mini|Ein Schulspeisungsprogramm gegen die Unterernährung von Kindern war eine der Maßnahmen zur Linderung der Not.Ellen Woodward: National Archives, Record Group 69, Series 737, Box 8
Der New Deal (amerikanisches Englisch: []) war eine Serie von Wirtschafts- und Sozialreformen, die in den Jahren 1933 bis 1938 unter US-Präsident Franklin Delano Roosevelt als Antwort auf die Weltwirtschaftskrise durchgesetzt wurden. Er stellt einen großen Umbruch in der Wirtschafts-, Sozial- und Politikgeschichte der Vereinigten Staaten dar.Willi Paul Adams: Die USA im 20. Jahrhundert. 2. Auflage. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2007, ISBN 978-3-486-58466-0, S. 173. Die zahlreichen Maßnahmen wurden von Historikern unterteilt in solche, die kurzfristig die Not lindern sollten ( ‚Erleichterung‘), in Maßnahmen, welche die Wirtschaft beleben sollten (recovery ‚Erholung‘), und in langfristige Maßnahmen (reform ‚Reform‘). Unter relief fielen die Hilfen für die zahlreichen Arbeitslosen und Armen, unter recovery unter anderem die Änderung der Geldpolitik und unter reform zum Beispiel die Regulierung der Finanzmärkte und die Einführung von Sozialversicherungen.
Die Frage, wie erfolgreich der New Deal war, ist umstritten. Der desolate Zustand der amerikanischen Wirtschaft konnte überwunden werden, andererseits wurde erst 1941 Vollbeschäftigung erreicht. Mit dem Social Security Act von 1935 wurde der Grundstein des amerikanischen Sozialstaates gelegt, soziale Sicherheit für alle und eine „gerechte“ Einkommens- und Vermögensverteilung wurden jedoch nicht erreicht. Unbestritten ist, dass der Staat mit seiner massiven Interventionspolitik einer entmutigten und desorientierten Nation neue Hoffnung gab.Detlef Junker: Weltwirtschaftskrise, New Deal, Zweiter Weltkrieg, 1929–1945. In: Peter Lösche, Hans Dietrich von Loeffelholz und Anja Ostermann, Länderbericht USA: Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Campus Verlag, 2005, ISBN 3-593-37753-5, S. 137. Anders als im Deutschen Reich und in vielen anderen Ländern konnte die Demokratie in den Vereinigten Staaten während der Weltwirtschaftskrise bewahrt werden.Mary Beth Norton, Carol Sheriff, David M. Katzman: A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865. Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0-495-91590-4, S. 681. Die Marktwirtschaft wurde gerettet, indem vor allem durch Regulierung des Bankensystems und des Wertpapierhandels eine stabilere Wirtschaftsordnung geschaffen wurde.Peter Clemens: Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890–1954. 4. Auflage. Hodder Education, 2008, ISBN 978-0-340-96588-7, S. 206.
Seit dem New Deal wird Liberalismus in den Vereinigten Staaten eher mit einer arbeitnehmerfreundlichen Politik als mit der Verteidigung unternehmerischer Freiheit assoziiert. Als „liberals“ gelten seit den 1960er Jahren solche Bürger und Politiker, die sich auf die Tradition des New Deal berufen, eine arbeitnehmerfreundliche Politik betreiben und für die Erweiterung der Bürgerrechte eintreten.Richard Nate: Amerikanische Träume: Die Kultur der Vereinigten Staaten in der Zeit des New Deal. Königshausen & Neumann, 2003, ISBN 3-8260-2497-4, S. 312; Ronald Edsforth: The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History). John Wiley & Sons, 2000, ISBN 1-57718-143-3, S. 2.
New Deal ist eine Redewendung der englischen Sprache und bedeutet so viel wie „Neuverteilung der Karten“. Roosevelt verwandte die Redewendung im Präsidentschaftswahlkampf von 1932 zunächst nur als suggestiven Slogan. New Deal setzte sich dann in der Folgezeit als Begriff zur Bezeichnung der Wirtschafts- und Sozialreformen durch.
Vorgeschichte (1929–1933) Finanz- und Wirtschaftskrise mini|Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens der Vereinigten Staaten im internationalen Vergleich lang=de|mini|Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten seit 1890 mini|Dust Bowl: Ein Staubsturm bedroht die Stadt Stratford in Texas mini|Herbert Hoover (links) und Franklin D. Roosevelt (rechts) auf dem Weg zum Kapitol zur Amtseinführung Roosevelts, 4. März 1933
Beginnend mit dem Börsencrash von 1929 (Schwarzer Donnerstag) entwickelte sich die Weltwirtschaftskrise, die ihren Höhepunkt in den Jahren 1932/33 erreichte. Neben dem Deutschen Reich gehörten die Vereinigten Staaten zu den am schwersten betroffenen Ländern. Von 1929 auf 1933 hatte sich das Bruttoinlandsprodukt beinahe halbiert.Mary Beth Norton, Carol Sheriff, David M. Katzman: A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865. Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0-495-91590-4, S. 681. Infolge der Finanzkrise mussten 40 % der Banken (9.490 von ursprünglich 23.697 Banken) wegen Insolvenz aufgelöst werden.R. W. Hafer: The Federal Reserve System. Greenwood Press, 2005, ISBN 0-313-32839-0, S. 18. Der landwirtschaftliche Sektor befand sich ebenfalls in einer Krise, eine große Zahl von Landwirten konnte die Kreditzinsen nicht mehr zahlen.Stephanie Fitzgerald, Derek Shouba, Katie Van Sluys: The New Deal: Rebuilding America. Compass Point Books, 2006, ISBN 0-7565-2096-7, S. 48. Zusätzlich wurden die Great Plains von 1930 bis 1938 von der Dust-Bowl-Periode heimgesucht, in der viele Dörfer und Farmen unter Staub begraben wurden. Infolge des Dust Bowl mussten 2,5 Millionen Menschen ihre Farmen aufgeben.Mannava V.K. Sivakumar, Raymond P. Motha, Haripada P. Das: Natural Disasters and Extreme Events in Agriculture: Impacts and Mitigation. 1. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg 2005, ISBN 3-540-22490-4, S. 169.
Die Arbeitslosenquote stieg von 3 % im Jahr 1929Ronald Edsforth: The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History). John Wiley & Sons, 2000, ISBN 1-57718-143-3, S. 35. auf 24,9 % im Jahr 1933.Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. 5. Auflage. Pearson Studium, 2009, ISBN 978-3-8273-7363-2, S. 690. Viele Firmen versuchten durch Arbeitszeitkürzungen Entlassungen zu vermeiden. Im Jahr 1931 musste jeder dritte Arbeitnehmer unter hohen Lohnkürzungen mit Teilzeitarbeit auskommen.David M. Kennedy: Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929–1945. Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 87. Damals gab es in den Vereinigten Staaten noch kein soziales Sicherheitsnetz, vor allem keine öffentliche Arbeitslosenversicherung und keine öffentliche Rentenversicherung.David M. Kennedy: Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929–1945. Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 87. Einige Arbeitgeber und Gewerkschaften hatten zwar für ihre Arbeiter private Arbeitslosenversicherungen abgeschlossen, dieser Versicherungsschutz betraf aber weniger als 1 % der Arbeiter und Angestellten.David M. Kennedy: Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929–1945. Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 87. Es gab auch noch keinen Einlagensicherungsfonds. Als Tausende von Banken in Insolvenz fielen, verloren viele Bürger all ihre Ersparnisse.Mary Beth Norton, Carol Sheriff, David M. Katzman: A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865. Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0-495-91590-4, S. 681.
Da die Bundesstaaten und die Städte rechtlich verpflichtet waren, jedes Jahr für einen ausgeglichenen Haushalt zu sorgen, reagierten sie auf den in der Krise stark angestiegenen Bedarf an Sozialhilfe zumeist mit Absenkung des Sozialhilfeniveaus, so dass Sozialhilfe nur den Ärmsten der Armen gewährt wurde. Im Jahr 1932 erhielt nur ein Viertel aller Arbeitslosen und ihrer Familien staatliche Unterstützung. Dabei orientierte sich die Sozialhilfe in den meisten Städten am physischen Existenzminimum, in Philadelphia beispielsweise musste die Unterstützung auf ein Niveau gekürzt werden, mit dem nur noch zwei Drittel der zur Gesundheitserhaltung notwendigen Nahrungsmenge gekauft werden konnte.Ronald Edsforth: The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History). John Wiley & Sons, 2000, ISBN 1-57718-143-3, S. 47, 48. Trotz einer erheblichen Überproduktion an Lebensmitteln herrschte in vielen Teilen des Landes Hungersnot, vereinzelt gab es Hungertote.Detlef Junker: Weltwirtschaftskrise, New Deal, Zweiter Weltkrieg, 1929–1945. In: Peter Lösche, Hans Dietrich von Loeffelholz und Anja Ostermann, Länderbericht USA: Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Campus Verlag, 2005, ISBN 3-593-37753-5, S. 137. In vielen Städten entstanden Elendsviertel, die nach dem amtierenden Präsidenten als Hooverville bezeichnet wurden.
Reaktion der Regierung Hoover Präsident Herbert Hoover befürwortete als Libertärer eine größtmögliche staatliche Zurückhaltung in Bezug auf die Regulierung der WirtschaftMary Beth Norton, Carol Sheriff, David M. Katzman: A People and a Nation: A History of the United States. Volume II: Since 1865, Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0-495-91590-4, S. 708. und setzte auf das Prinzip der Selbsthilfe der Bürger.Peter Clemens: Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890–1954. 4. Auflage. Hodder Education, 2008, ISBN 978-0-340-96588-7, S. 120. Er hoffte zunächst, dass die Krise von selbst ein Ende finden werde. Ab Oktober 1930 versuchte er, die Situation der Arbeitslosen und ihrer Familien durch Gründung privater Hilfsorganisationen zu lindern. Das President's Emergency Committee for Employment und seine Nachfolgeorganisation, die President's Organization on Unemployment Relief sammelten private Spenden, die an Bedürftige verteilt wurden. Den Organisationen gelang es zwar, die Summe der Privatspenden zu erhöhen, als Mittel zur Linderung der Not waren diese Summen jedoch bei weitem nicht ausreichend.David M. Kennedy: Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929–1945. Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 88.