mini|St. Peter in Köln (2016) mini|St. Peter, Blick zum Chor (2016)
Sankt Peter ist eine in den Jahren von 1512 bis 1533 auf den Fundamenten römischer Thermen und einem bestehenden romanischen Bau errichtete spätgotische Kirche in Köln, die nach dem Wiederaufbau seit 1960 von Jesuiten betreut wird. Als Kunst-Station Sankt Peter Köln ist sie ein international bekannter Sakralraum, in dem das Leben einer Gottesdienstgemeinde auf Positionen zeitgenössischer Kunst und Konzerte Neuer Musik trifft.
Sankt Peter ist der späteste erhaltene gotische Kirchenbau in Köln. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1960 wieder instand gesetzt und in den Jahren 1997 bis 2000 einer umfangreichen Sanierung und Neugestaltung unterzogen. Zusammen mit der benachbarten Cäcilienkirche bildet St. Peter die einzig erhaltene Doppelkirchenanlage einer Stiftskirche mit einer Pfarrkirche in Köln.
Geschichte und Architektur mini|St. Peter und St. Cäcilien um 1665 mini|Innenraum von St. Peter, 1895 Vermutlich bestand an diesem Ort bereits in spätrömischer Zeit eine Kirche von über zwanzig Metern Länge und fast zwanzig Metern Breite, die dann irgendwann zwischen dem fünften und dem zehnten/elften Jahrhundert unbenutzt war und zerfiel. Auch wenn der archäologische Befund definitive Aussagen nicht zulässt, ist nicht auszuschließen, dass bereits in karolingischer Zeit Sankt Peter wieder benutzt worden ist. Spätere Quellen belegen die Gründung des Cäcilienstifts im Jahr 888 durch den Erzbischof Willibert (870–888). In jedem Fall ist ein romanischer Vorgängerbau als dreischiffige Emporenbasilika mit dreiseitigem EmporeneinbauZur baugeschichtlichen Entwicklung der Doppelkirchenanlage St. Cäcilien – St. Peter: Schlimbach 2009, S. 237–248 aus dem zehnten Jahrhundert gesichert, dem im Jahr 1170 ein romanischer Westturm angefügt wurde, weshalb die Kirche auch vom Förderverein Romanische Kirchen Köln betreut wird. Ihr Innenraum misst 37,5 Meter Länge und 21 Meter Breite.
Franzosenzeit
Das Stift St. Cäcilia wurde 1802 aufgehoben. Napoleon ordnete 1805 per Dekret an, das Gebäude der Hospitalverwaltung zu schenken, um dort ein Bürgerhospital einzurichten. Da die Stadt dringend medizinische Kapazitäten für Kranke und Soldaten benötigte, war das massive Steingebäude zu wertvoll, um es als Baumaterial zu nutzen oder verfallen zu lassen. St. Peter blieb als eine der wenigen Pfarrkirchen in der Kölner Altstadt bestehen. Im Zuge der französischen Neuordnung der Diözesen und Pfarreien wurde sie weiterhin für den Gottesdienst benötigt.H. Kier in die Romanischen Kirchen, S. 60
Zerstörung im Zweiten Weltkrieg
Während des sogenannten „Peter-und-Paul-Angriffs“ in der Bombennacht vom 29. Juni 1943 im Zweiten Weltkrieg wurde die Pfarrei von St. Peter fast restlos ausgelöscht, die Kirche wurde bis auf die Grundmauern und Pfeiler zerstört. Trotz der Bemühungen, die wichtigsten Ausstattungsgegenstände der Kirche wie Altarbilder oder Kirchenfenster zu sichern, wurden große Teile des opulenten Holzwerkes der Altäre und Kanzel, ebenso die 1907 vom Kölner Orgelbauer Ernst Seifert im alten Gehäuse von 1820 errichtete Orgel, ein Opfer der Flammen des Krieges.
Wiederaufbau
Nach ersten Sicherungsmaßnahmen setzten im Jahr 1950 die Wiederaufbauarbeiten unter Leitung von Regierungsbaumeister Karl Band (mit Eugen Weiler) und Architekt Wilhelm Schorn ein und konnten bis 1960 nahezu abgeschlossen werden. Den Wiederaufbau bestimmten geringe Mittel und der vorherrschende Zeitgeist, die Zerstörung des Bauwerks durch Betonung der verlorenen Proportionen für die Nachwelt zu dokumentieren. Obwohl die Wiederherstellung des Kirchenraums durch Karl Band sehr „einfühlsam, aber letztlich nur als Fragment“Nicolas T. Weiser: Offenes Zueinander, Räumliche Dimensionen von Religion und Kunst in der Kunst-Station Sankt Peter Köln. 2002, S. 85 erfolgte, bescheinigt der Theologe Nicolas Weiser dem damals neu entstandenen Kirchenraum gegenüber dem Vorkriegszustand eine fast „protestantische“ Anmutung. Ein stufig erhöhter Altarraum, mit Blaustein belegt, diente als Abgrenzung zum Laienraum, der mit rötlichem Ziegelstein ausgestattet war. Der Raumeindruck in der karg ausgestatteten Emporenbasilika wurde vor allem durch eine neue, dunkle hölzerne Kassettendecke bestimmt, „deren Wirkung einem Sargdeckel“Hiltrud Kier: Gotik in Köln. Wienand, Köln 1997, S. 83. gleichkam, wie die Stadtkonservatorin Hiltrud Kier bemerkte. Stehen gelassene Gewölbeauflagen zwischen den Obergadenfenstern erinnern noch heute „wie architektonische Tränen“ an die zerstörten Netzgewölbe. Nur wenige restaurierte oder rekonstruierte Ausstattungen, etwa das mittelalterliche Taufbecken oder schmiedeeiserne Gitter aus der Barockzeit sowie einige Einbauten im Zeitgeist der 1950er Jahre, zierten den Kirchenraum, als im Juli 1960 die Jesuiten in St. Peter einzogen und Pater Alois Schuh SJ ab September 1960 mit der Seelsorge in der Gemeinde betraut wurde. In der Folgezeit wurde ein neuer, schlichter steinerner Hochaltar konsekriert, 1961 kehrten die Altarbilder von Schut und Rubens in die Kirche zurückGuido Schlimbach: Eines der besten Bilder, die meine Hand geschaffen hat. Peter Paul Rubens, Die Kreuzigung Petri. 2015, S. 47. und die erhaltenen Kirchenfenster wurden wieder eingebaut.
Sanierung 1997 bis 2000
Die Konzeption der grundlegenden Innenraumgestaltung während der Sanierung in den Jahren 1997 bis 2000 durch das Architekturbüro Wiegmann & Trübenbach strebte danach, durch Farben, Formen, Materialien und Beleuchtung wieder einen ganzheitlichen, harmonischen Gesamteindruck herzustellen. Dabei war der noch vorhandene Naturstein der Pfeiler Ausgangspunkt für die farbliche Gestaltung, die alle raumbildenden Elemente einbezog. Der steinerne Hochaltar und die nach dem Krieg errichtete Altarerhöhung wurden abgetragen, der Ziegelfußboden im Kirchenschiff und auf der Empore durch einen grauen, fugenlos eingebrachten Estrich ersetzt, der durch eine besondere Oberflächenbehandlung Glanz und Ruhe ausstrahlt. Die Wände erhielten durch einen neuen Lehmputz in warmem Steinfarbton eine Angleichung an die originalen Werksteinteile und binden Pfeiler, Bögen, Gewölberippen und Emporenbrüstungen in die Raumwirkung ein. Eine neue Holzdecke in hellem Grauton ersetzt die dunkle Nachkriegsdecke und verstärkt den Lichteinfall. Elemente, die in den fünfziger Jahren im Stil der Zeit ergänzt worden waren, wurden entfernt und historisch rekonstruiert. Das Sanierungskonzept wurde mit dem Architekturpreis Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.
Ausstattung Kunstwerke Die Kunst-Station Sankt Peter Köln ist wegen dreier herausragender Kunstwerke bekannt: Der „Kreuzigung Petri“, dem wahrscheinlich letzten Gemälde von Peter Paul Rubens aus den Jahren 1638 bis 1640Dass Rubens hier getauft wurde, lässt sich trotz immer wieder aufgestellter Behauptung nicht nachweisen; er verbrachte allerdings seine Kindheit in der Nachbarschaft., der Skulptur „Gurrutz Aldare“ von Eduardo Chillida aus dem Jahr 2000, die zunächst von 2000 bis 2004 als Altar der Kirche fungierte, sowie dem „Grauen Spiegel“ von 2018, dem vorletzten bildnerischen Werk (WV-Nr. 954-1) von Gerhard Richter.
Die Fenster der Apsis und die der Seitenschiffe gelten als bemerkenswertes Zeugnis des Kölner Kunstschaffens im frühen 16. Jahrhundert. Ihre Renaissance-Glasmalereien stammen aus den Jahren 1528 bis 1530. Die Chorfenster stellen die Passionsgeschichte von der Kreuztragung über die Kreuzigung bis hin zur Kreuzabnahme dar. Unter diesen Fenstern liegen weitere Fenster mit Glasmalereien, die die Stifter der Fenster zeigen, so etwa Elisabeth von Manderscheid, die Äbtissin des Cäcilienklosters war.
Don’t Worry ist der Name der Lichtinstallation des Londoner Künstlers und Turner-Preisträgers Martin Creed, die sich an allen Außenseiten des Turmes oberhalb der Schallöffnungen befindet. Dieser englische Schriftzug ist an den drei anderen Turmseiten ins Lateinische, Griechische und Deutsche übersetzt: „Noli solicitus esse – Mη mεριμνα – Sorge dich nicht“. Aus der Mitte dieses Sprachgewirrs kann sich der Leser sein persönliches Verständnis erarbeiten und für sich die Gute Nachricht der Bergpredigt herausfiltern. Dabei verkündigt sie beides: das Unbedachte des Dahingesagten und das Befreiende des Bedachten.
In der Gitterkapelle sind die Schreine mit den Reliquien der Heiligen Evergislus und Paulinus aus dem Jahre 1802 aufgebahrt. Der heilige Everigisil ist der Schutzpatron der Glaser und der Kölner Malerzunft, Paulinus war ein Diakon des ersten Kölner Bischofs Maternus.
Kunst-Station Sankt Peter Köln Die Kunst-Station Sankt Peter Köln als Zentrum für zeitgenössische Kunst und Musik wurde 1987 von Friedhelm Mennekes SJ gegründet. Heute wird die Kunst-Station von Guido Schlimbach für den Bereich Kunst (seit 2011) und von Michael Veltman für den Bereich Musik (2022) geleitet.
Die in den Jahren 1997–2000 neu gestaltete, spätgotische Kirche mit ihrem Charakter der Leere – in der nach wie vor regelmäßig Gottesdienste gefeiert werden – bietet seitdem einen Ort für die gezielte Inszenierung von temporär installierten Kunstwerken in Konfrontation mit katholischer Spiritualität. Die ausgestellten, in der Regel ortsspezifisch entwickelten Arbeiten sollen den formulierten Glauben jedoch keinesfalls illustrieren. Die Künstlerinnen und Künstler sind vielmehr aufgefordert, der Gemeinde und den Besuchern existenzielle Fragen des Lebens auf ihre Art und Weise gegenüber zu stellen. So öffnet die Kunst-Station Sankt Peter Köln seit mehr als 30 Jahren einen Raum, in dem die ansonsten getrennten Bereiche von Gegenwartskunst und Liturgie in einen Dialog treten können, ohne einander zu vereinnahmen.
Die Künstlerinnen und Künstler, die in der Kunst-Station Sankt Peter eine Ausstellung oder eine Kunstintervention realisieren, werden von einem unabhängigen und ehrenamtlichen Beirat, der von der Gemeinde berufen wird, ausgewählt und eingeladen. Bewerbungen sind nicht möglich.
Mit Ausstellungen oder Interventionen vertretene Künstler, seit 1987
2025: Embodies. Johanna von Monkiewitsch 2024/25: The Moon is Beautiful. Ken Matsubara 2024: Sming. Interaktive Klanginstallationvon SUPERBE (Gaëtan Libertiaux, Gaël Bertrand) 2024: Potluck: Emma Brennan, Áine O’Hara, Mark Buckeridge, Jellyspoor und Gäste 2024: Farbspeicher | Malerei-Installation – Dorothee Joachim 2024: B.O.D.Y. – Johannes Wald 2024: Vor dem Archiv II – Jürgen Heiter und Cony Theis 2023: Lyoudmila Milanova. Blueprint of the sky 2023: Martin Gerwers. Pylon 2023: Peter Downsbrough 2023: 뇽ㅞ직ㅼㅞㅸㄶㅛ – Wie ein Fluss. Daiki Kimoto 2023: Waldfegen. Ivo Weber 2022/23: Terminal, Terminal. Selma Gültoprak 2022: Young-Jae Lee – Sieben mal Sieben, Thomas Thiede & Alexander Kluge. Sternzeichen Maulwurf 2022: Frank Gerritz: Sculptural Light 2021: Ariel Schlesinger: Bubble Machine, Oskar Stocker: Erinnere Dich, Jana Schröder: PPR, Bettina Marx: siblings, Kara Walker: Replace Rubens … with a Fortune Telling Device, Lothar Wolleh: Sankt Peter in Sankt Peter, Liam Gillick: Kinetic Energy of Rigid Bodies, Tony Matelli: Weed 2020: Walid Raad. I long to meet the masses once again, Gerhard Richter: Grauer SpiegelGerhard Richter: Grauer Spiegel, abgerufen am 6. Mai 2020. 2019: Aljoscha: Alterocentric EudaimoniaAljoscha: Alterocentric Eudaimonia, abgerufen am 19. April 2019. 2018: Rossella Biscotti, Rikuo Ueda, Daniela Georgieva 2017: Ira Bartell, Sidival Fila, Marc Fromm 2016: Achim Freyer, Olafur Eliasson, Valerie Krause 2015: Claire Morgan, Jesse Magee, Hermann Josef Hack 2014: Ian McKeever, Berndnaut Smilde, Boris Becker, Shigeru Takato, Thomas Bayrle, Christoph Brech 2013: Max Cole, Cerith Wyn Evans, Zlatko Kopljar, Judith Röder 2012: Herbert Falken, Kris Martin, Bruce Nauman, Gabriel Diaz 2011: Mats Bergquist, Karin Sander 2010: Katja Strunz, Tessa Knapp, Motoi Yamamoto, Erik Schmidt, LAb[au] 2009: Jack Pierson, Angela Glajcar, Simon Ungers, Sebastian Wickeroth