Die Amtshauptmannschaft Flöha war eine Verwaltungseinheit in Sachsen. Sie bestand vom 15. Oktober 1874 bis zum 31. Dezember 1938 und danach als Landkreis Flöha bis zum 24. Juni 1952. Ihr Gebiet gehört heute größtenteils zum Landkreis Mittelsachsen in Sachsen.

Geschichte Am 15. Oktober 1874 wurden im Königreich Sachsen im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform neue Kreishauptmannschaften und Amtshauptmannschaften eingerichtet, auf Grundlage des Gesetzes über die Organisation der Behörden für die innere Verwaltung vom 21. April 1873 in Verbindung mit der Durchführungsverordnung vom 20. August 1874. Aus den Bezirken der Gerichtsämter Augustusburg (ohne die Gemeinden Euba, Großwaltersdorf und Kleinhartmannsdorf), Frankenberg, Oederan, Zschopau (ohne die Gemeinde Kemtau) und der Gemeinde Hohndorf vom Gerichtsamt Wolkenstein wurde die neue Amtshauptmannschaft Flöha gebildet. Der Aufgabenbereich der Gerichtsämter bleibt von diesem Zeitpunkt an auf Justizangelegenheiten beschränkt.

Amtshauptleute und Landräte 15. Oktober 1874 – 30. März 1882: Paul von Weissenbach 1. April 1882 – 30. April 1882: Anselm Rumpelt (interim) 1. Mai 1882 – 22. Februar 1884: Maximilian Forker-Schubauer 1. März 1884 – 30. September 1892: Julius von GeheAdressbuch Frankenberg in Sachsen 1885, Seite 8.Tage-Buch geführt von K. Hunger, ahnenforschung-liebert.de 3. Oktober 1892 – 31. März 1897: Hans von Teubern 1. April 1897 – 28. Februar 1901: Hugo von Loeben 1. April 1901 – 30. Juni 1904: Kurt Morgenstern 1. Juli 1904 – 2. September 1909: Karl Dost 1. November 1909 – 31. Oktober 1910: Ernst Thiele 1. November 1910 – 1919: Franz R. Edelmann 1919–1921: Friedrich Ilberg 1921–1923: Wolfgang Schettler 1923–1925: Bernhard Kuhnt 1925–1934: Richard Oesterhelt, nach ihm ist die Oesterhelt-Brücke in Braunsdorf (Niederwiesa) benannt. 1934–1. November 1937: Helmuth Haupt 1938–1944: Woldemar Kalkoff 1944–1945: Paul Zimmermann 8. Mai 1945 – Juli 1945: Pawlowski August 1945 – Dezember 1946: Glöckner Dezember 1946 – Januar 1947: Herbert Liebscher (kommissarisch) 14. Januar 1947 – 1950: Richard Engelmann 1950: Anneliese Gebel (kommissarisch)

Verwaltungssitz Mit Wirkung vom 15. Oktober 1874 erhielt Flöha den Sitz der Amtshauptmannschaft. Damit war es das einzige Dorf in Sachsen, das eine Amtshauptmannschaft erhielt. Zunächst hatte sie ihre Amtsräume im Haus des Gemeindevorstandes Liebert am Schulberg in Flöha. Vom Sommer 1875 an wurde im heutigen Ortsteil Plaue gebaut; Einzug wurde im Oktober 1876 gefeiert.

Landkreis Flöha Aufgrund reichseinheitlicher Regelung wurden die sächsischen Amtshauptmannschaften ab dem 1. Januar 1939 in Landkreise umbenannt. Der Landkreis Flöha existierte bis zu den Kreisreformen in der DDR im Juli 1952 in diesen Grenzen, am 25. Juni 1952 wurde er in die Kreise Flöha, Zschopau, Hainichen und Chemnitz-Land aufgeteilt.

Übergeordnete Institution Nachdem die Amtshauptmannschaft Flöha zunächst zur Kreishauptmannschaft Zwickau gehört hatte, wurde sie am 1. Oktober 1900 mit den Amtshauptmannschaften Annaberg, Chemnitz, Glauchau und Marienberg der neuen Kreishauptmannschaft Chemnitz untergeordnet.

Gliederung Der Amtshauptmannschaft gehörten 1910 61 Kommunen, darunter 3 Städte und 58 Gemeinden, an. Einzelne selbständige Gutsbezirke waren gesondert aufgeführt, sind aber in den Einwohnerzahlen der umliegenden Gemeinden aufgeführt. +Einwohner nach Kommune zum 1. Dezember 1910StadtEinwohnerzahlGemeindeEinwohnerzahlselbständiger Gutsbezirk (1. Dez. 1900)EinwohnerzahlAMTSHAUPTMANNSCHAFT gesamt: 98.018Städte28.784Gemeinden69.2341Frankenberg13.5764Ebersdorf5.269Landesanstalten Sachsenburg2942Zschopau6.7325Eppendorf4.879Rittergut Lichtenwalde843Öderan5.9856Flöha3.875Rittergut Erdmannsdorf7810Augustusburg2.4917Leubsdorf2.887Rittergut Börnichen578Plaue-Bernsdorf2.796Rittergut Auerswalde449Borstendorf2.721Rittergut Wingendorf4211Dittersdorf2.458Gut Dittersdorf4112Krumhermersdorf2.333Kammergut Sachsenburg3113Grünhainichen2.248Rittergut Weißbach2714Falkenau2.189Gut Neubau1415Auerswalde1.959Staatsforstrevier Frankenberg916Niederwiesa1.935Rittergut Schlößchen-Porschendorf817Weißbach1.784Staatsforstrevier Augustusburg618Waldkirchen1.756Staatsforstrevier Borstendorf19Erdmannsdorf1.689Staatsforstrevier Dittersdorf[Anm. 1 am Tabellenende]020Oberwiesa1.681Rittergut Krumhermersdorf21Gornau1.584Staatsforstrevier Lengefeld (Anteil)[Anm. 2 am Tabellenende]22Marbach1.448Staatsforstrevier Plaue23Börnichen bei Grünhainichen1.31824Gahlenz1.24125Dorfschellenberg1.19626Witzschdorf1.17927Niederlichtenau1.09228Garnsdorf99929Sachsenburg97930Oberlichtenau92431Thiemendorf87532Schlößchen Porschendorf80933Gückelsberg73034Hohenfichte72535Mühlbach71736Dittmannsdorf70937Dittersbach68938Lichtenwalde68339Grünberg64640Merzdorf57141Gunnersdorf54342Hennersdorf53543Schönerstadt52344Hohndorf49445Kunnersdorf45346Altenhain43647Görbersdorf42748Breitenau42649Frankenstein42150Memmendorf37551Börnichen bei Öderan35052Kirchbach33653Irbersdorf33054Braunsdorf30055Metzdorf29156Hausdorf28457Wingendorf27158Hartha24759Hetzdorf21960Neudörfchen206[Anm. 1] 1924 Umbenennung in Einsiedel61Ortelsdorf194[Anm. 2] Umbenennung in Heinzebank (mit Fiskalischem Kalkwerk Neunzehnhain)

Gebietsveränderungen

Zwischen 1918 und 1925 wurden die Gutsbezirke, die nicht im Eigentum des Freistaates Sachsen waren den umliegenden Gemeinden zugeordnet. In den Jahren 1948 bis 1949 wurden die staatlichen Gutsbezirke (Forstreviere) den umliegenden Gemeinden zugeordnet, zum Teil infolge der Bodenreform.

Datum Gemeinde bzw. Gutsbezirk Anmerkung zwischen 1878 und 1883 Gutsbezirk Rittergut Weißbach mit Dittersdorf Teilung des selbständigen Gutsbezirkes in selbständigen Gutsbezirk Rittergut Weißbach und in selbständigen Gutsbezirk Gut Dittersdorf 1. März 1891Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 Jägerhof Eingemeindung nach Schellenberg (Augustusburg) 1. Juni 1899 Schellenberg Umbenennung in Augustusburg 1. Januar 1914 Niederwiesa Zusammenschluss mit Oberwiesa zur Gemeinde Wiesa 1. Januar 1914 Oberwiesa Zusammenschluss mit Niederwiesa zur Gemeinde Wiesa 1915 Wiesa Umbenennung in Niederwiesa 27. November 1918 Waldkirchen Umbenennung in Waldkirchen-Zschopenthal 1. Juli 1919 Ebersdorf Eingemeindung nach Chemnitz 5. November 1919 Dorfschellenberg Umbenennung in Schellenberg 1. April 1920 Gückelsberg Eingemeindung nach Flöha 1. Januar 1921 Thiemendorf Eingemeindung nach Breitenau 1. Februar 1922 Metzdorf Eingemeindung nach Hohenfichte 1. Juni 1924 Finanzministerialblatt für den Freistaat Sachsen, Herausgeber Finanzministerium, Dresden, 1924 Gutsbezirk Staatsforstrevier Dittersdorf Umbenennung in selbständigen Gutsbezirk Staatsforstrevier Einsiedel 1. Juni 1924 Gutsbezirk Staatsforstrevier Lengefeld Umbenennung in selbständigen Gutsbezirk Staatsforstrevier Heinzebank (ein Teil gehört zur Amtshauptmannschaft Marienberg) 1. April 1927 Hetzdorf Teileingemeindung nach Breitenau und Falkenau, gleichzeitig Auflösung der Gemarkung Hetzdorf 1. April 1929 Kunnersdorf Eingemeindung nach Erdmannsdorf 1. Juli 1934 Neudörfchen Eingemeindung nach Dittersbach 1. Juli 1935Grundriss zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945, Band 14: Sachsen, Johann-Gottfried-Herder-Institut, Marburg/Lahn 1982 Großwaltersdorf Zuordnung zur Amtshauptmannschaft Flöha von der Amtshauptmannschaft Freiberg, ohne Ortsteil Neuwaltersdorf (Eingliederung in die Gemeinde Großhartmannsdorf) 1. Oktober 1939 Plaue-Bernsdorf Umbenennung in Plaue 1. Oktober 1939 Schlößchen-Porschendorf Umbenennung in Schlößchen 1. Oktober 1939 Waldkirchen-Zschopenthal Umbenennung in Waldkirchen 19. Juli 1949Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber Ministerium des Innern des Landes Sachsen Gutsbezirk Landesanstalt Sachsenburg Teileingemeindung nach Irbersdorf und Sachsenburg 1. Juli 1950Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7. Ortelsdorf Eingemeindung nach Gunnersdorf 1. Juli 1950 Dittersdorf Zuordnung zum Landkreis Chemnitz 1. Juli 1950 Bockendorf Zuordnung zum Landkreis Flöha vom Landkreis Döbeln 1. Juli 1950 Eulendorf Zuordnung zum Landkreis Flöha vom Landkreis Döbeln 1. Juli 1950 Langenstriegis Zuordnung zum Landkreis Flöha vom Landkreis Döbeln 1. Juli 1950 Riechberg Zuordnung zum Landkreis Flöha vom Landkreis Döbeln

Literatur Reiner Groß: Geschichte Sachsens. Edition Leipzig, Berlin 2002, ISBN 3-361-00505-1 Thomas Klein: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945. Reihe B: Mitteldeutschland. Band. 14: Sachsen. Johann-Gottfried-Herder-Institut, Marburg/Lahn 1982, ISBN 3-87969-129-0, S. 302–304. Bernd Rüdiger: Flöha – vom Waldhufendorf zur sozialistischen Kreisstadt. Rat der Stadt, Flöha 1984, Seite 26 Lothar Schreiter: Eine Chronik von Flöha. Stadtverwaltung, Flöha 1998, Seite 56

Weblinks Landkreis Flöha in: Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874 – 1945

Einzelnachweise

Floha Kategorie:Ehemalige Verwaltungseinheit (Landkreis Mittelsachsen) Kategorie:Flöha Floha Kategorie:Aufgelöst 1952