mini|Siemens T100, typisches Telex-Endgerät

Telex (für TELeprinter EXchange), auch Fernschreiben genannt, ist ein System zur Übermittlung von Textnachrichten über ein mit dem Telefonnetz vergleichbares, vermittelndes Telekommunikationsnetz, das Telex-Netz, bei dem Fernschreiber verwendet werden. Es war im 20. Jahrhundert ein wichtiges Kommunikationsmittel für Unternehmen und Behörden. Mit dem Aufkommen der Kommunikationsformen Fax und E-Mail verlor es an Bedeutung und wird heute nur noch in wenigen Nischenbereichen genutzt.

Heute noch eingesetzte Telex-Systeme verfügen über Leistungsmerkmale wie Kurzwahl, Direktruf, Rundschreiben, Zuschreiben von Gebühren, Teilnehmerbetriebsklasse etc. Analog zum Telefonbuch gab es ein entsprechendes Teilnehmerverzeichnis.

Technischer Standard Als Zeichensatz wird der 32 Kombinationen (5-bit) umfassende und auf dem Baudot-Murray-Code basierende CCITT-2 / ITA-2 Code verwendet. Um die Anzahl der Zeichen zu erhöhen, verwendet der Code eine Buchstaben- und eine Ziffern/Zeichen-Ebene, zwischen denen per Umschaltzeichen umgeschaltet wird. Die Übertragungsgeschwindigkeit betrug in Europa 50 Baud (= 50 Schritte pro Sekunde). Da jedes übermittelte Zeichen aus Startschritt, 5 Zeichenschritten und 1,5-fachem Stoppschritt, also aus 7,5 Schritten, besteht, können so maximal 6,67 Zeichen pro Sekunde übertragen werden. In den USA waren 45,45 Baud Standard. Spätere Fernschreiber hatten umsteckbare Zahnräder und konnten so auch auf 75 Bd. und 100 Bd. umgebaut werden. Diese Geschwindigkeiten wurden im Standleitungsbetrieb verwendet und waren mit den öffentlichen Telex-Netzen nicht kompatibel. Es ist nur Halbduplex-Betrieb möglich (abwechselndes Senden/Empfangen). Jeder Teilnehmeranschluss im Telex-Netz hat eine eigene Telex-Nummer und kann über diese angewählt werden. Ein Fernschreiber am Telex-Netz muss immer erreichbar sein. Lokalbetrieb ist nur dann erlaubt, wenn er aufgrund eines ankommenden Rufes unterbrochen werden kann. Durch diese Vorschrift hat das Telex-Netz trotz technologischer Rückständigkeit noch lange eine große Bedeutung behalten: Nachrichten können sicher zugestellt werden. Jeder Fernschreiber muss über einen fernabfragbaren Kennungsgeber verfügen, dessen Inhalt (Telex-Nummer sowie eine Namensabkürzung und ein Länderkürzel o. Ä.) vom Netzbetreiber fest vorgegeben ist und nicht eigenmächtig verändert werden darf. So kann der Sender einer Nachricht durch Abrufen des entfernten Kennungsgebers zuverlässig feststellen, dass er mit der richtigen Gegenstelle verbunden ist. Durch erneuten Abruf des Kennungsgebers nach Ende einer Übertragung kann auch sichergestellt werden, dass die Nachricht vollständig übermittelt wurde. Auf dem Dokument beim Absender erscheinen dann ober- und unterhalb des eigentlichen Textes die Empfängerdaten.

Farbband, rot und schwarz, Kennung Viele Fernschreiber konnten den ausgesendeten Text rot und den empfangenen schwarz abdrucken. Im Normalfall steuerte der Tastatursender die Zweifarbeneinrichtung. Bei angebauten oder selbständigen Lochstreifensendern übernahm ein zusätzlicher Schaltmagnet diese Steuerfunktion.

Teilnehmeranschaltung Ein Fernschreiber im ursprünglichen Sinne besteht nur aus einem Sender und einem Empfänger, welche über einen gemeinsamen Motor angetrieben werden. Um den Fernschreiber an das Telex-Netz anzubinden, wird ein Fernschaltgerät verwendet, welches die Anrufsignalisierung übernimmt, die Maschine ein- und ausschaltet und gegebenenfalls die Signale zwischen dem Fernschreiber und dem Telex-Netz physikalisch umsetzt.

Für die Anbindung des Teilnehmers an die Vermittlungsstelle existieren verschiedene Ansätze, welche meist eine Zweidrahtleitung, in einigen Fällen jedoch auch eine Vierdrahtleitung zum Teilnehmer voraussetzen.

Die klassische Verbindung zwischen Fernschreiber und Fernschaltgerät ist die 40-mA-Stromschleife, in spätere Fernschreiber wurde das Fernschaltgerät oft direkt eingebaut. Im Bereich der elektronischen Maschinen werden an dieser Stelle andere Anbindungen genutzt. Die logische Unterscheidung zwischen Fernschaltgerät und Fernschreiber wurde jedoch weitgehend beibehalten.

Handvermittlung (HV) In handvermittelten Telex-Netzen wird der Teilnehmer über eine Zweidrahtleitung angeschlossen.

Im Ruhezustand der Leitung speist die Vermittlungsstelle den Anschluss mit negativer Polarität, man spricht auch von „Kehrruhelage“. Es fließt nur ein sehr geringer Strom von 5 mA über einen Widerstand im Fernschaltgerät. Wenn der Teilnehmer eine Verbindung aufbauen möchte, drückt er die Anruftaste auf dem Fernschaltgerät, das darauf den Fernschreiber an die Leitung anschließt. Dadurch steigt der Schleifenstrom auf 40 mA. Die Vermittlungsstelle polt nun die Leitung um. Das wird durch ein im Fernschaltgerät eingebautes polarisiertes Relais detektiert. Das Relais schaltet nun den Motor des Fernschreibers an. Die Verbindung ist hergestellt. Der Teilnehmer kann jetzt mit der Gegenstelle direkt kommunizieren. Zur Beendigung der Verbindung drückt der Teilnehmer die Schlusstaste auf dem Fernschaltgerät. Dadurch wird die Leitung getrennt. Die Vermittlungsstelle bemerkt das und baut die Verbindung ab. Dabei wird der Anschluss wieder in die Kehrruhelage geschaltet, was auch die Fernschreiber der Teilnehmer wieder abschaltet und ihre Stromschleifen von der Leitung trennt. Es fließt wieder der geringe Kehrruhestrom. Bei einer eingehenden Verbindung polt die Vermittlungsstelle die Leitung um. Dadurch wird der Fernschreiber eingeschaltet und mit der Leitung verbunden.

TW39 Das ursprünglich in Deutschland verwendete automatische System TW39 (TW steht dabei für „Teilnehmerwahl“) ist technisch weitgehend kompatibel zum handvermittelten System. TW39-fähige Fernschaltgeräte sind gleichzeitig vollwertige HV-Fernschaltgeräte. Sie verfügen zusätzlich über eine Wählscheibe sowie teilweise über eine Erkennung der Wahlaufforderung der Vermittlungsstelle.

Der Verbindungsaufbau im TW39-System verläuft folgendermaßen: Der Teilnehmer drückt die Anruftaste auf dem Fernschaltgerät, das darauf den Fernschreiber an die Leitung anschließt. Dadurch steigt der Schleifenstrom auf 40 mA. Die Vermittlungsstelle polt die Leitung noch nicht um, sondern signalisiert die Wählbereitschaft durch eine Leitungsunterbrechung von 25 ms Dauer. Nun wird die Zielnummer auf der in die Schleife geschalteten Wählscheibe gewählt (mit dem Impulswahlverfahren wie bei zeitgenössischen Telefonen). Wenn die Verbindung aufgebaut wird, polt die Vermittlungsstelle die Leitung um. Der weitere Ablauf ist mit dem bei der Handvermittlung identisch. Bei Fehlern im Verbindungsaufbau (z. B. wenn das Ziel besetzt ist) polt die Vermittlungsstelle die Leitung nur für einen kurzen Moment um und dann wieder zurück in die Kehrruhelage. Dadurch läuft der Fernschreiber kurz an. Anschließend befindet sich das Fernschaltgerät wieder im Ausgangszustand.

Das beschriebene Verfahren entspricht der „Signalisierung B“ auf Zweidrahtleitungen mit Einfachstrom.

Es gab auch noch eine Anbindung mit Doppelstrom über Vierdrahtleitungen. Dieses Verfahren war jedoch im praktischen Einsatz beim Teilnehmer sehr selten. Hier wurde die „Signalisierung A“ verwendet. Das Fernschaltgerät musste dabei zwischen Einfachstrom des Fernschreibers und Doppelstrom des Anschlusses umsetzen. Beim Doppelstromanschluss kommen zwei Stromschleifen zur Anwendung: eine in der Vermittlungsstelle gespeiste zur Übertragung von dort zum Teilnehmer und eine im Fernschaltgerät gespeiste zur Übertragung in die Vermittlungsstelle. Dabei werden beide Schleifen nicht unterbrochen. Die Kodierung der Daten und der Anrufsignalisierung geschieht durch Änderung der Leitungspolarität. Dabei wird von Trennlage (logisch 1) und Zeichenlage (logisch 0) unterschieden.

Im Ruhezustand sind beide Schleifen in Zeichenlage. Beim Drücken der Anruftaste schaltet das Fernschaltgerät seine Schleife in Zeichenlage um. Die Vermittlungsstelle signalisiert Wählbereitschaft Es wird gewählt durch Impulse in Zeichenlage. Beim Aufbau der Verbindung polt die Vermittlungsstelle ihre Schleife in die Ruhelage um, der Fernschreiber wird angeschaltet. So auch bei eingehenden Verbindungen. Zum Verbindungsabbau wird beim Drücken der Schlusstaste die gehende Schleife wieder dauerhaft in Zeichenlage geschaltet. Darauf schaltet die Vermittlungsstelle ihre Schleife auch wieder in Zeichenlage.

ED1000 mini|Anschaltegerät AGT10 Das vom Hersteller Siemens entwickelte System ED1000 wurde Anfang der 1970er Jahre eingeführt. Zur Anbindung des Teilnehmers an die Vermittlungsstelle wird eine Zweidrahtleitung genutzt, auch eine Standleitung zur Vermittlungsstelle ist möglich. Die Informationen werden Frequenzumtastung-moduliert übertragen. Aus logischer Sicht entspricht das einem TW39-Fernanschluss mit je einer Leitung für jede Richtung. Daher wird auch die Signalisierung A wie bei TW39 benutzt, allerdings ohne Nummernschalterwahl. Die Wahl wird wieder wie bei der Handvermittlung über den Fernschreiber ausgeführt, jedoch automatisch. Dazu muss die Wahl mit einem Pluszeichen abgeschlossen werden. Da der Fernschreiber schon während der Wahl angeschaltet ist, fragt die Vermittlungsstelle beim Angerufenen automatisch den Kennungsgeber ab. So weiß der Anrufer durch Empfang der Kennung des Angerufenen, dass er verbunden ist. Bei Fehlern ist die ED1000-Vermittlung in der Lage, die Fehlerursache in kurzen Meldungen auszugeben, bevor die Verbindung getrennt wird.

Elektronische Fernschreiber haben ein ED1000-Fernschaltgerät meist als Standardausstattung eingebaut. Es ist aber auch möglich, mittels eines „AGT“ genannten Adapters, TW39-Endgeräte an einer ED1000-Leitung zu betreiben.

Anschaltung mittels Modem In einigen Ländern wurden Fernschreiber mittels Tonfrequenzmodem über normale Telefonleitungen angebunden. Teilweise wurden auch vom Telefonnetz unabhängige Standleitungen benutzt, wenn beispielsweise die Verbindung über Übertrager geführt wurde und daher die Nutzung einer Stromschnittstelle nicht möglich war. Meist wurden Modemanbindungen nur für die Letzte Meile benutzt. In den USA basierte jedoch das TWX-System komplett auf dem Telefonnetz, ein eigenes Netz wie in anderen Ländern war nur logisch vorhanden.

i-Telex Nachdem mittlerweile fast alle öffentlichen Telexnetze abgeschaltet sind, riefen Sammler historischer Geräte das TelexPhone-Netz ins Leben. Hier konnte eine Direktverbindung über Modem zwischen zwei herkömmlichen Telexgeräten über das öffentliche Telefonnetz aufgebaut werden.

Da über VoIP keine Modemverbindungen mit ausreichender Güte mehr möglich sind, wurde die Erweiterungskarte „i-Telex“ entwickelt. Mittlerweile wird das Projekt ausschließlich unter dem Namen i-Telex fortgeführt. Es gibt nur noch wenige TelexPhone-Anschlüsse und das Gateway zwischen i-Telex und TelexPhone wurde abgeschaltet.