mini|Luftbild der Altstadt von Eisenach|301x301px Eisenach ist eine Große Kreisstadt im Wartburgkreis in Thüringen, im Tal der Hörsel am Nordrand des Thüringer Waldes.
Bekannt ist Eisenach vor allem durch die Wartburg südlich und oberhalb der Altstadt. Es war im Mittelalter Residenzstadt der Landgrafen von Thüringen und später der Herzöge von Sachsen-Eisenach. Seit dem Ende der Monarchie führt die Stadt den Beinamen Wartburgstadt.Der Beiname „Wartburgstadt“ auf der Homepage Eisenachs, abgerufen am 6. Oktober 2016. Vgl. den historischen Rückblick in der Präambel der Hauptsatzung: „Eisenach wurde im Jahre 1919 kreisfrei und nennt sich seit dieser Zeit ‚Wartburgstadt‘.“ Der offizielle Name ergibt sich aus § 1 Abs. 1: „Die Stadt führt den Namen ‚Eisenach‘.“ Hauptsatzung der Stadt Eisenach vom 4. März 1997 in der Fassung der 17. Änderungssatzung vom 25. November 2014/1. Januar 2015. (PDF; 99 kB) In: eisenach.de, abgerufen am 6. Oktober 2016.
Eisenach ist zudem Lutherstadt – Martin Luthers Mutter stammte aus Eisenach, und Luther ging hier ab 1498 zur Schule. 1685 wurde Johann Sebastian Bach in Eisenach geboren, dessen Vater hier Stadtpfeifer und herzoglicher Hoftrompeter war.
Im 19. Jahrhundert setzte auch in Eisenach die Industrialisierung ein. 1896 wurde die Fahrzeugfabrik Eisenach gegründet, in der zur Zeit der Deutschen Demokratischen Republik der Wartburg gebaut wurde. Opel führt den Automobilbau seit 1990 fort; die Automobilindustrie (Opel, Bosch) beschäftigt über 4000 Mitarbeiter in Eisenach.
Eisenach ist Hochschulstadt (staatliche Hochschule für duale Studiengänge).Eisenach ist ab 1. Februar offiziell Hochschulstadt. In: eisenach.de. 26. Januar 2017, abgerufen am 29. Juli 2017.
Die Mittelstadt war von 1998 bis zum 30. Juni 2021 kreisfreie Stadt.Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt. Nr. 12/2019, S. 429 ff. (thueringer-landtag.de [PDF; 1,5 MB]). Mit der Einkreisung erhielt sie als erste Stadt Thüringens den Status einer Großen Kreisstadt. Eisenach ist die siebtgrößte Gemeinde Thüringens und Zentrum für Westthüringen und angrenzende hessische Gemeinden. In der Raumordnung nimmt die Stadt die Position eines Oberzentrums ein.
Geographie mini|300x300px|Topographische Lage von Eisenach – Quelle: OpenTopoMap (2013)
Naturraum und Kulturlandschaft Eisenach liegt inmitten einer Mittelgebirgslandschaft. Die Kernstadt befindet sich im hier beckenförmig aufgeweiteten Tal der Hörsel und auf den angrenzenden Berghängen.
Nördlich der Kernstadt erstreckt sich eine ausgedehnte Hochfläche bis zum Rand des Hainich mit den Stadtteilen Hötzelsroda, Neukirchen, Madelungen und Berteroda. Östlich von Eisenach befinden sich das Hörseltal und die nördlich angrenzenden Hörselberge, die der Sage nach die Heimat von Frau Holle sein sollen. Nördlich der Hörselberge liegt das Tal der Nesse, die am Eisenacher Petersberg in die Hörsel mündet.
Im Süden und Südwesten steigt der Thüringer Wald steil auf Höhen über an. Der höchste vollständig im Stadtgebiet liegende Berg ist mit 411 m der Burgberg der Wartburg. Der höchste Punkt des Stadtgebiets (460 m) befindet sich an der Stadtgrenze am Nordhang des Großen Drachensteins (470 m) an der Weinstraße. Von der Südspitze des Stadtgebiets, der Hohen Sonne (434 m), verläuft die Stadtgrenze 7 km entlang des Rennsteigs auf dem Kamm des Thüringer Waldes bis Clausberg (415 m). Kurz vor Clausberg quert sie den Passübergang der B 84 am Vachaer Stein (). Zwischen der Hohen Sonne und der Stadt befinden sich die Drachenschlucht und die Landgrafenschlucht. Das Verfluchte Jungfernloch, eine Felshöhle, liegt ebenso wie das Burschenschaftsdenkmal und die Wartburg in den Bergen des südlichen Stadtgebiets.
Westlich von Eisenach, bei Stedtfeld, verengt sich das Hörseltal auf wenige hundert Meter Breite. An der Thüringer Pforte bei Hörschel mündet die Hörsel in die Werra, und dort beginnt der Rennsteig als Kammweg des Thüringer Waldes. Die Stadtteile Göringen, Wartha und Neuenhof liegen südlich des Rennsteigs im Werratal. Der tiefste Punkt des gesamten Stadtgebietes befindet sich unweit nördlich des Stadtteils Hörschel auf etwa im Werratal. Am ehemaligen Nadeltor an der Goethestraße liegt der tiefste Punkt der Eisenacher Altstadt. mini|Panorama von Eisenach mit der Wartburg, vom Burschenschaftsdenkmal auf der Göpelskuppe gesehen
Eisenach gehört aufgrund seiner Lage am Grenzsaum zweier Naturräume zu den sogenannten Pfortenstädten. Die Stadt vermittelt zwischen dem Werrabergland und den Hörselbergen, zwei vom Muschelkalk geprägten Schichtstufenlandschaften im Norden und dem von den Sandsteinen und Konglomeraten des Oberrotliegenden geprägten nordwestlichen Thüringer Wald im Süden. Im Nordwesten hat das Stadtgebiet Eisenachs Anteil an der Gerstungen-Creuzburger Werraaue. Die Randberge des Thüringer Waldes südlich des Stadtteils Neuenhof liegen im Norden des Bad Liebensteiner Zechsteingürtels. Diese Lage an der Schnittstelle mehrerer Naturräume war für die Entwicklung Eisenachs im Mittelalter von großer Bedeutung. Sie begünstigte die Entstehung eines Marktes für Rohstoffe wie Holz und Gesteine sowie daraus hergestellte Produkte. Auch landwirtschaftliche Erzeugnisse konnten hier gut gehandelt werden. Zudem förderte die Lage an einer wichtigen Passstraße über den Thüringer Wald die Stadtentwicklung.
Naturräumliche Gliederung Nach dem Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands liegt Eisenach auf der Grenze dreier Haupteinheitengruppen der Gliederung, und zwar dem Thüringer Becken mit Randplatten (Nummern 47 und 48), dem Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirge (Nummer 39) und dem Osthessischen Bergland (Nummer 35). Das von Ostsüdost nach Westnordwest verlaufende Tal der Hörsel und die nördlich angrenzenden Muschelkalkberge werden zum Westthüringer Berg- und Hügelland (Haupteinheit 481) gerechnet, während die Berge südlich des Hörseltals zum Thüringer Wald (Haupteinheit 391) gehören. Die ganz im Westen Eisenachs an der Werra gelegenen Ortsteile Göringen, Wartha und Neuenhof werden zum Salzunger Werrabergland (Haupteinheit 359) und hier zum Neustädt-Hörscheler Werratal (359.13) gerechnet, während Hörschel mit der Hörselmündung zum Creuzburger Werradurchbruch (483.44) des Ringgaus gerechnet wird. Die sich nordöstlich anschließenden Ortsteile Stedtfeld, Stregda, Madelungen, Neukirchen, Berteroda, Hötzelsroda und Stockhausen sowie das nördliche Gebiet der Kernstadt liegen demnach im Westthüringer Berg- und Hügelland, die Südstadt Eisenachs im Nordwestlichen Thüringer Wald (391.0).
Nach der vom Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands abweichenden Naturräumlichen Gliederung Thüringens des TLUG liegen Göringen, Wartha, Neuenhof und Hörschel in der Werraaue Gerstungen–Creuzburg (6.6), Stedtfeld, Stregda, Madelungen und die nördliche Kernstadt im Werrabergland–Hörselberge (3.3), die Südstadt im Nordwestlichen Thüringer Wald (1.3.1) und Neukirchen, Berteroda, Hötzelsroda sowie Stockhausen im Innerthüringer Ackerhügelland (5.1).
Nachbargemeinden mini|Blick von der Michelskuppe auf die Altstadt, dahinter Stadtpark (links) und Göpelskuppe (Mitte), ganz rechts im Hintergrund der Inselsberg Die Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Krauthausen, Amt Creuzburg, Lauterbach, Bischofroda, Berka vor dem Hainich, Hörselberg-Hainich, Wutha-Farnroda, Gerstungen und Herleshausen.
Ausdehnung und Gliederung des Stadtgebiets mini|Übersicht Stadtteile
Das Eisenacher Stadtgebiet umfasst eine Fläche von 103,85 km². Davon sind 7,44 km² bebaute Flächen, 6,10 km² Verkehrsflächen, 45,39 km² landwirtschaftliche Nutzflächen und 1,12 km² Gewerbe- und Industrieflächen. Bedingt durch die Lage am Thüringer Wald nehmen die Waldflächen mit 37,52 km² rund ein Drittel des Stadtgebietes ein.Eisenach – die Wartburgstadt in Fakten und Zahlen. In: eisenach.de, abgerufen am 9. Mai 2024.
Eisenach besteht aus der Kernstadt sowie den Ortsteilen Berteroda, Hötzelsroda, Madelungen, Neuenhof, Hörschel, Neukirchen, Stedtfeld, Stockhausen, Stregda, Wartha und Göringen.§ 1 Abs. 3 der Hauptsatzung der Stadt Eisenach vom 9. Dezember 2019. (PDF; 205 kB) In: eisenach.de, abgerufen im Dezember 2025.
Die Ortsteile besitzen Ortsteilverfassungen, Neuenhof und Hörschel sowie Wartha und Göringen haben jeweils eine gemeinsame Ortsteilverfassung.§ 3 Abs. 1 der Hauptsatzung der Stadt Eisenach vom 4. März 1997. (PDF; 205 kB) In: eisenach.de, abgerufen im Dezember 2025.
Klima Die Niederschlagssummen liegen zwischen 781 und 959 mm pro Jahr, der Mittelwert beträgt 831 mm (Landesdurchschnitt: 837 mm). Im größten Teil des Stadtgebiets liegen die Werte zwischen 800 und 850 mm, nur in den Flussauen von Werra und Hörsel werden 800 mm unterschritten. Mit 850 bis 900 mm pro Jahr werden die höchsten Niederschlagsmengen im Norden und Süden des Stadtgebietes erreicht.
Die Jahresmitteltemperatur der Stadt beträgt 7,6 bis 9,0 °C und entspricht damit dem Thüringer Landesdurchschnitt. Das Jahresmittel der Sonnenscheindauer liegt bei 1423 bis 1444 Stunden pro Jahr. Die vorherrschende Windrichtung in freien Lagen ist Westsüdwest.
Naturschutz Das Stadtgebiet hat Anteil am Landschaftsschutzgebiet Thüringer Wald und am Naturpark Thüringer Wald. Im nordwestlichen Teil berührt es den Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal. Das Naturschutzgebiet Wälder mit Schluchten zwischen Wartburg und Hohe Sonne nimmt den Großteil des südlichen Stadtgebietes ein. Dort gibt es für den Nordwestlichen Thüringer Wald typischen Laubmischwälder sowie bedeutende Geotope. Unter 15 geschützten Landschaftsbestandteilen, Flächennaturdenkmalen und Naturdenkmalen befinden sich zwei regional bzw. bundesweit bedeutsame Fledermausquartiere. Schutzobjekt Jahr der Unterschutzstellung Kurzbeschreibung Basaltgang im Unteren Muschelkalk am Bahnhof Hörschel 1977 Geologischer Aufschluss Fledermausquartier Neuenhof 1988 Fledermaus-Wochenstube von bundesweiter Bedeutung Donnerkaute bei Neuenhof 1988 Erdfall Riffe des Oberen Zechsteins bei Neuenhof 1988 Geologischer Aufschluss Feuchtgebiet im Mosewald 1985 Feuchtbiotop Fledermausquartier im Stedtfelder Schloss 1988 Fledermaus-Wochenstube von regionaler Bedeutung Zechsteinaufschluss an der Göpelskuppe 1977 Geologischer Aufschluss Michelskuppe 1966 Geologischer Aufschluss Rotliegend an der Wartburgschleife 1977 Geologischer Aufschluss Elfengrotte 1966 Felsformation Staffelbruch im Rotliegend am Ortsausgang (B 84) Eisenach 1977 Geologischer Aufschluss Luisengrotte 1966 Geologischer Aufschluss Ludwigsklamm 1966 Felsformation Landgrafenschlucht 1966 Felsformation Drachenschlucht 1977 Klamm
Geologie, Geomorphologie mini|hochkant|Die Landgrafenschlucht bei Eisenach mit einem Aufschluss von Konglomeraten des Rotliegenden Der Anteil des Stadtgebietes am nordwestlichen Thüringer Wald wird im oberflächennahen geologischen Untergrund von der Eisenach-Folge des Oberrotliegend (Saxon) gebildet. Auf die Schichten des Wartburg-Konglomerats im Osten folgen im Westen ungegliederte Siltsteine, die sogenannten Schiefertone, und die kiesige Abfolge des Hauptkonglomerats. Die erodierenden Bäche zerschnitten schluchtartig die mit Silikat gebundenen und damit harten Konglomerate und Sandsteine und präparierten die zahlreichen hohen Felsbänder heraus, die ebenso wie die Schluchten landschaftsprägend sind. Größere Schluchten sind die Drachenschlucht und die Landgrafenschlucht. Bedeutende Felsen befinden sich unterhalb der Wartburg, an der Teufelskanzel und am Mädelstein.