Daniel Ervin „Dan“ Jansen (* 17. Juni 1965 in Milwaukee, Wisconsin) ist ein ehemaliger US-amerikanischer Eisschnellläufer. Er wurde 1994 Olympiasieger über 1000 Meter.
Jansen wuchs als jüngstes von neun Kindern in West Allis in Wisconsin auf. Er begann in seiner Kindheit mit dem Eislaufen und wurde 1981 in das US-amerikanische Nationalteam aufgenommen. Ab Mitte der 1980er-Jahre zählte er zu den weltweit führenden Eisschnellläufern auf den Sprintdistanzen 500 Meter und 1000 Meter. Zwischen 1985 und 1994 gewann er fünf Medaillen bei Sprintweltmeisterschaften, darunter zwei goldene (1988 und 1994). Er entschied 46 Rennen im Eisschnelllauf-Weltcup für sich und stand sieben Mal an der Spitze der Weltcupgesamtwertung über 500 Meter oder 1000 Meter. Bei den Olympischen Winterspielen verpasste Jansen mehrmals als Favorit die Medaillenränge, unter anderem bei den Winterspielen 1988 in Calgary, als seine Schwester am Tag des olympischen 500-Meter-Rennens starb. Bei seinem letzten olympischen Auftritt über 1000 Meter bei den Winterspielen 1994 in Lillehammer gewann Jansen in Weltrekordzeit die Goldmedaille. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere kommentierte er unter anderem Eisschnelllaufwettbewerbe für das US-amerikanische Fernsehen.
Werdegang Frühe Jahre Dan Jansen stammt aus West Allis in der Metropolregion Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin. Er ist das jüngste von neun Kindern des Polizisten Harry Jansen und der Krankenschwester Geraldine Jansen. Beide Eltern waren in ihrer Freizeit begeisterte Eisläufer und machten den Sport zu einer Familienaktivität.Carol L. Ott Schacht und Kenneth A. Kiewra: The Fastest Humans on Earth: Environmental Surroundings and Family Influences That Spark Talent Development in Olympic Speed Skaters. In: Roeper Review, 2018, 40. Jahrgang, Nr. 1. S. 21–35, hier S. 29. doi:10.1080/02783193.2017.1393710. Jansens Vater war zudem als junger Mann einer der besten Basketball- und American-Football-Spieler des Bundesstaates gewesen. Auf ihn führte Jansen später sein sportliches Talent zurück.Carol L. Ott Schacht und Kenneth A. Kiewra: The Fastest Humans on Earth: Environmental Surroundings and Family Influences That Spark Talent Development in Olympic Speed Skaters. In: Roeper Review, 2018, 40. Jahrgang, Nr. 1. S. 21–35, hier S. 30. doi:10.1080/02783193.2017.1393710. Laut Jansen vermittelten seine Eltern ihm und seinen Geschwistern vor allem die Bedeutung eines respektvollen und integren Auftretens in sportlichen Wettkämpfen und erzogen ihn etwa dahingehend, den Kampfrichtern stets zu danken.Carol L. Ott Schacht und Kenneth A. Kiewra: The Fastest Humans on Earth: Environmental Surroundings and Family Influences That Spark Talent Development in Olympic Speed Skaters. In: Roeper Review, 2018, 40. Jahrgang, Nr. 1. S. 21–35, hier S. 30–31. doi:10.1080/02783193.2017.1393710.
Zwar waren Jansens Eltern nicht direkt in die sportliche Ausbildung ihres Sohnes eingebunden, unterstützten ihn aber zum Beispiel dadurch, dass sie seine Kufen schliffen, ihn zu Wettbewerben fuhren und Spendenaktionen organisierten. Außerdem arbeiteten sie ehrenamtlich, zum Beispiel als Zeitnehmer, für den örtlichen Eislaufverein, in dem auch Jansen trainierte.Carol L. Ott Schacht und Kenneth A. Kiewra: The Fastest Humans on Earth: Environmental Surroundings and Family Influences That Spark Talent Development in Olympic Speed Skaters. In: Roeper Review, 2018, 40. Jahrgang, Nr. 1. S. 21–35, hier S. 30–31. doi:10.1080/02783193.2017.1393710. Der West Allis Speed Skating Club bot als größter Eislaufverein der Vereinigten Staaten ein besonders gutes Trainingsumfeld. Zwei Meilen (das entspricht etwa 3 Kilometer) vom Elternhaus Jansens entfernt befand sich mit dem Wisconsin Olympic Ice Rink die in den frühen 1970er-Jahren einzige 400-Meter-Eisschnelllaufbahn des Landes, die sowohl führende Athleten als auch Trainer aus der gesamten Region des Mittleren Westens anzog. Schon als Kind lernte Jansen so die etwa gleichaltrige, aus Illinois stammende Bonnie Blair kennen, die später fünffache Olympiasiegerin wurde und mit der ihn eine langjährige Freundschaft verband.Carol L. Ott Schacht und Kenneth A. Kiewra: The Fastest Humans on Earth: Environmental Surroundings and Family Influences That Spark Talent Development in Olympic Speed Skaters. In: Roeper Review, 2018, 40. Jahrgang, Nr. 1. S. 21–35, hier S. 26–27. doi:10.1080/02783193.2017.1393710.
Neben seinen Eltern und der geographischen Nähe zur Eisbahn in West Allis nannte Jansen seine acht älteren Geschwister als weiteren wesentlichen Einflussfaktor. Seine fünf Schwestern und drei Brüder waren allesamt aktive Eisläufer, sodass es für Jansen selbstverständlich erschien, ihnen zu folgen und ebenfalls im Alter von vier Jahren mit dem Eislaufen zu beginnen. Die größte Bedeutung schrieb er seinem zwei Jahre älteren Bruder Mike und seiner fast fünf Jahre älteren Schwester Jane zu: Mike Jansen war für Dan eine wichtige Bezugsperson im Training. Er zählte in den 1980er-Jahren ebenfalls zur nationalen Spitze und nahm an Weltmeisterschaften sowie Weltcuprennen teil, wo er Top-Ten-Ergebnisse erreichte. Jane Jansen zeigte sich während Dans Jugend davon überzeugt, dass er später Weltmeister werden würde. Dieses Vertrauen in seine Fähigkeiten veränderte laut Jansen seine eigenen Einstellungen und Ziele. Er sprach von seiner Schwester Jane später als wichtiger Stütze in Bezug auf Motivation und Inspiration.Carol L. Ott Schacht und Kenneth A. Kiewra: The Fastest Humans on Earth: Environmental Surroundings and Family Influences That Spark Talent Development in Olympic Speed Skaters. In: Roeper Review, 2018, 40. Jahrgang, Nr. 1. S. 21–35, hier S. 29. doi:10.1080/02783193.2017.1393710.
In seiner Altersgruppe gehörte Jansen während seiner Jugend zu den besten Eisschnellläufern der USA und gewann nationale Wettkämpfe.Vincent F. Filak: Jansen, Dan (1965–). In: Murry R. Nelson (Herausgeber): American Sports: A History of Icons, Idols and Ideas (Vol. 2). S. 608–610, hier S. 608. Gleichzeitig spielte er zu Beginn seiner High-School-Zeit auch American Football. Weil sich die Saisons der beiden Sportarten überschnitten, gab er das Footballspielen nach seinem zweiten Jahr an der High School zugunsten des Eisschnelllaufens auf. Ausschlaggebend für seine Entscheidung waren gemäß Jansens Erinnerung die Erfolge Eric Heidens bei den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid, die bei ihm selbst den festen Wunsch nach einer Olympiateilnahme geweckt hätten.Jessie Garcia: Dan Jansen. In: Going for Wisconsin Gold: Stories of Our State Olympians. 2016. S. 109. In seiner Autobiographie schrieb Jansen außerdem, dass er mit 14 Jahren einen Wachstumsschub erlebte, der mit einer deutlichen Leistungssteigerung einherging und ihn in seiner Entscheidung für den Eisschnelllauf bestärkte.Dan Jansen mit Jack McCallum: Full Circle. New York 1994, S. 76. Jansen wuchs schließlich auf eine Körpergröße von 1,83 Meter (6 Fuß) bei einem Wettkampfgewicht von 88 Kilogramm (195 Pfund), womit er laut eigener Aussage etwas größer als der durchschnittliche Läufer auf den Sprintstrecken war.Dan Jansen mit Jack McCallum: Full Circle. New York 1994. Er galt als „Kraftläufer“ (auf Englisch: „power skater“), der stark von guten Eisbedingungen abhängig war: Damit er aus seinen Schritten den größtmöglichen Schub mitnehmen konnte, durfte das Eis weder zu kalt noch zu warm sein.Gary D’Amato: Is world to fall at his feet? Jansen could set record, under right conditions. In: Milwaukee Journal, 19. Dezember 1991, S. C1. Abgerufen am 24. Februar 2024 via ProQuest. Der Artikel nennt eine optimale Eistemperatur von 22 bis 30 Grad Fahrenheit (entspricht etwa −5,5 °C bis −1 °C).
Internationales Debüt und Aufstieg in die Weltspitze (1981 bis 1987) mini|Jansen bei der Sprintweltmeisterschaft 1985 in Heerenveen Mit 16 Jahren wurde Dan Jansen in das US-Nationalteam aufgenommen. Er trainierte in der Folge bei dem 1000-Meter-Olympiasieger von 1976, Peter Mueller, der nach seiner aktiven Karriere für einige Jahre (bis zu seiner Ablösung durch Dianne Holum 1983) die Betreuung der amerikanischen Eisläufer übernahm. Jansen bezeichnete Mueller rückblickend als „großartigen Motivator“ und sprach von einem gegenseitigen Vertrauensverhältnis zwischen ihm und seinem Trainer.Carol L. Ott Schacht und Kenneth A. Kiewra: The Fastest Humans on Earth: Environmental Surroundings and Family Influences That Spark Talent Development in Olympic Speed Skaters. In: Roeper Review, 2018, 40. Jahrgang, Nr. 1. S. 21–35, hier S. 27. doi:10.1080/02783193.2017.1393710. Auf Muellers Vorschlag hin reiste Jansen im Herbst für mehrere Wochen nach Europa, um dort Erfahrungen zu sammeln und die besseren Eisbedingungen zu nutzen.Dan Jansen mit Jack McCallum: Full Circle. New York 1994, S. 77. Seine ersten internationalen Rennen bestritt er im Januar 1982 in Davos, wo er bei einem Sprintvierkampf gegen internationale Elitesportler (etwa die sowjetischen Athleten Sergei Chlebnikow sowie Wladimir Lobanow) antrat und Rang acht belegte.Competition: Internationaler Wettkampf 23. - 24.01.1982 auf speedskatingnews.info. Abgerufen am 23. Februar 2024. Im Rahmen dieses Wettkampfs stellte er mit einer Zeit von 38,24 Sekunden einen Juniorenweltrekord über 500 Meter auf.Three Speed Skaters Set Junior World Marks. In: New York Times, 24. Januar 1982, S. 4. Abgerufen am 23. Februar 2024 via ProQuest.
Insgesamt präsentierte sich Jansen schon in seiner Juniorenzeit als Sprintspezialist: Auf den längeren Strecken – 1500 Meter bis 5000 Meter – war er im Vergleich mit anderen Läufern deutlich schwächer, weswegen er bei den im Kleinen Vierkampf ausgetragenen Juniorenweltmeisterschaften nicht um die Medaillen mitkämpfte. Diese Erfahrungen bestärkten ihn darin, sich auf die 500 Meter und die 1000 Meter zu konzentrieren.Dan Jansen mit Jack McCallum: Full Circle. New York 1994, S. 79–80; Jessie Garcia: Dan Jansen. In: Going for Wisconsin Gold: Stories of Our State Olympians. 2016. S. 110. „Dan knew he was a sprinter, built to soar in the 500 and with the 1,000 as a second choice, but he was forced to compete in the 500, 1,500, 3,000, and 5,000 in every competition.“ Auf den Kurzstrecken zählten Uwe-Jens Mey aus der DDR, Ihar Schaljasouski aus der Sowjetunion sowie sein Landsmann Nick Thometz zu Jansens stärksten Gegnern im Juniorenbereich. Sie blieben teilweise bis zu seinem Karriereende seine Kontrahenten.Dan Jansen mit Jack McCallum: Full Circle. New York 1994, S. 79.