unterteilte Sachabteilungen gegliedert. 1926 entstand außerdem ein Nordamerika-Referat. In den Jahren 1926/1927 hatte das Institut etwa 50 Angestellte. Untergebracht war das DAI seit dem Frühjahr 1925 in einem ehemaligen, vom Architekten Paul Schmitthenner umgebauten, Waisenhaus am Stuttgarter Charlottenplatz. Das Gebäude wurde 1924 als „Haus des Deutschtums“ eingeweiht. Neben den Räumlichkeiten für die verschiedenen Abteilungen umfasste der Komplex ein Rundfunkstudio. Dieses nutzten Wanner und Wertheimer, um eigene DAI-Rundfunkbeiträge zu produzieren, die meist über den Südfunk ausgestrahlt wurden. Darüber hinaus erschienen im DAI neben der von Wertheimer herausgegebenen Halbmonatsschrift Der Auslandsdeutsche einige Buchreihen und wissenschaftliche Handbücher. Ab 1928 mussten infolge von finanziellen Schwierigkeiten vor allem die Ausstellungsaktivitäten eingeschränkt werden. Doch wurde die Arbeit des Instituts auch von den politischen Unsicherheiten und Unruhen im Land beeinträchtigt. So sah sich die Geschäftsführung des DAI immer wieder Angriffen von Seiten der aufstrebenden rechtsradikalen Kräfte ausgesetzt.

Zeit des Nationalsozialismus (1933 bis 1945)

Die Machtübertragung an die Nationalsozialisten hatte für das DAI tiefgreifende Konsequenzen. Am 7. März 1933 wurde der Sitz des Instituts von der SA besetzt. Das DAI wurde gleichgeschaltet. Fritz Wertheimer wurde aufgrund seiner jüdischen Abstammung widerrechtlich abgesetzt. Später wanderte er nach Brasilien aus. Auch der Gründer und Vorstandsvorsitzende Theodor Wanner wurde unrechtmäßig seines Amtes enthoben. Ihn ersetzte der Stuttgarter NSDAP-Oberbürgermeister Karl Strölin (1890–1963), der die Präsidentschaft übernahm. Zum Institutsleiter wurde Richard Csaki (1886–1943) ernannt, der sein Amt dann 1941 an den Nationalsozialisten Hermann Rüdiger (1889–1946) abgab. Unter der neuen Führung wurde das Institut zweckentfremdet und später als Instrument der nationalsozialistischen Rassenpolitik missbraucht. Die Aufgaben und Zuständigkeiten wandelten sich grundlegend. Sie wurden 1934 in der Broschüre Neue Aufgaben des Deutschen Ausland-Instituts beschrieben. Demnach sollte sich das Institut in Zukunft vor allem darum kümmern, die nationalsozialistische Weltanschauung unter den Auslandsdeutschen zu verbreiten und sie ggf. zu Soldaten des Dritten Reichs auszubilden. Die Umfunktionierung der Auslandsdeutschen als „fünfte Kolonne“ des NS-Regimes wurde in mehreren Ländern, so unter anderem in den USA versucht. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich das DAI zu einem Planungszentrum der Volkstumspolitik des Hitler-Regimes. Ab 1937 war es Bestandteil einzelner Schritte deutscher Okkupationspolitik unter dem Deckmantel „Heim ins Reich“, die auch mit nachrichtendienstlichen und kriegspsychologischen Mitteln und Methoden betrieben wurde. Auf dem Programm standen die Propagierung der deutschen „Rassenpolitik“ und die „Eindeutschung“ ausländischer Gebiete. So war das DAI u. a. an der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Umsiedlungen in den eroberten osteuropäischen Gebieten beteiligt. Es bestanden eine enge Zusammenarbeit und ein reger Informationsaustausch mit der Gestapo, der NSDAP und dem Außenpolitischen Amt der NSDAP. Wie wichtig das DAI für die neuen Machthaber war, zeigt die stetige Vergrößerung, die das Institut unter der Herrschaft der Nationalsozialisten erfuhr. Zählte das DAI 1926/1927 noch etwa 50 Angestellte, so stieg diese Zahl bis zum Kriegsausbruch 1939 auf 157 an. Gleichzeitig wurde auch der Etat kontinuierlich erhöht. Zu den Geldgebern zählte ab 1935 auch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda.

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs weitete das DAI seine Aktivitäten aus, vor allem unterstützte es die nationalsozialistische, rassistische Propaganda. Darüber hinaus nahm das Institut auch unmittelbar Einfluss auf das Kriegsgeschehen. Das DAI stellte Karten bereit, die über die Verteilung der Bevölkerungsgruppen in Osteuropa Auskunft gaben und somit wesentliche Informationen für Umsiedlungsaktionen und Deportationen in den besetzten Gebieten lieferten. Es entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit mit der SS. Immer wieder wurden außerdem unliebsame Ratsuchende denunziert. Durch den erfolgreichen Vormarsch der Alliierten wurde die Arbeit des DAI in den folgenden Jahren immer weiter eingeschränkt. 1943 endete sie vorübergehend.

Nachkriegszeit und Neugründung (1949 bis 1951) Nach dem Krieg wurde das DAI von den amerikanischen Besatzungsbehörden als „belastet“ eingestuft. Diese Qualifizierung hinderte aber weder eine Wiedereröffnung unter dem neuen Titel Institut für Auslandsbeziehungen, noch schadete sie einer weiteren Karriere der beim DAI beschäftigten „Volkstumswissenschaftler“. Am 5. Juli 1949 wurde die Neugründung beschlossen, verbunden mit der Umbenennung in Institut für Auslandsbeziehungen (ifa). 1951 erfolgte die offizielle Wiederaufnahme der Tätigkeiten des Instituts. Bundespräsident Theodor Heuss bezeichnete das Institut in seiner Rede anlässlich der Wiedereröffnung als „Elementarschule für den Verkehr mit dem Ausland“, einem „Umschlagplatz“ im kulturellen Geben und Nehmen. Franz Thierfelder (1896–1963) sollte den Neuanfang als Generalsekretär des ifa in die Wege leiten. Doch war der Kulturpolitiker aufgrund seiner ideologischen Schriften zur Zeit des Dritten Reiches umstritten. Tatsächlich aber legte Thierfelder, der die Entnazifizierung unbeschadet überstanden hatte, seine alten Vorstellungen ab. Nach seiner Vorstellung sollte sich das Institut von nun an vor allem dafür einsetzen, „Fremdes“ verständlich zu machen und dem Ausland die eigene Kultur näher zu bringen. Die vom Institut propagierte Abkehr von der Vergangenheit wurde im Auswärtigen Amt positiv aufgenommen und mit finanzieller Unterstützung honoriert. Dies sicherte das langfristige Fortbestehen des ifa.

Neuanfang (1951 bis 1989) Der Neuanfang des ifa gestaltete sich schwierig. Der Ruf des Instituts war nach der NS-Zeit lädiert; viele Kontakte, zum Beispiel nach Osteuropa, waren weggebrochen; es begann die Zeit des Kalten Krieges. Hinzu kamen die Konkurrenz zu anderen Mittlerorganisationen wie dem Goethe-Institut, ein geringerer finanzieller Spielraum als zuvor und die eingeschränkte Sichtbarkeit im Ausland, die auch auf die damalige Außenpolitik zurückzuführen war, die der Kultur kaum Bedeutung zumaß. Der Wirkungsgrad des ifa blieb in dieser Zeit entsprechend begrenzt. Die Tätigkeiten des Instituts bestanden in der Auswandererberatung, der Herausgabe einer eigenen Zeitschrift (1951–1962 Mitteilungen, ab 1962 Zeitschrift für Kulturaustausch und seit 2022 Kulturaustausch – Magazin für internationale Perspektiven), dem Ausbau der hauseigenen Bibliothek, dem Auslandsversand von Büchergaben und der Organisation von Ausstellungen. Erst nach und nach wurden die Beziehungen zu anderen Ländern wieder enger, der gesellschaftliche Einfluss des ifa wuchs. Mit der eigenen Position während des Nationalsozialismus begann sich das Institut allerdings erst ab den 1960er-Jahren auseinanderzusetzen. Im Mai 1971 wurde die spätere ifa-Galerie in Stuttgart eröffnet.https://www.ifa.de/ausstellungen/ifa-galerie-stuttgart/ Anfang der 1970er Jahre ging außerdem die Vermittlung von Ausstellungen deutscher Kunst ins Ausland in die alleinige Verantwortung des ifa über. 1971 wurde dem ifa vom Auswärtigen Amt die Koordination des Deutschen Pavillons auf der Biennale in Venedig übertragen.

Nach der Wiedervereinigung (ab 1990) Der Mauerfall und die Deutsche Wiedervereinigung zogen auch für das ifa bedeutende Veränderungen nach sich. Aufmerksamkeit erregte dabei vor allem die Übernahme der Kunstsammlung des ehemaligen ZfK (Zentrum für Kunstausstellungen der DDR) durch das ifa. In der Zeit der innerdeutschen Teilung stellte das ZfK das ostdeutsche Pendant zum ifa dar. Es war u. a. für die Organisation von Ausstellungen im In- und Ausland und den Kulturaustausch der DDR verantwortlich. Die Kunstsammlung des ZfK umfasste Druckgrafiken, Papierarbeiten, Fotografien und Malereien zahlreicher ostdeutscher Künstler, insgesamt etwa 10.500 Werke. Diese sollten nun, gemäß den Vereinbarungen der Einheitsverträge, in den Bestand des ifa übergehen. Doch stieß der Plan in den Gebieten der ehemaligen DDR auf großen Widerstand. Empört äußerten sich ostdeutsche Medien über die „feindliche Übernahme“ durch das Stuttgarter Institut. In der Folge forderte ein Zusammenschluss mehrerer ostdeutscher Museen die Übergabe diverser Kunstwerke in die eigenen Sammlungen. Unter dem Druck der Museen und der Medien wurden einen Monat vor der Übernahme des ehemaligen ZfK-Bestandes 219 museumswürdige Kunstwerke an mehrere ostdeutsche Museen übergeben. Nach der Wiedervereinigung weitete das ifa seine Aktivitäten auch auf die neuen Bundesländer aus. So bemühte man sich um den Ankauf von Kunstwerken ostdeutscher Künstler und um deren Ausstellung. Darüber hinaus wurde 1991 eine ifa-Galerie an der Linienstraße in Berlin eröffnet.https://www.ifa.de/ausstellungen/ifa-galerie-berlin/ Außerdem arbeitete das ifa intensiv daran, seine Sichtbarkeit im Ausland und im außenpolitischen Gefüge Deutschlands zu verbessern. Dies konnte auch mit Hilfe diverser Förderprogramme (u. a. zivik – Zivile Konfliktbearbeitung, das CrossCulture Programm und Kunstförderung), mehrerer Tourneeausstellungen, eines Forschungsprogramms, der Fachbibliothek für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, der Zeitschrift Kulturaustausch sowie zahlreicher Publikationen erreicht werden.