Der Kreis Freital war ein Landkreis im Bezirk Dresden der DDR. Von 1990 bis 1994 bestand er als Landkreis Freital im Freistaat Sachsen fort. Sein Gebiet liegt heute im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Der Sitz der Kreisverwaltung befand sich in Freital.

Geographie Lage Am Nordrand des Osterzgebirges gelegen befand sich der Kreis Freital südwestlich der Bezirkshauptstadt Dresden. Der Kreis Freital grenzte im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Meißen, Dresden-Land, Stadtkreis Dresden, Pirna, Dippoldiswalde und Freiberg.

Landschaft und Naturraum Im Süden und Südwesten reichen die nördlichen Ausläufer des Osterzgebirges in das ehemalige Kreisgebiet hinein. In dieser flachwelligen, überwiegend bewaldeten Landschaft erreichen die Bergkuppen Höhen von 350 bis 400 m. Aus dem Osterzgebirge kommend, hat sich die Wilde und Rote Weißeritz in diese Hochfläche eingeschnitten. Der Rabenauer Grund, ein reizvoller Talabschnitt der Roten Weißeritz bei Rabenau, ist seit 1961 Naturschutzgebiet. Beide Flüsse vereinen sich unterhalb des Rabenauer Grundes zur Weißeritz, deren Tal sich bald zum Döhlener Becken weitet. In diesem liegt die Stadt Freital. Im Südwesten erstrecken sich der als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene Tharandter Wald, ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Dresdener Bevölkerung. Begünstigt durch gute Bodenverhältnisse ist dieses ausgedehnte Waldgebiet durch besonders prächtige Mischwaldbestände geprägt.

Nach Osten fällt die Erzgebirgsfläche mit einer deutlichen Stufe zur Dresdener Elbtalweitung ab, in die das östliche Kreisgebiet hineinreichte. Im Norden und Nordwesten des früheren Kreisgebiets geht das Gelände dagegen kaum merklich in das Mittelsächsische Lösshügelland mit Höhen um 300 m über. Hier bestimmen Ackerflächen auf fruchtbaren Böden das Landschaftsbild.

Geschichte Bildung und Entwicklung Der Kreis Freital entstand im Zuge der Kreisreformen in der DDR am 25. Juli 1952. Zwei Drittel der Gemeinden kamen aus dem alten Landkreis Dresden. Der Kreis wurde dem neugebildeten Bezirk Dresden zugeordnet. Kreissitz wurde die Stadt Freital. Den endgültigen Zuschnitt erhielt der Kreis Freital jedoch erst am 4. Dezember 1952. Folgende Landkreise (bis 1939 Amtshauptmannschaften) trugen mit ihren Gemeinden zur Kreisbildung bei: 12 Gemeinden aus dem Landkreis Dippoldiswalde: Bärenklause-Kautzsch, Börnchen b. Possendorf, Gombsen, Karsdorf, Kleincarsdorf, Kreischa, Lungkwitz, Oelsa, Possendorf, Quohren, Spechtritz und Theisewitz 33 Gemeinden aus dem Landkreis Dresden: Babisnau, Bannewitz, Braunsdorf b. Tharandt, Dorfhain, Fördergersdorf, Freital, Gaustritz, Golberode, Goppeln, Grillenburg, Grumbach, Hainsberg, Hänichen, Herzogswalde, Kauscha, Kesselsdorf, Kleinnaundorf b. Dresden, Kleinopitz, Klingenberg, Kurort Hartha, Lübau, Oberhermsdorf, Obernaundorf, Pesterwitz, Pohrsdorf, Rabenau, Rippien, Saalhausen b. Freital, Sobrigau, Somsdorf, Tharandt, Weißig und Wurgwitz 3 Gemeinden aus dem Landkreis Meißen: Helbigsdorf, Kaufbach und Wilsdruff Eine Gemeinde aus dem Landkreis Freiberg: Colmnitz Eine Gemeinde aus dem Landkreis Pirna: Borthen

Sitz des Landratsamtes wurde das Rathaus Döhlen, in dem bereits 1921 die Stadt Freital gegründet worden war und das auch schon Sitz der Stadtverwaltung gewesen ist. Andere Einrichtungen des Kreises bezogen im Georg-Palitzsch-Hof ältere oder in der Weimarer Zeit errichtete Gebäude oder bekamen später Neubauten. Das Gesundheitsamt bezog 1990 die vorherige Kreisdienststelle des MfS an der Wilsdruffer Straße (heute Gelände der Ziegelei Eder).

Am 17. Mai 1990 wurde der Kreis auf Grundlage der neuen Kommunalverfassung der DDR in Landkreis Freital umbenannt.Durch Gesetz über die Selbstverwaltung der Gemeinden und Landkreise in der DDR (Kommunalverfassung) vom 17. Mai 1990, im Gesetzblatt der DDR 1990, Band I, S. 255, Online (PDF). Im Zuge der Wiederbegründung des Freistaats Sachsen und der deutschen Wiedervereinigung wurde der Landkreis durch das Ländereinführungsgesetz Teil des Bundeslands Freistaat Sachsen.

Noch im Jahr 1990 wurde eine Partnerschaft zum Zollernalbkreis in Baden-Württemberg aufgenommen. Zum 1. Januar 1991 wurde der Landkreis Freital dem Regierungsbezirk Dresden unterstellt, der in seinen Abmessungen in etwa dem Bezirk Dresden in der DDR entsprach.

Bei der Kreisreform Sachsen 1994/1996 fusionierte der Landkreis Freital, ohne die Gemeinde Borthen und zunächst ohne die Stadt Wilsdruff, mit dem Landkreis Dippoldiswalde zum Weißeritzkreis.

Gebietsänderungen Durch Gemeindegebietsveränderungen und Umgliederungen über Kreisgrenzen hinweg sank die Zahl der Gemeinden bis auf 24 im Jahr 1990: 4. Dezember 1952: Umgliederung von Blankenstein und Limbach aus dem Kreis Meißen in den Kreis Freital 4. Dezember 1952: Umgliederung von Mohorn aus dem Kreis Freiberg in den Kreis Freital 1. Januar 1957: Eingliederung von Gaustritz in Golberode 20. Juni 1957: Eingliederung von Babisnau in Bärenklause-Kautzsch 1. April 1959: Eingliederung von Golberode und Kauscha in Goppeln 1. Januar 1964: Eingliederung von Hainsberg in die Stadt Freital 1. Januar 1970: Eingliederung von Börnchen b. Possendorf in Possendorf 2. Januar 1971: Eingliederung von Karsdorf in Oelsa 2. Januar 1971: Eingliederung von Quohren in Kreischa 1. Januar 1972: Eingliederung von Hänichen in Rippien 1. Januar 1973: Eingliederung von Fördergersdorf und Grillenburg in Hartha 1. Januar 1973: Eingliederung von Kaufbach in die Stadt Wilsdruff 1. Januar 1973: Eingliederung von Kleinopitz und Oberhermsdorf in Braunsdorf 1. Januar 1973: Eingliederung von Lungkwitz und Theisewitz in Kreischa 1. Januar 1973: Eingliederung von Saalhausen in die Stadt Freital 1. März 1973: Eingliederung von Spechtritz in die Stadt Rabenau 7. Oktober 1973: Eingliederung von Gombsen und Kleincarsdorf in Kreischa 1. Januar 1974: Eingliederung von Blankenstein in Helbigsdorf 1. Januar 1974: Eingliederung von Herzogswalde in Mohorn 1. Januar 1974: Eingliederung von Limbach in die Stadt Wilsdruff 1. Januar 1974: Eingliederung von Lübau und Obernaundorf in die Stadt Rabenau 1. Januar 1974: Eingliederung von Kleinnaundorf, Somsdorf, Weißig und Wurgwitz in die Stadt Freital

Einwohnerentwicklung Die folgenden Tabellen zeigen die Entwicklung der Einwohnerzahl des Kreisgebietes. Für den Zeitraum von 1939 bis 1950 basieren die Werte auf Schätzungen und Zusammenzählung der Einwohnerzahlen der Gemeinden, die 1952 Teil des Kreises wurden. Ab 1990 beziehen sich die Angaben auf den im Mai geschaffenen Landkreis Freital. Die Daten entstammen dem Statistischen Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik bzw. den Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen.

Datum Einwohner 17. Mai 1939 94.328 29. Oktober 1946 108.858 31. August 1950 110.300 31. Dezember 1955 107.500 31. Dezember 1956 105.889 31. Dezember 1957 104.124 31. Dezember 1958 103.245 31. Dezember 1959 102.067 31. Dezember 1960 101.345 31. Dezember 1961 100.365 Datum Einwohner 31. Dezember 1962 99.485 31. Dezember 1963 98.696 31. Dezember 1964 98.422 31. Dezember 1965 98.522 31. Dezember 1966 98.468 31. Dezember 1967 97.882 31. Dezember 1968 97.291 31. Dezember 1969 96.471 31. Dezember 1970 95.785 31. Dezember 1971 94.534 Datum Einwohner 31. Dezember 1972 93.483 31. Dezember 1973 92.234 31. Dezember 1974 90.598 31. Dezember 1975 89.455 31. Dezember 1976 88.970 31. Dezember 1977 88.679 31. Dezember 1978 88.272 31. Dezember 1979 87.587 31. Dezember 1980 87.037 31. Dezember 1981 86.164 31. Dezember 1982 85.474 Datum Einwohner 31. Dezember 1983 84.797 31. Dezember 1984 83.311 31. Dezember 1985 82.357 31. Dezember 1986 81.381 31. Dezember 1987 80.666 31. Dezember 1988 79.885 31. Dezember 1989 78.318 31. Dezember 1990 76.248 31. Dezember 1991 74.970 31. Dezember 1992 74.484 31. Dezember 1993 73.853

Seit seiner Gründung 1952 sank die Einwohnerzahl des Kreises fast durchgängig. Nur von 1964 zu 1965 konnte eine Steigerung der Bevölkerungszahl erreicht werden. Am 31. August 1950 lebten auf dem späteren Kreisgebiet etwa 110.300 Menschen. Fünf Jahre später waren es noch 107.500. Die Grenze von 100.000 Einwohnern unterschritt der Kreis Freital zum 31. Dezember 1962. Damals lebten 99.485 Menschen im Kreisgebiet. Nach der kurzzeitigen Abschwächung des Bevölkerungsrückgangs Mitte der 1960er Jahre verlor der Kreis bald wieder über 800 und teils über 1200 Einwohner pro Jahr. Im Jahr 1974 lebten 1.700 Menschen weniger im Kreis Freital als im Vorjahr. Ende 1975 hatte der Kreis erstmals weniger als 90.000 Einwohner, 1988 erstmals weniger als 80.000 Einwohner. Die amtliche Einwohnerzahl vom 31. Dezember 1989 gab 78.318 im Kreis lebende Personen an, vier Jahre später waren es noch 73.853.

Verwaltungsgliederung Im Jahr 1990 kamen die 24 Gemeinden des Kreises Freital in den wiedergegründeten Freistaat Sachsen. Dies waren:Regionalregister Sachsen AGS Gemeinde Einwohner(3. Okt. 1990) Einwohner(31. Dez. 1990) Fläche(31. Dez. 1990, ha) 14026010 Bärenklause-Kautzsch 256 251 319 14026020 Bannewitz 3.340 3.340 829 14026050 Borthen 545 548 507 14026060 Braunsdorf 1.501 1.493 592 14026070 Colmnitz 1.653 1.652 1.632 14026080 Dorfhain 1.254 1.250 625 14026100 Freital, Stadt 40.288 40.033 3.785 14026120 Goppeln 645 637 663 14026140 Grumbach 1.244 1.270 1.567 14026160 Kurort Hartha 2.288 2.284 5.062 14026170 Helbigsdorf 575 574 1.244 14026210 Kesselsdorf 631 626 388 14026250 Klingenberg 1.383 1.399 573 14026260 Kreischa 3.222 3.199 2.317 14026300 Mohorn 2.001 1.959 2.066 14026330 Oelsa 1.696 1.691 1.720 14026340 Pesterwitz 1.192 1.183 269 14026350 Pohrsdorf 322 320 317 14026360 Possendorf 1.902 1.885 839 14026380 Rabenau, Stadt 3.048 3.036 1.352 14026390 Rippien 1.027 1.022 437 14026410 Sobrigau 223 221 261 14026440 Tharandt, Stadt 2.555 2.566 1.745 14026470 Wilsdruff, Stadt 3.863 3.809 2.255 14026 Landkreis Freital 76.654 76.248 31.366

Inzwischen existieren auf dem früheren Gebiet des Kreises nur noch die Gemeinden Wilsdruff, Freital, Kreischa, Bannewitz, Rabenau, Tharandt, Dorfhain und Teile von Klingenberg.

Wirtschaft und Infrastruktur Freital gehörte zu den Industrielandkreisen am Rand des Ballungsraumes Oberes Elbtal, dessen Kern die Großstadt Dresden war. Der Schwerpunkt der Wirtschaft lag im Bereich der Schwerindustrie der Stadt Freital. Zentrum der Edelstahlerzeugung war der VEB Edelstahlwerk „8. Mai 1945“. Darüber hinaus wurden in Freital Produkte des Maschinenbaus, der Kamera-, Glas-, Porzellan-, Papier-, Textil-, Leder-, Möbel- und Bauindustrie hergestellt. Der ehemals bedeutsame Steinkohlenbergbau wurde 1959 eingestellt. In Wilsdruff wurden Gläser, Möbel, Fahrzeug- und Transportmaschinen hergestellt, in Tharandt entstanden Gehäuse für Fernsehgeräte. Das Wirtschaftsleben der Stadt Rabenau wurde von der traditionsreichen Sitzmöbelindustrie bestimmt. Im südlichen Kreisgebiet, im Osterzgebirge, war der Fremden- und Naherholungsverkehr von Bedeutung. Kurort Hartha bei Tharandt, Tharandt selbst, Grillenburg, Mohorn und Rabenau waren beliebte Erholungsorte. Die Landwirtschaft prägte das Wirtschaftsleben im Nordwesten. Hier wurde sowohl Getreide angebaut als auch Viehwirtschaft betrieben.