Wer wird Millionär? ist die deutsche Ausgabe der britischen Quizshow Who Wants to Be a Millionaire? Seit dem 3. September 1999 wird sie von der Endemol Shine Germany GmbH in Hürth-Efferen bei Köln auf dem Studiogelände der EMG Germany (ehemals nobeo) produziert, vom Privatsender RTL ausgestrahlt und von Günther Jauch moderiert. Die Quizshow ist eine der beliebtesten und bekanntesten in Deutschland.
Ablauf Konzept Das Konzept der Sendung entspricht weitgehend dem britischen Original Who Wants to Be a Millionaire, ebenso wie auch die Millionenshow in Österreich und Milionerzy in Polen.
In der Show bekommen sechs Kandidaten (zuvor acht, davor fünf, früher zehn) die Chance, eine Million Euro zu gewinnen, wenn sie 15 Fragen mit jeweils vier vorgegebenen Antwortmöglichkeiten richtig beantworten. Die Bewerber werden in Großaufnahme mit Namen und Wohnort gezeigt. Bis Anfang der 2020er Jahre wurden sie mit einem meistens amüsanten Fakt aus ihrem Leben vorgestellt. Während bis in die 2010er Jahre Günther Jauch die Kandidaten selbst vorgestellt hat, geschieht dies mittlerweile nur mehr in Form des Offsprechers, Thomas Friebe.
In einer Auswahlrunde mit 20 Sekunden maximaler Antwortzeit, in der die Teilnehmer eine Reihenfolge aus vier Gliedern festlegen müssen, wird der am schnellsten richtig antwortende Kandidat ermittelt. Dieser nimmt in der Mitte des Studios Platz und erhält nacheinander bis zu 15 Allgemeinwissensfragen steigenden Schwierigkeitsgrads vorgelegt. Jede dieser Fragen ist mit einer sich erhöhenden Gewinnsumme verbunden. Dabei stehen dem Spieler verschiedene Joker zur Verfügung.
Das Spiel endet, sobald der Kandidat eine Frage falsch beantwortet, die Millionenfrage löst oder freiwillig aussteigt. Im ersten Fall erhält der Spieler die Gewinnsumme der letzten durchschrittenen Sicherheitsstufe, im zweiten Fall eine Million Euro und bei der dritten Möglichkeit die zur letzten richtig beantworteten Frage gehörige Gewinnsumme. Im Gegensatz zu anderen Quizsendungen kann der Kandidat, nachdem eine Frage vorgelesen wurde, noch aussteigen, ohne Geld zu verlieren.
Gewinnstufen Es gibt insgesamt 15 Gewinnstufen. Bis zur Einführung des Euro im Jahre 2002 gab es die Gewinnstufe 250.000 DM (Frage 12 auf 13). Um dem Titel der Sendung weiterhin gerecht zu werden, ohne bereits bei der 1. Frage mit 100 Euro beginnen zu müssen, wird der Gewinn zwischen der 13. und der 14. Frage nicht verdoppelt, sondern vervierfacht. Auch zwischen den Fragen 3 und 4, 4 und 5 sowie 12 und 13 verdoppelt sich die Summe nicht.
FrageGewinnsummeGewinnsummeZocker-Special1500. Sendung3-Mio.-Euro-Woche1999–2001seit 2002seit 20132021seit 2022 1 100 DM 50 Euro 100 Euro 1 Euro 100 Euro 2 200 DM 100 Euro 200 Euro 5 Euro 200 Euro 3 300 DM 200 Euro 300 Euro 55 Euro 400 Euro 4 500 DM 300 Euro 500 Euro 111 Euro 500 Euro 5 1.000 DM 500 Euro 1.000 Euro 555 Euro 1.000 Euro 6 2.000 DM 1.000 Euro 2.000 Euro 1.111 Euro 2.000 Euro 7 4.000 DM 2.000 Euro 4.000 Euro 2.222 Euro 5.000 Euro 8 8.000 DM 4.000 Euro 8.000 Euro 4.444 Euro 10.000 Euro 9 16.000 DM 8.000 Euro 16.000 Euroab hier vier Joker 8.888 Euro 20.000 Euro 10 32.000 DM 16.000 Euro 32.000 Euro 15.555 Euro33.333 Euro 30.000 Euro 11 64.000 DM 32.000 Euro 64.000 Euro 55.555 Euro 50.000 Euro 12 125.000 DM 64.000 Euro 125.000 Euro 77.777 Euro 100.000 Euro 13 250.000 DM 125.000 Euro 250.000 Euro 133.333 Euro 250.000 Euro 14 500.000 DM 500.000 Euro 750.000 Euro 555.555 Euro 900.000 Euro 15 1.000.000 DM 1.000.000 Euro 2.000.000 Euro 1.500.000 Euro 3.000.000 Euro Legende 1. Sicherheitsstufe oder alleinige Sicherheitsstufe 2. Sicherheitsstufe (bei drei Jokern) Maximalgewinn
Joker Dem Kandidaten stehen drei Joker zur Verfügung, die ihm bei den Fragen helfen sollen. Wählt er vorab anstelle der bisherigen, „klassischen“ Variante die im Herbst 2007 eingeführte „Risikovariante“, wird ein vierter – sogenannter Zusatzjoker – geschaltet. Der Spieler muss dafür auf die Sicherheitsstufe bei 16.000 Euro verzichten. Dabei darf jede dieser Hilfen nur einmal eingesetzt werden. Der Kandidat hat zudem die Möglichkeit, die Joker miteinander zu verknüpfen. So kann er zum Beispiel zunächst die 50:50-Hilfestellung und gleich danach den Publikumsjoker benutzen.
50:50-Joker Der 50:50-Joker blendet zwei falsche Antworten aus. Nach der Aktivierung sieht der Kandidat nur noch zwei statt vier Antwortmöglichkeiten, von denen eine richtig und eine falsch ist.
Publikumsjoker Ist sich der Kandidat bei einer Frage unsicher, darf er das gesamte Publikum befragen. Jeder Gast kann sich mit einem Tastenfeld neben dem Sitz für eine der vier möglichen Antworten entscheiden. Auf dem Tastenfeld sind vier Buttons mit den Buchstaben A, B, C und D abgebildet. Drückt man einen Button, leuchtet auf dem Tastenfeld ein kleiner Bildschirm auf, in dem steht, welche Antwortmöglichkeit ausgewählt wurde, zum Beispiel „Gewählt: A“. Nach der Abstimmung wird eine Grafik über die abgegebenen Stimmen nach Prozentanteilen angezeigt. Die Anzahl an abgegebenen Stimmen steht nicht dabei; manchmal verrät sie der Moderator.
Telefonjoker Einer von drei – vom Kandidaten vor der Sendung benannten – Telefonjokern darf ihm bei der Lösung einer Frage helfen. Die drei Personen werden mit Foto und Namen vorgestellt. Der Kandidat lässt eine von ihnen vom Studio aus anrufen. Sobald er beginnt, die Frage zu stellen, läuft ein Countdown von 30 Sekunden; danach wird das Gespräch automatisch abgebrochen.
Eine erweiterte Möglichkeit, den Telefonjoker einzusetzen, war lange in der „Risikovariante“ möglich. Ähnlich wie der Telefonjoker bat diese Option dem Kandidaten die Möglichkeit, einen per Zufallsgenerator ausgewählten Teilnehmer in Deutschland anzurufen. Vorgaben wie etwa Geschlecht oder Wohnort waren möglich. Der Zufallsgenerator rief so lange bei unterschiedlichen Teilnehmern an, bis jemand abhob; sobald jemand abhob, galt der Joker als gespielt. Nach 30 Sekunden wurde wie in den internationalen Regeln der Anruf unterbrochen. Sollte der Angerufene richtig antworten, erhielt dieser 500 Euro. Erstmals genutzt wurde er in der Sendung vom 14. September 2007: Die zufällig ausgewählte Gesprächspartnerin aus Berlin wusste, dass die Berliner Siegessäule früher woanders stand. Wurde einer der beiden Telefonjoker genutzt, verfiel immer der andere.
Zusatzjoker Setzt der Kandidat den Zusatzjoker ein, bittet der Moderator diejenigen Zuschauer aufzustehen, welche glauben, die Antwort zur Frage zu kennen. Von diesen wählt der Kandidat einen aus, ohne mit ihm vorher sprechen zu dürfen. Nun ist ein Gespräch mit dem Zuschauer möglich, in dem der Zuschauer dem Kandidaten seine Antwort auf die Frage nennt und möglichst begründet. Wie bei allen Jokern entscheidet letztlich der Kandidat, der nach wie vor die Möglichkeit hat, weitere Joker zu verwenden oder aus dem Spiel auszusteigen. Stimmt die Antwort des Zuschauers, erhält dieser 500 Euro – unabhängig davon, wie der Kandidat das Spiel fortsetzt.
Sonderregeln während der COVID-19-Pandemie Wegen der Maßnahmen zur COVID-19-Pandemie in Deutschland gab es bei den im April und Mai 2020 ausgestrahlten Ausgaben kein Studiopublikum, und die anfängliche Auswahlrunde umfasste nur sechs statt der üblichen acht Kandidaten. Publikumsjoker und Zusatzjoker ersetzte man durch zwei andere Hilfen. Statt des ganzen Publikums durfte der Kandidat seine Begleitung fragen. Statt des Zusatzjokers gab es den „Millionärsjoker“, bei dem der Kandidat einen von drei im Studio anwesenden ehemaligen Millionengewinnern, Leon Windscheid, Jan Stroh und Ronald Tenholte, befragen konnte. Dieser Joker war wie der Zusatzjoker nur in der „Risikovariante“ verfügbar. Ab Dezember 2020 saßen 17 vorherige Gewinner, die mindestens 64.000 Euro erspielt hatten, im Publikum. Die beiden ursprünglichen Joker fügte man wieder hinzu.
Moderation mini|hochkant|Moderator Günther Jauch (2023) Moderator der Show ist seit der ersten Sendung Günther Jauch. Neben der Spannung am Spiel selbst sind es seine launigen Gespräche mit Kandidaten, Begleitern und Telefonjokern, die zum Erfolg der Sendung in Deutschland beitragen. Auch nach der Übernahme seiner eigenen Talkshow Günther Jauch im Ersten im Herbst 2011 blieb er dem RTL-Format treu.
Gestaltung Fragenredaktion Die Fragen für die Sendung erarbeitet ein zehnköpfiges externes Redaktionsteam; für die deutsche Version zeichnet hier die Firma Mind the Company verantwortlich. Manche haben behauptet, die Fragen seien im Laufe der Jahre kniffliger geworden. In einem Interview erzählte Günter Schröder von Mind the Company, es sei in der Tat immer aufwendiger geworden, Aufgaben für die unteren Gewinnstufen zu entwickeln. Auch seien die Fragen teilweise spezieller gestellt, aber dafür die Antwortalternativen leichter konzipiert. Das Team recherchiert zunächst Antworten und formuliert dann die passenden Fragen. Soweit diese noch nicht vorkamen, gehen sie in einen Pool von 80 Fragen je Sendung ein, von denen im Durchschnitt 22 ausgespielt werden. In einer Konferenz ordnen die Mitarbeiter jede Frage je nach Schwierigkeitsgrad einer Gewinnstufe zu.
Die Antworten werden anhand mindestens dreier unabhängiger Quellen auf ihre Richtigkeit geprüft, zu denen etwa die Brockhaus-Enzyklopädie, der Pschyrembel für die Medizin, Chroniken wie 100 Jahre Olympische Spiele und seriöse Internetquellen gehören. Auch Wikipedia gehörte dazu, wie der Moderator im Oktober 2005 in einer Sendung verriet. Nach der „Niels-Bohr-Frage“ ließ die WWM-Redaktion die Wikipedia jedoch nicht mehr als Quelle zu.
Bewerbung Wer als Kandidat teilnehmen möchte, schickt entweder eine Postkarte an RTL oder bewirbt sich kostenlos auf der Website des Senders. Ebenso ist eine kostenpflichtige Bewerbung telefonisch oder per SMS möglich. Jede Woche wählt eine Castingredaktion Bewerber nach dem Zufallsprinzip für ein Telefoninterview aus. Während an der britischen Originalversion nur britische Staatsbürger oder Bewerber mit britischem Aufenthaltsrecht teilnehmen können, steht die deutsche Sendung Teilnehmern aus dem Ausland offen, wenn sie Deutsch können.
Publikum Das Studio bietet Platz für 215 Zuschauer. Der Großteil von ihnen findet in den beiden Blöcken Platz, die sich hinter dem Moderator und hinter dem Kandidaten befinden. Daneben gibt es noch einen kleineren Block, von wo aus der Kandidat und der Moderator von der Seite zu sehen sind; er ist im Fernsehen jedoch nur eingeschränkt sichtbar, beispielsweise während der Abstimmung beim Publikumsjoker.
Die Zuschauer müssen für die Aufzeichnung Eintritt bezahlen. Aufgrund der zahlreichen Voranmeldungen beträgt die Wartezeit mehrere Jahre.
Studio Die Fernsehaufnahmen für die deutsche Ausgabe entstehen in einem Studio der EMG Germany GmbH (ehemals nobeo) in Hürth bei Köln und werden von der Endemol Deutschland GmbH aufgezeichnet.
Das Studio ist weitgehend abgedunkelt, so dass im arenenhaften Aufbau nur der Kandidat und der Moderator in der Mitte des Studios ausgeleuchtet werden. Ein Teil der Dramatik ergibt sich durch die musikalische Untermalung. Diese ist für die fünf ersten Fragen recht unbeschwert, für die nächsten fünf etwas spannungsgeladener und bei den Fragen 11 bis 14 zunehmend nervöser. Bei der fünfzehnten und letzten Frage sind nur noch einzelne Töne und ein lauter, langsamer Herzschlag zu hören.
Seit dem 31. August 2012 kommt das Ratequiz aus einem leicht veränderten Studio.
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