Netphen [] (mundartlich Netphe) ist eine Mittelstadt im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen.
Geografie mini|Ortsteile von Netphen Netphen liegt im Südwesten des Rothaargebirges im Siegerland, an der nordöstlichen Stadtgrenze grenzt die Stadt an Wittgenstein. Die Kernstadt von Netphen befindet sich etwa 6,5 km (Luftlinie) nordöstlich der Innenstadt von Siegen. Das Stadtgebiet ist durch eine Landschaft mit zahlreichen Bergrücken und Tälern geprägt. Einige Stadtteile liegen im Südteil des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge.
Gewässer Durch Netphen fließt die Sieg. Größere Fließgewässer im Stadtgebiet sind unter anderem der Werthenbach, dessen Zufluss Geiersgrundbach, die Netphe, der Dreisbach und die Obernau, welche die nach ihr benannte Obernautalsperre bei Brauersdorf speist. Sie ist neben der Breitenbachtalsperre bei Hilchenbach die zweite Talsperre, die vom Wasserverband Siegen-Wittgenstein betrieben wird. Im Netphener Stadtgebiet befinden sich die Siegquelle (nordöstlich von Walpersdorf), die Lahnquelle bei Lahnhof, und wenige Kilometer nordwestlich der Siegquelle die Quelle der Eder.
Berge Große Teile des Netphener Stadtgebiets befinden sich im Rothaargebirge oder in den Siegerländer Rothaar-Vorhöhen. Höchste Berge im Stadtgebiet sind mit jeweils die Oberste Henn und mit der Jagdberg. Die meisten der hohen Berge im Netpherland befinden sich westlich und östlich entlang der Eisenstraße. Weitere markante Berge in Netphen sind der Söhler, der Haferhain, die Alte Burg mit gleichnamiger Wallanlage und der Heinenberg.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden bzw. -städte Netphens sind Hilchenbach im Norden, Erndtebrück im Nordosten, Bad Laasphe im Osten, Dietzhölztal (Lahn-Dill-Kreis, Hessen) im Südosten, Haiger (Lahn-Dill-Kreis) und Wilnsdorf im Süden, Siegen im Südwesten und Westen sowie Kreuztal im Nordwesten.
Stadtgliederung Stadtteile Netphen besteht aus 21 Ortsteilen, die teilweise schon Teil des alten Amtes Netphen waren:
Kernort Netphen mini|Die Altstadt von Netphen Die Kernstadt Netphen ist der größte Stadtteil Netphens. Der Ort liegt auf rund Höhe und dehnt sich in den Gemarkungen Nieder- und Obernetphen über etwa 10,7 km² Fläche aus. Die Bevölkerung umfasst 6104 Einwohner (Stand 31. Dezember 2013).
Netphen verfügt über die Grundschule Netphen mit ihren zwei Standorten Obernetphen und Niedernetphen, eine Sekundarschule, ein Gymnasium, das Rathaus der Stadt sowie den Freizeitpark Netphen (N-Flow) mit einem Hallen- und Freibad inklusive Saunabereich, zwei Indoorsoccer-Feldern, einem Fitnessstudio sowie einer Trampolinhalle.
Sehenswürdigkeiten sind unter anderem die evangelische Martinikirche, die simultane St. Peterskapelle, die katholische Pfarrkirche St. Martin und die katholische Kreuzbergkapelle.
Klima Aufgrund der hohen Erhebungen außerhalb des Stadtgebiets ist das Klima in Netphen sehr unterschiedlich. Nicht selten wird im Ortskern bereits der Frühling ausgerufen, während auf den Bergen noch Schnee liegt. Die Temperatur nimmt mit der Höhe stark ab. Dies kann man besonders gut in den Wintermonaten beobachten. Dabei unterscheiden sich die Temperaturen zwischen Berg und Tal (Höhenunterschied etwa 400 m) teilweise um 5 bis 6 °C. Bei Inversionswetterlagen werden oft Temperaturen von unter −15 °C erreicht. Die Schneehöhe variiert je nach Höhenlage zwischen 20 und 30 cm im Tal und bis zu 70 cm in den Bergen.
Die Meteomedia AG hat eine vollautomatische Wetterstation in Netphen stationiert. In klaren, windstillen Nächten kann es auch im Sommer empfindlich kalt werden. Im Talkessel, in dem die Kaltluft zu Boden sinkt, können dann Temperaturen nahe der 0 °C-Marke erreicht werden.Täglich aktualisierte Hitliste der kältesten Orte Deutschlands Daher befindet sich Netphen auch häufig in der von Meteomedia ausgestellten „Hitliste“ der kältesten Orte mit morgendlichen Minimumtemperaturen. Die Temperatur steigt im Laufe des Tages jedoch rapide, so dass durchaus 25 °C erreicht werden können. Im Höhepunkt des Sommers werden dann meist Temperaturen von bzw. über 30 °C gemessen. Mit rund 900 mm im Stadtgebiet und bis zu 1350 mm Niederschlag beim Forsthaus Hohenroth pro Jahr wird die Landwirtschaft erheblich erschwert.https://www.dreis-tiefenbach-wetter.de/html/daten_archiv.html
Geschichte Siedlungsreste deuten auf eine frühe Besiedlung aus der Zeit um 500 v. Chr. hin, da aus der La-Tène-Zeit archäologische Funde vorliegen. Schon die Kelten haben zu jener Zeit den Holz- und Erzreichtum der Region genutzt, wurden im Laufe der Zeit jedoch von den nach Süden wandernden Germanen verdrängt. In dieser Zeit sind wohl einige Festungen der Kelten entstanden, so z. B. die sog. alte Burg, ein Berg, auf dem höchstwahrscheinlich eine keltische Fliehburg stand. Im Mittelalter gehen die ersten Erwähnungen dieser Netpher Region auf das 11. Jahrhundert zurück. Wie in den meisten Teilen des alten Kreises Siegen wurde das Fürstenhaus Nassau als Landesherren von Netphen genannt. 1215 wurden die Herren von Hain auf Burg Hainchen aufgeführt.
1239 übertrug Graf Heinrich II. der Reiche von Nassau auf Bitten seines Lehnsmannes Friedrich vom Hain dem Prämonstratenserinnen-Kloster Stift Keppel die Einkünfte des Netphener Kirchspiels. Dieses ist zugleich die erste urkundliche Erwähnung von Netphen. Der Ortsteil Niedernetphen wurde im Jahr 1439 erstmals urkundlich erwähnt.Karte Fürstentum Nassau-Siegen:
Am 28. Juli 1590 zerstörte ein Blitzschlag den Turm der Netphener Kirche.Zurückgeblättert..., Siegener Zeitung vom 30. Juli 2011, S. 43
Namensgebend für den Nordost-Teil des Siegerlandes – des Netpherlands –, insbesondere für die Gegend um Irmgarteichen, war Graf Johann VII. von Nassau-Siegen, durch dessen Testament aus dem Jahr 1621 die Region an seinen ältesten Sohn Johann VIII. (1583–1638) fiel. In den Jahren von 1635 bis 1637 wütete die Pest. Für den 3. Mai 1643 liegen Berichte von einem Überfall räuberischer Truppen auf Netphen vor, bei dem die Siedlung geplündert und weitgehend zerstört wurde.Adolf Müller: Meilensteine aus der Siegerländer Vergangenheit. In: Siegerländer Heimatkalender 1966, S. 98 Im Jahre 1742 gelangte Netphen – wie alle anderen Gebiete nördlich der Lahn – an den Prinzen Wilhelm Karl Friso von Oranien, Fürst von Nassau-Dietz und Erbe der Vereinigten Niederlande. Napoleon schlug das Siegerland im Zuge seiner Neuordnung Deutschlands dem Großherzogtum Berg zu. Diese Veränderung wurde allerdings 1813 rückgängig gemacht und Netphen wurde wieder Eigentum der Oranier. 1815 verzichteten diese auf alle deutschen Landesteile und Netphen kam 1816 an das Königreich Preußen.
Am 1. Januar 1969 entstand im Zuge der kommunalen Neuordnung die Großgemeinde Netphen. Diese erlangte am 30. Juni 1997 mit der Überschreitung der 25.000-Einwohnermarke Stadtstatus. Kurz vor Beginn des neuen Jahrtausends am 1. Januar 2000 wurde Netphen offiziell zur Stadt erklärtStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands und hat den Status einer mittleren kreisangehörigen Stadt.
Vom 15. bis zum 17. August 2014 fand die 775-Jahr-Feier von Netphen mit einem stehenden Festzug statt. Es wurden etwa 40.000 Besucher gezählt.
Telefonvorwahlen Kurios ist bis heute, dass es in Netphen mehr als zwei Telefonvorwahlen gibt. Während dem Hauptort die Vorwahl 02738 zugewiesen wurde, sind das Amt Netphen-Deuz und die östlicheren Ortschaften über die Vorwahl 02737 zu erreichen. In einigen Orten werden jedoch Vorwahlen angrenzender Städte verwendet, so sind Dreis-Tiefenbach über 0271 (Siegen), Unglinghausen über 02732 (Kreuztal, seit 1911) und Herzhausen über 02733 (Hilchenbach) zu erreichen. Die angrenzenden Wilnsdorfer Ortsteile Gernsdorf, Rudersdorf und Flammersbach sind dagegen über die Netphen-Deuzer Vorwahl 02737 zu erreichen, stehen aber im Telefonbuch unter Wilnsdorf. Diese Zuordnung wurde von der Post vor der heutigen Gliederung Netphens vorgenommen und hat sich bis heute im Telefonnetz erhalten. Sie liegt hauptsächlich in der Entfernung der Dörfer zu den Vermittlungsstellen begründet.
Ortsname Im Jahr 1239 ist der Ort als Nepphe verschriftlicht und 1257 als Netphe. Der Ortsname geht auf den Fluss Netphe zurück, dessen Ausgangswort *Natapa (siehe -apa) gewesen sein könnte. Die Bedeutung wäre dann ‚benetzender Wasserlauf‘.
Einwohnerentwicklung Stadt Netphen Amtliche Einwohnerzahlen der Gemeinde bzw. Stadt Netphen seit ihrer GründungLandesdatenbank NRW
Jahr Einwohner 1969 19.695 1970 20.435 1971 20.847 1972 20.902 1973 21.353 1974 21.573 1975 21.630 1976 21.649 1977 21.632 1978 21.683 Jahr Einwohner 1979 22.035 1980 22.437 1981 22.414 1982 22.594 1983 22.619 1984 22.498 1985 22.564 1986 22.627 1987 22.048 1988 22.257 Jahr Einwohner 1989 22.758 1990 23.293 1991 23.792 1992 24.146 1993 24.319 1994 24.588 1995 24.897 1996 24.943 1997 25.106 1998 25.027 Jahr Einwohner 1999 25.048 2000 25.034 2001 25.038 2002 25.078 2003 25.117 2004 24.855 2005 24.679 2006 24.568 2007 24.500 2008 24.349 Jahr Einwohner 2009 24.234 2010 24.101 2011 23.961 2012 23.844 2013 23.051 2016 23.356 2019 23.081
Kernort Netphen Einwohnerzahlen der Kernstadt:Otto Schaefer: Der Kreis Siegen. Siegen 1968. Jahr Einwohner Niedernetphen Obernetphen Gesamt 1818 497 336 833 1885Westfälisches Gemeindelexikon 1887, S. 110–111 737 404 1141 1895Westfälisches Gemeindelexikon 1897, S. 112–115 791 443 1234 1905 934 470 1404 1910 1009 541 1550 1925genealogy.net: Amt Netphen 1401 732 2133 1933 1447 750 2197 1939 1634 787 2121 Jahr Einwohner Niedernetphen Obernetphen Gesamt 1950 2108 696 2804 1961 2779 1346 4125 1967 3050 1668 4718 1994Bernhard Oltersdorf: (PDF; 9,0 MB), ca. 1995 6054 2005 6357 2009 6159 2012 6138 2013 6104
Religion In Netphen gesamt gibt es annähernd gleich viel römisch-katholische wie evangelische (reformierte und lutherische) Christen, wobei es zwischen den einzelnen Orten durchaus Unterschiede gibt. In der Stadt bestehen einige Freikirchen: Die Christliche Versammlung Dreis-Tiefenbach, die Freie evangelische Gemeinde Netphen und die Gemeinschaft Deuz.
Politik
Stadtrat Die 34 Sitze des Stadtrates verteilen sich wie folgt: CDU SPD UWG GRÜNE FDP Die Linke Freie Wähler Gesamt20251586321136202012 9 7 4 2 – – 34 2014Ratswahl – Sitzverteilung, abgerufen am 25. März 2016 14 10 5 2 2 1 – 34
Hinzu kommt die Stimme des Bürgermeisters.
Bürgermeister 1969–1989: Josef Zimmermann (CDU) (* 23. Januar 1923; † 2. März 2009) In: derwesten.de. 6. März 2009, abgerufen am 16. März 2016. 1989–1994: Helmut Buttler (SPD)Siegerländer Chronik vom 1. September 1989 bis 31. August 1990. In: Siegerländer Heimatkalender 1991, S. 173–174, 66. Ausgabe, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur 1994–2009: Rüdiger Bartsch (* 17. April 1943; † 25. Juni 2015) 2009–2025: Paul Wagener (parteilos); bei der Kommunalwahl 2015 mit 59,31 % und 2020 mit 53,0 % der Stimmen wiedergewählt worden. seit 2025: Marco Müller (CDU)
Wappen und Banner mini|321x321px|Banner der Stadt Netphen
Der Stadt Netphen ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten in Arnsberg vom 8. März 1974 das Recht zur Führung eines Wappens, eines Siegels und eines Banners verliehen worden. Das Banner wird in der Hauptsatzung der Stadt folgendermaßen beschrieben: „Die Flagge in Bannerform ist von blau zu gelb im Verhältnis 1:1 längs gestreift und zeigt in der Mitte des oberen Drittels den Wappenschild der Stadt Netphen.“
Städtepartnerschaften Sagan (Polen), seit 1995
Partnerschaftliche Beziehungen Quiévy (Frankreich) Hohenelbe (Tschechien)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke und Sehenswürdigkeiten Heimatmuseum Seit 1996 existiert im Heimatmuseum ein großer Ausstellungsraum mit Zeugnissen der Vor- und Frühgeschichte. Schwerpunkt ist die traditionelle Wirtschaft des Netpherlandes mit Gerberei, Köhlerei sowie Haubergswirtschaft, Hude und Imkerei. Im selben Gebäude befindet sich auch das Kultur- und Touristikbüro.
Martinikirche