mini|hochkant=1.3|Ehrengrab für Ernst Reuter auf dem Waldfriedhof Zehlendorf

Der Waldfriedhof Zehlendorf ist ein über 37,5 Hektar großer landeseigener Friedhof von Berlin. Er liegt im Ortsteil Nikolassee des heutigen Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Den Namen trägt er nach dem ehemaligen Bezirk Zehlendorf. Der Nordteil des Friedhofs wurde unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 geplant und zwischen 1946 und 1947 von Herta Hammerbacher angelegt; ein weiterer Ausbau erfolgte zwischen 1948 und 1954 durch Max Dietrich. Wie der Waldfriedhof Dahlem gilt auch dieser Friedhof als Prominentenfriedhof, da hier mehrere bedeutende Persönlichkeiten Berlins beerdigt wurden.

Gestaltung Der Waldfriedhof nimmt eine Fläche von 375.794 m2 ein.Liste der Friedhöfe in Berlin. (PDF) Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Stand: Mai 2016, abgerufen am 6. Juni 2017. Grundlage der Gestaltung war die Anlehnung an die vorgefundene Topographie, den Boden und den Pflanzbestand. Die Gestaltung war im landschaftlichen Stil gewählt und wurde als Anknüpfung an den Landschaftsraum Rehwiese betrachtet., Jahr 1948 in der Online-Ausstellung 100 Jahre Landschaftsarchitektur des bdla. Abgerufen am 30. April 2014. Für die Anlage wurde etwa ein Drittel Jagen des benachbarten Forstes in die Fläche integriert, dessen Waldcharakter beibehalten und nur für den neuen Zweck ausgelichtet wurde. Der Baumbestand besteht hauptsächlich aus Kiefern, hinzu kommen vereinzelt Eichen, Ebereschen und Birken. In die Planung waren sowohl der damalige Gartendirektor Reinhold Lingner als auch der Stadtbaudirektor Hans Scharoun integriert.

Die Hauptachsen bilden zwei Wege in Nord-Süd-Richtung, zwischen denen sich in einem lockeren Rechteckmuster mit gebogenen Pfaden die restlichen Wege des Friedhofs erstrecken. Die Feierhallen liegen auf einer natürlichen Anhöhe. Zwischen dieser Anhöhe und dem Eingang am Wasgensteig befindet sich eine U-förmig angelegte und nach Osten geöffnete Wiese, die ursprünglich als Heidefläche angelegt war. Die Gräber sind als Reihengräber angelegt und liegen sowohl im Wiesen- als auch im Waldabschnitt des Friedhofes.

mini|Italienische Kriegsgräberstätte

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine unbekannte Zahl an Gräbern von Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft angelegt. Die zuständige Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz geht von etwas unter 1000 Einzelgräbern und drei Sammelgräbern aus.

Im Jahr 1953 wurde zudem eine italienische Kriegsgräberstätte angelegt. Sie ist von Gehölzen umstanden und damit strukturell vom restlichen Friedhof getrennt. Auf ihr finden sich auf einer Rasenfläche regelmäßig angeordnete Grabplatten von 1170 Kriegsgefangenen und Militärinternierten. Unter diesen sind auch die 127 italienischen Opfer vom Massaker von Treuenbrietzen.

Kapelle und Nebengebäude mini|Große Feierhalle mini|Kleine Feierhalle

Auf einer natürlichen Anhöhe befinden sich die Feierhallen des Friedhofs. Sie wurden, aus finanziellen Gründen erst in den Jahren 1956 bis 1958, nach Plänen von Sergius Ruegenberg und Wolf von Möllendorff gebaut. Der Standort wurde von Hammerbacher gegen das Gartenamt zugunsten des landschaftlichen Charakters durchgesetzt. Es handelt sich hierbei um eine größere und eine kleinere Feierhalle, die von mehreren niedrigen Nebengebäuden miteinander verbunden sind. Die Vorderfront der Hallen ist durch zwei freistehende, travertinverkleidete Mauern mit einem dazwischenliegenden Eingang verdeckt, dahinter befindet sich ein flacher Sammlungsraum. Bei den Hallen selbst handelt es sich um Stahlbetonbauten in einer Skelettbauweise mit Ziegeln als Ausfachung. Die Stirnseiten der Hallen sind mit dunklem Blech verkleidet und bestehen teilweise aus Glasflächen. Die Rückseiten sind weitgehend verglast und von Stahlrahmen eingefasst.

Neben diesen Hauptgebäuden existieren auf dem Friedhof eine Reihe weiterer Gebäude. Dazu gehören das 1950 von Friedrich Dücker gebaute Tor an der Potsdamer Chaussee und das 1959 von Hans-Joachim Sachse und Bernhard Busen gebaute Tor am Wasgensteig. Das Pförtnerhaus an der Potsdamer Chaussee stammt ebenfalls von Sachse und Busen (1961/1962), während der Blumenladen (1967/1968) und das Pförtnerhaus am Wasgensteig (1971/1972) nur von Sachse gebaut wurde. Auf der Wiese zur Potsdamer Chaussee befindet sich zudem noch ein Glockenbau, den Sergius Ruegenberg und Möllendorff 1963 erstellten.

Grabstätten bekannter Persönlichkeiten Auf dem Waldfriedhof Zehlendorf wurden viele bekannte Berliner Persönlichkeiten bestattet.

Ehrengräber Der Berliner Senat übernimmt die Kosten der Pflege für 47 Ehrengräber auf dem Friedhof (Stand: November 2018):Ehrengrabstätten des Landes Berlin (Stand: November 2018) (PDF) abgerufen am 10. März 2019.

Otto Bach (1899–1981), Politiker, Präsident des Abgeordnetenhauses (SPD) Boleslaw Barlog (1906–1999), Theaterintendant Jan Bontjes van Beek (1899–1969), Keramiker und Bildhauer Hertha Beese (1902–1987), Politikerin (SPD) und Stadtälteste Boris Blacher (1903–1975), Komponist Rut Brandt (1920–2006), Autorin und zweite Ehefrau von Willy Brandt Willy Brandt (1913–1992), Politiker (SPD), Präsident des Abgeordnetenhauses, Regierender Bürgermeister von Berlin, Bundeskanzler Wilhelm Dumstrey (1899–1990), Pädagoge und Politiker (CDU) Götz Friedrich (1930–2000), Opernregisseur und -intendant Tatjana Gsovsky (1901–1993), Balletttänzerin Ina Halley (1927–1992), Schauspielerin Karl Hartung (1908–1967), Bildhauer Martin Held (1908–1992), Schauspieler und Synchronsprecher Willy Henneberg (1898–1961), Politiker, Präsident des Abgeordnetenhauses (SPD) Hermann Henselmann (1905–1995), Architekt Paul Hertz (1888–1961), Politiker (SPD), Berliner Senator Albert Horlitz (1882–1972), Politiker (SPD), Bezirksbürgermeister von Berlin-Charlottenburg Kurt Ihlenfeld (1901–1972), Schriftsteller und Theologe Helmut Käutner (1908–1980), Regisseur, Kabarettist Jakob Kaiser (1888–1961), Politiker (CDU), Bundesminister Günter Klein (1900–1963), Politiker (SPD), Berliner Senator, Mitglied des Bundestages Gustav Klingelhöfer (1888–1961), Politiker (SPD), Mitglied des Bundestages Hildegard Knef (1925–2002), Schauspielerin Hermine Körner (1878–1960), Schauspielerin und Regisseurin Willy Kressmann (1907–1986), Politiker (SPD), Bezirksbürgermeister Kurt Landsberg (1892–1964), Politiker, Präsident des Abgeordnetenhauses (CDU, SPD) Leo Lania (1896–1961), Journalist und Schriftsteller Annedore Leber (1904–1968), Publizistin, Politikerin (SPD), Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses Ernst Lemmer (1898–1970), Politiker (CDU), Bundesminister Paul Löbe (1875–1967), Politiker (SPD), Reichstagspräsident, erster Alterspräsident des deutschen Bundestages Gerda Maurus (1903–1968), Schauspielerin Moriz Melzer (1877–1966), Maler und Bildhauer Anna Nemitz (1873–1962), Politikerin (SPD), Berliner Stadtverordnete und erste Stadtälteste Bruno Paul (1874–1968), Architekt Erwin Piscator (1893–1966), Regisseur Gerhart Pohl (1902–1966), Schriftsteller Erich Rahn (1885–1973), Jiu-Jitsu- und Judo-Sportler Erik Reger (1893–1954), Schriftsteller, Herausgeber des Tagesspiegels Edzard Reuter (1928–2024), Manager, Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG Ernst Reuter (1889–1953), Politiker (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin Ernst Ruska (1906–1988), Elektroingenieur und Erfinder des Elektronenmikroskops Hans Scharoun (1893–1972), Architekt Walter Scheel (1919–2016), Politiker (FDP), Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland Fritz Schloß (1895–1954), Politiker (SPD), Bezirksbürgermeister Wolfdietrich Schnurre (1920–1989), Schriftsteller, Illustrator, Film- und Theaterkritiker Richard Schröter (1892–1977), Politiker (SPD), MdB Richard Schubert (1877–1955), Widerstandskämpfer, Stadtältester von Berlin Klaus Schütz (1926–2012), Politiker (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin Robert A. Stemmle (1903–1974), Regisseur, Autor und Produzent Otto Suhr (1894–1957), Politiker (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin Herbert Theis (1906–1972), Politiker (SPD), Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, Stadtältester

Weitere Grabstätten Karan Armstrong (1941–2021), Kammersängerin Erica Balqué (1912–2003), Schauspielerin, Regisseurin (im Grab ihres Mannes Helmut Käutner) Renate Barken (1920–2014), Schauspielerin, Filmproduzentin (Feld 049) Hans Beirer (1911–1993), Kammersänger Gerhard Bienert (1898–1986), Schauspieler Hans Bierbrauer (1922–2006), Schnellzeichner Oskar (Karikaturist) Günther Birkenfeld (1901–1966), Schriftsteller Peter Bloch (1900–1984), Politiker Peter Bloch jr. (1925–1994), Kunsthistoriker und Hochschullehrer Gerhard Danelius (1913–1978), Politiker Fritz Eberhard (1896–1982), Publizist, Politiker Peter Fitz (1931–2013), Schauspieler Hendrikje Fitz (1961–2016), Schauspielerin Herwig Friedag (1921–2012), Journalist und Verbandsfunktionär Ekkehard Fritsch (1921–1987), Schauspieler Ernst Fritsch (1892–1965), Maler und Kunstprofessor (bis 2015: Ehrengrab) Fritz Genschow (1905–1977), Schauspieler, 25 Jahre lang der Onkel Tobias vom RIAS Heinz Giese (1919–2010), Schauspieler und Synchronsprecher (Feld 032 – Ruhegemeinschaft) Peter Giese (1931–2005), Geophysiker und Geologe Edith Hancke (1928–2015), Schauspielerin Otfrid von Hanstein (1869–1959), Schriftsteller Paula von Hanstein (1883–1966), Schriftstellerin Karl-Josef Hering (1929–1998), Berliner Kammersänger, Schauspieler und Hotelier Martin Hirthe (1921–1981), Schauspieler und Synchronsprecher Wolfgang Holst (1922–2010), Präsident von Hertha BSC, Großgastronom Lothar Homeyer (1883–1969), Grafiker (bis 2017: Ehrengrab) Harald Kruska (1908–1993), evangelischer Theologe und Hochschullehrer Eberhard Lämmert (1924–2015), Literaturwissenschaftler Julius Leber (1891–1945), Widerstandskämpfer, Politiker Jutta Limbach (1934–2016), Politikerin (SPD) Eva Lissa (1913–1988), Schauspielerin Heinrich Lummer (1932–2019), Politiker (CDU) Ingeborg Martay (Pseudonym: Renate Barken, 1920–2014), Schauspielerin und Filmproduzentin (Feld 049) Oscar Martay (1920–1995), Mitbegründer der Berlinale (Feld 049) Gerd Martienzen (1918–1988), Schauspieler und Synchronsprecher Kurt Mattick (1908–1986), Politiker, Bundestagsabgeordneter (bis 2009: Ehrengrab) Walter May (1900–1953), Politiker, Schulrat, Stadtrat für Volksbildung (bis 2014: Ehrengrab) Christiane Maybach (1927–2006), Schauspielerin und Synchronsprecherin Ingeborg Meising (1921–2012), Professorin für Informatik an der Technischen Fachhochschule BerlinHans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 636. Wolfgang Menge (1924–2012), Drehbuchautor und Journalist Klaus Miedel (1915–2000), Schauspieler und Synchronsprecher Ulrike von Möllendorff (1939–2017), Journalistin und Fernsehmoderatorin Wolf von Möllendorff (1908–1992), Architekt Wolfgang Müller (1922–1960), Schauspieler, Kabarettist Kurt Nemitz (1925–2015), Volkswirt, Bremer Senatsdirektor und Präsident der Landeszentralbank Wolfgang Neuss (1923–1989), Schauspieler, Kabarettist (beigesetzt neben Wolfgang Müller) Peter Neusser (1932–2010), Schauspieler und Synchronsprecher Hanns-Heinz Nissen (1905–1969), Opern- und Konzertsänger Günter Pfitzmann (1924–2003), Schauspieler und Kabarettist Walter Rasch (1942–2023), Politiker Paul Ortwin Rave (1893–1962), Kunsthistoriker (bis 2014: Ehrengrab) Wolfgang Reimann (1887–1971), Kirchenmusiker, Organist und Hochschullehrer Gert Reinholm (1923–2005), Tänzer, Ballettdirektor, Tanzpädagoge Helmut Ruska (1908–1973), Mediziner und Pionier der Elektronenmikroskopie Ulrich Schamoni (1939–1998), Regisseur Claire Schlichting (1905–1978), Schauspielerin und Komikerin Clemens Schmalstich (1880–1960), Komponist, Dirigent Gustav „Bubi“ Scholz (1930–2000), Boxer (verlegt nach Friedhof Heerstraße) Ernst Schröder (1915–1994), Schauspieler Karl-Tobias Schwab (1887–1967), Glasmaler, Grafiker, Schriftgestalter, Medailleur und Hochschullehrer